SigPhi · Friedrich Engels

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

German

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und das gesagt, sie würden auf einige Great Windmillszenen Schramms zurückkommen und diese ins Kolossale übertreiben, um Schramm als einen _disturber of public meetings_[2] darzustellen usw., und der _magistrate_,[3] zu glücklich, die _demagogues_[4] sich gegenseitig als Schufte traktieren zu sehen, würde alles zulassen, was auf beide Parteien kompromittierenden Schein werfen könnte. – – – Und dann wäre die sichere Folge eines solchen Skandals die Einführung einer neuen Fremdenbill, zum Schutz der honetten Reaktionäre, die vom Kontinent für die Exhibition kommen.

Gerade Postzeit. Adieu!

Dein F. E.

---------- [1] Lieben, teuren.

[2] Störer öffentlicher Versammlungen.

[3] Polizeirichter.

[4] Demagogen, Volksaufwiegler.

Samstag, 1. März 1851.

Lieber Engels!

Du mußt ganz absonderliche Postgäule besitzen, da alle meine Briefe zu spät kommen. – – – Deine sämtlichen Befürchtungen wegen Skandal richtig. Aber man wird einen scharfen Advokaten auch seinerseits haben. Etwas mehr oder weniger Verruf kann dem Schramm ganz gleichgültig sein. Läßt er aber die Sache auf sich beruhen, jetzt, nachdem die Franzosen der Churchstreet sich darin eingemischt, so ist er _perdu_,[1] wenn er nicht entweder seine öffentliche Satisfaktion von den Chartisten erhält oder wenn er die Sache nicht vor Gericht bringt. Eins von beidem.

Jones, wie ich Dir geschrieben, war nicht auf dem Meeting vom Montag.

Ich hatte mit ihm eine Zusammenkunft in meinem Hause verabredet, stürzte aber schon Dienstag hin, traf ihn nicht, ließ ihm ein Billett zurück, doch ja Mittwoch zu kommen. Kam nicht. Ging Donnerstag hin. Wurde abgewiesen. Ließ ein Billett zurück, worin ich ihn einlud. Kam nicht.

Donnerstag abend schrieb ich ihm einen ausführlichen Brief, worin ruhig, einfach, klar der ganze Skandal von Anfang an entwickelt, ihm die eklige Folge in der Perspektive gezeigt, öffentliche Satisfaktion verlangt und er schließlich aufgefordert wird, mich zu besuchen zur Besprechung.

Kömmt nicht, obgleich er in der Stadt war, auch kein Antwortschreiben von ihm. Jones ist also offenbar von dem kleinen schottischen Intriganten bearbeitet, der fürchtet, ihn mit mir zusammenzulassen. Du siehst also: von seiten der Chartisten keine Aussicht auf öffentliche Satisfaktion. Bleibt nur die gerichtliche Prozedur. _Adviendra que pourra._[2] Unangenehm nur, weil Pieper seine Stelle dabei verliert und wir vielleicht _plus ou moins_[3] den chartistischen Mob auf den Hals bekommen.

Es ist nur noch Ein Mittel, die Sache zu arrangieren, ohne es zum äußersten Skandal zu treiben, und das ist, wenn Du _unmittelbar_, aber ohne Verzug, _herkömmst_. Du könntest bei mir absteigen, da ich jetzt zwei Zimmer zugemietet. Anderes Mittel, erkläre ich Dir definitiv, gibt es nicht. Briefe verwirren, verschleppen, richten nichts aus.

Dein K. M.

[2] Möge kommen, was da kann.

[3] Mehr oder weniger.

8. März 1851.

Lieber Engels!

Heute nur ein paar _matter of fact_[1] Zeilen.

Du hast gesehen, die Times hat die Sauce nicht aufgenommen. _Mais ça ne nous regarde plus._[2] Harney hatte schon vorgestern morgen an Schramm geschrieben. Der Bummler ging um 9 Uhr morgens aus und kam um 1 Uhr abends nach Hause. So fand er den Brief erst gestern.

Harney nimmt seine Erklärung auf. Hat ein genügendes Vorwort dazu geschrieben. Schreibt dem „_dear_ Schramm“ und erinnert ihn, daß er nun auch seine Verpflichtung halte und sich nicht an das _police court_[3] wende – dieses Dokument vis-a-vis den Franzosen.

Gestern brachte die _Patrie_ (heute der Constitutionnel) eine Erklärung der Herren Blanc, Barthélemy, Schapper, Willich und des ganzen übrigen Komitees, worin die Herren sagen, Blanqui habe den Toast an kein Mitglied des Komitees geschickt. Die Patrie bemerkt dazu: sie habe das nicht aufnehmen wollen, ohne vorher Erkundigungen einzuziehen. Und da habe ihr denn Herr Antoine – Blanquis Schwager – folgendes zugeschickt: Der Toast sei dem mitunterzeichneten Barthélemy zugesandt und der Empfang desselben von ihm bescheinigt worden. Du begreifst, welches Wehrufen in diesem Lager herrscht!

Wolff schickte also gestern morgen Wdloff [?] mit einem Originalengländer zu Landolphe. Der Kerl hat sich als dekonzertierter[5] _Grec_[6] benommen, erst geheult, deklamiert, phrasiert, jouiert,[7] mit Armen und Beinen auseinandergeschlagen und fiel dann zurück in seines Nichts durchbohrendes Gefühl der Feigheit. Wird heute abend vor den elenden _Crapauds_[8] der Churchstreet protokolliert werden.

Dein K. M.

Ich habe von Becker Willichs Briefe erhalten. Du bekommst sie Dienstag.

[2] Aber das kümmert uns nicht mehr.

[3] Polizeigericht.

[4] Aber das ist nicht alles.

[5] Außer Fassung gebrachter.

[6] Falschspieler.

[7] Gespielt.

[8] Kröten, Gesindel.

Montag, 10. März 1851.

Lieber Marx!

Heute morgen kommt einliegender Brief von Weerth an, den ich Dir gleich schicke. Die Geschichte zwischen Schramm und Harney ist also jetzt gesettled [erledigt]. Wenn Du den Bummler dafür kriegen kannst, laß ihn jetzt dem Harney eine Kopie der Übersetzung des Blanqui-Toasts zuschicken, _cela fera son effet_.[1] Es wird überhaupt gut sein, wenn er, der ja jetzt mit Harney wieder auf dem besten Fuß steht, die Verbindung mit ihm aufrecht erhält. Harney hat immer ein Blatt. Eine Kopie des Artikels, der an die Times geschickt war, könnte ebenfalls an Blanqui nach Belleisle geschickt werden. Schramm sollte in dieser Angelegenheit nicht zu nachlässig sein – er deckt sich dadurch den Rücken nach verschiedenen Seiten hin. Morgen Geld.

Dein F. E.

Barthélemy ist schön blamiert – das ist ein Trost.

Laß Schramm die ganze Historie dem Harney schriftlich mitteilen. Dann haben wir _given notice_,[2] und das ist immer ein Punkt, der später von Gewicht sein kann.

---------- [1] Das wird seine Wirkung haben.

[2] Kündigung [Warnung] gegeben.

17. März 1851.

Lieber Marx!

Ich habe einen höchst ennuyanten Anfall von Grippe gehabt, der mich zu allem Vernünftigen und Unvernünftigen unfähig machte, daher mein Schweigen. Ich konnte Dir bloß die Post Office Ordre vorige Woche schicken – Du wirst sie erhalten haben. Die 5 Schilling gehören Lenchen, die gerade abwesend war, als ich mein Exit aus Deinem Hause machte. Wenn es irgend angeht, schicke ich Dir diese oder spätestens nächste Woche die 2 Pfund für Hipphipphurra [Harney], Schramm kann sie ihm hinbringen.

Da ich bisher auch von Dir – seit ich Dir Weerths Brief schickte – nichts zu sehen bekommen habe, so weiß ich natürlich von nichts weiter und warte auch noch immer auf die edlen Willichschen Briefe. Den Friend of the People mit Schramms Erklärung habe ich nicht gesehen, dies Ding kommt hier sehr unregelmäßig an; laß mir doch von Schramm ein Exemplar _sous bande_[1] zuschicken, er wird sich gewiß leicht eins verschaffen können, wenn er keines disponibel haben sollte. Daß der Landolphe sich schließlich als ein Poltron herausgestellt hat, ist sehr angenehm zu erfahren, auf den berühmten Brief von ihm warte ich noch immer.

Ich ärgere mich hier scheußlich über die dummen Einrichtungen, die mir ein regelmäßiges und geordnetes Ochsen fast ganz unmöglich machen. An die eine Bibliothek kann ich nicht kommen, die andere, öffentliche, enthält die Sachen, die mich jetzt zunächst interessieren, nur sporadisch, und die Stunden konvenieren mir nicht; so daß mir nichts bleibt als das elende Athenäum, wo man nie etwas bekommen kann und wo die Bibliothek sich in der scheußlichsten Unordnung befindet. Dem Napier laufe ich zum Beispiel wieder vergeblich nach, und es dauert immer 2 bis 3 Wochen, bis man einen folgenden Band auftreiben kann. Aus Verzweiflung habe ich mir Ciceros Briefe genommen und studiere darin das _règne de Louis Philippe_[2] und die Korruption des Direktoriums. Eine höchst heitere _chronique scandaleuse_.[3] Der Cicero ist wirklich unbezahlbar; Professor Krug und Sebastian Seiler in einer Person. Eine gemeinere Canaille wie diesen Kerl haben die Reihen der Biedermänner seit Anbeginn der Welt nicht aufzuweisen. Ich werde mir dies anmutige Büchlein gehörig exzerpieren. Ohne Mehreres für heute.

Dein F. Engels.

---------- [1] Unter Kreuzband.

[2] Regierung Louis Philipps.

[3] Skandalchronik.

London, 17. März 1851.

Lieber Engels!

Ich habe eine Woche nicht geschrieben. Einmal hatte ich selbst die Grippe zur Wahlverwandtschaft, und dann _criblé de petites misères_,[1] die alle in dieser verhängnisvollen Woche zum Ausbruch kommen.

Einliegend erhältst Du die heiteren Briefe des Ritters von Willich.

In dem Heinzenschen Schimpfblatt steht eine angebliche Korrespondenz aus Paris, hier in London fabriziert, worin, wie es sich von selbst versteht, erstens wir beide angegriffen werden, dann Rudolph Schramm, der Deputierte, „weil er ohne Anstand das Geld seiner Frau verzehrt“, und die „Halbmenschen Tausenau, Julius und Bucher“; schließlich, und sehr bitter, der große _Kinkel_. Heinzen verzeiht ihm die Konkurrenz im Bettel nie und nimmermehr. Gelobt wird nur der große Ruge und Struve.

Ruge läßt in diesem Brief aus Paris schreiben, daß er von Brighton nach London eine eintägige Ausflucht gemacht hatte. Dieser Klatschartikel ist dadurch entstanden, daß Heinzen Klatsch aus einem Privatbrief von Ruge und einem Privatbrief von Bamberger, also ganz entgegenstehende Anschuldigungen, zusammengeworfen und ediert hat.

Bei dem großen Bankett, wo Ruge als der „unendliche Dumme“ auftrat – Wolff und Liebknecht waren Ohrenzeugen –, fand sich kein Berliner oder Frankfurter Deputierter ein. Sie wollen keine Hegemonie Ruge-Struve. Die Clique R. Schramm, Graf Reichenbach (der Frankfurter, nicht der Bart der Partei) und Oppenheim, Bucher, endlich Julius auf eigene Faust, intrigieren alle wieder gegen die Dummheitsgötter. Natürlich aus erhabenen Gründen. _Je vous dis, de la merde, la merde tout pure, toute cette canaille là._[2] Kinkel, der die Infamien gegen uns drucken läßt, sprach in seiner rotsaffianledernen Weise auf dem Bankett ein Wort der wehmütigen Versöhnung „von dem einfachen Verfassungskämpfer an bis zum roten Republikaner“. Alle die Esel, während sie für Republik, und Kinkel sogar gelegentlich für rote Republik ächzten, krochen der englischen Konstitution servilstens in den Hintern, ein Widerspruch, worauf sie sogar das unschuldige Morning Chronicle als Mangel an Logik aufmerksam zu machen geruhte.

Von Landolphe nichts weiter. Er trägt das Bewußtsein des enthüllten Grec gelassen als „_homme d’honneur_“[3] mit sich herum.

Die Blanqui-Komödie war noch nicht beendet. Der _ancien capitaine_[4] Vidil schickte eine Erklärung in die Patrie, worin er erzählt, sein Ehrgefühl und Wahrheitsinstinkt dringen ihm die Erklärung ab, daß Louis Blanc, alle anderen und er selbst gelogen haben in der ursprünglichen Erklärung; das Komitee habe aus 13, nicht aus 6 Personen bestanden.

Ihnen allen sei der Toast Blanqui vorgelegt, von ihnen allen sei er diskutiert worden. Er habe sich unter den Sechs befunden [die für Verlesung des Toastes gestimmt hatten]. Der noble Barthélemy, der diesen Brief nicht gelesen, schickt einige Tage später ebenfalls eine Erklärung an die Patrie, er habe den Toast erhalten, den anderen nicht mitgeteilt, konstituiert sich so als dreifachen Lügner. Die Patrie, indem sie diesen Brief mitteilt und am Schlusse erklärt, sie werde nichts mehr von diesen Eseln aufnehmen, macht folgende Vorbemerkung: [Marx hat das nun folgende Stück im „Ritter vom edelmütigen Bewußtsein“ selbst wie folgt übersetzt]: „Wir haben uns oft gefragt, und die Frage ist schwer zu beantworten, was bei den Demagogen größer sei, ihre Ruhmredigkeit oder ihre Dummheit. Ein vierter Brief von London vermehrt noch unsere Verlegenheit. Da sind ihrer, wir wissen nicht wie viele arme Teufel in einem solchen Grade gemartert von der Wut, zu schreiben und ihren Namen in den _reaktionären_ Blättern genannt zu sehen, daß sie selbst vor einer grenzenlosen Beschämung und Selbstherabsetzung nicht zurückschrecken. Was liegt ihnen am Gelächter und der Indignation des Publikums – das Journal des Débats, die Assemblée Nationale, die Patrie werden ihre Stilübungen abdrucken; um dies Glück zu erreichen, ist der kosmopolitischen Demokratie kein Preis zu hoch...Im Namen der literarischen Commiseration [Mitleid] nehmen wir daher den folgenden Brief des Bürgers Barthélemy auf; er ist ein neuer und wir hoffen der letzte Beweis für die Echtheit des nur zu berühmten Toastes Blanquis, den sie erst alle geleugnet und für dessen Beteuerung sie sich jetzt untereinander in die Haare geraten.“ Ist das nicht superb?

Ich habe Deine Post Office Ordre erhalten. Wenn Du solche Zinsen in Deinem Commerce zahlst, müssen entweder Deine Profite oder Deine Verluste enorm sein.

Vergiß nicht an Dronke zu schreiben. Gabler ist tot. Also eingelegt an Th. Schuster ist Frankfurt.

Dein K. Marx.

---------- [1] Bis über die Ohren von kleinlichen Nöten überhäuft.

[2] Ich sage [Euch] Dir, Dreck, absoluter Dreck, dieses ganze Canaillentum.

[3] Ehrenmann.

[4] Hauptmann außer Diensten.

Mittwoch, 19. März 1851.

Lieber Marx!

Die Geschichte mit dem Toast Blanqui entwickelt sich wirklich über die Maßen schön. Die Erklärung Vidils ist gegenüber Louis Blanc unbezahlbar – der Kerl vor Frankreich und England als gemeiner Lügner hingestellt.

Der Barthélemy hat sich wunderbar hineingeritten. – Eine Stelle Deines Briefes verstehe ich nicht. Vidil erklärt, das Komitee habe aus 13, nicht aus 6 Personen bestanden...er habe sich „unter den sechs befunden“. Wer sind die sechs? Die Unterzeichner der ersten Erklärung oder etwa die Fraktion, die für Vorbringung des Toastes Blanqui stimmte?

Der Klatsch unter den Deutschen ist auch angenehm. Ich sah den Report des Banketts in der Daily News – da das Ding respektabel war, so hat sich diesmal ja auch Mazzini nicht geniert, hinzugehen. „Der General Haug _in the chair_!“[1] Dieser Kerl verspricht eine Karikatur des Generals Dubourg von 1830 zu werden. Nach der Annonce in der Times zu urteilen, ist Göhringers Golden Star Tavern jetzt sehr respektabel. Da ich doch den Klatsch all zusammen haben muß, so wäre es nicht übel, einmal eine Patrouille dort rekognoszieren zu lassen – _il s’en trouvera bien un qui voudra mettre son nez dans cette merde là, même au risque _Last – but not least_ –[3] haben die Willichiana sehr zur Erheiterung meines heutigen Frühstücks beigetragen. Dieser Schafskopf! Wie der den Schr[amm]schen Brief als Antwort auf seinen ersten ansehen konnte, ist mir wirklich kaum begreiflich. Aber die Chance der Militärdiktatur in der Rheinprovinz ohne Presse, die ihn schikanieren könnte, _sapristi_,[4] das mußte diesem vernagelten Rindvieh den Kopf natürlich verdrehen. Neiner _capitaine d’armes_[5] und Feldwebel! Die soziale Revolution vermittels der Pauperverpflegung der Familien der Landwehr, die Statistik reduziert auf ein Register der „Vorräte, Viehe, Transportmittel und Mannschaften“! Dieser Revolutionsplan schlägt den früheren, mit 5000 Mann Deutschland zu erobern, gänzlich platt. Wenn der Landwehr _das_ nicht einleuchtet, so müßte man ja an der Menschheit verzweifeln. „Ich würde einige Männer mitbringen, andere _berufen_“ – weißt Du, was der Kerl vorhatte? „Der Bürger Karl Marx ist berufen, binnen 48 Stunden in Köln sich zu stellen und die Leitung des Finanzwesens und der gesellschaftlichen Reformen unter Aufsicht und Kontrolle des Bürgers Gebert zu übernehmen. Ungehorsam gegen diesen Befehl und jede Widersetzlichkeit oder Räsonieren, sowie unziemliche Witze werden mit dem Tode bestraft. Der Bürger Marx wird zur Bewachung einen Unteroffizier und sechs Mann erhalten.“ – Und wie spricht der Kerl von N. N.! „_Nous ne voulons plus de jouisseurs!_“[6] Also selbst der spartanische _pot half and half_[7] und die Widerstandslosigkeit bei Frauen gelten dem Feldwebel schon für Sybaritismus.

Aber worauf antwortet Willich in dem dritten, jubelnden, siegesgewissen, nur am Geld hapernden Brief? Hat ihm Schramm einen zweiten geschickt oder hatte Becker auf Willichs zweiten Brief geantwortet? _Explique moi cela_[8] und sage, ob Du die Sachen jetzt zurückhaben mußt; ich behielte sie gerne einstweilen noch hier, um gelegentlich die nötigen Notizen zu machen.

Die Eisenbahnspekulation wird wieder brillant – seit dem 1. Januar die Aktien meist 40 Prozent gestiegen, und die schlechtesten am meisten. _Ça promet!_[9] Dein F. Engels.

[2] Es wird sich wohl jemand bereit finden, seine Nase in jenen Dreck zu stecken, selbst auf die Gefahr, vor die Tür gesetzt zu werden.

[3] Schließlich, aber nicht zum wenigsten.

[4] Potztausend.

[5] Kammerunteroffizier.

[6] Wir wollen keine Genußmenschen mehr haben.

[7] Maß halb [Ale] und halb [Porter].

[8] Erkläre mir das.

[9] Das verspricht!

22. März 1851.

Lieber Engels!

Ich habe Dir durch Pieper oben das famose Aktenstück abschreiben lassen.

Unter dem Vorwand, die Mazzinische Anleihe garantiert zu haben, verlangt Ruge Geld, um es in „öffentliche Meinung“ umzusetzen. Unter den „Preußen“ hier, Bucher, Elsner, Zimmermann usw., herrscht große Entrüstung über dieses „starke Provisorium“.

Was die „sechs“ angeht, die Dir solchen _trouble_[1] machten, so waren diese sechs Landolphe und Blanc, Willich und Schapper, Barthélemy und Vidil, kurz die sechs Matadore; Ungarn, Polen usw. nicht zugezogener Mob figurierten nicht.

In dem dritten Brief antwortet Willich auf nichts als seinen eigenen Gedankensprecher. _N’a reçu ni lettre ni rien de la part des Becker et Der eigentliche _contriver_ [Macher] des deutschen _Centraldodge_[3] ist der unermüdliche, lederartige Hühneraugenoperateur und Grasfresser Struve. Der Kerl treibt nur sein altes Handwerk, mit Kranioskopie, Moral und dergleichen Allotriis die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Marktschreier, noch dazu mit einer heiseren Kehlkopfstimme. Er hat während der letzten 25 Jahre ein „demokratisches Staatslexikon“ geschrieben und eine „demokratische Weltgeschichte“, beides nichts als das eine der ins Struvesche übersetzte Welcker-Rotteck, das andere der demokratisch paraphrasierte Rotteck. Und Ruge ist so tief gesunken, daß er am Druck dieses Blödsinns in Deutschland nur durch eine mitleidige Polizei aufgehalten worden ist.

Dein K. Marx.

Jones war vor ein paar Tagen bei mir und gratuliert sich namentlich nach den neuesten Enthüllungen, daß ich ihn vor der Teilnahme an dem Bankett gerettet habe.

[2] Hat von den Becker und Schramm weder Brief noch sonst etwas erhalten.

[3] Zentralschwindel [das Zentralkomitee der deutschen Flüchtlinge ist gemeint].

28 Deanstreet, Soho, 31. März 1851.

Lieber Engels!

Während Du Kriegsgeschichte treibst, führe ich einen kleinen Krieg, in dem ich _by and by_[1] zu unterliegen drohe, und woraus weder Napoleon noch selbst Willich – der kommunistische Cromwell – einen Ausweg gefunden haben würden.

Du weißt, daß ich am 23. März 31 Pfund 10 Schilling an den alten Bamberger und am 16. 10 Pfund an den Juden Stiebel zu zahlen hatte, alles auf kursierende Wechsel. Ich hatte erst bei meiner Schwiegermutter durch Jenny direkt anfragen lassen. Die Antwort darauf war, daß Edgar mit dem Rest von _Jennys Geld_ wieder nach Mexiko expediert worden ist und ich _keinen Centime_ herausbekommen konnte.

Dem Stiebel zahlte ich am 16. März seine 10 Pfund durch Hilfe von Pieper.

Dem alten Bamberger gegenüber blieb mir nichts übrig, als ihm zwei Wechsel auszustellen, einen auf ihn für London, vier Wochen nach dem 24.

März, den anderen auf drei Wochen nach Trier auf meine Mutter, um den ersten zu decken. Sie erklärt mir positivement, daß sie jeden von mir auf sie gezogenen Wechsel protestiert.

So habe ich also für den 21. April das Äußerste von dem wütend gewordenen alten Simon Bamberger zu gewärtigen.

Gleichzeitig ist meine Frau niedergekommen am 28. März. Die Entbindung war leicht, dagegen liegt sie jetzt sehr krank da, mehr aus bürgerlichen als physischen Gründen. Dabei habe ich _verbalement_[2] keinen _Farthing_[3] im Hause, um so mehr Rechnungen dagegen von dem kleinen _commerce_, Metzger, Bäcker und so fort.

Du wirst zugeben, daß diese Gesamtsauce passablement angenehm ist und daß ich bis an die Wirbelspitze meines Schädels im kleinbürgerlichen Dreck stecke. Und dabei hat man noch die Arbeiter exploitiert![4] Und strebt nach der Diktatur! _Quelle horreur._[5] _Mais ce n’est pas tout._[6] Der Fabrikant, der mir in Brüssel Geld lieh von Trier aus, tritt mich und verlangt es zurück, weil seine Eisenhütte schlecht gehe. _Tant pis pour lui._[7] Dem kann ich nicht gerecht werden.

Aber endlich, um der Sache eine tragikomische Spitze zu geben, kommt noch ein _Mystère_[8] hinzu, das ich Dir jetzt _en très peu de mots_[9] enthüllen werde. Doch eben werde ich gestört und muß zu meiner Frau zur Krankenleistung. Also das andere, worin Du auch eine Rolle spielst, das nächste Mal.

Dein K. M.

_Apropos._ Wie berechnen Kaufleute, Fabrikanten usw. den Teil ihres Einkommens, den sie selbst verzehren? Wird dieses Geld auch vom _banker_ geholt oder wie wird es damit gehalten? Darüber erbitte ich Antwort.

---------- [1] Mit der Zeit.

[2] Wörtlich.

[3] Heller.

[4] Ausgebeutet.

[5] Wie scheußlich.

[6] Aber das ist nicht alles.

[7] Um so schlimmer für ihn.

[8] Geheimnisvolle Sache.

[9] In sehr wenig Worten.

2. April 1851.

Lieber Engels!

Du erhältst einliegend die Adresse des Briefes, den ich heute von Dir empfangen habe, zurück. Sollte Pitt Ermen Deinen Brief erbrochen haben?

Du mußt diese Sache _éclaircir_.[1] Dein Post Office Ordre kam mir sehr gelegen. Und diesmal hat die Geschwindigkeit das Kapital verzehnfacht, wie die Eisenbahnrevenuen des Signore Proudhon.

Du kannst Dir denken, daß ich nicht müßig bin. Und mit den _avances_,[2] die Du machst, hoffe ich das Fehlende aus verschiedenen Weltgegenden zusammenzubringen.

Über das _Mystère_[3] schreibe ich Dir nicht, da ich, _coûte que coûte_[4] Ende April jedenfalls zu Dir komme. Ich muß auf acht Tage hier heraus.

Das schlimmste ist, daß ich jetzt plötzlich in meinen Bibliothekstudien gehemmt bin. Ich bin so weit, daß ich in fünf Wochen mit der ganzen ökonomischen Plackerei fertig bin. _Et cela fait_,[5] werde ich zu Hause die Ökonomie ausarbeiten und im Museum mich auf eine _andere Wissenschaft_ werfen. _Ça commence à m’ennuyer. Au fond_[6] hat diese Wissenschaft seit Adam Smith und David Ricardo keine Fortschritte mehr gemacht, so viel auch in einzelnen Untersuchungen, oft supradelikaten, geschehen ist.

Antworte mir auf die Frage, die ich Dir in meinem letzten Briefe gestellt.

Da Du jetzt Kriegswissenschaft treibst, könntest Du nicht die ungarischen Feldzüge, mit Hilfe der Neuen Rheinischen Zeitung, des _blue book_[7] von Palmerston usw. die Sache von neuem bearbeiten? _Ça serait très utile._[8] In kürzerer oder längerer Zeit werde ich zwei Bände zu 60 Bogen herausgeben, und da wäre das famos am Platze.

Meine Frau ist leider sehr angegriffen.

Einliegend ein Brief von Daniels, dem ich ausführlich über seine Physiologie geschrieben. Jedenfalls _schreibe mir, was Du davon meinst_.

Dein K. M.

[2] Vorschüsse.

[3] Geheimnisvolle Sache.

[4] Koste es, was es wolle.

[5] Dies gemacht.

[6] Das fängt mich an zu langweilen. Im Grunde...[7] Blaubuch.

[8] Das würde sehr nützlich sein.

[Ohne Jahresangabe.] 3. April [1851].

Lieber Marx!

Die Geschichte mit meinem geöffneten Briefe ist sehr sonderbar. Auf dem Kontor kann er nur von unserem Kommis geöffnet worden sein, und dem traue ich die Courage dazu nicht zu; außerdem könnte er es nur während der Abwesenheit des alten Hill getan haben, und ich glaube nicht, daß der einen Moment das Kontor verließ. Von den Ermens war keiner in der Stadt. Die Sache ist natürlich nicht zu ergründen, da eine bedeutende Chance vorhanden ist – _vu_[1] die Interpellationen im Parlament wegen der Flüchtlinge –, daß es auf der Post selbst geschehen. Daß ich dem Kommis, der mehr in Ermen Brothers’ als in Ermen _and_ Engels’ Diensten steht, in der letzten Zeit etwas verdächtig geworden bin, fiel mir schon früher auf; aber von da bis zum Brieferbrechen _il y a loin encore_.[2] Jedenfalls werde ich dem Ding in Zukunft vorzubeugen wissen. Wenn der Narr den Brief auch gelesen hätte, so läge daran nicht einmal viel; denn wollte der Kerl jemals, zum Beispiel wenn mein Alter herkäme, von der Information Gebrauch machen, so wäre er so kompromittiert, daß er sofort geschaßt würde. Indes, wie gesagt, ich traue ihm die Courage nicht zu.

Was die Frage angeht, die Du in Deinem vorletzten Briefe stellst, so ist sie nicht ganz klar. Indes wird, denke ich, folgendes genügen.

Der Kaufmann als Firma, als Profitmacher, und derselbe Kaufmann als Konsument sind im Commerce zwei ganz verschiedene Personen, die sich feindlich gegenüberstehen. Der Kaufmann als Firma heißt Kapitalkonto, respektive Gewinn- und Verlustkonto. Der Kaufmann als Fresser, Säufer, Wohner und Kindermacher heißt Haushaltungsunkostenkonto. Kapitalkonto debitiert[3] also dem Haushaltungsunkostenkonto jeden Centime, der aus der kommerziellen in die Privattasche wandert, und da Haushaltungsunkostenkonto nur ein Debet, aber kein Kredit hat, also einer der schlechtesten Schuldner der Firma ist, so ist am Ende des Jahres die ganze Debetsumme von Haushaltungsunkostenkonto purer Verlust und wird vom Profit abgeschrieben. Bei der Bilanz und der Berechnung des Profits-Prozent wird indes gewöhnlich die Summe, die für die Haushaltung verbraucht wird, als noch vorhanden, als Teil des Profits angesehen; zum Beispiel bei 100 000 Taler Kapital sind 10 000 Taler verdient, aber 5000 verjubelt worden, so rechnet man, 10 Prozent Profit gemacht zu haben, und nachdem alles richtig gebucht worden, figuriert Kapitalkonto im nächsten Jahre mit einem Debet von 105 000 Taler. Die Prozedur selbst ist etwas verwickelter, als ich sie hier darstelle, indem Kapitalkonto und Haushaltungsunkostenkonto selten oder nur beim Jahresabschluß in Berührung kommen, und Haushaltungsunkostenkonto gewöhnlich als Debitor von Kassakonto figuriert, das den Makler macht, aber es kommt schließlich auf dies hinaus.

Bei mehreren Associés ist die Sache sehr einfach. Zum Beispiel _A_ hat 50 000 Taler im Geschäft und _B_ ebenfalls 50 000; sie machen 10 000 Taler Profit und verbrauchen jeder 2500 Taler. Die Kontos stellen sich also am Ende des Jahres bei einfacher Buchhaltung ohne die imaginären Kontos: ------------- 55 000 Taler ------------- _A_ Kredit für nächstes Jahr 52 500 Taler Ebenso _B_. Dabei rechnet das Geschäft aber immer, 10 Prozent Profit gemacht zu haben. In einem Worte: die Kaufleute bei der Berechnung der Profitprozente ignorieren die Existenzkosten der Associés, dagegen bei Berechnung der Kapitalvermehrung durch den Profit bringen sie sie in Anschlag.

Über die ungarische Kampagne – oder noch besser, wenn’s ginge, über sämtliche Kampagnen von 1848/50 zu schreiben, wäre mir schon recht, wenn nur die Quellen alle beizuschaffen wären. Die Neue Rheinische Zeitung könnte mir zu nichts dienen als zur Vergleichung der österreichischen Bulletins, und wie lückenhaft die sind, weißt Du. Ich müßte wenigstens zehn bis zwölf Werke über diese Kampagne allein haben, und selbst dann fehlte mir noch die Hauptsache: der Kossuthsche Közlöny (Moniteur). Bei nichts blamiert man sich so leicht wie bei der Kriegsgeschichte, wenn man räsonieren will, ohne die sämtlichen Data über Stärke, Verproviantierung und Munitionierung usw. zu haben. Alles das geht für eine Zeitung, wo alle Blätter gleich schlecht unterrichtet sind und wo es darauf ankommt, aus den paar Daten, die man hat, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Aber um _post festum_ sagen zu können in allen entscheidenden Fällen: hier hätte so und so gehandelt werden müssen, und hier wurde richtig gehandelt, obwohl der Erfolg dagegen zu sprechen scheint; dazu sind, glaube ich, die Materialien für den ungarischen Krieg noch nicht genug vor dem Publikum. Zum Beispiel wer schafft mir die Etats der österreichischen und ungarischen Armeen und der verschiedenen Korps am Vorabend jeder Schlacht und jeder wichtigen Bewegung? Kossuths und Görgeys Memoiren müßten erst heraus sein, und die von Dembinski vorgelegten Schlacht- und Kampagnenpläne in authentischer Gestalt vorliegen. Indes selbst mit dem existierenden Material ließe sich schon manches aufklären und vielleicht ein ganz interessanter Artikel machen. So viel ist jetzt schon klar: die ungarische Insurrektion, wie die polnische von 1830, wie das russische Reich 1812, ist Anfang 1849 nur gerettet worden durch den Winter. Ungarn, Polen und Rußland sind die einzigen Länder Europas, wo eine Invasion im Winter unmöglich ist. Es ist aber schon immer fatal, wenn eine Insurrektion nur durch den Dreck gerettet wird, der sie in unergründlicher Tiefe umgibt.

Wäre die Geschichte zwischen Österreich und Ungarn im Mai statt im Dezember zum Eklat gekommen, so wäre nie eine ungarische Armee organisiert worden und der ganze Quark endigte wie Baden, _ni plus ni moins_.[4] Je mehr ich Krieg ochse, desto stärker wird meine Verachtung gegen den Heldenmut – eine abgeschmackte Phrase dieser Heldenmut, die ein ordentlicher Soldat nie in den Mund nimmt. Napoleon, wo er keine Proklamationen und Tiraden macht, sondern _coolly_[5] spricht, spricht nie von _glorieux, courage indomptable_[6] usw., sondern sagt höchstens: Wenn übrigens im nächsten Jahre eine Revolution in Frankreich ausbricht, so ist gar kein Zweifel, daß die heilige Allianz _wenigstens_ bis vor Paris kommt. Und bei den merkwürdigen Kenntnissen und der raren Energie unserer französischen Revolutionäre ist noch sehr die Frage, ob die Forts und die Enceinte[8] von Paris auch nur bewaffnet und approviantiert sind. Sind aber zwei Forts genommen, zum Beispiel Saint Denis und das nächste nach Osten zu, so ist Paris und die Revolution _jusqu’à nouvel ordre_[9] im Sumpf. Ich werde Dir das nächstens einmal genau militärisch auseinandersetzen und zugleich die einzige Maßregel, die dagegen getroffen werden kann, um wenigstens die Invasion zu schwächen: die Okkupation der belgischen Festungen durch die Franzosen und der rheinischen durch einen sehr zweifelhaften insurrektionellen _coup de main_.[10] Folgender Spaß zur Charakteristik des preußischen Kamaschenrittertums und zur Erklärung der späteren Niederlage bei Jena usw. wird Dich erfreuen. Die scheinbar kühnen, _au fond_[11] aber überaus sicheren Coups[12] Napoleons in der Kampagne von Marengo brachten den preußischen General Bülow, aus der Schule des alten Fritz, Vater oder Onkel [Bruder] des späteren Bülow von 1813, zu folgender Einsicht: 1. ein Kriegssystem basiert auf das Absurde aufzustellen, damit man den Gegner stets durch neue Verrücktheiten „in Verlegenheit setze“, und 2. anstatt des Bajonetts der Infanterie Lanzen zu geben wie im Dreißigjährigen Kriege!

Um Napoleon zu schlagen, das Pulver abzuschaffen, _qu’en dis-tu_?[13] Daß Du trotz alledem Ende des Monats herkommst, freut mich sehr. Du mußt mir aber bei der Gelegenheit das vollständige Exemplar der Neuen Rheinischen Zeitung mitbringen – ich werde daraus über sämtliche deutschen demokratischen Esel und desgleichen über französische Dossiers[14] anlegen, eine Arbeit, die jedenfalls geschehen muß, ehe wir wieder in irgend einen Dreck hineingeschleudert werden. Es wäre gut, wenn zu diesem Zwecke der würdige Liebknecht, _qui est assez bon pour cela_,[15] aufs Museum ginge und dort die Abstimmungen der Berliner, Frankfurter und Wiener Versammlungen, die gewiß dort sind (in den stenographischen Berichten), nachläse und für die gesamten Linken exzerpierte.[16] Du weißt, ich habe den Schluß von Daniels nicht gelesen. Daß sich der Kerl auf die „Begriffe“ als das Vermittelnde zwischen den Menschen usw.

steift, ist erklärlich; Du wirst das einem über Physiologie Schreibenden nicht ausreden. Er rettet sich immer schließlich mit dem Argument, daß jede faktische Tatsache, die auf die Menschen einwirkt, Begriffe in ihnen provoziert, und daß die Reaktion gegen diese Tatsache also zwar in zweiter Instanz eine Folge der Tatsache, in erster aber eine Folge der Begriffe ist. Gegen diese formelle Logik ist freilich nichts zu sagen, und es kommt dabei ganz auf die Art seiner Darstellung im Manuskript an, die ich nicht kenne. Ich meine, es wäre am besten, ihm zu schreiben, er wisse jetzt, welchen Mißdeutungen diese und jene Partien ausgesetzt seien, und solle sie also so ändern, daß die „wahre“ Ansicht deutlich hervortrete. Das ist alles, was Du tun kannst, oder Du müßtest das Manuskript selbst umschreiben an den fraglichen Stellen, was doch auch nicht geht.

Laß mich wissen, wie es Deiner Frau geht, und grüße sie herzlich von mir.

Ich bin froh, daß Du mit der Ökonomie endlich fertig bist. Das Ding zog sich wirklich zu sehr in die Länge, und solange Du noch ein für wichtig gehaltenes Buch ungelesen vor Dir hast, so lange kommst Du doch nicht zum Schreiben.

Wie sieht’s mit einem Verleger für Deine beabsichtigten zwei Bände in 60 Bogen aus? Wenn das _all right_ wäre, so könnte man den Kerl schon dazu kriegen, daß er die nötigen Sachen für den ungarischen Artikel – ich würde sie schon angeben – beischaffte, _au besoin_ gegen spätere Verrechnung beim Honorar. Notwendig wäre dann noch eine sehr gute Spezialkarte von Ungarn und Siebenbürgen, womöglich Schlachtpläne, die, soviel ich weiß, in den bisherigen Werken nicht enthalten sind – und die Karte allein könnte auf zirka 15 bis 20 Taler zu stehen kommen. Ich würde diese durch Weydemeyer aussuchen lassen. Apropos, hast Du seine Adresse? Ich möchte ihn wegen der militärischen ABC-Bücher über Organisation und Taktik befragen, gerade diesen Dreck kann ich hier nicht bekommen. Den Decker, der noch bei Dir ist, muß ich auch haben.

Dein F. E.

[2] Ist es noch weit.

[3] Belastet, schreibt auf die Schuldenseite.

[4] Weder mehr noch weniger.

[5] Kühl.

[6] Glorreich, unbändigem Mut.

[7] Er hat sich gut geschlagen.

[8] Befestigungsmauer.

[9] Bis neue Verhältnisse eintreten.

[10] Handstreich.

[11] Im Grunde.

[12] Überraschungsstreiche.

[13] Was sagst Du dazu?

[14] Personalakten.

[15] Der dafür gut genug ist.

[16] Auszöge.

11. April 1851.

Lieber Marx!

Ich dachte, ich wäre heute abend endlich mit meiner großartigen strategischen Abhandlung fertig geworden. Teils abgehalten, teils zum Nachschlagen über Details genötigt, teils weil das Ding länger wird, als ich dachte, werde ich es schwerlich heute abend spät fertig bekommen. Es ist übrigens _total unfit_[1] zum Drucke, nur für private Information und eine Art Übung für mich.

Über den Wellington fange ich allmählich auch an, klar zu werden.

Eigensinniger, zäher, obstinater Engländer, mit dem vollen Bonsens[2] und dem vollen Talent der Ressourcenbenutzung seiner Nation; langsam in seinen Überlegungen, vorsichtig, trotz des kolossalsten Glückes nie auf einen glücklichen Zufall rechnend; er würde ein Genie sein, wenn nicht der _Common sense incapable_[3] wäre, sich bis zum Genie emporzugipfeln.

Alle seine Sachen sind musterhaft, keine einzige meisterhaft. Ein General wie er ist für die englische Armee, in der jeder Soldat, jeder Unterleutnant ein kleiner Wellington in seiner Sphäre ist, wie