SigPhi · Friedrich Engels

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

German

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[4] Die Apostel der demokratischen Dreieinigkeit, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit..., die armen Teufel!

[5] Sturz.

[6] Ohne Bedeutung.

Manchester, 10. Dezember 1851.

Lieber Marx!

Was machen die großen Männer in dieser _eventful crisis_?[1] Man sagt, Louis Blanc sei in Frankreich arretiert, das wird leider aber nicht wahr sein, _nous connaissons notre petit bonhomme_.[2] Übrigens seit aus der Pariser Insurrektion nichts geworden ist, bin ich froh, daß der erste Sturm vorüber ist. _Tout blasé qu’on est_,[3] wird man bei solchen Gelegenheiten doch immer einigermaßen vom alten politischen Fieber gepackt und ist doch immer einigermaßen selbst beim Ausgang einer solchen Geschichte interessiert. Jetzt kann ich wenigstens wieder Menschenrassen studieren, mit deren Untersuchung ich mich beim Ausbruch dieses großen Coups beschäftigte.

Trotz alledem will übrigens weder hier noch in Liverpool die Confiance wiederkehren, und bloß P. Ermen ist ebenso übermütig und napoleonsgläubig, wie er vor vier Tagen _dejected_ und _chapfallen_[4] war. Die hiesigen Bourgeois sind im ganzen doch zu gescheit, um an eine mehr als ephemere Existenz dieser napoleonischen Farce zu glauben. Aber was soll aus all dem Dreck werden? Gewählt wird der Napoleon, das ist keine Frage, die Bourgeoisie hat keine Wahl, und wer will die Stimmzettel verifizieren? Additionsfehler zugunsten des Abenteurers sind gar zu verlockend, und die ganze Gemeinheit der französischen besitzenden Klasse, die servile Unterwürfigkeit nach dem kleinsten Sukzeß, die Kriecherei vor einem _pouvoir quelconque_[5] sind diesmal glänzender als je ans Licht getreten. Aber wie will der Esel regieren?

Er bekommt weniger Stimmen als 1848, _c’est clair_,[6] vielleicht 3 _à_ 3-1/2 Millionen im ganzen; das ist schon eine für den Kredit gefährliche Niederlage. Jede finanzielle und Steuerreform ist unmöglich 1. aus Geldmangel, 2. weil ein militärischer Diktator sie nur bei erfolgreichen auswärtigen Kriegen, _où la guerre paie la guerre_,[7] durchführen kann, im Frieden aber nicht nur jedes Surplus, sondern noch viel mehr in die Taschen der Armee wandern muß, 3. weil der Napoleon zu dumm ist. Was bleibt ihm da? _La guerre?_ Gegen wen, gegen England etwa? Oder der einfache Militärdespotismus, der im Frieden notwendig zu neuer Militärrevolution führen, die Parteien der Nationalversammlung in der Armee selbst hervorrufen muß? Es ist kein Ausweg da, die Farce muß in sich selbst zusammenbrechen. Und erst wenn eine Handelskrisis kommt!

Daß Louis Napoleon mit etwas „Großem“ schwanger geht, daran zweifle ich keinen Augenblick. Was das aber für ein Unsinn sein wird, darauf bin ich begierig. Das Développement der napoleonischen Ideen wird einen sehr hohen Flug nehmen und, an den ordinärsten Hindernissen scheiternd, platt auf den Bauch fallen. – Was bei der ganzen Transaktion ziemlich klar heraustritt, ist, daß die Roten abgedankt haben, vollständig abgedankt.

Jetzt von Entschuldigungen sprechen wollen, warum sie sich nicht in Masse wehrten, wäre Unsinn. Die nächsten Monate werden lehren, ob die Erschlaffung derart in Frankreich ist, daß es mehrerer Jahre bedürfte, um den Roten ein neues Achtundvierzig möglich zu machen. Aber woher soll diese Ruhe auf der anderen Seite kommen?

Ich sehe nur zwei Auswege aus dieser Sauerei: Entweder treten jetzt die Faktionen der Ordnungspartei, in der Armee abgespiegelt, an die Stelle der „Anarchisten“, _id est_ richten eine solche Anarchie her, daß schließlich die Roten und Ledru-Rollin als solche Erlöser erscheinen wie jetzt Napoleon; oder Louis Napoleon schafft die Getränkesteuer ab und läßt sich verleiten, einige bürgerliche Reformen zu machen – woher aber Geld und Macht dazu hernehmen, ist schwer zu sagen. In diesem sehr unwahrscheinlichen Falle könnte er sich halten.

Dein F. E.

---------- [1] Ereignisreiche Krisis.

[2] Wir kennen unsern kleinen Biedermann.

[3] So abgestumpft man [auch] ist.

[5] Irgendwelche Macht.

[6] Das ist klar.

[7] Wo der Krieg den Krieg bezahlt.

[8] Was hältst Du davon?

Manchester, 11. Dezember 1851.

Lieber Marx!

Inliegend der Brief von Reinhardt zurück sowie der von Pieper, den ich wegen der Kölner Geschichten einstweilen zurückgehalten hatte.

An der von den Zeitungen ausposaunten großen Expedition der 700 Vagabunden nach Paris scheint nichts zu sein, und auch der kleine Louis Blanc ist nach seinem heutigen erneuerten Schmerzgeächze in der Daily News einstweilen, wenn auch angeblich nicht in London, doch in Sicherheit. Das erste Wehklagen war noch göttlich gegen das heutige.

_Peuple français – noble fierté – courage indomptable – éternel amour de la liberté – honneur au courage malheureux_[1] – und damit macht der kleine Kerl einen _demi-tour à droite_[2] und predigt Vertrauen und Vereinigung des Volkes und der Bourgeoisie. _Vide Proudhon: Appel à la Bourgeoisie, pagina 2._[3] Und dies Räsonnement! Wenn die Insurgenten geschlagen worden, so kommt das daher, daß sie nicht das _vrai peuple_[4] waren; das _vrai peuple_ kann nicht geschlagen werden; und wenn sich das _vrai peuple_ nicht geschlagen hat, so kommt das daher, daß es sich nicht für die Nationalversammlung schlagen wollte; es ist da freilich einzuwenden, daß das _vrai peuple_, einmal siegreich, selbst Diktator gewesen wäre, aber daran hat es in der Überraschung nicht denken können, und dann ist es ja so oft geprellt worden!

Das ist diese alte ordinäre Demokratenlogik, die noch bei jeder Niederlage der revolutionären Partei sich breit gemacht hat. _Le fait est_,[5] meiner Ansicht nach, daß wenn sich das Proletariat diesmal nicht in Masse geschlagen hat, es sich vollständig seiner eigenen Erschlaffung und Ohnmacht bewußt war und mit fatalistischer Resignation sich so lange in den erneuerten Kreislauf von Republik, Empire, Restauration und neuer Revolution ergab, bis es eben wieder durch ein paar Jahre Misere unter der Herrschaft möglichst großer Ordnung neue Kräfte gesammelt hat. Ich sage nicht, daß dies so kommen wird, aber das scheint mir die instinktive Grundanschauung gewesen zu sein, die am Dienstag und Mittwoch und nach der Herstellung der geheimen Abstimmung und der darauffolgenden Retirade der Bourgeoisie am Freitag beim Pariser Volke vorgeherrscht hat. Es ist Unsinn, zu sagen, daß dies keine Gelegenheit fürs Volk war. Wenn das Proletariat warten will, bis ihm von der Regierung seine eigene Frage gestellt wird, bis eine Kollision eintritt, die den Konflikt schärfer und bestimmter ausspricht als im Juni 1848, da kann es lange warten. Die letzte Gelegenheit, wo die Frage zwischen Proletariat und Bourgeoisie ziemlich distinkt gestellt war, war beim Wahlgesetz 1850, und da zog das Volk es vor, sich nicht zu schlagen. Das und das ewige Hinweisen auf 1852 war schon ein Beweis von Schlaffheit, der, ausgenommen im Falle einer Handelskrise, für uns hinreichte, ein ziemlich schlechtes Prognostikon auch für 1852 zu stellen. Seit der Abschaffung des allgemeinen Stimmrechtes, seit der Verdrängung des Proletariats von der offiziellen Bühne ist es doch etwas zu viel verlangt, den offiziellen Parteien zuzumuten, die Frage so zu stellen, daß sie dem Proletariat konveniert. Und wie stand denn die Frage im Februar? Damals war das Volk gerade so _hors de cause_[6] wie jetzt. Und es ist gar nicht zu leugnen, daß, wenn die revolutionäre Partei in einer revolutionären Entwicklung anfängt, entscheidende Wendepunkte passieren zu lassen, ohne ein Wort dreinzusprechen oder, wenn sie sich einmischt, ohne zu siegen, sie mit ziemlicher Sicherheit als für einige Zeit kaputt angesehen werden kann. _Witness_[7] die Insurrektionen nach dem Thermidor und nach 1830, und die Herren, die jetzt so laut sagen, daß das _vrai peuple_ seine Gelegenheit abwarte, kommen in Gefahr, allmählich in denselben Train mit den ohnmächtigen Jakobinern von 1795 bis 1799 und den Republikanern von 1831 bis 1839 zu geraten und sich sehr zu blamieren.

Auch ist nicht zu leugnen, daß der Effekt der Herstellung der geheimen Abstimmung auf die Bourgeoisie, Kleinbürgerschaft und _au bout du compte_[8] _auch auf viele Proletarier_ (das geht aus allen Berichten hervor) ein merkwürdiges Licht auf die Courage und Einsicht der Pariser wirft. Viele haben offenbar gar nicht daran gedacht, wie albern die von Louis Napoleon gestellte Frage ist, und wo denn Garantien für die richtige Registrierung der Stimmen sind; die meisten aber müssen den Humbug durchschaut und trotzdem sich vorgeschwatzt haben, jetzt sei _all right_,[9] _bloß damit sie einen Vorwand hätten, sich nicht zu schlagen_.

Nach dem Briefe von Reinhardt, nach den täglichen neuen Enthüllungen über die Infamien der Soldaten und über ihre speziellen Exzesse auf den Boulevards gegen jeden _pékin quelconque_,[10] Arbeiter oder Bourgeois, Roter oder Bonapartist, _n’importe_[11] – nach den sich häufenden Nachrichten von lokalen Insurrektionen selbst in den entlegensten Winkeln, wo kein Mensch Widerstand vermutete, nach dem Briefe des französischen Exdeputierten und Commerçant in der gestrigen Daily News scheint allerdings der _Appel au peuple_[12] eine unangenehme Wendung für Bonaparte nehmen zu wollen. Die Masse der Bourgeoisie in Paris scheint doch dies neue Regime mit seinen oktroyierten Transportationsgesetzen nicht sehr zu relishen.[13] Der militärische Terrorismus entwickelt sich zu schnell und zu unverschämt. Zwei Drittel von Frankreich sind in Belagerungszustand. Ich glaube, daß nach all diesem die Masse der Bourgeoisie gar nicht stimmen wird, daß die ganze Stimmposse auf nichts hinauslaufen wird, denn die Gendarmen werden an allen zweifelhaften Orten, wo die Gegner Louis Napoleons in Massen stimmen, Krakeel mit den Wählern anfangen und dann der ganze Wahlprozeß dort kassiert werden. Dann erklärt Louis Napoleon Frankreich _en état d’aliénation mentale_[14] und proklamiert die Armee zur einzigen Reiterin der Gesellschaft, und dann ist der Dreck vollständig klar und Louis Napoleon mitten drin. Aber eben bei dieser Wahlgeschichte könnte die Sache sehr unangenehm werden, wenn _dann_ überhaupt noch ernsthafter Widerstand gegen eine etablierte Regierung zu erwarten wäre.

Eine Million Stimmen hat der Kerl sicher an den Beamten und Soldaten.

Eine halbe Million Bonapartisten, vielleicht mehr, sind auch im Lande.

Eine halbe Million, vielleicht mehr, zaghafter Bürger stimmen für ihn.

Eine halbe Million dummer Bauern, eine Million Additionsfehler – das sind schon 3-1/2 Millionen, und mehr hatte der alte Napoleon nicht in seinem Empire, das das ganze linke Rheinufer und Belgien einschloß, also gewiß 32 Millionen Einwohner hatte. Warum sollte ihm das vorderhand nicht genügen? Und bekäme er die, mit vielleicht 1 Million gegen ihn, so würden die Bourgeois ihm bald zufallen. Aber vielleicht bekommt der die 2-1/2 Millionen nicht, und vielleicht, obwohl es der Ehrlichkeit der französischen Beamten viel zugemutet wäre, bringt er es nicht fertig, sich Additionsfehler bis zu 1 Million kreditieren zu lassen. Jedenfalls hängt sehr viel ab von den Maßregeln, die er gezwungen ist, inzwischen zu treffen. Übrigens, wer hindert die Beamten, ehe das Abstimmen anfängt, in die Wahlurnen ein paar hundert _oui_ zu werfen? _Il n’y a plus de presse_[15] – niemand kann’s verifizieren.

Jedenfalls ist es schlimm für Crapulinski, daß die Fonds wieder am Fallen sind, und für Louis Blanc, daß er jetzt England als freies Land anerkennen muß.

In ein paar Monaten müssen die Roten wieder eine Gelegenheit bekommen, wo sie sich zeigen können, vielleicht schon bei der Abstimmung; wenn sie dann aber wieder abwarten, dann gebe ich sie auf, und dann bringen sie es auch bei der schönsten Handelskrise zu nichts als zu einer sie definitiv für ein paar Jahre beseitigenden Tracht Prügel. Was ist denn noch an dem Gesindel, wenn es verlernt, sich zu schlagen?

Ist Pieper wieder in London? Ich habe ihm einen Auftrag wegen Büchern nach Frankfurt zu geben, und weiß nicht, ob er noch in Brighton ist.

Das schlimmste ist, daß Du jetzt mit Löwenthal auf Schwierigkeiten stoßen wirst. Es wäre am besten, wenn der Kontrakt schon abgeschlossen wäre.

_Liverpool Market – quiet at yesterdays prices; Manchester Market – firm. Some overtrading going on to the Levant. German buyers continue keeping out of the Market._[16] Dein F. E.

---------- [1] Französisches Volk – edler Stolz – ungebändigter Mut – ewige Freiheitsliebe – Ehre dem unglücklichen Mut.

[2] Halbe Wendung nach rechts.

[3] Siehe Proudhon: Appell an das Bürgertum, Seite 2.

[4] [Das] wahre Volk.

[5] Die Sache ist die.

[6] Außer Betracht.

[7] Zeuge, Beweis.

[8] Am Ende der Rechnung, schließlich.

[9] Alles in Ordnung.

[10] Beliebiger Zivilist.

[11] Gleichviel.

[12] Appell an das Volk.

[13] Schmackhaft finden.

[14] Im Zustand geistiger Verirrung.

[15] Es gibt keine Presse mehr.

[16] Börse von Liverpool – ruhig bei gestrigen Preisen; Börse von Manchester – fest. Ein Teil des Überflusses geht nach der Levante ab. Deutsche Käufer bleiben noch immer vom Markte fort.

16. Dezember 1851.

Lieber Marx!

Inliegend ein Brief von Weydemeyer, der mir heute mittag zukam. Die Nachrichten soweit ganz gut, Heinzens Blatt am Krepieren und Weydemeyer schon jetzt imstande, mit einer Wochenzeitung aufzutreten. Aber die Forderung, ihm bis Freitag abend einen Artikel zuzuschicken, ist etwas stark – besonders unter den jetzigen Umständen. Und doch schmachten die Leute gerade jetzt dort nach Räsonnements und Anhaltspunkten über die französische Geschichte, und wenn man etwas Eklatantes über die Situation sagen könnte, so wäre damit der Sukzeß des Unternehmens in der ersten Nummer zu machen. Aber das ist gerade der Haken, und wie gewöhnlich überlasse ich Dir wieder die Schwierigkeit, und was ich auch schreiben mag, jedenfalls ist’s nicht über den _Coup de tête_ von Crapulinski. Du kannst ihm darüber jedenfalls einen diplomatisch „rückenfreihaltend“ epochemachenden Artikel schreiben. Was ich tue, weiß ich noch nicht, jedenfalls versuche ich irgend etwas. Den Schnapper kann ich nicht schicken, erstens ist das erste Kapitel matt, und zweitens ließ ich das Ding ganz sein, seitdem die Geschichte anfängt, komische Romane zu schreiben – eine etwas zu gefährliche Konkurrenz. Ich werde indes einige komische Szenen mehr in den Plan aufnehmen und dann das Ding wieder anfangen – das aber paßt durchaus nicht für dort, und ohnehin will Weydemeyer Sachen haben, worunter unser Name steht.

Schreibe mir umgehend, was Du zu tun gedenkst, _le temps passe_;[1] der Samstagsteamer kann nicht vor Neujahr in New York eintreffen, und das ist schlimm, noch schlimmer ist die uns gelassene kurze Galgenfrist.

Weydemeyer soll nur seine Finger so lange aus den amerikanischen Geschichten herauslassen, bis er die Namen dort richtig schreiben kann.

Es ist schade, daß er nicht erst Zeit hat, sich zu orientieren und etwas Englisch zu lernen. Die „Abolutionisten“ würden für Heinzen ein famoses Fressen sein. Was Weerth angeht, so sehe ich den morgen oder übermorgen hier und werde sehen, was er leisten kann. Nächste Woche, vielleicht schon Samstag abend, bin ich in London, und wir können dann das Weitere absprechen; inzwischen ist bloß die Frage, was für die erste Nummer zu tun ist, damit kann nicht gewartet werden, und schreibe mir also umgehend, was Du zu tun gedenkst.

Weydemeyer scheint in kommerzieller Beziehung, wie nach diesem Briefe zu schließen, allerdings nach etwas „grün“ zu sein, ich werde ihm darüber die nötigen Andeutungen geben. Er kennt sein Publikum noch gar nicht.

Lupus kann auch sich gleich in Bewegung setzen, um zu sehen, was er für die erste Nummer zustande bringt, Weydemeyer wird um Material sehr verlegen sein.

Was sagst Du zu den französischen Fonds, die gestern 101,50 Franken standen – 1-1/2 Prozent über Pari –, das keilt dem Louis Napoleon Stimmen die Menge, besser als alle bezahlten Zeitungslügen. Auch die Exzesse der Bauern im Süden und Zentrum helfen ihm. Ein Teil davon ist gewiß richtig und kann von dieser Barbarenrasse gar nicht anders erwartet werden. Die Kerls kümmern sich um die Regierung usw. den Teufel, aber ihr erstes ist, dem Steuereinnehmer und Notar das Haus zu demolieren und die Frau zu notzüchtigen und ihn selbst totzuschlagen, wenn sie ihn fassen. Die Sache hat an sich _au fond_ wenig zu bedeuten und geschieht den Herren ganz recht, aber dem Napoleon jagt sie alles zu, was irgend etwas zu verlieren hat. In der Tat, die Invasion der einheimischen Barbaren, wenn sie einmal kommt, verspricht ein erheiterndes Schauspiel werden zu wollen, und wohl denen, unter deren Regierung dergleichen angenehme Geschichten vorfallen. Das Steigen der Fonds _jetzt_ ist gewiß nicht mehr Regierungsmanöver, sondern Ausdruck der in Vertrauen auf Louis Napoleon übersetzten Angst der _haute finance_ vor dem Lebendiggeschundenwerden, das der wahrhaftige Constitutionnel in so lebhaften Farben schildert! – Also schreibe mir gleich wegen Weydemeyer.

Dein F. E.

---------- [1] Die Zeit vergeht.

6. Januar 1852.

Lieber Marx!

Hoffentlich wirst Du _by this time_[1] von Deinen Leiden vollkommen hergestellt sein, und ebenso hoffe ich, daß Deine Frau mir nicht länger wegen des _coup d’état_[2] zürnen wird, der Dich für zwei Tage in so tiefe Melancholie versenkte. Jedenfalls bitte ich, sie und Deine Kinder bestens von mir zu grüßen.

Ich werde für nächsten Freitagsteamer einen Artikel für Weydemeyer zurecht machen, und hoffe von Dir irgendeine _actualité_[3] für die Tribune zu erhalten, die ich sofort übersetzen werde. Bei dem Blatte hat man sich wahrhaftig nicht anzustrengen. Barnum stolziert in seinen Spalten in Lebensgröße herum, und das Englisch ist grauenhaft – sonst hat es indes auch einige gute Eigenschaften, die unsere _line_[4] übrigens nichts angehen. Kannst Du es mir bis Donnerstag – selbst mit der zweiten Post – herbesorgen, so hast Du die Übersetzung in London zeitig für Samstagsteamer, _id est_ mit der zweiten, am Freitag dort ankommenden Post. Nächste Woche werden dann die Artikel über Deutschland aufgenommen und sollen rasch vollendet werden.

Die Plattheit, mit der die Österreicher den Louis Napoleon nachmachen und sofort ihre Konstitution auch abschaffen, ist doch sehr arg. Jetzt wird es einen schönen Tanz in Preußen setzen – es ist kein Zweifel, daß Preußen von Österreich verraten und verkauft ist, und wenn es nicht auch die Konstitution abschafft, sehr leicht von einer russisch-österreichisch-französischen Allianz ekrasiert [zertreten] werden kann.

1851 hat die englische Baumwollindustrie wöchentlich 32 000 Ballen konsumiert, gegen 29 000 Ballen 1850. Das ganze Surplus, und bedeutend mehr, ist nach Ostindien und China gegangen; die Überführung dieser zwei Märkte und der Home Trade[5] nähren jetzt Manchester fast allein, da nach dem Kontinent sehr wenig geht. Das _kann_ nicht lange mehr dauern.

Die Sache treibt sich hier sehr auf die Spitze, und, zum Beispiel, daß die Baumwollpreise angesichts einer unerhört großen Ernte in vollem Steigen begriffen sind, bloß in Erwartung eines noch größeren Konsums, ist doch schon bezeichnend genug.

Von Weerth hatte ich heute ein paar Zeilen aus Bradford – er erkundigt sich wegen des Hanebuch [Hamburger] Lüders, der an ihn geschrieben hat.

Kannst Du mir etwas mitteilen, ob und wiefern er sich bei den dortigen Intrigen beteiligt hat, so soll’s mir angenehm sein und wird vielleicht nützlich werden. Sonst hier nichts Neues, _business with us slack_,[6] Nebel und Rauch die Masse.

Dein F. E.

---------- [1] Nunmehr, jetzt.

[2] Staatsstreich.

[3] Tagesfrage.

[4] Abteilung, Fragengebiet.

[5] Inlandsgeschäft.

[6] Geschäftsgang bei uns matt.

[Undatiert, Anfang Januar 1852.]

Lieber Herr Engels!

Wie können Sie glauben, daß ich _Ihnen_ wegen der kleinen Kneiperei gezürnt hätte – es tat mir sehr leid, Sie vor Ihrer Abreise nicht mehr zu sehen, wo Sie sich dann selbst am besten überzeugt hätten, daß ich nur mit meinem hohen Herrn etwas schmollte. Übrigens haben solche Extraszenen ganz heilsame Folgen; diesmal muß sich aber der _père_ Marx bei seiner nächtlichen philosophischen Wanderung sehr stark erkältet haben, denn er wurde ernsthaft krank und liegt bis jetzt noch ruhig danieder. Vielleicht wird es ihm heute möglich werden, etwas aufzustehen und sich an die Artikel für Amerika zu machen. Ich glaube aber, daß er noch nicht so weit hergestellt ist, wie er meint. Er phantasierte während drei Nächten und war sehr schlimm. Er läßt Sie bitten, Weerth zu grüßen, ihm zu sagen, daß er recht ärgerlich über ihn wäre, daß er bei Übersendung von Reinhardts Brief aus Paris nur zwei Worte mitgeschrieben, und daß er vor allem seine Pflichten als alter Redakteur der Neuen Rheinischen erfüllen und irgendeine Ware auf Lager nach Amerika spedieren solle. Was den Hanebuch betrifft, so sagt jetzt der _père_ Marx wörtlich was folgt: „Stets kanonenvoll, mit seinem insinuanten Wesen gegen Damen renommierend, meinend, damit die Fußtritte von _Bar-Besen_[1] erhalten zu haben; von Anfang an auf das geräuschvollste auf Straßen und Gassen, Parlours, Omnibus, Halfpenny-Steamboats das englische Publikum provozierend, sich an den großen Debatten zwischen Kinkel und Ruge zu beteiligen; jeden Deutschen bei den Ohren hinschleppend nach Cranbourne Hotel, einer der wichtigtuendsten Schreier des Emigrationsklubs, also auch seinen Bärengeifer über die kleine Winkelkirche der Neuen Rheinischen Zeitung ausfatzend. Weerth soll ihm antworten, wenn er dessen Protektion verlangt, er möge suchen, in einen der sieben von Kinkel zu errichtenden Ministerien einen Posten zu finden, was ihm bei seinen großen Verdiensten um die große einige Revolutionspartei und bei seinem Einfluß auf die beiden Kinkelschen Hofschriftsteller Meyen und Oppenheim nicht schwer fallen dürfte. Überhaupt soll Weerth, wenn jetzt einer der Geister sich an ihn wendet, [ihnen] sie merken lassen, daß er auch zu der ‚kleinen unverbesserlichen Sonderkirche‘ der Neuen Rheinischen Zeitung gehört, wie Meyen nach Amerika hingeschrieben.“ So weit mein hoher Patient Knackrüge.

Gestern kam ein sehr netter Brief von Cluß aus Washington, woraus das Treiben Kinkels von neuem hervorgeht. Leider kann ich ihn hier nicht beilegen, da Freiligrath ihn gestern mitgenommen. Morgen werden wir ihn schicken. Teilen Sie ihn auch Weerth stellenweise mit.

Es wird Sie wohl auch interessieren zu hören, daß Ihr ehemaliger Chef, General Willich, von der niedrigen Flüchtlingschaft eine Tracht Prügel bezogen, da diese den Unterschied zwischen sich und den höheren Flüchtlingen nicht [hat] begreifen können und die Art der Verwaltung der großen Revolutionsgelder im Interesse der großen Männer nicht gutheißen.

Aus Cluß’ Brief geht noch hervor, daß Kinkel die Mystifikation Willichs und den Brief Schramms benutzt hat, um ihre Verbindungen mit Köln in Amerika zu beweisen. Es wird bald Zeit, mit der wirklichen Geschichte hervorzurücken. Der Kinkel scheint auch in Amerika verbreitet zu haben, daß Marx’ Partei Lasterpreise aussetzt, um nicht Moralhelden zu werden.

Der Musch läßt Frederic herzlich grüßen. Die Mädchen sind schon in der Schule. Sie erinnern sich vielleicht, daß Pieper dem Jungen seine hübsche Brieftasche zum Geschenk gemacht hatte. Gestern drohte er, sie ihm wieder abzunehmen und ihm an deren Stelle etwas anderes zu kaufen.

Heute morgen versteckt der Junge die Tasche und sagt eben: „Mohr, jetzt habe ich sie gut versteckelt, und wenn der Pieper sie haben will, dann sage ich, ich habe sie einem armen Mann geschenkt.“ Der Filou!

Adieu!

Herzliche Grüße Jenny Marx.

Liebe Frau Marx!

Ich hätte Ihren angenehmen Brief längst beantwortet, wenn ich nicht durch eine Masse Geschichten daran total verhindert worden wäre – namentlich durch die Anwesenheit meines Schwagers, den ich während einer Woche zu amüsieren hatte, was hier in Manchester gewiß keine Kleinigkeit ist. An Arbeiten war während dieser Zeit natürlich nicht zu denken, und erst jetzt kann ich anfangen, mich zu besinnen, was bis nächsten Freitagsteamer geleistet werden kann. Heute oder morgen abend wird jedenfalls etwas für die Tribune fertig gemacht, und auch Vater Weydemeyer wird nicht leer ausgehen. Inzwischen höre und sehe ich von diesem nichts – hoffentlich ist bei Ihnen heute ein Brief von ihm eingesprungen, der uns die Aussichten fürs neue Jahr meldet, da die mit gestrigem Steamer eingetroffenen Briefe gerade bis zum 1. Januar gehen.

Ich hoffe, daß der _pater familias_ sich inzwischen von seinem Strafund Schmerzenslager erhoben haben wird, und wünsche nur, daß er über der Bibliothek nicht ganz die Tribune vergißt. Die Nachrichten über Ehren-Lüders sind Weerth sofort mitgeteilt worden, sowie das Nötige über Kinkel. – Inliegend den Brief von Cluß zurück. Der Kerl ist ein unbezahlbarer Agent. Wenn die Geschichte mit der Willichschen Mystifikation auskommt, das wird ein heiteres Hallo setzen. Dies Faktum beweist nur, daß Kinkel in Beziehung auf uns in Amerika sehr häufig und sehr unangenehm interpelliert worden ist, und daß wir unter den dortigen Demokraten auch einen _set_[1] von Anhängern haben, die auf uns schwören, wie die anderen auf Kinkel oder Heinzen oder Hecker, keiner weiß warum; es werden das Anhänger sein _à la_ Magnus Groß, Wilhelmi usw., Leute, die nur eines kurzen Zusammenseins mit uns bedürften, um über uns und sich eines Besseren aufgeklärt zu werden und in den allgemeinen Schafstall zurückzukehren, wohin sie gehören.

Der Louis Napoleon wird doch täglich amüsanter. Während noch immer nicht eine einzige jener großen Maßregeln zur Vernichtung des Pauperismus usw.

das Tageslicht erblicken kann, bringt das Männchen es fertig, das ganze Philisterium der Welt durch Maßregeln aufzuhetzen, die bloß die momentane Konsolidierung seiner Autorität sichern sollen. Kein nichtfranzösisches Blatt wagt mehr für ihn aufzutreten, selbst der Sun und die Kölnische schweigen, und nur der Lumpaziuskorrespondent des Globe deponiert noch täglich seine Gemeinheiten in dem ihm dazu bewilligten Winkel. Dazu hat Louis Napoleon schon alle Welt argwöhnisch gemacht, ganz Europa hallt wider von Krieg und Kriegsgeschrei, und selbst die friedfertige Daily News muß _nolens volens_ in den Ruf nach _national defences_[2] einstimmen. Der Kerl fängt nachgerade an, neben der einen, seit dem 2. Dezember zumeist hervorgetretenen Seite seines Charakters, dem _gambler_,[3] auch die zweite zu entwickeln, die des verrückten Prätendenten, der sich für einen prädestinierten Welterlöser hält und auf seinen Stern schwört. Und als die Zeit erfüllet war, da sandte Gott den Neffen, auf daß er erlöse alle Welt aus der Knechtschaft des Teufels und aus der Hölle des Sozialismus. Glücklicherweise kommt das Parlament bald zusammen, und das gibt immer etwas Abwechslung im politischen Humbug.

Viele Grüße an Marx und die Kleinen von Ihrem F. Engels.

---------- [1] Satz, Stamm.

[2] Nationale Verteidigungsmaßnahmen.

[3] Glücksspieler.

28 Deanstreet, Soho, 20. Januar 1852.

Lieber Engels!

Seit gestern bin ich erst wieder aufgestanden und seit heute schreibe ich erst wieder.

In Frankreich _les choses vont à merveille_.[1] Und ich hoffe, daß _la belle France_ diese Schule nicht zu oberflächlich durchmachen wird, sondern eine längere Klasse bestehen muß. Krieg, einige _months_[2] früher oder später, scheint mir unvermeidlich. _Nous avons eu le Napoléon de la paix._[3] Louis kann den Louis Philippe _by no means_[4] Du weißt, daß die Kölner nicht vor die Assisen gestellt sind, unter dem Vorwand, die Sache sei so schwierig, daß die Untersuchung von neuem beginnen müsse.

Madier war eben hier und beweist mir _de la manière la plus crapaude_,[6] daß die Frenchmen zum Frühstück London nehmen und in fünf Stunden alle Küsten von England überfallen können. Man hat zu viel _pitié_[7] mit den armen Teufeln, um nicht zu schweigen, _quand ils déraisonnent_.[8] Schreibe bald.

Dein K. M.

Was macht _le commerce_?

---------- [1] Verlaufen die Dinge wundervoll.

[2] Monate.

[3] Wir haben den Friedensnapoleon gehabt.

[4] Unter keinen Umständen.

[5] Und dann?

[6] Mit den gesindelhaftesten (das heißt flachrevolutionären) Argumenten.

[7] Mitleid.

[8] Wenn sie Blödsinn schwatzen.

22. Januar 1852.

Lieber Marx!

Inliegend der siebente Artikel für die Tribune. Der achte usw. wird morgen abend gemacht werden, heute werde ich etwas für Weydemeyer fertig machen. Ich behalte mir für Weydemeyer zunächst England vor, da ich mich nicht entschließen kann, deutsche Zeitungen zu lesen und etwas über Deutschland zu machen. Könntest Du Lupus, der hoffentlich auch wieder flott auf den Beinen ist, nicht bewegen, etwas „aus dem Reiche“ zu liefern? – Weerth wird nächste Woche etwas für Weydemeyer schaffen, diese Woche kann er nicht. Übermorgen hoffe ich ihn hier zu sehen, und vielleicht kommt er in acht bis vierzehn Tagen nach London, da es ihm wieder vor lauter Ungeduld wie heiße Kohlen unterm Hintern brennt.

Da gestern der Pacific von New York eingesprungen ist, so könnte es sein, daß ich morgen die versprochenen Nummern von Weydemeyer erhielte – doch rechne ich nicht darauf, da er vielleicht den englischen Postdampfer abgewartet hat. Er muß übrigens weniger schicken, 50 Nummern ist zu viel und wird wahrscheinlich ein Heidengeld kosten; und wem sollten wir die alle schicken? Ich will sehen, was die Kosten sind, und im Notfall, wenn er nicht durch Paketversendungsagenturen die Sache wohlfeiler einrichten kann, so reichen 10 Exemplare vollkommen aus; denn auf _Abonnenten_ in Europa kann er doch nicht rechnen. Vielleicht ein paar in London, sonst doch nur etwa in Hamburg. Dazu gehörte auch eine Agentur, und die würde sich nicht bezahlen. – Hoffentlich schickst Du mir jetzt auch bald einen Artikel für die Tribune zum Übersetzen.

Jones schrieb an mich und verlangt Beiträge. Ich werde mein Bestes tun und hab’s ihm versprochen. Bei alledem geht mir ein Stück freie Zeit zum Ochsen nach dem anderen fort, und das ist schlimm. Ich muß sehen, wie ich mich einrichte und das Kontor prelle. Jones schrieb von einer Gemeinheit von Harney gegen ihn, und von 15 Pfund, um die er geprellt sei, worüber Du mir Näheres sagen könntest – was ist das? Er war natürlich _very busy_[1] und schrieb sehr in abgebrochenen Sätzen und Ausrufungszeichen. – Daß der brave Louis Napoleon Krieg anfangen muß, ist sonnenklar, und wenn er sich mit Rußland verständigen kann, so wird er wohl mit England anbinden. Es hätte das seine guten und seine schlimmen Seiten. Die Einbildung der Franzosen, sie könnten in fünf Stunden London und England erobern, ist sehr ungefährlich. Was sie jetzt allerdings können, sind plötzliche Piratenüberfälle mit 20 000, höchstens 30 000 Mann, die aber nirgends viel ausrichten könnten. Brighton ist die einzige ernstlich bedrohte Stadt; Southampton usw. sind mehr als durch alle Befestigungen durch ihre Lage in tiefen Buchten, die nur zur Flutzeit und nur mit lokalen Lootsen zu befahren sind, sichergestellt. Der höchste Effort, den eine französische Landung zustande bringen könnte, wäre die Zerstörung von Woolwich; aber selbst dann müßten sie sich verdammt hüten, nach London zu gehen. Für jede ernsthafte Invasion müßte der ganze Kontinent zusammen den Engländern wenigstens _a years notice_[2] geben, und sechs Monate reichen hin, um England in Verteidigungszustand gegen jeden Angriff zu setzen. Der gegenwärtige Alarm ist absichtlich übertrieben, und die Whigs helfen bestens dazu. Laß die Engländer ein Dutzend Linienschiffe und Steamer zurückrufen, ein zweites Dutzend von jeder Sorte, die halbfertig in den Häfen liegen, ausrüsten, 25 000 Mann mehr Truppen halten, freiwillige Jägerbataillons mit Miniéschen Büchsen organisieren und dazu etwas Miliz und etwas Exerzitium für die _yeomanry_,[3] und sie sind vorderhand sicher. Der Alarm ist aber sehr gut, die Regierung hatte die Geschichte wirklich famos verkommen lassen, und das wird aufhören; und dann, wenn es zu etwas kommt, sind sie so gerüstet, daß sie jeden Landungsversuch zurückweisen und sofort Revanche nehmen können.

Sonst sehe ich nur zwei Chancen für Louis Napoleon, wie er Krieg anfangen will: 1. gegen Österreich, das heißt gegen die ganze heilige Allianz, oder 2. gegen Preußen, wenn dies von Rußland und Österreich fallen gelassen wird. Indes dies letztere ist sehr zweifelhaft, und ob er mit der heiligen Allianz anbindet, fragt sich sehr. Piemont, die Schweiz und Belgien werden ihm, sei es von England, sei es von der heiligen Allianz, nicht überlassen. Die Sache wird so schön vertuckt, daß schließlich der pure Zufall entscheiden muß.

_Und à l’intérieur_,[4] welche famose Entwicklung! Die Mordversuche werden schon ganz alltäglich und die Maßregeln immer schöner. Flöge doch endlich der Herr de Morny, der noch etwas den Tugendhelden spielt, und konfiszierte der Edle doch das Vermögen der Orleans!

Man kann einem Gouvernement Blanqui nicht besser vorarbeiten, wie dieser Esel tut.

Dein F. E.

---------- [1] Sehr beschäftigt.

[2] Ein Jahr Voranzeige.

[3] Landmiliz.

[4] Im Innern.

Lieber Frederic!

Ich schreibe nur wenige Zeilen, da eben ein Brief von Bermbach aus Köln ankommt, von dem ich wünschte, daß Du ihn noch morgen erhieltest. Es ist nun unumgänglich, daß Du erstens über die Kölnische Angelegenheit einen Brief _to the editor of the Times_[1] mir schickst, nebst ein paar Zeilen, die ich vorherschicke dem _corpus delicti_. Zweitens daß Du in Deinem eigenen Namen an die Daily News dasselbe tust, obgleich natürlich das eigentliche _corpus delicti_, das heißt die Insertion selbst, mit „_a Prussian_“[2] oder dergleichen unterschrieben wird. Ich glaube, daß an die Times der „Doktor“ und an die Daily News der Manchester „Merchant“ besser tun, _id est_ mehr Chancen der Aufnahme finden wird.

Nenne die Leute bei ihren Titeln: Dr. Becker, Dr. (!) Bürgers, Dr.

Daniels, Dr. Klein, Dr. Jacobi, Otto (ein in Deutschland wissenschaftlich renommierter Chemiker), Röser und Nothjung. Dieser kölnische Anklagesenat ist das _nec plus ultra_ von Feigheit. Übrigens sind die Richter nach dem neuen Disziplinargesetz auch nicht mehr „unabsetzbar“, wenigstens nur nominell.

Dein Artikel für Dana ist famos.

Ich habe _poor_ Weydemeyer natürlich seit Deiner Anwesenheit nur noch einen Artikel schicken können. Die Hämorrhoiden haben mich diesmal mehr angegriffen als die französische Revolution. Ich will sehen, was ich die nächste Woche fertig bringe. Auf die Bibliothek zu gehen, erlauben die hinteren Verhältnisse noch nicht. Die Konfiskation der orleanischen gestohlenen und erbettelten Güter! Abtritt Foulds! Persigny! Bravo! _Ça marche._[3] Merkwürdig ist es, wie _army, navy, colonies, fortifications and the whole administration_[4] verfault ist unter diesem sonderbaren aristokratischen Cliquenregime, das die englischen Bourgeois seit 1688 an der Spitze der Exekutivgewalt traditionell mitgeschleppt haben. Nach dem englischen Überheben und liberalen Geheul unter Kossuths Ägide, nach den kosmopolitisch-philanthropisch-kommerzialen Friedenshymnen während