*) »Dass „4 zu behaupten, der Mühe nicht lohnen würde, versteht sich wohl. Die nächsten der Mühe werthen Verhältnisse wären 2; oder „' Li- nie, und darüber habe ich keine Erfahrungen machen können, dass sie von irgend jemand gesehen würden. « j Pe la 2 re a Me 9 2 rn Tu a ai et Zu habe, nachprüfen kann, indem er auf sehr weisses Papier sehr feine schwarze Stäubchen, z. B. von trockner Tinte, Tusche und dergl., bringt, und die kleinsten davon mit sehr feiner Spitze aufnimmt und auf ein Glas-Micrometer legt, welches wenigstens 41 Linie direct angiebt. Sonne und Lampenlicht erlauben auch leicht, mit oder ohne Spiegel, die schwarzen Körperehen dergl. auf dem Glas-Micrometer im Lichtgrunde zu betrachten. Körper, welche kleiner sind, als die angegebenen, können, ungeachtet aller Anstrengung, nicht einzeln, aber noch in einfacher gerader Reihe mit blossem Auge erkannt werden. Befinden sich ferner dergleichen mehrere in grosserNähe und in mehrfacher Reihe bei- sammen, so machen sie einen gemeinschaftlichen Eindruck auf unser Auge und täuschen uns, als sihen wir einen grösseren ein- . fachen Körper oder Fläche*). Die gewöhnliche Entfernung, welche gute Augen, wenn sie diese kleinsten Körper erkennen wol- len, beobachten, fand ich durch Messung 4—5 Zoll, manchmal 6 Zoll, welches letztere die gewöhnliche Entfernung für sehr _ scharfsichtige ist. Myopische Personen nähern dieselben Gegen- stände nur selten mehr als 4 Zoll, noch seltener 3 Zoll u. s. w., und werden meist dann den übrigen gleich. Jemand, dessen schärfste Sehweite 4 Zoll ist, kann durch grössere Annäherung des Auges an den Gegenstand nicht seine Sehkraft erhöhen, son- dern empfindet Schmerz und sieht undeutlich. Hat man das Ob- jeet einmal fixirt, so kann man es bedeutend mehr entfernen, ohne dasselbe aus dem Auge zu verlieren. Ich selbst kann „4 einer Linie auf 12 Zoll Entfernung schwarz auf weiss nicht sehen, aber habe ich es auf 4—-5 Zoll Entfernung aufgesucht, so kann ich es bis auf 42 Zoll entfernen und sehe es noch deutlich. Diese Erscheinung beruht auf der bekannten Kraft des Auges, sich nach der Ferne etwas zu accommodiren. Oft erkennt man auch kleine Gegenstände in grösserer Ferne, sobald man auf ihren Ort auf- merksam gemacht ist, oder wenn sie sich bewegen. Aehnliche Erscheinungen geben ein Luftballon am hellen Himmel und ein Schiff am Horizonte, leicht sieht man sie, sobald man aufmerksam *) »Ich bin gewohnt, auf diese Weise sehr feine Wimpern der Infusorien zu erkennen. Sobald sie bewegt werden, bilden sie eine kleine scheinbare Fläche, welche sichtbar ist; sobald sie aber ruhen, ist oft ihre Feinheit so gross, dass die Sehkraft sie mit dem Microscope nicht erreicht, « a > TEE gemacht ist, aber die Fähigkeit der schnellen Orientirung beruht auf Gewohnheit und auf 'Geisteschärfe, ohne einen Schluss auf die Sehkraft im Allgemeinen zu erlauben. Wenn jemand von Ge- sichtseindrücken lebhafter erregt wird, als ein anderer, so orien- tirt er sich schneller, aber er sieht desshalb nicht mehr als“ein anderer, der sich, weil er diese Eindrücke weniger lebhaft auf- nimmt, langsamer orientirt. Ich bediene mich oft des Mittels, sehr kleine Gegenstände erst mit der Lupe zu suchen, wenn ich sie mit blossem Auge erkennen will, um ihnen etwa eine andere Lage mit einer feinen Spitze zu geben. Auch diese Erscheinung ist nur für das Orientiren rücksichtlich des Ortes der Körper, und befördert nur die Schnelligkeit dieses Orientirens. Myopische Augen orientiren sich immer leichter, weil sie weniger zerstreut werden, indem ihr Gesichtsfeld ein kleineres ist. Wahrscheinlich ist endlich ‚noch eine höhere Potenz der absoluten Sehkraft des menschlichen Auges hinzuzufügen, das ist die für das Erkennen leuchtender Körperchen. Kleine im Finstern leuchtende Körper erscheinen bekanntlich immer viel grösser, als sie sind und diese, sie mögen nun selbstleuchtend oder Licht rückstrahlend sein, können leicht bei viel geringerer Grösse als „4 Linie, je nach der Lichtstärke, das menschliche Auge noch aflieiren. Ich habe nie Gelegenheit gehabt, selbst leuchtende Grössen zu beobachten, die von so kleinem Durchmesser wirklich waren, so dass ich auf eine Gränze in dieser: Hinsicht aufmerksam machen könnte...Me- tällglanz, welcher ein sehr kräftiger Lichtreflex: ist, ‚lässt sich nach meinen an Goldstäubchen gemachten Beobachtungen mit blossen Augen bei gewöhnlicher Tageshelle bis auf „4, einer Linie erkennen, also doppelt so weit als Farben. « — »Anders verhält es sich mit Linien, Undurchsichtige Fäden von 74 Linie Dicke erkennt man gegen Licht mit blossen Augen. Spinnenfäden messen „45 bisz7%7 Linien; Fäden der Seidenraupe +45. Letztere sind im Cocon doppelt. « Wenn man die Grösse „% Lin. bei 4—6 Zoll Augenabstand, welche Ehrenberg als Gränze der Sehkraft für nicht lineare Körperchen angiebt, in Linien auf der Netzhaut verwandelt, so findet man 0,0039 bis 0,0025 Lin., was auffallend grösser (10mal so gross) ist, als Hueck’s 0,00033 Lin., ungeachtet beide Resul- tate aus einer grossen Menge Versuche abgeleitet sind, und auch Mayer’s Resultat um mehr als das Doppelte übersteigt. Eben so weichen Hueck und Ehrenberg darin ab, dass nach Hueck schwarze Punete auf weissem Grunde einen grösseren Sehwinkel fodern, als umgekehrt, indess nach Ehrenberg beides gleich- gültig ist.
Ein Unterschied der Umstände mag darin liegen, dass Eh- renberg'’s Versuche mit Betrachtung winziger Theilchen aus grosser Nähe angestellt sind, die von Mayer und Hueck aber mit Puncten von erheblichen Dimensionen aus grösserer Ferne, da beide den Beobachter sich vom Puncte deutlichsten Sehens allmälig bis zum Verschwinden des Punctes entfernen lassen. Nun macht zwar nach Mayer’s Versuchen die Entfernung keinen er- heblichen Unterschied, aber da seine Distanzen 12 Fuss und dar- über betragen, so könnte eine viel grössere Nähe, wie sie bei Ehrenberg’s Versuchen stattfand, doch einen Unterschied machen; was noch näher zu untersuchen steht.
Wofern es gilt, nicht blos das Dasein einer sichtbaren Grösse zu erkennen, sondern auch die Gestalt zu bestimmen, wird ein grösserer Sehwinkel erfodert. Nach Hueck*) wurde ein Quadrat von 1,2”” Durchmesser auf 41’ Entfernung, also unter einem Seh- winkel von 2’ 35” noch als Quadrat erkannt. Eben so wurde ein schiefer Strich von 1,5"” Länge auf 13’, unter 2° 45” noch als schief erkannt. Druckschrift (Doppelmittel) mit einer Breite der Buchstaben 1,5”” und Zwischenräumen innerhalb der Buchstaben 0,5” las Hueck unter Anwendung einer für sein Auge passenden Brille in 43° Entfernung.
Bergmann**) fand, »dass kurze Linien weniger weit gese- hen wurden, als gleich breite längere, « E. H. Weber***) bemerkt: »Nach meinen Versuchen kann eine weisse Linie auf schwarzem Grunde aus einer mehr als drei- mal so grossen Entfernung gesehen werden, als ein gleichseitiges Viereck von der Breite der Linie, und die Helligkeit der Erleuch- tung der Linie und ein sehr abstechender Hintergrund kann diese Entfernung noch vergrössern. « Specialbestimmungen über kleinste erkennbare Distanzen.
Die Versuche hierüber sind unter verschiedenen Formen an- gestellt, wonach sich auch die Resultate ändern.
a) Zwei distante Puncte oder Quadrate.
Die Angabe Smith’s bezüglich zweier Sterne ist schon S. 280 mitgetheilt.
Volkmann*) liess auf eine kleine Thermometerkugel von 0,15 Zoll Durchmesser die Flammenbilder zweier Lichter fallen, welche unter sich 4 Zoll, von der Kugel 8 Zoll entfernt waren...Er erkannte, mit Hülfe der Brille, vollständige Trennung der Bild- chen im Glase bis auf 20% Zoll und in der Mitte sich berührende, aber deutlich doppelte, Bildchen bis auf 26 Zoll...Einer seiner Freunde wiederholte den Versuch, und erkannte die Bildchen bis auf 37 Zoll Entfernung. Um ohne Brille die Duplieität vollständig zu erkennen, musste sich Volkmann den Gläsern bis auf 12 Zoll nähern.
Nach Hueck**) verschmolzen zwei schwarze Puncte auf weissem Hintergrunde, die 0,45” von einander abstanden, mit einander bei 40 Fuss Entfernung des Beobachters, was für den Sehwinkel ihrer Distanz 4’ 4” giebt. Dasselbe Resultat gaben Striche, die eben so weit von einander abstanden.
E. H. Weber ***) fügt seiner, S.287 mitgetheilten, Verhält- nissbestimmung über die Entfernung, in welcher weisse Linien und Vierecke auf schwarzem Grunde den Augen entschwinden, hinzu: »dagegen werden zwei weisse, gleichseitige Vierecke auf schwarzem Grunde, die durch einen schwarzen Zwischenraum von einander geschieden sind, der eben so breit ist, als die Vier- ecke, aus einer Entfernung noch als zwei unterschieden, die der- jenigen beinahe gleich ist, aus welcher zwei weisse Linien auf schwarzem Grunde noch als zwei unterschieden werden, die eben so breit sind als jene Vierecke, und durch einen eben so breiten schwarzen linienförmigen Raum von einander getrennt werden, « b .: z ß) Zwei distante Fäden.
Volkmann*) spannte zwei Spinnegewebefäden in paralle- ler Richtung und in einer Distanz von 0,0052” neben einander auf, und fand, dass er dieselben auf 7” Entfernung als doppelt er- kannte, aber nicht weiter. Der scharfsichtigste unter seinen Freun- den erkannte die Duplieität auf 43” Entfernung. Zwei schwarze Parallellinien auf weissem Grunde in gegenseitiger Distanz 0,016” erkennt Volkmann mit Hülfe der Brille in einer Entfernung von Valentin**) vermochte zwei Linien noch zu unterscheiden, wenn deren Bilder auf der Netzhaut nur um 0,0009” von einan- der abstanden.
Hueck fand für Striche dasselbe Resultat als für Puncte Yy) Streifige und würflige Figuren, Tobias Mayer***) beschreibt Versuche im verbreiteten Ta- geslichte wie folgt: 4. Figura striata, cujus nigri ductus, aequales albis inter- positis, lati erant 0,36 lin. paris. spectata directe in distantia pedd. 41 jam aliquantum confuse videbatur, ita ut vix liceret alba intervalla a nigris discernere. In distantia 12 pedd. omne diseri- men inter strias aberat. CGerte nonnisi aegerrime sentiebatur. Paulo plus remoto oculo tota figura eundem colorem quasi cineritium mentiebatur.
2. Figura itidem striata, sed cujus atrae striae duplo crassio- res erant, quam albae, harum enim latitudo erat 0,2 lin. illarum 0,4 lin., ineipiebat videri confusa distante oculo 9 vel 10 pedes.
3. In eadem distantia alia figura striata, cujus albi ductus duplo latiores quam nigri, inverso nempe praecedentium ordine, desiit distincte videri; latitudo striarum albarum erat 0,4 lin., lin. nigrarum 0,2.
*) Wagners Wörterb. Art. Sehen. 8. 331. h **) Valentin, Lehrb.d.Physiol. Il. S.428, hier nach Weber’s Artikel Tastsinn S. 534. **#*) Comment. soc. sc. Gotting. T. IV. p. 102.
Fechner, Elemente der Psychophysik. 19 .
er 7 2 ze ur ME «E ä “ Notandum, binas has figuras (no. 2 et 3) etiam in experi- mentis sequentibus*) eandem semper oculi distantiam requi- sivisse. Quare commodum erit, de iis in posterum conjunctim referre.
4. Figura cancellata lineis nigris, quarum latitudo 0,44 lin. eadem, quae interstitiorum alborum, spectata e distantia 154 pedd. ineipiebat mentiri aequalem ubique nigredinem, ut dubium esset, num albi quid in illa contineatur.
5. Figura aleae similis, aleatam dicere brevitatis causa liceat, quadratulis nigris albisque varia, quorum singula latera aequalia 0,52 lin. distante oculo 42 pedes, extremam visionis speciem prae- bebat, paulo enim plus remoto oculo confusa alba cum nigris ap- parebant. « maß Nach Vergleich von No. I mit No.2 und 3, und von No. 4 mit No. 5 schliesst Mayer, dass Ungleichheit der weissen und schwar- zen Intervalle das Erkennen erleichtert.
Die Versuche mit den streifigen und würfligen Figuren No. 1 bis No. 5 wurden dann auch im Dunklen unter direeter Erleuch- tung mit einem Talglichte bei verschiedener Entfernung Z dessel- ben von den Figuren wiederholt, wo sich folgende Entfernungen A des Auges von den Figuren als Gränzweiten des Erkennens (termin. visionis) ergaben (Einheit der pariser Fuss): L RN FSArE Entfernung des Auges Lichtes. No. 1. No. 2 u. 8. No. 4. No. 5.
*) Angestellt mit Kerzenlicht, a ea Br DEREN We dee”. u [zZ Mayer repräsentirt das Gesetz, nach welchem sich A mit Z ändert, durch folgende Formel A=n VL, won eine von der Beschaffenheit der Figur abhängige Constante ist, die er bei den verschiedenen Figuren wie folgt annimmt: Er giebt eine Zusammenstellung von Rechnung und Beobachtung, wonach die Formel in den Gränzen dieser Versuche nahe genug zutriflt.
Hueck*) betrachtete die in gestrichelter Manier mittelst ei- ner Maschine gestochenen Münzen, Medaillen und Gemmen in dem tresor de numismatique et de glyptique. Paris 1834, und konnte biebei Intervallen von 0,0727" auf 22’ 3” Entfernung, also unter einem Gesichtswinkel von 56,8” noch unterscheiden; ja manche recht sauber mit sehr scharfen Strichen auf recht reiner glatter weisser Fläche abgedruckte noch unter 44,3” Sehwinkel. Bei et- was grösserer Entfernung erschien die gestrichelte Fläche grau. Gelbe Streifen auf rother Fläche erschienen orange bei einem Netz- hautbilde von 0,001”, eben so gelbe Streifen auf blauer Fläche grün.
Marie Davy**) zog auf weissem Papiere schwarze Linien in der Weise, dass die Zwischenräume eben so breit waren wie die Linien selbst. Solche Blätter verfertigte er mehrere mit Strei- fen von verschiedener Breite und versuchte dann, wie weit er je- des derselben vom Auge entfernen musste, um nicht mehr die schwarzen und weissen Streifen, sondern ein einförmiges Grau zu sehen. Er fand, dass diess bei allen Blättern in solchen Abstän- den eintrat, dass die von ihm berechnete Breite des Netzhautbil- des eines Streifes sich nahezu zu 0,0041 Millim. ergab. Diese be- trug nämlich 0,00109, 0,00113, 0,00143, 0,00112 Millimeter bei Abständen von 5,8, 0,75, 0,53 und 0,41 Meter. — Die Art der Berechnung ist nicht angegeben.
E. H. Weber***) wandte schwarze Linien an, welche durch Maschinenstich sehr eng und gleichmässig gezogen und auf weis- sem Papiere gedruckt waren. Sie waren 0,025 par.Lin. breit, und eben so breit waren die Zwischenräume dazwischen. Sein Sohn Th. Weber erkannte die Linien noch in einer Entfernung von 9 par. Zoll 24 Lin., wo der Gesichtswinkel, unter welchem ein Zwi- schenraum gesehen ward, 45,3 Sec. betrug. Dieselben Versuche liess er noch von mehreren Ändern anstellen; wo sich die grösste Schärfe bei Zweien fand, deren einer (No. 9) die Linien ebenfalls noch in 9 Zoll, der andere (No. 8) in 41 Zoll Abstand erkannte, was respectiv 45,3 und 36,5 Sec. Sehwinkel des Zwischenraumes oder 0,00448 und 0,00119 par. Lin. entspricht.
Bergmann*) wandte lithographirte Gitterzeichnungen, de- ren Striche und Zwischenräume jeder 1 Millim. breit sind, in folgender Weise an. Mitten in den Deckel eines runden Papp- schächtelchens wurde ein Loch von etwa 20 Mill. Durchmesser geschnitten und die Gittertafel von Innen her gegen den Deckel festgelegt, so dass nur ein kreisrunder Theil derselben von Aussen zum Vorschein kam. »Hiemit erhält man die Möglichkeit, mittelst Drehung des Deckels den Gitterstäben jede beliebige Neigung ge- ben zu können, so dass der, dessen Augen geprüft werden, durch Angabe der Richtung, in welcher die Linien laufen, den Beweis führen kann, dass er sie wirklich sieht. « »Der Erfolg einer bedeutenden Anzahl von Versuchen war nun, dass die ausgewählt guten Augen mehrerer Individuen nie einer grösseren Annäherung bedurften, als sie dem Versuche No.8 bei E. H. Weber entspricht; die Streifen mit ihren millimeter- breiten Zwischenräumen wurden in 5,5 Meter Entfernung stets erkannt.«...| » Häufig übrigens wurde auch schon in grösseren Entfernun- gen, ja ab und an schon bei 7 Meter Abstand die Richtung der Striche wiederholt richtig erkannt. Auch machten die Experimen- tirenden öfter die Bemerkung, dass, wenn sie die Richtung der Striche wüssten, sie dieselben auch in diesen grösseren Entfernun- gen sähen. Bei einem früheren Versuche begegnete es sogar, dass ein 10jähriger Knabe, auf dessen ausgezeichnetes Auge Verf. gele- gentlich aufmerksam geworden war, dreimal hinter einander die *) Henle und Pfeufer, Zeitschr. Ill. F. II. B. S. 9% f.
(jedesmal abgeänderte) Richtung der Striche in einer Entfernung von 8 Metern richtig angab. Dann folgte eine falsche Angabe.« Bergmann hebt (p. 97) als beachtenswerth hervor, »dass in der Entfernung von 5,5 Meter, in welcher recht gute Augen re- gelmässig mit Sicherheit die Richtung der Linien erkennen, die Bilder derselben etwas breiter als die Hälfte eines Zapfendurch- ınessers sind, woraus man immer schon eine wesentliche Bezie- hung zwischen diesen Dimensionen vermuthen könne. « In den, über 5,5 Meter hinaus liegenden Entfernungen, in welchen oft schon ein richtiges Erkennen der Richtung der Striche eintrat, zeigten die mitunterlaufenden Irrthümer besonders häufig das Eigenthümliche, dass die Richtung der Striche gerade senkrecht zu den wirklichen angegeben wurde. In denselben Entfernungen erschien die Gittertafel auch häufig sche- ckig. Ein Mann, der das Object gar nicht kannte, hielt es in einer Entfernung von etwa 6 Meter für gewürfelt; ein zweiter, welcher etwa 2 Fuss hinter ihm stand, erklärte dann, das sähe er auch schon von da, Bergmann setzt diese Umstände scharfsinnig mit einer wahrscheinlichen Voraussetzung über die Form und Anordnung der Zapfen als empfindender Netzhautelemente in Beziehung; doch würde es zu umständlich sein, hier darauf einzugehen.
Bei gewissen Richtungen der Stäbe scheint das Erkennen der Gitter leichter als bei anderen zu sein, jedoch diess sich nach Individualität der Augen zu ändern (vgl. Bergmann p. 104).
Verhalten der Seitentheile der Netzhautim Erken- nenkleinster Grössen und Distanzen.
Bei den bisherigen Angaben war Auffassung der sichtbaren Grössen und Distanzen mit dem deutlichst sehenden, centralen, Theile der Netzhaut vorausgesetzt. Nach der Peripherie hin nimmt sowohl die Erkennbarkeit der Grössen als Distanzen ab, aber kei- neswegs nach allen Richtungen in gleichem Verhältnisse. Beob- achtungen darüber liegen vor von Hueck, Volkmann mit Hül- tenheim, einige von Bergmann, die ausführlichsten von A u- bert mit Förster, bei denen u.a. speciell nachgewiesen wird, dass die Unmöglichkeit, zwei Puncte in einiger Entfernung von der Augenaxe zu unterscheiden, keineswegs auf optische Abweichun- gen des Auges geschoben werden kann; und dass verschieden 2 grosse Zahlen oder Quadrate, unter demselben Gesichtswinkel bei verschieden grosser Entfernung des Auges gesehen, sich in der Nähe mit weiter von der Sehaxe entfernten Theilen der Netzhaut erkennen lassen, als in der Ferne.
Um das Detail dieses Kapitels nicht gar zu weit auszudehnen, glaube ich hinsichtlich des Näheren dieser Versuche auf die Ori- ginalabhandlungen verweisen zu müssen.
Volkmann, in Wagner’s Wört. Art. Sehen. S.334.
Aubert und Förster, in Gräfe Arch. f. Ophthalm. IN. $. 14 und Moleschott Unters. IV. S. 46.
Bergmann, in Henle und Pfeufer Zeitschr. Ill. F. Bd. 1.
Hiemit kann man die Versuche zur Bestimmung der Grösse des Theiles der Netzhaut, mit welchem man scharf genug sieht, um Druckschrift lesen zu können, in Beziehung setzen, worüber E. H. Weber in den Berichten der sächs. Soc. 1853. 'S. 128 fl., Aubert und Förster in den genannten Abhandlungen nachzu- sehen sind.
Distanzunterschiede (Augenmass).
Ueber die Feinheit des Augenmasses hat E. H. Weber*) fol- gende Angaben: »Dissecui chartam papyraceam scriptoriam magnitudine ma- xime consueta in octo partes aequales et cuilibet parti lineam rectam et aequalem inscripsi, curans simul, ut omnes lineae ae- quali crassitie et nigritie, diversa autem longitudine essent. Bre- vissima linea 400 millimetris alia quaedam linea longior 4004", alia longior 1014 ”” constabat. Ita diversae lineae usque ad longi- tudinem 405 millimetrorum ductae sunt.
Iam duae chartae iuxta se positae homini proponebantur, cuius subtilitatem visus examinare cupiebam. Homines arti delineandi operam navantes, ideoque visu exculto gaudentes, lineam perpen- dicularem 400” longam a linea perpendieulari 101 ”* longa dis- ereverunt, et experimenta ter, quater et quinquies iterato semper longiorem lineam recte indicarunt. Aceidit tamen et his ut defa- tigati nonnunquam errarent. Plures vero homines lineas 100 et mis.
104" longas non, certo sed non nisi lineas 400 et 105” longas distinxerunt. His experimentis intellectum est, a nonnullis cente- simam, ab aliis vero vigesimam lineae partem, qua altera linea altera parallela maior est, satis certo visu cognosci. « Einige eigene Versuche über die eben merklichen Unter- schiede von Zirkeldistanzen habe ich S. 233 angeführt.
b) Tastsinn.
b) Tastsinn.
Ueber die Grösse der eben merklichen Distanz von Zirkel- spitzen auf der Haut hat bekanntlich E. H. Weber zuerst Unter- suchungen angestellt und dabei gefunden, dass diese Distanz auf verschiedenen Hauttheilen ausnehmend verschieden ist. Am gröss- ten fand er die Empfindlichkeit auf der Zungenspitze, wo noch bei + par. Lin. Distanz die Zirkelspitze als doppelt erkannt wurde, demnächst an der Volarseite des letzten Fingergliedes (1 par.Lin.), am rothen Theile der Lippen (2 Lin.), an der Volarseite des 2. Fingergliedes (2 Lin.) u. s. w., am geringsten am oberen Theile des Rückgrates und auf der Mitte des Oberarmes und Unterschen- kels (30 par. Lin.). Seine Beobachtungstabelle ist am ausführlich- sten in s. Progr. coll. p. 50 sequ., kürzer zusammengezogen im Artikel Tastsinn und Gemeingefühl in Wagner's Wört S. 539 gegeben und in s. Abhandl. in den Berichten der Leipz. Soc. 1853 p. 85. ff.*) reproducirt worden; an welchem letzteren Orte er noch verschiedene Nachträge über die allgemeine Auffassung des Raum- sinnes und die Methoden, die Feinheit desselben zu bestimmen, giebt. Die Beobachtungen Weber’s sind zuerst von Allen Thomson (in Edinb. Med. and Surg. Journ. no. 1146), später von Valentin (Lehrb..d. Physiol. 1844. Bd. Il. S.565), endlich von Gzermak (physiol. Studien oder Sitzungsber. der Wien. Akad, XV. S. 425, XVII. S. 563, Moleschott, Unters. S. 483) bestätigt und von letzterem nach mehreren Beziehungen erweitert worden.
Sehr interessante Erfahrungen, nach denen Chloroformi- rung und Narkose die eben merklichen Zirkeldistanzen auf der Haut sehr vergrössert, hat Lichtenfels in den Sitzungsberich- *) Auszug daraus, doch obne die Tabellen, in Fechner's Centralbl. 4853. No. 34. Die Tabelle ist auch von Czermak in dessen physiolog. Stud. $. 54 gegeben.
ten der Wien. Akad. 1857. VI. p. 338 bekannt gemacht. Läh- mungsartige Zustände der Haut haben denselben Erfolg, wor- über die Erfahrungen von Landry in Archiv. gen. de med. XXIX. Juill. Sept. (Cannst. Jahresber. f. 4852. p. 489) und besonders Wundit in Henle und Pfeufer Zeitschr. 1858. p. 272, auch Brown Sequard in Cannst. Jahresber. 1853. p. 202 zu vergleichen sind, welcher letztere auch einen Fall der Verkleinerung der eben merk- lichen Distanz durch einen hyperästhetischen Zustand berichtet. Erfahrungen, nach denen durch Uebung die eben merkliche Distanz verkleinert wird, hat Hoppe in s. medic. Brief. 1854. Heft 2, CGzermak in obigen Abhandlungen, und besonders Volkmann in den Sitzungsber. d. sächs. Soc. 1858. p. 38 bekannt gemacht.
Theoretische Discussionen über die Verhältnisse des Haut- raumsinnes finden sich in den angeführten Abhandlungen von Weber und Gzermak, in Lotze's mediein. Psychol. 4852, in Meissner’s Beitr. z. Anatom. u. Physiol. der Haut. Leipzig 1853 und in Wundt’s Abhandl.; die überhaupt eine ausführliche Zu- sammenstellung über diesen Gegenstand entbält.
€) Auffassung von Zeit und Bewegung.
Wenn zwei Eindrücke zu schnell hinter einander gemacht werden, verfliessen sie in einen gleichförmigen für die Empfin- dung, und man kann fragen, wie gross die Zwischenzeit zwischen zwei Eindrücken sein müsse, um dieselben noch als unterschieden auflassen zu können.
Eine reine experimentale Antwort hierauf lässt sich aus ei- nem analogen Grunde als betrefls der extensiven Raumschwelle nicht geben. Denn, so wie jeder Eindruck einen Irradiationskreis um sich hat, hinterlässt jeder Eindruck einen Nachklang. Ist nun der Nachklang, welchen der erste Eindruck hinterlässt, bei Ein- tritt des zweiten noch stark genug, dass der Unterschied vom zweiten die intensive Unterschiedsschwelle nicht erreicht, so muss der eine Eindruck mit dem anderen gleichförmig verfliessen.
Man kann fragen, ob nicht die Unmöglichkeit, zwei zu schnell nach einander eintretende Eindrücke als unterschieden aufzulas- sen, allein an diesem Umstande hänge. Hierüber ist erfahrungs- mässig nichts entschieden, und schwer, sicher zu entscheiden. Wahrscheinlich aber findet nach Analogie der Raumverhältnisse TE es 5. ee Bu.
TE es 5. ee Bu.
auch betrefis der Zeitverhältnisse eine Unmöglichkeit schlechthin statt, einander zu nahe Eindrücke noch als unterschieden aufzu- fassen. a - Allerdings kann man hiebei das Dasein von Empfindungs- kreisen in dem $. 276 erörterten Sinne nicht geltend ‘machen; aber es hat vielleicht Einiges für sich, dass das subjective Zeitmass eben so an psychophysische Oscillationen in uns, als das sub- jective Raummass an Empfindungskreise geknüpft sei, und Alles, was in die Dauer einer solchen Osecillation fällt, so wenig zeitlich unterschieden werden könne, als was in die Ausdehnung eines Empfindungskreises fällt, räumlich. Es wäre inzwischen müssig, dieser Hypothese ohne die Möglichkeit genauerer Begründung hier weiter nachzugehen.
DieFrage, um die es sich hier handelt, kommt u. a. in Rück- sicht bei dem Versuche der gedrehten Scheibe mit weissen und schwarzen Sectoren. Während ein weisser Sector- vorbeigeht, wächst der Eindruck, während ein schwarzer vorbeigeht, nimmt er ab. Ist die Erscheinung der Gleichförmigkeit blos daran ge- knüpft, dass der Unterschied zwischen Minimum und Maximum die intensive Unterschiedsschwelle nicht erreicht, welche für ruhig aufgefasste Lichteindrücke besteht, oder wird die Erscheinung der Gleichförmigkeit dadurch befödert, dass Minimum und Maximum des Eindruckes so schnell hinter einander eintreten, dass wir beide in der Zeit nicht auseinanderhalten können; und kann demnach der Unterschied grösser sein, ohne die Erscheinung der Gleich- förmigkeit zu gefährden, als bei ruhig aufgefasstem Eindrucke?
Es scheint mir einige Möglichkeit vorzuliegen, auf Grund eines Versuches hierüber die erste Frage zu entscheiden, wenn man noch einige Data vorher bestimmt hat.
Im Zusammenhange mit der Frage der Zeitschwelle steht die Frage nach der Zeit, welche nöthig ist, gegebene Eindrücke mit gegebener Deutlichkeit aufzufassen. Hierüber finde ich einige Be- merkungen und Versuche von Valentin in dessen Lehrb. der Physiol. II. p. 474: » Welches Minimum von Zeit — sagt er — bei gehöriger Uebung zu einer befriedigenden Auffassung bekannter Objecte ge- hört, sehen wir am besten aus dem Lesen uns geläufiger Lettern. Las ich nur je eine Zeile grösseren Druckes dieses Werkes (des Valentin’schen Lehrbuches), so kamen in 40 Versuchen auf je ei- Kai) De a EN ur nen Buchstaben im Maximum 4,24, im Minimum 2,34 und im Mittel 3,330 Terzien;bei dem Durchlesen einer ganzen Seite, die keinen Absatz hatte, und blos mit grösserer Schrift gedruckt war, fanden sich für 2629 Buchstaben und Interpunctionszeichen 14 Mi- nute 32 Secunden. Dieses giebt für 4 Bild im Durchschnitte 2,10 Terzien. Machte ich denselben Versuch mit einer fortlaufenden Seite Petitdrucks dieser Arbeit, so brauchte ich für 3944 Buch- staben und andere Zeichen 2 Minuten 42 Secunden, mithin für einen Eindruck 2,04 Terzien. Wir können daher im Allgemeinen annehmen, dass wir bei dem raschen Lesen für die Auffassung jedes einzelnen Charakters nur zwei bis vier Terzien im Mittel nöthig haben. « FOR Ueber die noch wahrnehmbaren kleinsten Bewegungen finde ich folgende Angaben in Gehler’s Wörterbuche, Artikel Gesicht S. 1457, von Muncke: »Aus der Bestimmung der Dauer des Lichteindruckes auf das Auge in Verbindung mit der oben angegebenen Grösse des Ge- sichtswinkels lässt sich erklären, warum manche sehr langsame Bewegungen nicht wahrgenommen werden. G. G. Schmidt?) wählt, um dieses deutlich zu machen, das Beispiel, dass die Sterne, selbst im Aequator, wo ihre Bewegung am schnellsten ist, dennoch stillzustehen scheinen. Setzt man nämlich die Dauer des Licht- eindruckes im Auge hoch auf 0,5 Sec., so durchläuft der Stern in dieser Zeit einen Bogen von nur 5 Sec. und da dieser kleiner ist, als der kleinste Gesichtswinkel für ein räumliches Object, so scheint er still zu stehen. Wird der Stern dagegen durch ein Fernrohr mit nur A0facher Vergrösserung betrachtet, so beträgt der Gesichtswinkel 50 Sec. und seine Bewegung wird, jedoch mit Mühe und kaum wahrgenommen, erscheint aber um so schneller, je grösser die Vergrösserung ist, die man anwendet. Hierbei kommt indess der lebhafte Lichteindruck des Sternes auf das Auge in Betrachtung, denn bei der Beobachtung der Bewegung des Mi- nutenzeigers einer Taschenuhr erhielt Schmidt ein anderes Re- sultat. Diese nahın derselbe nämlich bei der Anwendung einer zehnfachen Vergrösserung so eben wahr. Indem aber die Länge des Zeigers 4,5 par. Lin. betrug, und der Sehwinkel einer Abthei- lung desselben (für 40 Z. Abstand des deutlichen Sehens beim u: Beobachter) 43,5 Min. ausmachte, so war die Bewegung desselben in einer Secunde = 13,5 Seo. scheinbar, und mit 10facher Ver- grösserung 135 Sec. oder 2 Min. 15 Sec. Inzwischen kommt bei dieser, allerdings sinnreichen Methode, die kleinsten Bewegungen zu messen, vieles, namentlich die Gesichtsschärfe und die Er- leuchtung des beobachteten Gegenstandes, in Betrachtung, wes- wegen auch die beiden mitgetheilten Angaben so sehr von einan- der abweichen. Um die letztere zu prüfen, beobachtete ich selbst den Minutenzeiger meiner Taschenuhr, welcher 9,1 Lin. lang und stahlblau sich auf einem blendend weissen Zifferblatte bewegt. So lange er sich über dem letzteren bewegte, konnte ich das Fort- rücken desselben mit unbewaffnetem Auge und bei einer Gesichts- weite von 8 Z. wahrnehmen, jedoch schien er still zu stehen, wenn er sich über einem schwarzen Theilstriche befand, so dass also diese Bewegung als die Gränze derjenigen anzunehmen ist, welche mein Auge noch wahrnehmen kann. Man darf also jene angegebene Grösse von 13,5 Sec. nur verdoppeln und im Verhält- nisse von 10:8 nehmen, um für mein Auge den kleinsten optischen Winkel von nahe 34 Sec. zu erhalten*), welcher indess unter minder günstigen Bedingungen, namentlich wenn das Messen des Abstandes der Zeigerspitze zwischen den beiden Minutenstrichen wegfiele, nicht so klein ausfallen würde. Hieraus erklärt es sich auch, warum die Bewegung der Sterne im Fernrohre bei einem optischen Winkel von 50 Sec. sichtbar wird, nämlich theils wegen des starken Lichtes derselben im verhältnissmässig dunklen Raume, theils weil das Gesichtsfeld des Fernrohres etwas erleuchtet, seine Umgebung wegen des inwendig schwarzen Rohres aber völlig dunkel ist, und auf diese Weise also der veränderliche Abstand des Sternes von dem Rande des Gesichtsfeldes gemessen werden kann.« Hiezu kann man noch folgende Angaben von Valentin in s. Lehrb. Il. p. 465 fügen: »Ich kann noch nicht die Bewegung des vergoldeten Minuten- zeigers (einer Taschenuhr), welcher eine Länge von 14,5 Millime- ter hat, mit freiem Auge bei gutem Tageslichte wahrnehmen, sehe sie aber, wenn ich eine 4#mal vergrössernde Lupe gebrauche. Betrug dagegen die Länge des vergoldeten Zeigers einer anderen *) Die genauere Berechnung giebt 34° 50”.