neben dem Kind eine Hündin stehen, die ihm ihre Euter hinhielt und die Tiere und Vögel von ihm abwehrte. Bei diesem Anblick wurde er von gleichem Mitleid ergriffen wie die der auch die Geschichte des ArtachSir aus dem Pehlewi übersetzte (Festschr. {. Benfey). Derselbe Stoff ist behandelt von Firdusi im „Schähnäme” (vgl. Gutschmied in Zschr. d.D.M. G. 34, 585 ff.) Auch Cyrus, dem Reichsgründer in Tibet (im 4. Jahrh, v. Chr.), wird — wie Schmidt in seiner Gesch. d, Ostmongolen ($. 20 bis 27) versichert — eine an die Findung des Cyrus bei Herodot erinnernde Kindheitsgeschichte angedichtet 1) Justinus: Auszug aus des Pompeius Trogus Philippischer Geschichte (1, 4 bis 7). So weit Justins Anszug erkennen läßt, dürften der Erzählung des Trogus Deinons (in der ersten Hälfte des 4. Jahrh. v. Chr. geschrie- bene) persische Geschichten zugrunde liegen.
mer mn Li = — 44 KYROS NACH KTESIAS. Hündin. Er nalım daher den Knaben auf und trug ihn in seine Wohnung, wobei die Hündin ihm voller Besorgnis folgte. Als seine Frau den Knaben auf ihren Arm nahm, lächelte er sie an, als ob sie ihm schon bekannt wäre; und da er sehr kräftig war und sich durch sein anmutiges Lächeln bei ihr einschmeichelte, so bat sie den Hirten aus freien Stücken, er möchte (ihr Kind statt jenes aussetzen und)!) erlauben, den Knaben aufzu-. ziehen, sei es daß sie sein Glück im Auge hatte oder daß sie auf ihn ihre Hoffnung setzte. So mußten nun beide Knaben ihr Los vertauschen: der eine wurde an Stelle des Hirten- kindes aufgezogen, der andere wurde statt des Enkels des König ausgesetzt.
Die Fortsetzung dieses anscheinend ursprünglicheren Berichtes stimmt mit der Herodotischen Erzählung im wesentlichen überein.
Eine ganz abweichende Version aber ist uns erhalten in dem Bericht eines Zeitgenossen Herodots, des Ktesias, dessen Verlust durch ein Fragment des Nikolaos von Damaskos?) aus- geglichen wird. „Das Fragment des Nikolaos gibt die Erzählung des Ktesias, die in seiner persischen Geschichte mehr als ein Buch umfaßte, zusammenfassend wieder: Astyages soll der edelste König der Meder nach dem Arbakes gewesen sein. Unter seiner Herrschaft geschah die große Umwandlung, durch welche die Herr- schaft von den Medern an die Perser kam, und zwar aus fol- gender Ursache, Es war ein Gesetz bei den Medern, daß der Arme, welcher des Unterhaltes wegen zum Reichen geht und sich ihm übergibt, von diesem ernährt und gekleidet und einem Sklaven gleichgehalten werde; gewährt der Reiche das nicht, so steht es dem Armen frei, zu einem anderen zu gehen, So kam ein Knabe des Namens Kyros, von Geburt ein Meder, zu dem Diener des Königs, der über die Palastkehrer gesetzt war, Kyros war der Sohn des Atradates, der aus Armut vom Raube, und dessen Frau, Argoste, des Kyros Mutter, davon lebte, daß sie Ziegen hütete. Kyros übergab sich jenem des Brotes wegen, reinigte im Palaste und da er fleißig war, gab ihm der Vorsteher ) Dieeingeklammerten Worte sollen in manchen Handschriften fehlen. 2) Nicol., Damascen, Fragm. 66. Ctes, Fragm, Pers.?, 5.
KYROS NACH KTESIAR. 45 En u En er sn Zn iin nn bessere Kleidung und brachte ihn von denen, welche außen kehrten, zu denen, die im Innern beim Könige reinigten, und stellte ibn unter deren Aufseher. Der aber war streng und peitschte den Kyros oft. Kyros verließ diesen und ging zum Lichtanzünder, der ihn gern hatte und dem Könige näherbrachte, indem er ihn unter dessen Lichtträger setzte. Da Kyros sich auch unter diesen auszeichnete, kam er zum Artembares, der den Weinschenken vorstand und dem Könige selbst die Schale dar- reichte. Dieser nahm den Kyros gern an und hieß ihn, den Tisch- genossen des Königs einschenken. Nicht lange darauf bemerkte Astyages, wie geschickt und gewandt Kyros aufwartete und wie stattlich er die Schale darreichte, und fragte den Artembares, woher der Jüngling sei, der so gut einschenke, „O Herr”, sagte jener, „er ist dein Sklave, ein Perser von Geschlecht, aus dem Stamme der Marder, der sich mir, um sein Leben zu fristen, übergeben hat.” Artembares war alt und einst, als er vom Fieber ergriffen war, bat er den König, zu Hause bleiben zu dürfen, bis er genesen sei: „Statt meiner wird der Jüngling, welchen du lobst, den Wein schenken, und wenn er dir, dem Herrn, als Schenke genügen sollte, so werde ich, der Eunuch, ihn zum Sohn annehmen.” Astyages war es zufrieden, jener aber empfahl dem Kyros vieles wie einem Sohne. Kyros stand nun an der Seite des Königs und schenkte ihm bei Tage urd zur Nacht ein und zeigte viel Besonnenheit und Tüchtigkeit. Und Astyages gab ihm, als dem Sohne des Artembares, dessen Einkünfte und fügte noch viele Geschenke hinzu und Kyros war groß und man hörte seinen Namen überall, Astyages aber hatte eine sehr edle und schöne Toclhter!).
Diese gab er dem Meder Spitamas und fügte ganz Medien als Mitgift hinzu. Da ließ Kyros seinen Vater und seine Mutter aus dem Lande der Meder kommen und sie freuten sich des An- sehens ihres Sohnes und seine Mutter erzählte ihm den Traum, welchen sie gehabt, als sie ihn im Schoße ge- tragen, und die Ziegen hütend, im Heiligtum. eingeschlafen sei: Es sei so viel Wasser von ihr gegangen, daß es einem 1) Diese Tochter heißt bei Ktesias Amytis (nicht Mandane), a u ee u mn 1 ER il Di BE er Te 2 a r.
- Ma ee a Te — = = Er Te 46 KYROS NACH KTESIAS. großen Strom gleich geworden, ganz Asien überschwemmt habe und bis zum Meer geflossen sei. Als der Vater dies hörte, gebot er, den Traum den Cialdäern in Babylon vo:zulegen. Kyros ließ den Klügsten von ihnen kommen und teilte ihm den Traum mit. Dieser erklärte, daß der Traum ihm großes Glück anzeire und die höchste Würde in Asien; Astyages aber dürfe nichts davon erfahren; „sonst würde er dich schmählich um- bringen und mich, den Ausleger, dazu,” sagte der Babylonier. Sie schwuren einander zu, dieses große und keinem gleiche Gesicht niemandem mitzuteilen. Kyros kam darnach zu noch größeren Ehren, machte seinen Vater zum Satrapen von Persien und seine Mutter an Besitz und Ansehen zur ersten unter den Frauen Persiens.
Als aber bald darauf Öbares, der Vertraute des Kyros, den Babylonier tötet, verrät dessen Frau dem König den ver- heißungsvollen Traum, als sie von der Reise des Kyros nach Persien hört, die er zur Vorbereitung des Aufstandes unternommen hatte. Der König sendet dem Kyros Reiter nach mit dem Auftrag, ihn tot oder lebend einzuliefern. Aber Kyros weiß sie zu über- listen und entkommt ihnen, Schließlich kommt es zum Kampfe der mit der Niederlage der Meder endet; Kyros nimmt auch Egbatana ein. „Hier wurden des Astyages Tochter und deren Mann Spitamas samt ihren beiden Söhnen gefangen. Aber Astyages selbst war nicht zu finden; Amytis und Spitamas hatten ihn im Palaste, im Gebälk des Daches, versteckt. Da habe Kyros befohlen, - die Amytis, ihren Mann und die Kinder zu foltern, damit sie ge- ständen, wo Astyages sei; dieser aber sei freiwillig hervorgekommen, damit die Seinen nicht seinetwegen gefoltert würden. Den Spitamas nun habe Kyros hinrichten lassen, weil er gelogen habe, indem er behauptete, den Versteck des Astyages nicht zu kennen; die Amytis aber habe er selbst zum Weibe genommen. Den Astyages, welchen Öbares mit schweren Banden gefesselt hatte, löste er und ehrte ihn wie einen Vater und machte ibn zum Satrapen der Barkanier.”
Der Herodotischen Version der Kyrossage ist die Jugend- geschichte des iranischen Königshelden Kaikhosrav, wie sie KAIKHOSRAV, 47 Firdusi im Säh-näme erzählt, ganz ähnlich; am ausführlichsten ist die Sage von Spiegel (Eranische Altertumskunde I, 581 u.ff) wiedergegeben: Während eines Krieges, den der König Kaikäus von Baktrien und Iran gegen den König Afräsiäb von Turan führte, entzweite sich Kaikäus mit seinem Sohne Siävaksh, der sich nun an Afräsiäb um Schutz und Hilfe wandte. Er wurde freundlich aufgenommen und Afräsiäb gab ihm sogar seine Tochter Feringis zur Frau, wozu er sich durch seinen Wesir Pirän überreden ließ, obwohl ihm geweissagt worden war, daß der aus dieser Verbindung hervorgehende Sohn einmal großes Unglück über ihn bringen werde. Garsövaz, des Königs Bruder und ein naher Verwandter des Siävaksh, verleumdet den Schwieger- sohn bei Afräsiäb, der nun mit einem Heere gegen ihn zieht. Vor der Geburt seines Sohnes wird Siävaksh durch einen Traum gewarnt, der ihm Untergang und Tod, dem Spröß- ling aber die Herrschaft verhieß. Er flieht daher vor Afräsiäb, wird aber gefangen und auf Befehl des Säh getötet. Sein schwan- geres Weib wird von Pirän aus den Händen der Henker gerettet. Gegen die Verpflichtung, die Entbindung der Feringis dem König sofort anzuzeigen, erhält Pirän die Erlaubnis, sie in seinem Hause zu behalten, Einst verkindigt ihm im Traum der Schatten des ermordeten Siävaksh, ihm sei ein Rächer geboren worden, und wirklich findet Pirän im Gemache der Feringis einen neugeborenen Knaben, den er Kaikhosray nennt, Afräsiäb bestand nun nicht mehr auf der Tötung des Knaben, aber er befahl dem Pirän, das Kind nebst einer Amme den Hirten zu übergeben, die ihn in Unkenntnis seiner Herkunft aufziehen sollten. Bald offenbart sich aber seine königliche Abstammung in seinem Mut und seinem Benehmen; und da Pirän den Knaben wieder in sein Haus nimmt, wird Afräsiäb mißtrauisch und läßt sich ihn vorführen, Auf Piräns Belehrung stellt sich nun Kaikhosrav töricht!), und 1) Vgl. auch die Törichtprobe des Moses (nach Bergell. ce): Im Palast setzt er einst des Königs Krone auf, der ihn darum auf die Probe stellt, ob er zu großen Dingen berufen wäre: Er läßt zwei Gefäße vor ihn hinstellen, in einem ist Gold, im andern glühende Kohlen. Er greift nach der Kohle, führt den verbrannten Finger zum Munde und versengt sich damit die Zunge; seitdem stottert er. — Ähnlich verbrennt sich Siegfried den 48 DIE TÖRICHTPROBE: HAMLET. — KULLERWO.
beruhigt über die Ungefährlichkeit des Knaben entläßt ihn der Säh zu seiner Mutter Feringis. Schließlich wird Kaikhosrav von seinem Großvater Kaikäus zum König gekrönt. Nach langen, ver- wickelten und mühevollen Kämpfen gelingt es schließlich mit göttlicher Hilfe, des Afräsiäb habhaft zu werden, Kaikhosrav schlägt ihm den Kopf ab und läßt auch den Garsevaz onthaupten, - Auf Grund des Motivs vom verstellten Wahnsinn und einiger anderen übereinstimmenden Motive hat Jiriczek („Hamlet in Iran” in der Zeitschr. d. Vereins f. Volkskunde, Band 10, 1900, S. 353 uf.) die Hamletsage als eine Variante der iranischen Sage von Kaikhosrav hingestellt, ein Gedanke, der dann von Heinr, Leßmann (Die Kyrossage in Europa, a. a. OÖ.) weiter ausgeführt wurde, Leßmann zeigt, daß die Hamletsage wieder in einigen Punkten, so im Törichtstellen, auffällig mit der Brutus- und Tell- sage übereinstimmt und weist auch auf die Geschichte Davids hin, wie sie in den Büchern Samuelis erzählt wird!), Auch dort ist der königliche Sprosse, David, zu einem Hirten gemacht, der all- mählich die soziale Rangleiter bis zum Köuigsthron emporsteigt. Auch er bekommt die Tochter des Königs (Sauls) zur Frau und der König stellt seinem Leben na-h; aber immer wird David auf wunderbare Weise aus den größten Grfahren gerettet. Auch er.
entgeht dadurch, daß er Wahusinn heuchelt, sich töricht steilt, der Verfolgung.
Zur Hamletsage stimmt auffällig die finnische Überlieferung von Kullerwo. Untamo, im Krieg gegen seinen Bruder Ka'erwo, tötet ıhn und sein ganzes Geschlecht, bis auf ein schwangeres Weib, die in Untamos Haus Kullerwo — als Rächer seines Ge- sehlchtes — gebiert. Untamo möchte sich des Knaben, von dem er Gefahr fürchtet, entledigen: man setzt ihn in einem Faxsse aufs Wasser aus, er bleibt am Leben und erweist sich auch gegen Feuer und Luft (aufhängen) gefeit. Als Knecht verübt er Finger am Drachenblut, das er zum Munde führt, woraul er die Spraehe der Vögel versteht. ) Den biblischen Charakter dieses ganzen Sagenkreises betont auch Jiriezek: er findet in der Erzählung vom Tode des Siävaksh Züge aus der Passion des Heilands.
0 m nn ce % Eulenspiegeleien (Dummstellen) und kommt nach dem Dienst bei Ilmarinen wieder in seine Familie. Im Walde überwältigt er unerkannt seine Schwester, die sich ins Wasser stürzt (vgl. das ähnliche Schicksal Ophelias), als sie erfährt, wer er ist; auch er klagt, er möchte lieber als Kind getötet worden sein (Hamlets Pessimismus!), Schließlich unternimmt er einen Rachezug gegen Untamo, findet aber bei seiner Rückkehr seine Familie nicht und endet durch Selbstmord an der Stelle, wo er seine Schwester geschändet hatte.
Bei den Esten ist die im Finnischen episodische Kalerwo- Sage der einzige Stoff der Epik. Der estnische Held ist Kalewi- Poeg, Kalew-Sohn. Sein Vater stirbt vor seiner Geburt, seine Mutter wird von einem finnischen Zauberer geraubt. Er schwimmt ihr nach Finnland nach. Auf der Insel schwächt er ein Mädchen, (dessen Schwestercharakter vergessen ist wie bei Ophelia), das sich ertränkt. Zur Befreiung seiner Mutter erschlägt er den Zauberer, findet aber die Mutter schon tot. Er steigt in die Unterwelt und kommt schließlich durch sein eigenes Schwert um (Hamlet!). (Vgl. zum ganzen Sagenkreis Setälä: Kullerwo-Hamlet. Ein sagenver- gleichender Versuch. Helsingfors.)
Im finnischen Epos Kalewala (1. Rune) wird der Held Wainämoinen von der durch Wind und Wogen geschwängerten Wassermutter geboren und treibt lange auf den Wogen um- her, bis er endlich ans Ufer gelangt, Er wirbt dann als Jüngling um Jonkahainens Schwester, die ihn nicht mag und sich ins Meer stürzt, aus dem sie der Held in Fischgestalt rettet. Später stürzt sie ihn jedoch ins Meer, wo er mehrere Tage schwimmt, bis ihn ein Adler rettet, Eine gewisse, jedoch schon entferntere Ähnlichkeit mit der Kaikhosravsage weist der iranische Mythus von Feridun auf, wie ihn Firdusi in seinen „Persischen Heldensagen” (übersetzt von Schack) erzählt. Zohäk!), der König von Iran, sieht einst im 1) Der Name Zohäk ist eine Verstümmelung der ursprünglich zendi- schen Bezeichnung Ashi dahaka (AZiS-dahaka), verderbliche Schlange (siehe: Die Sage von Feridün in Indien und Iran von Dr. R. Roth in der Zeitschr. der Deutsch. morgenl. Ges. II, 216 uff.), welchen Namen (Ashdahak) die Armenier nach Oppert in Astyages umbenannt haben. Dem iranischen Feridün entsprieht der indische Trita, dessen avestischer Doppel- Rank, Der Mythus von der Geburt des Helden. 2, Aufl. 4 1 u ERRE - 2 a nn DO — EEE m a in Bee ee ee EEE 50 FERIDUN. — TRAKHAN..
a nn nn m ua rn m m 0.8 Traum drei Männer königlichen Stammes; zwei vom Alter | gebeugt, in ihrer Mitte aber einen jüngeren, der eine Keule mit einem Stierkopf in der Rechten hält, auf ihn zutritt und ihn mit der Keule zu Boden schlägt. Die Traumdeuter erklären dem König, der junge Held, der ihn vom 'Ihrone stoßen werde, sei Feridun, ein Sprößling vom Stamme des Dschemschid. Sogleich beginnt Zohäk, die Spuren des Gefürchteten zu suchen. Feridun ist der Sohn Abtins, eines Enkels des Dschemschid. Sein Vater verbirgt sich vor den Nachstellungen des Tyrannen, wird aber ergriffen und getötet, Ihn selbst, den noch zarten Knaben, rettet seine Mutter Firänek, indem sie mit ihm flieht und ihn dem Hüter eines entlegenen Waldes zur Pflege übergibt. | Dort wird er von der Kuh Pürmäje gesäugt; drei Jahre 3 bleibt er da, dann glaubt ihn seine Mutter nicht mehr sicher und trägt ihn auf den Berg Alburs zu einem Einsiedler. Bald darauf | kommt Zohäk in den Wald und tötet den Hüter sowie Purmäje, $ Als Feridun sechzehn Jahre alt war, stieg er vom Alburs herunter, 4 erfuhr von der Mutter seine Abkunft und schwur, den Tod seines Vaters und seiner Ernährerin zu rächen. Auf dem Zuge gegen Zo- häk begleiten ihn seine beiden älteren Brüder Purmäje und. Kayänush. Die Keule, die er sich schmieden läßt, schmückt er zum Andenken an die Kuh mit dem Stierkopf; mit dieser Keule A trifft er dann, wie es der "Traum ankündiste, den Zohäk. i Trakhan.
Trakhan.
Eine ähnliche Geschichte wird von der Aussetzung und 3 Rettung Trakhans, des Königs von Gilgit, erzählt, einer Stadt, 9 die in mehr als 5000 Fuß Höhe im ewigen Schnee des Hima- Br laja gelegen, in alten Zeiten Sitz eines mächtigen Herrscher- u geschlechtes war. Aus diesem ragte besonders Trakhan, | der zu Anfang des XIII. Jahrhunderts regierte, hervor. Er | nn rn Adi >. | gänger Thraetaona ist. Die zuletzt genannte Form ist am überwiegendsten beglaubigt; daraus entstand durch Übergang der Hauchlaute Phrödüna, dann Fredün oder Afreödun; Feridun ist neuere Verderbung. Vgl. Fr, Spiegels Eränische Altertumskunde, I, S. 537 u. ff.
f ' 4 4 * TRAKHAN. öl Dee ya nn soll der sirengste und stolzeste König gewesen sein und die Überlieferung überbietet ‘sich selbst in den Schilde- rungen seiner Erlebnisse und Taten?). Die Erzählung von seiner Geburt und Aussetzung lautet: (nach Frazer: The Folk- lore in the Old Testament, London 1919, Vol. U, p. 452): Sein Vater Tra-Trakhan, König von Gilgit, hatte eine Frau aus einer Familie in Darel geheiratet. Er huldigte leidenschaftlich dem Polospiel und begab sich jede Woche nach Darel, um mit den sieben Brüdern seiner Frau zu spielen. Einst setzten sie fest, daß der Gewinner seine Partner töten sollte; der König blieb nach hartem Kampf Sieger und tötete seine sieben Schwäger. Seine Frau rächte sogleich den Tod ihrer Brüder und vergiftete den König, an dessen Stelle sie dann herrschte. Einen Monat nach der Beseitigung des Königs gebar die Königin einen Knaben von ihm, den sie Trakhan nannte. Sie konnte aber das Kind des Mörders ihrer Brüder. nicht sehen, legte es darum in ein Holzgefäß und warf dieses heimlich in den Fluß. Der Strom schwemmte das Gefäß bis Hoder, einem Dorf im Chilasdistrikt. Dort erbliekten zwei arme Brüder, die in dem Gefäß einen Schatz vermuteten, das Kästchen und einer von ihnen watete in den Fluß, um es ans Land zu bringen. Um keinen Verdacht zu erregen, hüllten sie das Kästchen in ein Bündel und brachten es nach Hause. Dort fanden sie zu ihrer Überraschung einen lebenden Knaben darin, den ihre Mutter mit großer Sorgfalt aufzog. Mit dem Knaben war das Glück in ihr Haus eingezogen und die Brüder wurden bald reich und angesehen. Mit 12 Jahren faßte der Findelknabe den Entschluß, nach Gilgit zu ziehen, von welcher Stadt er viel gehört hatte.
So machten sich also seine beiden Pflegebrüder mit ihm auf den Weg. Unterwegs machten sie an einem Orte, Baldes, auf der Spitze eines Hügels, halt. Nun war seine Mutter noch Köniein von Gilgit, aber da sie sehr krank war und keinen Nachfolger hatte, suchte das Volk nach einem König, der von 1) Major J. Biddneph, Tribes of the Hindoo Koosh. Caleutta 1880. Ghulam Muhammed „Festivals and Folk-lore of Gilgit”. Memoirs of the asiatie Soeiety of Bengal. Vol. I, Nr. 7 (Caleutta 1905), p-. 124 ft. 4 ia 52 ‘“ ROMULUS.
— ZT nn En mi ou u nn ee ee irgendwoher käme, um über sie zu herrschen. Eines Morgens nun krähten die Hähne im Dorfe nicht wie gewöhnlich, sondern „Beldas tham bayi”, was so viel bedeutet wie: „Es ist ein König in Beldas”. Da wurden Männer ausgesandt, um alle Fremdlinge, die zu finden wären, zu bringen. Die Boten fanden die drei Brüder und brachten sie vor die Königin. Da Trakhan stattlich und hübsch war, wandte sich die Königin an ihn und erfuhr im Laufe der Unterredung seine Geschichte. Zu ihrer Freude und Überraschung erkannte sie in ihm ihren verloren geglaubten Sohn, den sie in einer Aufwallung von Schmerz und Rache in den Fluß geworfen hatte. Sie umarmte ihn und erklärte ihn zum rechtmäßigen König von Gilgit.
Romulus.
Romulus.
Die ursprüngliche Fassung der Erzählung von Romulus und Remus bei dem ältesten römischen Annalisten, Fabius Pictor, lautet nach Mommsen!): Die von der llia, der Tochter des früheren Königs Numitor, aus der Umarmung des Gottes Mars geborenen Zwillinge befahl der jetzige Herr von Alba, König Amulius, in den Fluß zu werien. Die Diener des Königs nahmen die Kinder und trugen sie von Alba bis an den Tiber auf den Hügel des Palatin; aber als sie von diesem zum Flusse hinabsteigen wollten, um den Befehl zu vollziehen, fanden sie ihn ausgetreten und ver- mochten das Strombett nicht zu erreichen. So schoben sie die Wanne mit den Kindern in das flache Uferwasser. Sie schwamm eine Weile; aber die Wasser traten bald zurück und da sie gegen einen Stein stieß, fiel sie um; schreiend lagen die Kinder im Schlamm. Das hörte eine Wölfin, die eben vorher geworfen und die Euter schwer von Milch hatte, und sie kam herbei und 1) Th, Mommsen: Die echte und die falsche Acca Larentia; in: Festgaben für G. Homeyer (Berlin 1871), S. 93. uff., und: Röm. Forschungen (Berlin 1x79), IL, S. 1 uff, Mommsen konstruiert die verlorene Erzählung des Fabius nach den erhaltenen Berichten des Dionysios (1, 79—83) und Plutarchs (Romulus).
% Fr P u nn m nn 7 ROMULUS NACH FABIUS PICTOR. 55 reichte den Knäblein die Zitzen, um sie zu tränken, und während sie tranken, leckte sie sie mit der Zunge rein. Über ihnen flog ein Specht; er hütete die Kinder und trug ihnen gleichfalls Speise zu. Der Vater waltete über seinen Söhnen; denn Wolf und Specht sind die heilieen Tiere des Vaters Mars. Das sah einer der königlichen Hirten, welcher die Schweine wieder zurücktrieb auf die vom Wasser frei gewordene Flur, und er staunte und rief die Genossen; die fanden die Wölfin, wie sie mütterlich sorgte für die Kinder und die Kinder zu ihr waren wie zu einer Mutter. Und sie machten einen großen Lärm, um das Tier zu verscheuchen. Aber die Wölfin ward nicht scheu; sie ließ von den Kindern, aber nicht aus Furcht; langsam und ohne um die Hirten sich u kümmern, verschwand sie bei der heiligen Stätte des Faunus, wo aus einer Schlucht des Berges das Wasser hervor- sprudelt, in das Dickicht des Waldes. Die Männer aber hoben die Knaben auf und brachten sie dem Obersten der Schweine- hirten des Königs, dem Faustulus; denn sie meinten, die Götter wollten nicht, daß sie umkämen. Aber des Faustulus Frau hatte eben ein totes Kind geboren und war traurig. Da gab ihr der Mann die Zwillinge und sie nährte sie, und sie zogen Sie aul und nannten sie Romulus und Remus. Als dann Rom gesründet worden war, da baute König Romulus sich sein Haus unfern der Stätte, wo seine Wanne gestanden. Die Schlucht aber, in der die Wölfin verschwunden war, heißt seitdem die Wolfs-.
schlucht, das Lupercal; dort ward späterhin das eherne Bild der Wölfin mit den Zwillingen aufgestellt und der Wölfin selbst, der Lupa, erwiesen die Römer göttliche Ehre!').
nis 1!) Die kapitolinische Wölfin gilt als ein uraltes Werk etruskischer Künstler, das nach Livius (X, 23) im Jahre 296 v. Chr, beim Luperecal auf- gestellt wurde. Soltau versucht den Nachweis, daß die Wölfin mit den Kindern campanischen, hellenistischen Ursprungs sei. Das campani- sche Didrachmon bietet eine Darstellung, auf der die Wölfin sich sorgsam nach den saugenden Kindern umsieht, während das alte Erzbild, welches jetzt auf dem Kapitol steht, die Wölfin grimmig ausspähend, gleichsam die Feinde abwehrend, nach vorne starrend, zeigt, was wohl kaum auf ibre Rolle als altrix infantium hindeutet. Soltau nimmt an, ‚daß man dieser ursprünga.——- en en 54 ROMULUS NACH LIVIUS.
m TE nn nn Später erfuhr dann die Romulussage mannigfache Um- arbeitungen, Entstellungen, Erweiterungen und Auslegungen'); am bekanntesten ist sie in der Form, die bei Livius (I, 8 u. ff.) überliefert ist; wir erfahren dort einiges über die Vorgeschichte und die späteren Schicksale der Zwillinge.
König Proca vererbte seinem erstgeborenen Sohne Numitök die Königswürde. Aber der jüngere Bruder Amulius verdrängt ihn vom Thron und wird selbst König. Damit aber kein Sprößling aus Numitors Familie einst als Rächer erscheine, tötet er den männlichen Nachkommen des Bruders; der Tochter Rea Silvia aber raubt er, unter dem Schein einer ehrenden Auszeichnung, indem er sie zur Vestalin wählte, durch den immerwährenden Jungfrauenstand die Hoffnung auf Nachkommenschaft. Doch die Vestalin wurde mit Gewalt übermannt und als sie Zwillinge zur Welt gebracht hatte, gab sie, sei es aus Überzeugung oder weil ihr ein Gott als Urheber der Schuld ehrenhafter er- schien, den Mars als Vater der unehelichen Sprößlinge an. Nach der Erzählung von der Aussetzung im Tiber heibt es dann weiter: Die Sace erzählt nun, daß die schwimmende Wanne, worin die Knaben ausgesetzt worden waren, von dem niederen Wasserstand auf dem Trockenen gelassen wurde und daß eine durstige Wölfin, von den umliegenden Bergen nach dem Kindergeschrei hingelenkt, den Kindern ihre Euter dargeboten habe. Von dem königlichen Oberhirten, der Faustulus geheißen haben soll, seien dann die Knaben gefunden und nach dem Gehöft seiner Frau Larentia zum Auferziehen gebracht worden. Einige glauben, Larentia sei, weil sie ihren Körper preisgab, von den Hirten „Lupa (Wölfin)” genannt worden und so sei die wunderbare Sage entstanden.
Zu Jünglingen herangewachsen, schützen Romulus und Remus die Herden vor dem Angriff wilder Tiere und Räuber. Einst wird Remus von den Räubern gefangen genommen und lich apotropäischen Wölfin später die Pflege der infantes conditores zu- getraut habe. Vgl. die Titelvignette, 1) Alle diese Darstellungen hat Schwegler in seiner Römischen Geschichte, I, S. 384 u. ff,, zusammengestellt.
a a Egg gr ABB ar DIE ROMULUSLEGENDE. 55 des Raubes an Numitors Herden beschuldigt. Numitor aber, dem er zur Bestrafung übergeben ward, wurde durch seine Jugend gerührt und als er von den Zwillingsbrüdern hörte, auf die Vermutung geführt, daß die beiden seine ausgesetzten Enkel seien. Während ihn nun bald die Ähnlichkeit mit den Gesichts- zügen seiner Tochter, bald das der Zeit der Aussetzung ent- sprechende Alter des Jünglings in ängstlicher Spannung er- hielt, kam Faustulus mit Romulus dazu und da man von dem Hirten die Herkunft der Knaben erfahren hatte, wird eine Verschwörung angestiftet; es bewaffnen sich sowohl die Jüng- linge zur Rache, als auch Numitor, um seine Ansprüche auf den ihm geraubten Thron geltend zu machen. Nach der Ermordung des Amulius wird Numitor wieder in die Herrschaft eingesetzt und die Jünglinge beschließen, in der Gegend, wo sie ausgesetzt und erzogen worden waren, eine Stadt zu gründen. Bei der Frage, welcher von den Zwillings- brüdern die neuerbaute Stadt beherrschen solle, kam es — da der Vorzug der Erstgeburt für keinen sprach und auch das Ergebnis der Vogelschau nicht einwandfrei war — zu einem erbitterten Streit. Remus soll, wie die Sage erzählt, zur Verhöbnung des Bruders über die neue Mauer gesprungen sein, worauf ervon dem erzürnten Romulus erschlagen worden sei. So bemächtigte sieh Romulus der Alleinherrschaft und die Stadt wurde nach ihm Rom benannt.
Nach Auffassung der Historiker und Philologen (Ranke, Ribbeck, Mjıeber, Reich, Ed. Meyer, Soltau!), die durchaus nach einem be- stimmten Vorbild der mythischen Überlieferungen fahnden, soll die Romuluslegende (erst im 3, Jahrh, v. Chr.) aus der Tyro des Sophokles entlehnt und nach Rom übertragen worden sein. Tyro, die Tochter des Königs Salomoneus, empfängt von Poseidon die beiden Söhne Neleus und Pelias, die auf Veranlassung der Stiefmutter von dem grausamen Herrscher in einer Wanne im Enipeus ausgesetzt, aber wunderbarerweise von einer Hündin, beziehungsweise Stute gesäugt, von Hirten gefunden und aufgezogen werden. Die Mutter wird von ') Die Entstehung der Romuluslegende. Arch, f, Rel. Wiss. XII, 1, 1909.
Tr 56 AMPHION UND ZETHO3S. — ZWILLINGSSAGEN.
m mE on a —n ihrem Vater Salomoneus in den Kerker geworfen und dort von ihrer Stiefmutter Sidero gepeinigt, bis sie später von ihren erwachsenen Söhnen befreit wird, die den tyrannischen Vater stürzen und das Leiden ihrer Mutter an Sidero rächen.
Ähnlich ist auch die griechische Städtegründersage won den Zwil- lingsbrüdern Amphion und Zethos, die zuerst den Sitz des sieben- torigen Theben begründeten, indem Amphion die gewaltigen Fels- blöcke, die Zethos aus den Bergen herbeischleppte, durch sein Saitenspiel zu den später so berühmten Mauern zusammenfügte. Amphion und Zethos galten als Kinder des Zeus und der Antiope, der Tochter des Königs Nykteus. Durch die Flucht entzog sie sich der Bestrafung durch ihren Vater, den der Gram tötete; sterbend beschwor er aber seinenBruder und ThronfolgerLykos, Antiopes Vergehen zu bestrafen. Sie hatte inzwischen Epopeus, den König von Sikyon, „geheiratet, den nun Lykos tötete. Antiope führte er in Fesseln fort. Im Kithairon gebar sie Zwillinge und ließ sie dort zurück. Ein Hirt zog die Knaben auf und nannte sie Amphion und Zethos. Später gelang es Antiope, den Peinigungen des Lykos und seiner Gemahlin Dirke zu entfliehen; im Kithairon ucht sie zufällig bei den inzwischen herangewachsenen Zwillings- - brüdern Schutz. Der Hirt verrät den Jünglingen, daß Antiope ihre Mutter ist. Sie töten hierauf die Dirke auf grausame Weise und berauben den Lykos der Herrschaft. | Auf die übrigen, sehr zahlreichen Zwillingssagen!) kann hier nicht näher eingegangen werden; sie stellen offenbar eine Komplikation des Geburtsmythus mit einem verwandten und weit- verbreiten Mythenkomplex, dem der feindlichen Brüder, dar, dessen ausführliche Behandlung in einem anderen Zusammenhang gegeben worden ist?). Die Berechtigung der Abtrennung dieses Stückes der Mythologie von unserem Thema gibt uns der anscheinend 1) Einige griechische Zwillingssagen führt Schubert (2. 2:0. 8. 13 u.ff.) ihrem wesentlichen Inhalt nach an. Zur weiten Verbreitung dieser Sagenform vergleiche man das konfuse Buch von J. H. Becker, Die Zwillingssage als Schlüssel zur Deutung urzeitlicher Überlieferung. Mit einer Tabelle der Zwillingssage. Leipzig 1891.
2) Vgl. des Verfassers „Inzest-Motiv in Dichtung und Sage”, II. Teil sowie die Abschnitte XI, XII und XIII in „Psychoanalytische Beiträge zur Mythenforschung”, 1919.
j ' nn om u ZT urn mer Te HERAKLES. — HATSHEPSET, 67