Wie dies zu denken sei, das sucht er bezüglich der Empfindungen mehrfach und nicht ganz glücklich zu erläutern. Es stehe fest, meint er, dass wir durch das Gesicht, Gehör u. s. f. in mehr als einer Weise etwas wahrnehmen; denn durch das Gesicht nehmen wir nicht bloss das Licht sondern auch die Finsterniss, durch das Gehör nicht bloss die Töne sondern auch die Pausen, nicht bloss das Geräusch sondern auch die Stille, den Mangel jeglichen Geräusches wahr; aber nicht in derselben Weise.. Wir haben also erwiesenermassen durch das Gesicht, durch das Gehör u. s. f. ein Wahrnehmen mehrfacher Art, und so sei es auch recht wohl denkbar, dass, wir durch das Gesicht nicht bloss die Farben sondern auch unser Sehen, durch das Gehör nicht bloss die Töne sondern auch unser Hören wahrnehmen, obwohl die letztere Wahrnehmung kein eigentliches Hören sei. Noch mehr. Wie das Tönen, so sei auch das Hören eine Einwohnung des Tones. Sie verhalten sich zu einander wie Wirken und Leiden. Sie seien darum in Wirklichkeit immer gleichzeitig gegeben. Man könne nur sagen dass etwas wirklich töne, wenn auch etwas sei was wirklich den Ton vernehme. Ausserdem dürfe man nur von einem Tönen in Möglichkeit reden. Tönen und Hören seien also, wie allgemein das Wirken und das dem Wirken entsprechende Leiden, sachlich Eins und den Begriffen nach correlativ und darum nie anders als zusammen und in ein und demselben Acte vorstellbar*).
^) De Anim III. 2: hi dUi xtd h^qa slrj rijg oipfotg atnd-rjaig, rj eig aneiQov etaiv rj avrri reg ^arai aviijg.
*) Ebend.: (pavsQov tolvvv ozc ov/ iV t6 tj oipH ulaS-dvEoi^ai ' xtxl yccQ otav firi OQtofx^v, t^ oxpH xqCvo/ä€v xal xb axorog xal t6 (püHg, «AA' ovx (oünvTOig. ht ^k xa) t6 OQüiv eOTiv wg xf/QM/uaTiaicct,' t6 yteg 172 Buch II. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
Der Vergleich der Wahrnehmung des Hörens mit der Wahrnehmung der Stille durch das Gehör ist wenig treffend; und die Unterordnung des Begriffspaares, Hören und Tönen, unter das des Leidens und Wirkens gänzlich verfehlt. Der Begriff Ton ist kein relativer Begriff. Wäre dies der Fall, so würde nicht das Hören ein secundäres, sondern mit dem Tone zugleich das primäre Object des psychischen Actes sein, und dasselbe würde in jedem anderen Falle gelten, was unverkennbar der Ansicht des Aristoteles selbst entgegen ist^). Auch könnten wir gar nichts denken ausser gewissen Relationen zu uns selbst und unseren Gedanken, und dies ist ohne Zweifel falsch. Allein wenn an dieser Stelle Aristoteles zum Mindesten ungenau spricht, so finden wir anderwärts bei ihm die richtige Ansicht mit aller Klarheit ausgesprochen. So sagt er im zwölften Buche der Metaphysik: „Das Wissen und die Empfindung und die Meinung und das Nachdenken scheinen immer auf etwas Anderes zu gehen.
ttiad^TTjQiov ^exTixov Tov aiad-TjTov avav jr\g vlrjs exaarov. dio xal aneXd-ovxmv rav äta&r}Tc5v tvEtOi^v al aiad^aei^g xal (pavTaaiac iv roig cdod-TjTrjQioig, t) ^e tov cciaS^TOv Mgyeia xal Trjg aiad-rjoicog rj avTTi fji,äv ioTi xal fjLiay To d^alvat ov Tttvxby avraTg' Xfycj 6*oiov ipotpog o xar ivi()y€ittv, xal ttxori rj xax Iviqyuav* t(Sxi yaQ axorjV ^/ovra fzr} dxovStv, Xttl TO f/or xfjoifov ovx ail ipo(f6L. oTov ^ Iv^Qy^ TO övvafiivov dxovstv xal ifJOfp^ TO dvvafxevov xjjotpeiv, tots tj xax Mgynav äxo^ a/Lia yCvaTai xal 6 xttT Iv^Qyecav ipoipog^ o)v aXmuv av rig to fitv elvac axovoiif t6 (Ff ^oiprjOcv. si 6*}^auv ij xCvr^Oig xal rj noirjatg xal t6 Ttdd-og Iv toJ noiovju^vip, dvdyxTj xal tov \p6(fov xal ttjv dxoriv ttjv xax Iviqyhiav Iv rij xaxa dvvafxi^f eivm' rj yaQ xov ttoltjxixov xal xivrjxixov ^v^gyeia ir xb) ndaxovxi lyyivsxai. öio ovx dvdyxri xb xivovv xivelo&ai 6 ^avxbg koyog xal inl xc5v allcjv aiaS-rjaecov xal aiad-rjXMV. toüneQ ydo r} TToCrjacg xal rj ndd-rjaig iv tm nda/oVTi dX}J ovx iv x(p Tiowvviiy ovxta xal ^ xov aiad-rixov iviqyeia xal ij xov aiaS^nxov iv x^ ata&rjxtx^...insl d^ /tt/a fÄ^v iOTcv iviqyua rj xov alodjixov xal rj xov aiod^jtxov x6 ^^elyai exSQOVf dvdyxrj ufia (p&€(^fa&ai xal aw^aS-ai xrjv ovxco XeyofjLivriv dxoriv xal ip6(fov, xal x^f^^ ^h ^«^ ysvcftv xal xd aXla Ofiotcog' xd cTf xaxa ^vrajuiv Xeyofisva ovx dvayxi].
^) Sonst würde er uns wie die Farbe auch das Sehen sehen lassen, und nicht, damit das Sehen sich selbst erfasse, der o\pig eine zweite Art von ala&dna&ai („«U' ov/ (oaavxtog^^) zuschreiben.
Capitel 2. Vom inneren Bewiisstsein. 173 auf sich selbst aber nebenbei ^)." Hier zeigt sich seine Auffassung der unserigen vollkommen conform, und so hat sie ihm gewiss auch vorgeschwebt, als er die zuvor betrachtete Stelle niederschrieb, und um ihretwillen die unendliche Verwickelung der Seelenthätigkeit als unberechtigte Folgerung zurückwies. Doch da er hier seine Ansichten von der eigenthümlichen Vereinigung des Hörens und der Wahrnehmung des Hörens in einem Acte anschaulich machen wollte, und keine passenden Analogien dafür fand, begegnete es ihm, dass er sie vielmehr in ein falsches Licht setzte.
Dass auch die übrigen Psychologen fast allgemein einer verwandten Anschauung sich zuneigen, davon kann man sich leicht überzeugen. J. St. Mill, dessen abweichende Ansicht über die Empfindungen wir früher kennen lernten und zu widerlegen suchten, spricht hinsichtlich der Erinnerungen und Erwartungen eine mit der unserigen congruente üeberzeugung aus. Er gibt ihnen (und wie sollte er es nicht thun?) ein von ihnen verschiedenes, ein als früher oder später gedachtes Phänomen zum Inhalte; aber er glaubt, dass sie zugleich selbst für sich selbst Gegenstand seien, indem er sie ^). Metapb. Ji^ 9: (paCviraL 6\'<el äXXov rj ^nicnrifiri xai tj atoßrjOig 3(al ri do^a xal rj diavoia^ avrrs (Tlv naqiqyfp. Vgl. auch ebend. 1, 7. p. 1072, b, 20. Anderw^ärts hat es den Anschein, als ob Aristoteles ähnlich wie Thomas v. A. für die Empfindungen einen besonderen inneren Sinn annehme, und so der Lehre von einer Verschmelzung der begleitenden inneren Vorstellung mit der Empfindung in einem Acte untreu werde. Seine allgemeine Theorie von den Seelenver-BQÖgen scheint auch mit einer solchen Ansicht leichter vereinbar. Und darum habe ich selbst in meiner „Psychologie des Aristoteles** mit der Mehrzahl der Erklärer sie ihm zugeschrieben. Doch die Stelle De Anim III, 2. spricht so klar dagegen, und es ist so misslich, einen VTiderspruch seiner verschiedenen Aussagen in diesem Punkte anzunehmen, dass ich mich jetzt zu der hier im Texte dargelegten Auffassung bekenne. H. Schell in seiner Schrift: „Die Einheit des Seelenlebens aus den Principien der Aristotelischen Philosophie entwickelt", Freibarg 1873, hat mit vielem Scharfsinne den Versuch gemacht, die ihr entgegenstehenden Aussagen damit zu versöhnen und auch die metaphysischen Anschauungen des Aristoteles über Act und Potenz u. s. w. damit in Einklang zu bringen. Vgl. auch unten Buch II. Cap. 3. §. 5.
mä^m^ 174 Buch IL Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
I in dieser Hinsicht in nichts von den Empfindungen unterschieden denkt. „In sich selbst", sagt er, „sind sie geg^enwärtige psychische Phänomene, Zustände eines gegenwärtigen Bewusstseins, und sie unterscheiden sich in dieser Hinsicht in nichts von den Empfindungen^)." Wenn wir an das, was Mill über;die Empfindungen lehrte, und namentlich an die Weise zurückdenken, wie er sie sich selbst erfassen liess, so sehen wir wohl, dass er nicht deutlicher uns zustimmen J^onnte. Bain ist zweifellos derselben Meinung. Ebenso glaubt Lotze, dass ein Bewusstsein von den in uns bestehenden psychischen Phänomenen in ihnen selbst gegeben sei; ja, wir dürfen sagen, dass unter allen, welche die Existenz unbewusster psychischer Phänomene (in unserem Sinne) leugnen, keiner einer anderen Ansicht ist. Zu diesen gehört aber auch ülrici, und dem entsprechend erklärt er ausdrücklich, dass „alle unsere Empfindungen zugleich Selbst-Empfindungen der Seele" seien ^). Aber auch von denjenigen, welche nicht jedes psychische Phänomen für ein bewusstes halten, geben die Meisten un^ Zeugniss, wie z. B. Beneke. Wo immer er ein psychisches Phänomen von einem darauf bezüglichen Bewusstsein begleitet denkt, glaubt er nicht, dass dieses als ein zweiter, besonderer Act hinzukomme, sondern dass es, wie eine besondere Bestimmtheit und Eigenheit des Phänomenes selbst, mit demselben gegeben sei ^). Die Allgemeinheit dieser Ueberzeugung ist offenbar der Grund, wesshalb der vierte Weg zum Nachweise unbewusster psychischer Phänomene so wenig betreten worden ist, und durch sie wird die Richtigkeit unserer Auseinandersetzung in willkommener Weise bestätigt.
§. 11. Die eigen thümlich innige Verbindung des psychischen Actes mit der darauf bezüglichen Vorstellung, die ihn begleitet, machte es uns möglich, auch die letzte Art von Capitel 2. Vom inneren Bewusstsein. 175 Beweisversuchen für das Dasein unbewusster psychischer Acte zu entkräften. Sehen wir, ob wir im Stande sein werden, noch weitere Aufschlüsse daraus zu gewinnen.
Wir haben früher die Frage besprochen, ob zwischen der Intensität der bewussten psychischen Erscheinungen und der Intensität der darauf bezüglichen begleitenden Vorstellungen ein functionelles Verhältniss bestehe. Es zeigte sich, dass die gewöhnliche Ansicht einer solchen Annahme günstig ist, indem sie die Vorstellungen von Vorstellungen, wo immer sie diese begleiten, der Intensität nach ihnen gleichzustellen pflegt, und eine nähere Untersuchung diente dieser Ansicht zur Bestätigung. Aber die Erörterung war, wenn nicht gerade sehr verwickelt, doch auch nicht von der Art, dass man glauben könnte, sie sei der Weg auf welchem die gewöhnliche Meinung sich gebildet habe. Ihre Entstehung blieb also damals unerklärt. Jetzt dagegen sind wir, wenn ich nicht irre, in Stand gesetzt, die mangelnde Erklärung zu geben.
Wenn wir eine Farbe sehen und von diesem unserem Sehen eine Vorstellung haben, so wird in der Vorstellung vom Sehen auch die gesehene Farbe vorgestellt; sie ist Inhalt des Sehens, sie gehört aber auch mit zum Inhalte der Vorstellung des Sehens ^). Würde nun die Vorstellung des Sehens mehr oder minder intensiv sein als das Sehen, so würde die Farbe in ihr mit einer anderen Intensität als in dem Sehen vorgestellt werden. Erscheint dagegen diese, insofern sie gesehen wird, und insofern sie zum Inhalt der Vorstellung vom Sehen gehört, gleich intensiv, so werden auch das Sehen und die Vorstellung vom Sehen der Intensität nach einander gleich sein. Hier also ist für das Urtheil ein naheliegender Anhaltspunkt gegeben. Nun haben wir erkannt, dass das Sehen und die Vorstellung vom Sehen in solcher Weise verbunden sind, dass die Farbe, indem sie Vorstellungsinhalt des Sehens ist, zugleich zum Vorstellungsinhalt der Vorstellung vom Sehen beiträgt. Die Farbe wird darum, obwohl sie im Sehen und ^ Vgl. oben §. 8.
176 Buch II. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
in der Vorstellung vom Sehen vorgestellt wird, doch nicht mehr als einmal vorgestellt^). Von einem Unterschied^ der Intensität kann also selbstverständlich nicht die Rede sein. Somit erklärt es sich sehr einfach, warum man allgemein glaubt, auch das Sehen und die Vorstellung des Sehens seien der Intensität nach nicht von einander verschieden, und dieser Glauben erscheint neuerdings als vollkommen gerechtfertigt. Steigt also oder sinkt die Stäike einer bewussten Empfindung oder einer anderen bewussten Vorstellung, so steigt oder sinkt die Stärke der begleitenden, darauf bezüglichen inneren Vorstellung in gleichem Maasse, so dass beide Erscheinungen ihrer Intensität nach immer auf gleicher Höhe stehen.
§. 12. Doch ein Einwand. Wenn mit der Intensität des Hörens die Intensität der Vorstellung des Hörens immer in gleichem Maasse steigt und fällt, so wird, wenn die Intensität des Hörens Null wird, auch die der begleitenden Vorstellung Null werden. Aber das Gegentheil scheint richtig. Wie sollten wir sonst wahrnehmen, dass wir nicht hören, was wir doch thun, indem wir in der Musik die Pausen und die Länge der Pausen und auch sonst das Eintreten vollkommener Stille, das Aufhören jegliches Geräusches bemerken? Recht intensiv sogar scheint manchmal die Vorstellung des Nichthörens zu sein, da der Müller, der beim Klappern der Mühle ruhig schläft, wenn sie plötzlich stille steht, aus tiefstem Schlafe erweckt wird; und' dasselbe zeigt sich in einem Falle, den wir früher nach Lewes anführten, wenn der in der Predigt friedlich entschlummerte Zuhörer bei ihrem Schlüsse erwacht, auch ehe noch das Geräusch der sich erhebenden Menge ihn erwecken konnte.
Der Einwurf mag in der That für einen Augenblick Bedenken erregen. Ist es doch, als ob er nicht bloss unserer eben verfochtenen Theorie gefährlich sei, sondern sogar die Existenz von Wahrnehmungen ohne ein positives Object ^) Ebend.
Capitel 2. Vom inneren Bewusstsein. \ 177 beweise; denn der Mangel des Harens ist offenbar kein positives Object. Betrachtet man aber die Thatsache etwas näher, so findet man wohl eine Lösung. Wenn wir die Vorstellung von einer Pause und von der Länge einer Pause haben, so erscheinen uns die Töne, von welchen die Pause begrenzt ist,' mit ihren verschiedenen zeitlichen Bestimmtheiten; wird ja doch ein jeder Ton, nachdem er als gegenwärtig erschienen ist, noch eine Zeit hindurch als vergangen, und als mehr oder minder vergangen vorgestellt. Die Grösse dieser Verschiedenheit ist die sogenannte Länge der Pause. Auch hier haben wir also eine Vorstellung von Tönen wie bei der Vorstellung von continuirlicher Musik; nur etwa Töne von einer gewissen mittleren zeitlichen Bestimmtheit werden nicht vorgestellt. Da wir nun eine Vorstellung von Tönen haben, so ist es nicht zu verwundem, wenn diese von einer gleich intensiven darauf bezüglichen Vorstellung begleitet ist.
Die Wahrnehmung bei eingetretener Stille ist> ein ähnlicher, nur einfacherer Fall. Ein Geräusch, das früher als gegenwärtig erschien, erscheint hier als unmittelbar vergangen, wenn auch keines als gegenwärtig erscheint. Und die Vorstellung des als vergangen erscheinenden Geräusches ist, nach dem was wir festgestellt haben, von einer gleich intensiven Vorstellung dieser Vorstellung begleitet.
Man entgegnet vielleicht, diese Erklärung genüge nicht. So lange die Mühle fortfahre zu klappern, habe der Müller eben so gut die Vorstellung von einem Klappern, das als unmittelbar vergangen erscheine, wie wenn sie anfange still zu stehen, und nur ausser ihr noch die von einem als gegenwärtig erscheinenden Klappern. Er habe also auch dann die Vorstellung, die ihn nach unserer Ansicht beim Stehenbleiben der Mühle weckte, und nur noch eine andere dazu. Somit fehle nach wie vor eine Ursache, die das Erwachen wirklich erklären könnte, und sie werde so lange fehlen, als man sich nicht entschliesse, eine besondere Wahrnehmung des Nichthörens anzuerkennen. — Allein das Verhältniss ist hier ähnlich, wie bei Vorstellungen einer Farbe, wenn sie einmal einen grösseren, ein-Brentano, Psychologie. I. 12 ^• u_ 'v 178 Buch II. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
mal einen kleineren Kaum, einen Theil jenes grösseren Raumes, ausfüllt. Wie die Farbe dann räumligh beschränkter erscheint, so erscheint das Geräusch, wenn es abbrach, zeitlich beschränkter. Das Bild wird in beiden Fällen ein anderes, die Contoure wird verrückt. Und wie es wohl geschehen kann, dass die enger umgrenzte Farbenfläche uns auffällt, während sie, wenn sie sich weiter ausdehnte, unsere Aufmerksamkeit nicht erregen würde, so kann Aehnliches bei dem Geräusche der Fall. sein. Es wird dites von den besonderen Associationen abhängen, welche sich an die eine und andere Erscheinung knüpfen. Bei dem Müller, der die Pflicht hat, sobald das Rad stehen bleibt, der eingetretenen Störung abzuhelfen, während er, so lange das Werk regelmässig fortgeht, die Mühle sich selbst überlassen kann, ist es in ähnlicher Weise begreiflich, warum gerade das abbrechende Geräusch ihn weckt, wie bei dem Aufwärter in der Restauration, von dem Lewes uns erzählte, warum ihn kein anderer Ruf mit solcher Leichtigkeit wie der Ruf: Kellner! weckte, durch den man seine Dienste gemeiniglich in Anspruch nahm.
Es liesse sich der Gegenstand noch eingehender erörtern, und man könnte namentlich darauf hinweisen, dass allgemein die Contoure die Aufmerksamkeit auf sich zieht; eine Thatsache, für welche der Wettstreit der Sehfelder so merkwürdige Belege bietet. Doch es scheint besser, dies einem späteren Orte vorzubehalten.
§. 13. Es bleibt also bei dem, was wir früher gefunden. Wenn die Stärke einer bewussten Vorstellung steigt und sinkt, so steigt und sinkt die Stärke der darauf bezüglichen begleitenden Vorstellung in gleichem Maasse, und beide Erscheinungen stehen ihrer Intensität nach immer auf gleicher Höhe.
Ist dieses richtig, so liegt darin nicht bloss die Widerlegung eines etwaigen Versuches, aus dem betreffenden functionellen Verhältnisse das Dasein unbewusster Vorstellungen darzuthun: es kann vielmehr, wie wir auch früher schon andeuteten, zugleich als ein Beweis dafür betrachtet werden, Capitel 2. Vom inneren Bewusstsein. J79 dass es wirklich keine unbewussten Vorstellungen in unserem Sinne gibt. Hiemit ist allerdings noch nicht ausgesprochen, dass alle psychischen Phänomene während ihres Bestehens von Bewusstsein begleitet sind; denn ausser dem Vorstellen gibt es auch andere psychische Thätigkeiten, wie z. B. Ürtheil und Begehren; doch sind wir einem solchen Schlüsse, um ein Bedeutendes näher gerückt.
und wie etwa wird es uns möglich sein, das Fehlende zxi ergänzen? Der Analogie nach könnte einer vermuthen, dass auch bei anderen bewussten psychischen Thätigkeiten zwischen ihrer eigenen Intensität und der Intensität der darauf bezüglichen begleitenden Vorstellungen ein functionelles Verhältniss, und zwar dasselbe Verhältniss einfacher Gleichheit bestehe, welches wir in Betreff des bewussten Vorstellens nachgewiesen haben. Allein wenn wir ^unter der Intensität eines ürtheils den Grad der Zuversicht verstehen, mit dem es gefällt wird, so lehrt uns die Erfahrung, dass eine schwache Meinung von einer nicht minder starken, ja von einer stärkeren Vorstellung als eine volle Ueberzeugung begleitet sein kann, wenn nur die der Meinung zu Grunde liegende Vorstellung recht intensiv ist. Auch wird man bei einigem Nachdenken erkennen, dass man von einer Gleichheit, so wie von einem Mehr und Minder der Stärke einer Vorstellung gegenüber der Stärke einer Ueberzeugung gar nicht reden kann; dass es sich hier um Unterschiede handelt,, die gar nicht mit «inander vergleichbar sind.
Wenn aber die Stärke der Vorstellung von Urtheilen nicht mit dem Grade ihrer Zustimmung oder Verwerfung verglichen werden kann, so ist es doch sicher, dass den Urtheilen auch eine Intensität zukommt, in Bezug auf welche der Vergleich möglich ist. Wie fdie Intensität der Vorstellung eines Gegenstandes gleich ist der Intensität, mit welcher der Gegenstand in ihr erscheint, so participirt auch das Urtheil an der Intensität seines Inhaltes. Die Intensität der Vorstellung, die dem Urtheile zu Grunde liegt, ist zugleich eine Intensität des Ürtheils in demselben Sinne. Wenn wir nun mit dieser Intensität die Intensität der begleitenden, ISO Buch n. Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
auf rtaa Urtheil bezüglichen Vorstellimg vergleichen, so ist es leicht^ auf dem doppelten Wege, auf welchem wir für die Vorstellung und die Vorstellung der' Vorstellung die Gleichheit der Intensitäten nachwiesen, auch hier dasselbe Verhältniss darzutbuD. Es ergibt sich einmal als Consequenz der Untrüglichkeit der inneren Wahrnehmung, und findet femer dadurch seine Bestätigung, dass die Vorstellung vom TJrtheile mit dem Urtheile in derselben Weise verbunden erscheint, wie die Vorstellung von der Vorstellung mit dieser. Der Inhalt des UrtheUs gehört, wie zum TJrtheile selbst, so auch zu der Vorstellung von ihm ohne irgendwelche Verdoppelung zu erfahren, und für einen Unterschied der Intensität ist darum keine Möglichkeit gelassen. Was aber vom Urtheile gilt, gilt aus denselben Gründen von jeder anderen Gattung bewusster Seelenthätigkeiten.
So dürfen wir denn das funetionelle Verhältniss, welches wir bei der bewussten Vorstellung zwischen ihrer Intensität und der Intensität der darauf bezüglichen inneren Vorstellung gefunden haben, auf das ganze Gebiet der bewussten Seelenerscheinungen ausdehnen. Üurehgehends haben die begleitende und die begleitete Erscheinung gleiche Stärke, und diesem beweist, d^ss niemals ein psychisches Phänomen in uns besteht, von welchem wir keine Vorstellung haben.
Die Frage: gibt es ein unbewusstes Bewusstsein, in dem Sinne in welchem wir sie {gestellt hatten, ist demnach mit entscliiedenem Nein zu beantworten.
■ tt: Drittes Capitel.
Weitere Betrachtangen über das innere Bewnsstsein.
§. 1. Die Untersuchungen des vorigen Capitels haben «rgeben, dass jeder psychische Act von einem darauf bezüg-Uchen Bewusstsein begleitet ist. Es fragt sich aber, wie vielfach und von welcher Art das begleitende Bewustsein sei.
Vielleicht ist es gut, die Frage mit ein paar Worten zu erläutern.
Mit dem Namen Bewusstsein bezeichnen wir nach unserer früheren Erklärung eine jede psychische Erscheinung, insofern sie einen Inhalt hat. Nun sind die psychischen Erscheinungen von verschiedener Gattung; sie haben, wie bereits bemerkt, in verschiedener Weise etwas zum Inhalte. Es fragt sich also, ob die psychischen Phänomene, wenn sie Gegenstand eines Bewusstseins sind, in einer oder in mehreren Weisen bewusst sind, und in welchen? Bis jetzt ist nur erwiesen, dass sie von uns vorgestellt werden, und, wenn in irgend einer, so müssen sie natürlich in dieser Weise uns bewusst sein; denn die Vorstellungen sind für alle übrigen psychischen Phänomene die Grundlage. Es handelt sich also darum, ob sie bloss vorgestellt oder auch noch in anderer Weise uns bewusst sind.
Sicher ist es, dass häufig eine Erkenntniss sie begleitet. Wir denken, wir begehren etwas, und erkennen dass wir dieses thun. Erkenntniss aber hat man nur im Urtheile. Es Bach II. Von den psyehiaehen Phänomenen im Allgi steht also ausser Zweifel, dass mit dem psychischen Acte in vielen Fällen nicht bloss eine darauf bezügliche Vorstellui^, sondern auch ein darauf bezügliches Urtheil in uns besteht. Ob es auch Fälle gebe, in welchen ein solches Urtheil mangele, wollen wir jetzt untersuchen.
i^. 2. Dass die Annahme, jedes psychische Phänomen sei Gegenstand einer begleitenden Erkenntniss, zu einer unendlichen Verwickelung des Seelenzustandes führe und darum in sich selbst unmöglich sei, wird Niemand behaupten, der au unsere Erörterung in Betreff der Vorstellungen zurückdenkt. Denn eben so deuthch wie dort zeigt sich auch hier jene eigenthümliche Verschmelzung von Bewusstsein und Object des Bewusstseins. Wo immer ein psychischer Act Ge-;;eii-stand einer begleitenden inneren Erkenntniss ist, enthält er. ausser seiner Beziehung auf ein primäres Object, sich selbst seiner TotaJität nach als vorgestellt und erkannt.
Dies allein macht auch die Untrügliehkeit und unmitteltiare Evidenz der inneren Wahrnehmung möglich. Wäre die Erkenntniss eines psychischen Actes, welche ihn begleitet, eiu Act für sich, der als zweiter Act zum ersten hinzukäme; wilre ihr Verhältniss zu ihrem Objecte kein anderes, als das einer "Wirkung zu ihrer Ursache, ähnlich wie es auch zwischen der Empfindung und dem physischen Reize besteht, der die Empfindung hervorruft: wie könnte sie dann in sich selbst gesichert sein? ja wie sollten wir überhaupt von ihrer Untrügliehkeit uns überzeugen?
Man hat oft gesagt, eine untrügliche Controle der Wahrnehmung sei da möglich, wo man fähig sei, den Inhalt der Vorstellung mit dem wirkhchen Gegenstande zu vergleichen. Bei der sogenannten äusseren Wahrnehmung vermöge man dieses nicht zu thun, da hier nur die Vorstellung des Gegenstandes, nicht aber der wirkliche Gegenstand in uns bestehe, Sie sei und bleibe darum unzuverlässig. Dagegen besitze man hinsichtlieh der Treue der inneren Wahrnehmung volle Gewissheit; denn hier bestehe, wie die Vorstellung, so auch der wirkhche Gegenstand der Vorstellung in uns.
Capitel 3. Weitere Betrachtungen über das innere Bewusstsein. 183 Der Fehler, der hier begangen wird, ist leicht erkennbar. Der Vergleich zwischen einem Vorstellungsinhalte und einer Wirklichkeit wird nicht dadurch möglich, dass die Wirklichkeit in ims ist, sondern nur dadurch, dass sie von uns erkannt ist. Nichts von dem, was in Jemand ist, ohne dass er davon weiss, kann er mit dem, was er vorstellt, als übereinstimmend erkennen. Somit setzt der Vergleich eben das als sicher erkannt voraus, dessen sichere Erkenntniss aus ihm gewonnen werden soll, was sich selbst widerspricht.
Eben so wenig genügt die Art, wie Ueberweg das Vertrauen auf die innere Wahrnehmung rechtfertigt: „Die innere Wahrnehmung oder die unmittelbare Erkenntniss der psychischen Acte und Gebilde", sagt er, „vermag ihre Objecte so, wie sie an sich sind, mit materialer Wahrheit aufzufassen. Denn die innere Wahrnehmung erfolgt, indem das einzelne psychische Gebilde durch den Associationsprocess als ^in integrirender Theil der Gesanmitheit unserer psychischen Gebilde aufgefasst wird...Nun aber kann die Association des einzelnen Gebildes mit den übrigen dasselbe nach Inhalt und Form nicht verändern; es geht so, wie es ist, in dieselbe ein; wie daher gegenwärtig unsere Vorstellungen, Gedanken, Gefühle, Begehrungen, überhaupt die Elemente unseres psychischen Lebens und deren Verbindungen unter einander wirklich sind, so sind wir uns ihrer bewusst, und wie wir uns ihrer bewusst sind, so ist ihr wirkliches Sein, indem bei den Seelenthätigkeiten als solchen Bewusstsein und Dasein identisch ist^)."
Wir sehen, Ueberweg hält die innere Wahrnehmung nicht für gesichert durch Vergleiche zwischen dem Inhalte der Vorstellung und der wirklichen Beschaffenheit des Gegenstandes. Er glaubt, dass die Wahrnehmung eines psychischen Actes in einer Verknüpfung des Actes mit anderen Acten bestehe. In Folge dieser Verknüpfung wird der wirkliche Act Theil von einem zusammenhängenden Ganzen, welches aus der Gesammtheit der wirklichen Acte gebildet ist. Das Auf- 184 Buch II. Von den psychkchen Phänomenen im Allgemeinen.
genommenBein in dieses Ganze ist das Wahrgenommen- und Erkanntsein des Actes, Er wird nothwendig so wahrgenommen und erkannt, wie er wirklich ist, da er seiner Wirklichkeit nach aufgenommen wird.
Das Alles wäre schön und gut, wenn es nur richtig wäre, dass eine Vereinigung und Verkettung wirkhcher Dinge, eine Aufnahme von Theilen in ein festverbundenes Ganzes, wie z. B. von Rädern, Cylindern, Platten und Stangen in den Organismus einer wohlgefügten Maschine, mit einer Erkenntniss dieser wirklichen Dinge gleichbedeutend wäre. Ueberweg hat in seiner Geschichte der Philosophie Anseimus den Vorwurf gemacht, dass er in seinem ontologischen Argumente das Gedachtsein mit dem wirklichen Sein confiindire. Aber hier hat er selbst den gleichen Fehler begangen, indem er aus der wirklichen Existenz von Theilen in einem Ganzen unter der Hand eine Existenz in dem Sinne werden Hess, in welchem man von dem Erkannten sagt, dass es in dem Erkennenden bestehe.
Diese Versuche, die Untrüglichkeit der inneren Wahrnehmung zu begründen, sind demnach vollständig misslungen, und dasselbe gilt von jedem anderen, den man etwa an die Stelle setzen möchte. Die Richtigkeit der inneren Wahrnehmung ist in keiner Art erweisbar, aber sie ist mehr als dies, sie ist unmittelbar evident; und wer skeptisch diese letzte Grundlage der Erkenntniss antasten wollte, der würde keine andere mehr finden, um ein Gebäude des Wissens darauf zu errichten. Einer Rechtfertigung unseres Vertrauens auf die innere Wahrnehmung bedarf es also nicht; wohl aber bedarf es einer Theorie über das Verhältniss dieser Wahrnehmung zu ihrem Objecte, welche mit ihrer unmittelbaren Evidenz vereinbar ist; und eine solche ist, wie gesagt, nicht mehr möglich, wenn man Wahrnehmung und Object in zwei verschiedene psychische Acte »rerlegt, von welchen nur etwa der eine Wirkung des anderen wäre. Das macht schon die bekannte Bemerkung von Descartes klar; denn ein etwa bestehendes, unendlich mächtiges Wesen würde jedenfalls dieselbe Wirkung wie das Object hervorzubringen Capitel 3. Weitere Betrachtangen über das innere Bewusstsein. 185 > im Stande sein. Wenn also nicht jene reale Einheit, jene eigenthümlich innige Verbindung, die wir früher zwischen dem psychischen Acte und der Tjegleitenden Vorstellung gefunden, auch zwischen ihm und der inneren Wahrnehmung bestände, so wäre die Evidenz ihrer Erkenntniss eine UnmögUchkeit.
Man kann sagen, dass dieses Argument aus der Evidenz der inneren Wahrnehmung in seiner Kraft weiter reicht, und dass es selbst für die Weise der Vereinigung der inneren Vorstellung mit ihrem wirklichen Objecte, die wir früher auf anderem Wege erkannten, zur Bestätigung dient. Die Erkenntniss eines^ wirklichen Gegenstandes kann nicht inniger mit ihm vereinigt sein als seine Vorstellung, indem diese für die Erkenntniss die Grundlage bildet. Für beide gilt also nicht bloss dasselbe, sondern auch dasselbe aus denselben Gründen. Es ist darum nicht zu verwundern, wenn die Psychologen, welche, ähnhch wie wir, die begleitende Vorstellung eines psychischen Actes accessorisch in ihm selbst eingeschlossen dachten, sowohl die modernen als auch Aristoteles, in derselben Weise auch die begleitende Erkenntniss mit darin enthalten glaubten.
§. 3. Aber wenn die Folgerung einer unendUchen Verwickelung der Seelenthätigkeit nicht zu fürchten ist, so scheint es doch als stehe der Annahme, jeder psychische Act sei von einer darauf bezüglichen Erkenntniss begleitet, eine andere Schwierigkeit im Wege. Jede Erkenntniss ist ein Urtheil, und jedes ürtheil, sagt man gemeiniglich, bestehe darin, dass ein Prädicat einem Subjecte beigelegt oder ihm abgesprochen werde. Im Falle der Erkenntniss durch innere Wahrnehmung ist das ürtheil ohne Zweifel affirmativ, das beigelegte Prädicat aber müsste wohl die Existenz sein; denn man nimmt wahr, dass ein psychischer Act existirt. Was nun. der Namen Existenz eigentlich besage, darüber sind die Philosophen nicht einig, obwohl nicht bloss sie, sondern jeder einfache Mann ihn mit aller Sicherheit zu gebrauchen weiss. Aber es scheint nicht schwer einzusehen, 186 Buch IL Von den psychischen Phänomenen im Allgemeinen.
Ar* • dass es ein sehr allgemeiner,' also ein sehr abstracter Begriff ist, wenn anders er wirklich aus der Erfahrung gewonnen wurde und nicht (was anzunehmen immer sein Missliches hat) als apriorischer Begriff vor aller Erfahrung in uns vorhanden war. Sollte es hienach denl^bar sein, dass schon das erste Empfinden eines Kindes nicht bloss von einer Vorstellung des Empfindungsactes, sondern zugleich von einer Wahrnehmung desselben begleitet sei? von einer Erkenntniss, dass er ist? von einem Urtheile, welches mit dem psychischen Phänomene als Subject den Begriff der Existenz als Prädicat verknüpft? Ich glaube Niemand verkennt, wie unwahrscheinlich, ja unmöglich, eine solche Annahme ist.
Dieses Argument wäre sicher unwiderleglich, wenn die herkömmliche Theorie, wonach jedes Urtheil eine Mehrheit von Begriffen verbindet, und insbesondere das im Existentialsatze ausgedrückte ürtheil 4^^ Begriff der Existenz zu irgend welchem Subjectsbegriffe fügt, auf Wahrheit beruhte. Wir werden später diese Ansicht in allgemeiner Weise als irrig nachweisen^), denn die Zusammensetzung aus Subject und Prädicat ist keineswegs etwas, was der Natur des Urtheils wesentlich ist, und die Unterscheidung der beiden Bestandtheile hängt vielmehr nur mit einer gemeinüblichen Form des sprachlichen Ausdruckes zusammen. In der Erkenntniss durch innere Wahrnehmung liegt uns aber im Besonderen ein Urtheil vor, das recht augenscheinlich den gewöhnlichen Ansichten der Psychologen und Logiker widerspricht. Keiner, der auf das achtet, was in ihm vorgeht, wenn er hört oder sieht und sein Hören oder Sehen wahrnimmt, kann sich darüber täuschen, dass dieses Urtheil der inneren Wahrnehmung nicht in der Verbindung eines psychischen Actes als Subject mit der Existenz als Prädicat, sondern in einer einfachen Anerkennung des im inneren Bewusstsein vorgestellten psychischen Phänomens besteht. So erweist sich auch dieses Argument gegen die Allgemeinheit einer Erkenntniss der psychischen Acte durch inneres Bewusstsein als unhaltbar.
') Buch II. Cap. 7. § 5 ff.
/ I t Capitel 3. Weitere Betrachtungen über das innere Bewusstsein. 187 i §. 4. Versuchen wir, ob es uns gelingt, sogar den positiven Beweis für die Allgemeinheit einer solchen begleitenden Erkenntniss zu erbringen.
Wii* erinnern uns des Weges, den wir einschlugen, als es sich darum handelte, ob jeder psychische Act von einer darauf bezüglichen Vorstellung begleitet sei. Wir zeigten, dass bei bewussten Seelenerscheinungen die Intensität der begleitenden Vorstellung mit der Intensität des begleiteten Actes (beziehungsweise der dem Acte zu Grunde liegenden Vorstellung) gleichmässig zu- und abnimmt und immer auf gleicher Höhe steht. Hieraus folgte, dass die begleitende Vorstellung nur in solchen Fällen mangelt, in welchen der Act selber aufgehoben ist. Bezüglich der begleitenden Erkenntniss scheint der Nachweis nicht so einfach. Als Urtheil besitzt sie, dem früher Bemerkten entsprechend, eine zweifache Intensität: einmal eine Intensität in dem Sinne, in welchem eine solche auch Vorstellungen zukommt; dann eine dem Urtheil eigenthümliche Art yon Stärke, nämlich den Grad der Ueberzeugung, mit welchem das Urtheil gefällt wird. Würde die eine oder andere Null werden, so würde das Urtheil nicht mehr bestehen.