Im bin sicher, im Sinne Brentanos zu handeln, wenn ich an dieser Stelle nicht nur auf jenen Vortrag verweise, sondern die empfehlenden Worte, mit denen Brentano ihn begleitet, wiedergebe. Der Gedanke, es sei die außereheliche Befriedigung des Geschlechtstriebes ein generelles Unrecht gegen den Stand der Frau, ist näher ausgeführt von A. Marty, Sexualethischer Aufruf an die Studentenschaft. Wiederabgedruckt in Gesammelte Schriften, Halle 1916, 1. Bd. I.Abt. Vgl. auch F.W.Förster, „Jugendlehre"; dann derselbe, „Sexualethik und Sexualpädagogik".
Nachstehend Brentanos Vorwort: „Das ist ein vorzügliches kleines Werk! — das ist ein Büchlein, wie wir es brauchen! — das soll auch unserer deutschen Jugend nicht vorenthalten sein!" — So sprach ich zu mir selbst, als eine glückliche Fügung mich mit dem Vortrage „La Science et la Moralite" von Alexander Herzen bekannt gemacht hatte.
Sofort suchte ich den Verfasser auf und bat um die Erlaubnis zu einer deutschen Übersetzung i^). Da erfuhr ich, daß eine solche bereits in gelungener Weise ausgeführt, ja schon unter der Presse sei. Was das von mir bezeugte Interesse anlange, sagte der Verfasser, so werde er mir dankbar sein, wenn ich durch ein begleitendes Wort die Schrift bei dem deutschen Leser einführe.
18) Vom Original sind binnen Jahresfrist vier Auflagen (je 1000 Exemplare) vergriffen worden. Wie ich höre, steht auch die Übertragung ins Englische und Russische umnittelbar bevor.
Anmerkungen. 71 Es ist selbstverständlich, daß ich einer so ehrenden Aufforderung mich nicht entziehe; noch dazu, wo es sich um so Großes handelt; denn keine vielleicht von den besonderen ethischen Fragen ist für die Gegenwart von größerem Belang, als die hier behandelte. Nicht bloß die Veredelung des jungen Mannes, auch die Verbesserung der sozialen Stellung des Weibes hängt nach meiner Über-Zeugung innigst damit zusammen.
Jedermann weiß, daß die Lage der Frauen gar viel zu wünschen übrig läßt; sie ist Gegenstand allgemeiner Teilnahme geworden, und die edelsten Geister bemühen sich aufs ernstlichste, für die vorhandenen Mißstände eine entsprechende Abhilfe zu -finden. Sehr häufig aber kommen sie dabei auf Vorschläge, welche den tiefgreifenden, schon auf der Stufe des Tieres deutlich erkennbaren psychischen Unterschieden zwischen männlicher und weiblicher Beanlagung nicht gebührend Rechnung tragen. Vollkonomen jedenfalls und gründlich kann hier nicht geholfen werden, außer im Zusammenhang mit einer Hebung der Sittlichkeit im geschlechtlichen Sinne. Die ethische Verwilderung der Männerwelt, die nicht bloß edeln Dichtern, wie Bjömson und Tolstoi, sondern, wie man hier sieht, auch Männern nüchternster Wissenschaft zu schwerer Klage Anlaß gibt, enthält (um einen Ausdruck von Bentham zu gebrauchen) zweifellos ein fortwährendes schreiendes Unrecht gegen die „Condition" des weiblichen Teils der menschlichen Gesellschaft.
Das war denn auch einer von den Gedanken, die ich immer nachdrücklichst geltend machte und ins volle Licht zu setzen mich bemühte, so oft ich vom Lehrstuhle herab die Frage besprach; und niemals während meiner zwanzigjährigen Lehrtätigkeit in Wien habe ich es versäumt, ihr in der „Praktischen Philosophie" eine längere Erörterung zu widmen. Mehr als einmal ist es nach solchem Vortrage begegnet, daß ein junger Mann ergriffen zu mir trat, um für das, was ich da Belehrendes gesprochen, einen besonderen Dank mir auszudrücken. Nun wird meine Stimme dort nicht mehr erschallen, und so ist es mir denn ein wahrer Trost, zu denken, daß die Schrift, die ich hier empfehle, der zur Wiener Universität neu zuströmenden Jugend einen wesentlichen Ersatz dafür bieten werde.
Auch jenen aber, die mich noch gehört, dürfte die Lesung sowohl interessant als förderlich sein. Hatte ich meinerseits Betrachtungen eingewoben, denen sie bei Herzen nicht ebenso begegnen, so wird ihnen dafür hier von berufenster Seite gar manches ausgeführt, was ich immer nur kurz erwähnte und in dem Maße und mit der Eindringlichkeit wie der Physiologie gar nicht darzulegen vermocht hätte. Descartes hat seinerzeit die Überzeugung ausgesprochen, daß die Medizin die Wissenschaft sei, von welcher sich die Moral die größte Förderung versprechen dürfe. Eine Zeitlang — man gedenke nur der vielen auch im Vortrag berührten ethisch verderblichen Ratschläge! — mochte es scheinen, als ob das gerade Gegenteil sich verwirklichen wolle. Aber eine Schrift, wie die von Herzen, zeigt uns das Wort des weit vorschauenden Denkers, dessen prophetische Kraft die Zukunft noch vielfach bewähren wird, schon heute in schönster Erfüllung.
72 Anmerkungen.
Und so wandere denn, von meinen besten Grüßen und wärmsten Segenswünschen begleitet, die meisterhaft gefaßte Rede Herzens meiner lieben deutschen Heimat zu.
Lausanne, 6. August 1895.
64. (S. 32.) Grundlegung zur Physik der Sitten. Vgl. oben An- 65. (S. 33.) Man vgl. z. B. den Dialog Menon.
66. (S. 33.) Friedr Alb. Lange, Logische Studien, ein Beitrag zur Neubegründung der formalen Logik und der Erkenntnislehre. Iserlohn 1877.
67. (S. 33".) Alex. Bain, Logic, part first. Deduction. London 1870.
68. (S. 34.) Z. B. Bentham tuid wohl schon im Altertum Epikur. (A. d. H. Vgl. oben Anm. 34 und 51 und den Artikel von 0. Kraus über H. H. Gossen in der Allg. Deutschen Biographie, 50. Band.
70. (S. 34.) Z. B. die Stoiker und im Mittelalter die Scotisten.
71. (S. 34.) Dies hat auch Epikur (so wenig es mit seiner oben S. 32 besprochenen Äußerung im Einklänge steht) nicht geleugnet.
74. (S. 34.) Ebendaselbst. Vgl. Franz Brentano, Aristoteles und seine Weltanschauung, Leipzig 1911.
75. (S. 34.) Sie machten die Beziehung zu dem größeren Ganzen als Argument dafür geltend, daß das praktische Leben (des Politikers) höher stehe als das theoretische.
76. (S. 34.) Ebenso kehrt dieses Zeugnis für das Prinzip der Summierung wieder, so oft bei einer in ihrer Wurzel egoistischeudämonistischen Anschauung (wie z. B. bei Locke und bei Fechner in seiner Schrift vom höchsten Gute; vgl. auch für Leibniz Trendelenburg, Histor. Beitr. II S. 245) Gott zum Aufbau der Ethik zu Hilfe genommen wird. Dieser, argumentiert man, liebt jedes seiner Geschöpfe, und darum ihre Gesamtheit mehr als jedes einzelne, und billigt imd belohnt darum die Aufopferung des einzelnen für die Gesamtheit, während er die selbstsüchtige Schädigung mißbilligt und straft.
Auch in dem Verlangen nach Unsterblichkeit zeigen sich oft Wirkungen des Prinzips der Summierung. So sagt Helmholtz (Über die Entstehung des Planetensystems, Vortrag, gehalten, in Heidelberg und Köln 1871), wo er diesem Verlangen frohe Aussichten öffnen will: „Es kann der einzelne (wenn, was wir erringen, das Leben unserer Nachkommen veredeln wird)...den Gedanken, daß der Faden seines eigenen Bewußtseins einst abreißen werde, ohne Furcht ertragen. Aber mit dem Gedanken an eine endliche Vernichtung des Geschlechts der Lebenden und damit aller Früchte des Strebens aller vergangenen Generationen konnten auch Männer von so freier und großer Gesinnung wie Lessing und David Strauß sich nicht versöhnen." Wenn sich nun naturwissenschaftlich ergibt, daß die Erde einmal unfähig wird, lebende Wesen zu tragen, so kehrt, meint er, das Bedürfnis nach Unsterblichkeit unabweisbar wieder, und Anmerkungen. 73 man fühlt sich gedrängt Umschau zu halten, wo sich für ihre Annahme etwa eine Möglichkeit erschließe i»).
77. (S. 35.) Vgl. Franz Brentano, Die Lehre Jesu und ihre bleibende Bedeutung. Aus dem Nachlasse herausgegeben von A. Kastil. Leipzig 1921.
79. (S. 35.) Dies ist die stehende Lehre der großen Theologen wie z. B. des Thomas von Aquin in seiner Summa Theologica. Nur gewisse Nominalisten, z. B. Robert Holcot, lehrten eine volle Willkür der göttlichen Gebote. Vgl. meinen Aufsatz über die „Geschichte der kirchlichen Wissenschaften im Mittelalter" in der Kirchengeschichte von Möhler (herausgegeben von Gams 1867) II. 526 ff., wobei ich aber die Berichtigung der Druckfehler, welche das dem Werke am Schlüsse beigegebene „Register" S. 103 f. enthält, nicht zu übersehen bitte. ' 80. (S. 37.) In Zeiten, wo die Psychologie noch weniger vorgeschritten war und die Forschungen auf dem Gebiete der Wahrscheinlichkeitsrechnung den Prozeß der vernünftigen Induktion noch nicht genügend aufgeklärt hatten, konnte es selbst einem Hume begegnen, daß er in diese grobe Verwechslung fiel. Vgl. sein Enqu. on human understanding chapt. 5 und 6. Auffallender ist es, daß noch James Mill und Herbert Spencer hier nicht im geringsten über Hume hinausgekommen sind (vgl. Anal, of the phen. of the human raind II, cap. 9 und Anm. 108), ja daß selbst der feine J. St. Mill, obwohl ihm der Essai philos. sur les probabilites von Laplace vorlag 20), dadurch nicht zu einem klaren Verständnisse des wesentlichen Unterschiedes zwischen dem einen und anderen Verfahren geführt wurde. Es hängt dies mit seiner Verkennung des rein analytischen Charakters der Mathematik und der Bedeutung des deduktiven Verfahrens überhaupt zusammen; hat er doch, daß der Syllogismus zu neuen Erkenntnissen führe, geradezu geleugnet. Wer alle Mathematik auf Induktion basiert, kann unmöglich das Induktionsverfahren m-athematisch rechtfertigen. Es wäre für ihn ein circulus vitiosus. Daß hier Jevons' Logik richtigere Wege wandelt, steht außer Frage.
Manchmal ist es, als ob auch in Mill eine Ahnung von dem mächtigen Unterschiede aufdämmere, wie wenn er in einer Anmerkung zur Analysis of the phenom. of the human mind (Vol. II p. 407; die Theorie seines Vaters kritisierend sagt: „,Wenn das Glauben nur eine unlösbare Assoziation ist, so ist das Glauben eine Sache der Gewohnheit und des Zufalls, und nicht der Vernunft. Sicherlich ist eine auch noch so feste Assoziation zwischen zwei Ideen kein genügender Grund [von ihm selbst unterstrichen] des Glaubens, keine Einsicht [evidence], daß die entsprechenden Tatsachen in der äußeren Natur vereinigt sind. Die Theorie scheint jeden Unterschied zwischen dem Glauben des Weisen, ider durch Evidenz geleitet wird und mit den wirkUchen Sukzessionen und Koexistenzen der Tatsachen der Welt zusammen- 1*) A. d. H. Über die Bedeutung der Metaphysik für die Ethik vgl. weiter unten S. 91 und die Einleitung.
^0) Deutsche Übersetzung von Norbert Schwaiger, Leipzig 1886.
74 Anmerkungen, stimmt, und dem Glauben von Narren aufzuheben, der durch irgendwelche zufällige Assoziation, welche dem Geiste die Idee einer Sukzession oder Koexistenz suggeriert, mechanisch produziert wird; ein Glauben, den treffend der gemeinübliche Ausdruck kennzeichnet: etwas glauben, weil man es sich in den Kopf gesetzt hat." — Das alles ist vortrefflich. Aber es wird seines wesentlichsten iWertes wieder beraubt, wenn wir J, St. Mill in einer späteren Anmerkung (S. 438) sagen hören: „Es muß ihm (dem Verfasser der Analysis) zugestanden werden, daß eine Assoziation, welche stark genug ist, alle Ideen auszuschließen, die ihrerseits sie selbst ausgeschlossen haben würden, eine Art von mechanischem Glauben erzeugt, und daß die Prozesse, durch welche dieser Glaube berichtigt oder in vernünftige Schranken gewiesen wird, alle indem Erwachsen einer Gegenassoziation bestehen, welche die Tendenz hat, die Idee einer Enttäuschung der ersten Erwartung entstehen zu lassen, und daß, je nachdem die eine oder andere in dem besonderen Falle überwiegt, der Glauben besteht oder nicht besteht, genau so als wenn der Glaube und die Assoziation ein und dasselbe Ding wären usw."
Hier ist vieles, was Bedenken erregt. Wenn von Ideen, die sich gegenseitig ausschließen, die Rede ist, so könnte man fragen, was das für Ideen seien. Nach einer anderen Äußerung Mills (a. a. 0. 1, \p. 98 f. Anm. 30) kennt er „keinen Fall von absoluter Inkompatibilität von Gedanken außer den zwischen den Gedanken der Gegenwart und der Abwesenheit ein und desselben". Aber sind auch nur diese inkompatibel? Mill selbst lehrt uns anderwärts das extreme Gegenteil, indem er meint, es sei zugleich mit der Vorstellung des Seins immer auch die Vorstellung des Nichtseins gegeben (ebend. p. 126 Anm. 39. „Wir sind uns", sagt er, „der Gegenwart eines Dinges nur im Vergleich mit seiner Abwesenheit bewußt"). Doch alles dies beiseite: wie seltsam, daß es Mill hier entgeht, daß er den ganzen auszeichnenden Charakter der Evidenz wieder verloren gehen läßt und nichts als die von ihm mit gebührender Geringschätzung behandelte blindmechanische Urteilsbildung übrigbehält!! Der Skeptiker Hume steht liier viel höher, indem er wenigstens das einsieht, daß bei solcher empiristischer Auffassung des Induktionsprozesses dem vernünftigen Bedürfnisse nicht genügt wird. Sigwarts Kritik der Millschen Induktionslehre (Logik II S. 371) enthält hier sehr viel Wahres, nur hat er, indem er zu seinen Postulaten greift, gewiß nicht das bei Mill Ungenügende durch etwas wahrhaft Befriedigendes ersetzt.
81. (S. 37.) Vgl. Hnme, Enqu. on human understanding V, 2 gegen Ende.
82. (S. 38.) Eth. Nik. III, 10. Vgl. die feinen Erörterungen des folgenden Kapitels über die fünf Weisen falscher Tapferkeit.
Anhang.
i.
über den apriorischen Charakter der ethischen Prinzipien, (Aus einem Briefe an den Herausgeber vom 24. März 1904.)...ein Wort über die Frage, ob unser ethischer Standpunkt ein empiristischer sei. Die Antwort wird davon abhängen, wie man den Begriff faßt. Daß die Vorstellungen des Guten und Bessern aus der Erfahrung geschöpft sind, ist außer Zweifel. Doch Sie bemerken treffend, daß Ähnliches auch bei den mathematischen Wissenschaften gelte, die wir darum doch nicht empirische Wissenschaften nennen.
Wiederum ist sicher, daß in dem, was gut ist, der Begriff „gut" nicht eingeschlossen liegen muß, z. B. in der Erkenntnis. (Müßte doch auch sonst, da jedes Ding etwas Gutes enthält, jedes den Begriff des Guten einschließen i)). „Erkenntnis ist gut" ist also kein Satz, der den Charakter des Kontradiktionsgesetzes hat und nicht ohne weiteres aus den Begriffen einleuchtend. Hier zeigt sich ein Unterschied von der Mathematik. 2 + 1=3 leuchtet aus den Begriffen ein. Denn 2 -j- 1 ist die analytische Definition von 3.
Allein Sie bemerken, wir erkannten aus den Begriffen, daß 2-|-l notwendig 3 sei, und der Begriff „notwendig" liege nicht im Begriff beschlossen. Und das ist vollkommen richtig. Vielmehr erzeugt in uns die prädikative Verbindung von 3 mit 2 + 1 bei negativer Copula die Verwerfung dieser Prädikation mit apodiktischem Charakter. Und dies führt uns zum Begriff des Unmöglichen usw. usw. durch Reflexion auf das apodiktische Urteil. In 1) A. d. H. Gemeint sind seelisch tätige Dinge als solche. Selbst das schmerzgequälte oder irrende oder verbrecherisch tätige Individumn ist vorstellend, oder sich selbst evident anerkennend, sehend oder sonst wahrnehmend und als solches am Guten teilhabend.
76 Anhang.
ihm haben wir das Erfahrungsobjekt, aus dem der Begriff unmöglich usw. gewonnen wird 2).
So kommen wir denn zu dem Urteil,,2-)-l = 3" ist notwendig wahr, obwohl „notwendig wahr" nicht in 2-f-l beschlossen ist, wesentlich anders als zu dem Urteil, „daß ein ruhender Körper, wenn ihn nichts stört, in der Ruhe beharrt und ein Ijewegter in geradliniger Bewegung von konstanter Geschwindigkeit, ist notwendig wahr*'. Dort, aber nicht hier, entspringt das apodiktische Urteil, das zu der Abstraktion des Unmöglichkeitsbegriffs Anlaß gibt, aus den Begriffen. Es ist nun klar, daß der Begriff „nicht gute Erkenntnis*' nicht ebenso zu jenem apodiktisch verwerfenden Urteil Anlaß gibt.
Und so ist denn noch eine andere Erfahrung notwendig, uämlich die, daß aus dem Begriffe der Erkenntnis eine Liebe zu ihr entspringt, die, eben indem sie so entspringt, als richtig charakterisierte Liebe auftritt. Ein rein intellektuelles psychisches Wesen würde wohl aus „2-{-l ist nicht 3" zur apodiktischen Verwerfung dieses Satzes, nicht aber aus „Erkenntnis ist nicht gut" (wobei wir den Begriff des Guten a priori gegeben denken müßten) 3) zur apodiktischen Verwerfung dieses Satzes geführt werden.
Allein andererseits vollzieht sich die Erfahrung, deren wir benötigen, ganz analog der Erfahrung des apodiktischen Urteils „3 welches nicht 2-|-l ist, ist unmöglich". Denn auch jene als richtig charakterisierte Liebe entspringt aus dem Begriffe, und das eben charakterisiert sie als richtig. Und so haben Sie ganz recht, wenn Sie einen sehr bemerkenswerten Unterschied zwischen diesem Fall, zum allgemeinen Urteil zu gelangen und jenem, der im engern und eigentlichen Sinne sogenannten Induktion, finden. Diese gibt nur Wahrscheinlichkeit (im besten Falle unendlich große), hier aber haben wir absolute Sicherheit des apodiktischen Urteils-^).
Und so dünkt es mich vollkommen gerechtfertigt, dagegen zu protestieren, daß die Erkenntnis hier, wie 3) A. d. H. Weil er in diesem fiktiven Falle aus keiner Erfahrung geschöpft sein könnte.
Anhang. 77 auch immer eine Liebe erlebt und erfahren werden muß, eine empirische genannt wird. Sie ist vielmehr apriorisch mit einer wesentlich ähnlichen Ablehnung des Gedankens, daß die verwendeten Begriffe ohne Perzeption und Apperzeption gegeben seien, wie sie immer stattfinden muß^). Gegenüber manchen anderen Fällen ist nur das eine hier eigentümlich, daß auch Liebesakte perzipiert und apperziert werden müssen; nicht bloß Akte von Erkenntnis ^).
IL Über Gemütsentscheidungen und die Formulierung des obersten Sittengesetzes, (Aus einem Briefe an den Herausgeber vom 9. September 1908.)
Tatsächlich ist zu dem, was ich im „Ursprung sittlicher Erkenntnis" sage, manches ergänzend und vielleicht auch berichtigend zu fügen.
Ich habe erst, nachdem ich den „Ursprung" veröffentlicht hatte, ausdrücklich hervorgehoben, daß die unmittelbar als richtig charakterisierten Akte von Liebe und Haß denjenigen unter den als richtig charakterisierten unmittelbaren Urteilsakten vergleichbar sind, die als Vernunftwahrheiten apodiktisch einleuchten. Nicht die unmittelbar evidenten Wahrnehmungen, sondern nur die Axiome sind aus den Begriffen einleuchtend, werden sozusagen von den Begriffen (d. i. von dem die Begriffe Denkenden als solchem) bewirkt, und ähnlich wie sie entspringen die unmittelbar als richtig charakterisierten Gemütsakte aus den Begriffen. Dies ist ein jedem Leser des,, Ursprungs" naheliegender Gedanke, aber bei einer so wichtigen Sache war seine ausdrückliche Aufstellung doch ein nicht unwichtiger Fortschritt.
s) A. d. H. das heißt: Abgelehnt werden muß der Gedanke, daß bei apriorischen Urteilen die zugrunde liegenden Begriffe nicht aus flor Erfahrung stammen.
6) A. d. H. Vgl. hierzu tmd zu den Prinzipienfragen überhaupt, die Besprechung von 0. Kraus über „Leonhard Nelsons Kritik der [»Faktischen Vernunft", Leipzig 1917, in „Naturwissenschaften" 1918. Die ethischen Prinzipien sind also auch nudh Brentano a priori, vgl.
78 Anbang.
Eine zweite Betrachtung, die ich seitdem anstellte, betraf den Unterschied von zwei Arten von Gemütstätigkeiten, von welchen die eine Exklusivität besitzt, welche der anderen nicht zukommt; ich kann Dinge, die miteinander unvereinbar sind, beide lieben, z. ß. Rechnen und Dichten. Die eine Liebe schließt die andere nicht aus, dagegen kann ich mich nur für eines von ihnen für den einzelnen Fall entscheiden. Leibniz spricht in diesem Sinn von einer volontee consequente bei Gott; sie besteht in der Entscheidung, w^ährend die volontee antecedente von ihrem Charakter nichts an sich hat.
Zu diesen Entscheidungen gehört jedes eigentliche Wollen; man kann nicht Entgegengesetztes wollen; doch gehören außer dem Wollen auch noch andere Gemütstätigkeiten hierher, die es mit keinem praktischen Gut oder Übel zu tun haben. So z. B. kann es mir entschieden erwünscht sein, daß morgen schönes Wetter ist, oder der und der Besuch kommt, obwohl ich nichts dazu beitragen kann, daß es geschieht.
Man könnte danach meinen, es handle sich hier um nichts anderes als um ein Vorziehen; doch dürfte das nicht richtig sein. Vielmehr scheint ein Vorziehen der Vernunft mit einem leidenschaftlichen Begehren im Kampfe sein zu können, und oft von diesem in der Art besiegt zu werden, daß man sich trotz alles vernünftigen Vorziehens im Einklang mit der Begierde entscheidet. („Scio meliora proboque, deteriora sequor.") '^).
Mir scheint nun die Ethik es mit diesen Gemütsentscheidungen zu tun zu haben und uns zu lehren, wir sollten der als richtig charakterisierten Liebe, wo sie mit dem Affekt und anderer nicht als richtig charakterisierten Liebe im Widerstreit ist, entsprechend uns entscheiden.
Indem sie dieses von uns fordert, gibt sie uns auch Unterweisungen, wie wir, wo die als richtig charakterisierte Bevorzugung nicht unmittelbar gegeben ist, um' für die Entscheidung Licht zu gewähren, uns überlegend für sie vorzubereiten haben. Was isoliert betrachtet zu lieben oder zu hassen, was miteinander vereinbar oder ') Vgl. S. 18 u. Anm. 38 S. 60 land Klassifikation der psychischen Phänomene Anhang VII und VIII.
Anhang. 79 unvereinbai' ist, was überhaupt zum Möglichen und Unmöglichen gehört (unter den gegebenen Verhältnissen), lehrt sie uns ins Auge zu fassen.
Auch spricht sie uns von dem, was den Sieg der als richtig charakterisiei-ten Liebe über den Affekt u. dgl. leichter macht, sowohl von den Ausbildungen der Habitus als auch von der Vermeidung von ungünstigen und dem Aufsuchen von günstigen äußeren Bedingungen.
Von gar manchem anderen, was ich inzwischen noch für die Ethik getan, wie z. B., wo ich auf den Wert der zeitlichen Folge in aufsteigender statt absteigender Richtung oder von dem Vergeltungsgesetz s) (über das auch Leibniz in seiner Theodizee Bemerkenswertes ausführt) sprach, und das Ihnen gutenteils bekannt ist, will ich hier nicht reden. Vielmehr wende ich mich zu Ihren Fragen.
1. Sie sagen, der Satz „Wähle das Beste unter dem Erreichbaren**, sei nicht immer verbindlich. Ich antworte: Der Satz ist positiv und somit 'gilt von ihm^ was die Moralisten längst für alle positiven Gebote festgestellt haben, daß sie nämlich nicht in jedem Augenblick eine Erfüllung verlangen. Selbst der Satz: „Liebe Gott über alles und den Nächsten wie Dich selbst", macht positiv verstanden, hievon keine Ausnahme. Sonst dürfte man ja niemals schlafen, da man dann nicht aktuell Gott und den Nächsten lieben kann. Dagegen gilt gewiß der Satz: „Du sollst nie Dich gegen das, was Gott von Dir verlangt, entscheiden"; „Du sollst nie irgendeine Lust höher stellen als die Erfüllung des Gebotes Gottes und Deines Gewissens" u. dgl., ausnahmslos.
8) A. d. H. Brentano hat über die Tafel der Güter und Übel noch mancherlei Erwägungen angestellt; der Brief erwähnt beispielsweise das malum regressus, das ist das Übel des Rückganges von höheren zu niederen Gütern und umgekehrt das Gut des Fortschrittes von geringerer zu höherer Vollkommenheit. In dieser Bewegung parti. zipiert jedes Moment als Grenze an der Natur dessen, was es noch vor- und rückwärts begrenzt. Was das „Vergeltungsgesetz" anlangt, so war B. der Überzeugung, daß, unbeschadet der ausnahmslosen Dclerminiertheit alles seelischen Geschehens, in der Zuordnung von sinnlichem und anderem Übel zu sittlichem Übel ein Gut liege, dessen Verwirklichung ein Weltgesetz sei. Vgl. die oben (Anm. 77; Jsitierte Schrift über die Lehre Jesu. S. 17.
80 Anhang.
So glaube ich nun aber auch, man könne den Satz „wähle das Beste unter dem Erreichbaren" negativ deuten im Sinne von: „Entscheide Dich niemals bei Deiner Wahl für etwas minder Gutes unter dem Erreichbaren", und dann dürfte er wohl ausnahmslos gültig sein.
Ich glaube, es wird Ihnen ganz interessant sein, einen guten katholischen Moralisten, vielleicht St. Thomas selbst, über den von mir berührten Unterschied negativer und positiver Gebote zu vergleichen. Vielleicht lösen sich Ihnen dann manche der Zweifel, von denen Sie jetzt bedrängt sind, ohne weiteres.
2. Sie sagen, richtig zu wollen, sei die oberste ethische Aufgabe. Dabei geben Sie dem Wollen einen allgemeineren Begriff als dem Wählen, sprechen aber von einem Wollen, das in Frage kommt. Was soll diese Frage sein, wenn nicht wenigstens die des Hamlet: „To be or not to be" auf das Wollen selbst sich beziehend? So dürfte die Willensentscheidung doch ein Wählen sein. In einer anderen Weise sehen Sie aus dem oben Angeführten, daß auch ich die entscheidende Gemütstätigkeit weiter fasse als das Wählen. Sie überschreitet bei mir das Gebiet des Wollens selbst, indem sie auch bei einem Wunsche Platz hat, der auf solches geht, zu dessen Verwirklichung oder Verhinderung ich nichts beitragen kann.
Es sei noch bemerkt, daß, was ich von dem Unterschiede von positivem und negativem Gebot gesagt habe, auch für den Satz „Wolle richtig" gilt. Positiv ist, nicht zu fordern, daß einer immer richtig wolle, da man ja nicht fordern kann, daß er überhaupt immer wolle.
III.
Zur Lehre von der Relatiyität der abgeleiteten Sittengesetze.®) Schönbühel bei Melk a. d. Donau, 2. Sept. 1893. Hochgeehrte Redaktion! Sie wünschen von mir zu hören, was ich über die Erlaubtheit des Selbstmordes denke, und meine Hochy) A. d. H. Das Verliältnis des obersten Sittengesetzes zu den abgeleiteten „sekundären" Regeln der Moral wird durch den fol- Anhang. 81 achtung vor Ihrem geschätzten Blatte verbietet mir, Ihre Aufforderung abzuweisen, obwohl ich nichts als altbekannte Wahrheit mitzuteilen habe.
Das Leben eines Menschen, der noch imstande ist, sich durch die Rücksicht auf Gut und Böse bestimmen zu lassen — und nur in bezug auf einen solchen hat die Frage Bedeutung — ist zweifellos ein Gut; aber es ist nicht das höchste der Güter. Daher ist es, allgemein gesprochen, gewiß zu mißbilligen, wenn er selbst seinem Leben ein Ende macht. Im einzelnen Falle daigegen kann die Selbsttötung erlaubt, ja als ein Akt der Tugend erscheinen: dann nämlich, wenn ein höheres Gut als das eigene Leben in Frage steht. Wenn in Walter Scotts „Ivanhoe", Rebecca, von dem Tempelritter bedroht, entschlossen ist, sich lieber in den Abgrund zu stürzen, als ihm in die Hände zu fallen, so hat sie nicht bloß die Sympathien des edlen Dichters, sondern auch die jedes ethisch gebildeten Lesers für sich. Und die christliche Kirche selbst, wenn sie im allgemeinen die Selbsttötung verbietet, verdammt doch nach der Lehre der vorzüglichsten Theologen keineswegs die Jungfrau, die, in der Gefahr, entehrt zu werden, sich das Leben nimmt.
genden kleinen Aufsatz beleuchtet, den Brentano für die „Deutsche Zeitung" in Wien (6. September 1893) geschrieben hat. Es ist hierbei vielleicht nicht überflüssig, eine Bemerkung vorauszuschicken, öfter schon hörte ich den Einwurf, es sei doch sicher, daß es mehr als ein einziges ausnahmsloses Sittengebot gebe; so z. B. seien die Sätze „Du sollst nicht morden", „du sollst nicht stehlen" ausnahmslos verbindlich. Man übersieht hierbei, daß Ausdrücke Avie „morden", „stehlen", „lügen", um mit Bentham zu sprechen, „dislogistische" Ausdrücke sind, d. h. solche, welche bereits eine disqualifizierende Bedeutung in sich schließen, also das betreffende Tun als ein ungerechtfertigtes, verwerfliches bezeichnen; „Morden" heißt in ungerechtfertigter Weise Menschen töten; „Lügen" in ungerechtfertigter Weise die Unwahrheit sprechen. Die Frage ist aber eben die: ist es unter allen Umständen ungerechtfertigt, einen Menschen zu töten, eine Unwahrheit zu sprechen, fremdes Besitztum zu schädigen? Und da lautet die Antwort: Erfahrungsgemäß sind diese Handlungen regelmäßig nicht zu rechtfertigen; sie sollen daher in der Regel unterlassen werden: du sollst nicht töten ist eine sekundäre ethische Regel, die die Ausnahme gerecht ferligter Tötung zuläßt; „du sollst nicht morden", schließt den Begriff der ungerechtfertigten Tötung ein, und spricht die ausnahmslose Verwerflichkeit ungerechtfertigter Tötung aus, die selbstverständlich ist.
Hruiitano, Ursprungs sittl. Erkeuutuis. 7 82 Anhang.
[Man sieht also, es gilt von dem Verbot der Selbsttötung, was von jedem sekundären Moralgesetze gilt; es erleidet Ausnahmen, indem nur das Grundgesetz der ganzen Moral, daß man nämlich das höchste Gut keinem anderen Gegenstande nachsetzen dürfe, eine unbedingt allgemeine Gültigkeit hat.
Auch hier spreche ich wieder im Einklang nicht bloß mit der Lehre der vorgeschrittensten Wissenschaft, sondern auch jener Religion, welche seit Jahrhunderten das Bekenntnis der gebildetsten Völker und sicher allen anderen Religionen, von denen die Geschichte weiß, ethisch überlegen ist. Denn das Christentum kennt nur ein unmittelbares, höchstes Gebot und glaubt, daß dieses für die Gültigkeit aller anderen, im einzelnen Falle maßgebend sei. „Von ihm hängen ab das Gesetz und alle Propheten" 10).
Wenn einer verlangt, ich möge die Fälle aufzählen, in welchen ich die Selbsttötung für erlaubt halte, so mutet er mir Größeres zu, als ich oder ein anderer Moralist zu leisten vermöchte; eine fruchtbare Phantasie könnte deren unzählige ersinnen. Um aber doch den Charakter dieser Fälle noch etwas anschauHcher 2u machen, will ich es nicht unterlassen, noch ein zweites Beispiel anzufügen.
Nehmen wir an, es sei jemand in dem Besitze eines ihm anvertrauten Geheimnisses, von dessen Wahrung das Heil seines Volkes abhänge; er falle nun in die Hände der Feinde; er wisse, daß diese ihm mit den entsetzlichsten Folterqualen das Geständnis zu entlocken suchen würden; und er sehe mit moralischer Gewißheit voraus, daß er zu schwach sein würde, dieser Versuchung zu widerstehen: ich sage, wenn dieser aus keinem anderen Motiv, als um die volle Sicherheit zu haben, daß sein Vaterland vom drohenden Verderben bewahrt bleibe, sich selber tötet, so finde ich, weit entfernt, ihn ethisch zu verdammen, daß er als edler Patriot zu bewundern ist. Und indem ich dies sage, glaube ich^ daß wenige mir widersprechen werden.
Anbang. 83 Zum Schlüsse noch eine Bemerkung. Wenn die Selbsttötung, allgemein gesprochen, etiiisch verwerflich ist, so folgt daraus noch nicht, daß der Staat mit Strafen gegen solche einschreiten solle, die eines Selbstmordversuches sich schuldig machen. Wer den Tod sucht, für den wird die Androhung von Strafen, wie sie der Staat verhängt, nicht genugsam abschreckend wirken, unter denen ja die Todesstrafe selbst als das äußerste Strafmaß zu gelten pflegt...IV. StrafmotiT und Strafmaß/^) 1. Warum straft der Staat die Übertretung der Gesetze? Weil nur die Drohung mit Strafe die Befolgung sichert oder wahrscheinlich macht.
2. Derselbe Grund der zur Gesetzgebung führt, führt daher auch zur Hinzufügung von Strafbestimmungen.
3. Nun ist das Wesentlichste für den Staat die Sicherung des Rechts des Eigentums, Lebens, der Ehre u. dgl. Somit ist Schutz dieser Güter auch hauptsächlicher Zweck der Strafordnung.
4. Somit muß diese Rücksicht auch für das Strafmaß bestimmend sein.
5. Danach scheinen zwei Rücksichten für die Höhe des Strafmaßes maßgebend: 1. Größe des zu verhütenden Schadens, 2, Wahrscheinlichkeit, daß nur die Furcht vor sehr großer Strafe ausreiche, von Übertretungen zurückzuhalten, daß geringe Strafen wirkungslos bleiben werden.
6. Doch so einfach ist der Kalkül nicht. Der Staat muß bei seinen Strafgesetzbestimmungen immer auch mit dem Falle rechnen, daß trotz Strafandrohung das Gebotene nicht geschieht. Wäre dies nicht der Fall, wäre es möglich durch eine drakonische Gesetzgebung, 11) A. d. H. Diese Abhandlung trägt kein Datum. Es gilt von ihr Ähnliches wie von Abhdl. Vill. Vgl. zu dem Problem 0. Kraus, Das Recht zu strafen, Stuttgart 1911 imd desselben Abhandlung „Über den Begriff der Schuld und den Unterschied von Vorsatz und Fahrlässigkeit*'. Monatsschr. f. Kriminalpsych. 1911.
84 Anbang.
84 Anbang.
die auf jede Übertretung das Entsetzlichste als Strafe setzte, die Übertretung sicher und allgemein zu verhüten, so würde sich nichts mehr empfehlen, als diese als grausam verschrieene Einrichtung. Die Folge des Strafgesetzes ist aber vielmehr 1. die Verhinderung der Gesetzesübertretung in gewissen Fällen, in welchen sie sonst eingetreten wäre, 2. die Verhängung der Strafe in gewissen Fällen, in welchen die Übertretung trotz der Strafandrohung erfolgt. 3. Die Verheimlichung der Übertretung, wo sie sonst ungescheut zutage treten würde.
7. Insbesondere der zweite Fall verlangt sorgfältigste Erwägung.
8. Die Strafe fügt ein Leid zu. Sie hemmt den Bestraften, schädigt ihn oft, weil durch den Schaden das Leid erwirkt wird, z. B. Verbannung, Kerker, Degradation, Verstümmelung. Je höher der Strafsatz, imi so größer der Schaden. Und er kann so groß sein, daß selbst der durchschnittliche Erfolg kein Grewinn ist, sondern ein Schaden. Dann aber fehlt der Staat selbst gegen das Sittengesetz.