gesegelt. Du hast ganz den Ton für die Tribune getroffen. Sobald wir ihre erste Nummer erhalten, schicke ich sie Dir zu, und von da an regelmäßig.
_Maintenant_ habe ich eine ganze Ladung Emigrationsmist an Dich zu spedieren – und wenn Du einen Farmer in der Umgegend kennst, der den Guano dieser sauberen Vögel zum Dünger braucht, so kannst Du ein Geschäft machen.
Also, wie Dir schon bekannt, am Freitag, 8 August, fand die erste _offizielle_ Versammlung der verbrüderten Emigration statt, worin besonders leuchteten: Der „Damm“, der präsidierte, Schurz Sekretär, Goegg, zwei Sigel, Fickler, Tausenau, Frank (der Österreicher-Biedermann), Willich, Borkheim, Schimmelpfennig, Johannes Ronge, Meyen, Graf Reichenbach, Oppenheim, Bauer-Stolp, der Hanebuch [Hamburger] Lüders, Haugh, A. Ruge, Techow, Schmolze (bayerischer Leutnant), Petzler, Böhler, Gehrke, Schärttner, Göhringer usw., Kinkel und Strodtmann natürlich nicht zu vergessen. Also die Hauptcliquen: 1.
Ruge-Fickler, 2. Kinkel, 3. Tausenau. Die anderen independenten literarischen Bummler und Vereinbarer dazwischen. Der eigentliche Knotenpunkt, um den es sich bei dieser großen Haupt- und Staatsaktion handelte, war folgender: Ruge-Fickler-Tausenau-Goegg-Sigel-Haugh usw.
wollten die Erwählung eines offiziellen Komitees teils zur Denunziation der Missetaten der Reaktion, teils zur Repräsentation der Emigration, teils zur „Aktion“-Agitation Deutschland gegenüber. Der dumme Ruge hatte dabei noch den Haken, daß er Ledru-Mazzini gegenüber als bevollmächtigt anerkannt [würde] und außer seinem Namen nun auch wirklich das Korpus der deutschen Flüchtlingschaft als Armee ihnen zu Gebot stellen könne.
Herr Kinkel (mit ihm, außer Retter Schurz mit seinem Biographen, besonders Willich, Techow, Schmolze, Schimmelpfennig) dagegen wollte kein öffentliches Institut dieser Art, um den Ruge nicht mehr oder minder den Mazzini-Ledru gegenüber anerkennen zu müssen. Von vornherein war die Clique Ruge-Fickler entrüstet, als sie den Versammlungssaal über die Gebühr voll sah. Man war in geheimer Sitzung überein gekommen, nur die Notabilitäten zu berufen. Die Clique Kinkel aber hatte _le menu peuple_[2] mitgebracht, um sich die Stimmenzahl zu sichern.
Die Sitzung wurde öffentlich mit dem Vorlesen des Schmierartikels der Lith. Korr. durch General Haugh, der gleichzeitig erklärte, es müßten Spione in der Gesellschaft sein, das Aktenstück könne mißbraucht werden usw. Willich unterstützte dies mit damals noch ungebrochenem Pathos und forderte die Verbrecher auf, sich lieber zu nennen. Erhob sich darauf Bauer-Stolp (den ich übrigens für einen regulären Spion halte), er begreife Willichs tugendhaftes Entsetzen nicht, da er in der ersten vorbereitenden Sitzung Herrn Schindler als Redakteur der Lith. Korr.
ohne Widerspruch eingeführt habe. Dieser Inzident erledigt, stellte Tausenau unter vielem pathetisch-gemütlichen Ächzen und Krächzen, er glaubte sich vor einem Wiener Publikum zu befinden, seinen Antrag auf die Kommissionsernennung. Herr Meyen antwortete ihm, daß er keine Taten wolle, aber freiwillige Verträge. (?) Melden sich abgekarteterweise sofort Kinkel für Amerika und seine Zukunft, Oppenheim für England, Schurz für Frankreich, Meyen für Preußen. Tausenaus Antrag fällt mit Glanz durch, und er erklärt gerührt, daß er trotz seines Durchfalls seinen gerechten Zorn auf dem Altar des Vaterlandes opfern und im Schoße der Verbrüderten bleiben werde. Aber sofort nahm die Clique Fickler-Ruge die drohende und gereizte Haltung geprellter schöner Seelen an.
Am Schlusse der Sitzung kommt Kinkel auf Schabelitz zu (der hier durchaus als unser Agent tätig war und als ein sehr nützlicher Agent, da er das Vertrauen sämtlicher Biedermänner besaß), erklärte ihn für einen braven Demokraten, erklärt die Basler National-Zeitung für ein ausgezeichnetes demokratisches Blatt und erkundigt sich unter anderem nach den Finanzen desselben. Schabelitz: Schlecht. Kinkel: Aber tun die Arbeiter denn nichts? Schabelitz: Alles, was wir von ihnen verlangen, sie lesen das Blatt. Kinkel: Die Arbeiter müßten mehr tun. Sie unterstützen auch uns nicht, wie sie sollten. Und Sie wissen, wir tun doch so viel für die Arbeiter. Wir tun alles, um sie zu „respektablen“, Sie verstehen mich wohl, um sie zu „ehrbaren Bürgern“ zu machen. _En voilà une bonne._[3] Die Sitzung der Vereinbarer vom 15. war wenig besucht und, wie die Engländer sagen, indifferent.
Unterdessen hatten sich große Dinge ereignet – am 17. – und der wahre Verlauf der Sache verlief sich, wie unser großer Arnold Ruge sagen würde, wie folgt: Herr Kinkel berief Willich, Techow, Goegg, Sigel und noch einige zu sich und erklärte ihnen, daß er „160 Pfund durch Fischer aus New Orleans erhalten habe und beauftragt sei, diese Gelder zu verwenden unter Zuziehung der obenbenannten Männer und des Herrn _Friedrich Engels_“.
Statt des letzteren hatte er Fickler eingeladen, der aber erklärt hatte, er habe mit den „Lumpen“ nichts zu schaffen. Herr Kinkel war gezwungen, den Brief vorzuzeigen, und da zeigte sich denn, daß diese Gelder sich schon seit drei Wochen anonym und inkognito in seiner Wohnung befanden, unschlüssig, ob sie ihr großes Herz der profanen Welt erschließen sollten oder nicht. Obgleich Kinkel mit Engelszungen sprach, so half das nicht. Es fand eine Separatsitzung der Clique Fickler-Ruge-Tausenau statt. Die Süddeutschen hatten nämlich unter der Hand gefunden, daß Arnold Ruge ein Narr ist. – Ruge in tiefem Grimme über die verlorenen 160 Pfund eröffnete nun den Freunden, daß vor mehr als zwölf Monaten Willich-Kinkel den Schimmelpfennig zu Mazzini geschickt, ihn als Emissär vorgestellt und [Mazzini] zu einer Agitationsreise nach Deutschland um Geld angegangen hatten. Mazzini gab ihm 1 000 Franken bar und 5 000 Franken in seinen italienischen Scheinen unter der Bedingung, nach zwölf Monaten ihm die 1 000 Franken und zwei Fünftel der untergebrachten italienischen Scheine zurückzuerstatten. Davon reiste Schimmelpfennig durch Frankreich und Deutschland. Die zwölf Monate waren vergangen, aber Kinkel-Schimmelpfennig, die 1 000 Franken und die italienischen Scheine ließen nichts mehr von sich hören. Jetzt, nachdem das Geld aus New Orleans angekommen, hatte Kinkel seine Abgesandten an Mazzini wieder geschickt, nicht um zu zahlen, sondern um zu renommieren und in eine Allianz mit ihm zu treten. Mazzini war zu delikat, sie an ihre Schuld zu mahnen, erklärte ihnen aber, er habe seine Verbindungen in Deutschland, könne daher keine neuen eingehen. Die Herren hatten sich auch, erzählte Arnold Ruge weiter, zu Ledru-Rollin begeben. Hier aber war Ruge zuvorgekommen, und da Ledru-Rollin sich schon als Präsidenten der französischen Republik betrachtet und entschlossen ist, sofort den Krieg nach außen zu führen, ihm Sigel als Obergeneral der deutschen Revolutionsarmee vorgestellt, mit dem Ledru-Rollin sich dann auch in strategische Gespräche eingelassen. Hier fuhr also Kinkel-Willich abermals ab. Nach diesen Enthüllungen Ruges lag also die Verworfenheit der Clique Kinkel-Willich offen vor den Augen der betörten schönen Seelen. Nun mußte eine Tat vollbracht werden, und welche andere Taten kennt Ruge als neue Kombinationen und Permutationen seines verschimmelten alten Zentralkomitees? Es wurde also die Bildung eines _Agitationsklubs_ beschlossen, der kein diskutierender, sondern „_wesentlich arbeitender_“ sein, nicht _words_, sondern _works_ liefern und vor allem die Gesinnungsgenossen auffordern solle, Geldbeiträge zu liefern. Zusammensetzung: Fickler, Tausenau, Frank, Goegg, Sigel, Hordle, J. Ronge, Haugh, Ruge. Du erkennst sofort die Reformation Ruge-Ronge-Haugh. Aber bei näherer Ansicht zeigt sich, daß der wesentliche Bestandteil des Klubs 1. die westsüddeutschen Biedermänner Fickler, Goegg, Sigel, Hordle, 2. die ostsüddeutschen Tausenau, Haugh und Frank sind, daß der Klub also wesentlich als _süddeutscher_ sich den „_Preußen_“ gegenüber gebildet hat und Ruge nur die Nabelschnur ist, die die Verbindung mit dem europäischen Zentralkomitee aufrecht erhält. Auch nennen sie jetzt die anderen Vereine schlechtweg „die Preußen“. Dieser Agitationsklub ernannte Tausenau zu seiner Exekutivgewalt und gleichzeitig zu seinem Minister des Auswärtigen. Es war das also eine _vollständige Absetzung_ des Zentral-Ruge. Um ihm aber diese Pille zu versüßen, wurde ihm als Douceur gegeben die Anerkennung, daß man seine Stellung beim Zentralkomitee anerkennt, seine bisherige Tätigkeit und seine Vertretung des teutschen Volkes im Sinne des teutschen Volkes.
Dieses _testimonium paupertatis_ wirst Du gedruckt gelesen haben in der in fast allen englischen Blättern gebrachten Notiz, worin der Agitationsverein seine Geburt dem europäischen Publikum allerergebenst anzeigt und um gute Kundschaft bittet. Selbst dieses Douceur wurde dem unglücklichen Ruge verbittert, indem die Bauer-Fickler die unerträgliche _conditio sine qua non_[4] stellten, daß Ruge aufhöre, „sein dummes Zeug in die Welt zu schreiben“.
Ehe ich weiter erzähle, muß ich bemerken, daß in dem gesamtdemokratischen Verein wir _ohne Wissen der anderen_ durch einen zu unserem Bunde aus Köln geflüchteten Arbeiter namens Ulmer vertreten sind, ein Mensch, der bei uns sehr ruhig und schweigsam ist und von dem wir nie geglaubt hätten, daß er die Gesamtdemokratie im Schach halten würde. Aber _indignatio facit poetam_,[5] und derselbe stille Ulmer hat, wie er mir sagte, das „Genie“, daß er leicht wütend wird, am ganzen Körper zittert und dann wie ein Berserker losfährt. Trotz seiner schmächtigen Schneiderfigur hat er zudem als bester Turner von Mainz ein bedeutendes Bewußtsein physischer Kraft und Gesundheit. Außerdem den Kommunistenstolz der Unfehlbarkeit.
Am 22. August fand also die dritte Sitzung statt. Versammlung sehr zahlreich, da großer Skandal von wegen des hochverräterischen Agitationsvereins zu erwarten stand. Präsident: Meyen. Auch zugegen: Rudolf Schramm und Bucher. Die Clique Kinkel stellte den Antrag auf Bildung eines Flüchtlingskomitees. Nämlich Herr Kinkel will doch nicht als öffentlicher Mann von der Bühne treten. Er will auch nicht sich bei den ästhetisch-liberalen Bürgern Englands kompromittieren. Ein Flüchtlingskomitee ist politisch-philanthropisch, stellt außerdem Geldmittel zur Verfügung, vereinigt also alle wünschenswerten Bedingungen. Dagegen wurde von einem gewissen Hollinger und von Ulmer der Antrag gestellt, das Flüchtlingskomitee in einer allgemeinen Generalversammlung der Flüchtlinge zu wählen, worauf die Kinkelclique immer hinwies auf die Gefahr des Skandals, den die Leute hinter dem Rücken der Versammlung (nämlich wir Anonymi) machen würden. Aber sie hatten auch _Feinde vor_ sich. Von dem Agitationsklub waren nur zugegen Goegg, Sigel und sein Bruder. Goegg wurde in das Flüchtlingskomitee gewählt; das gab eine Gelegenheit, 1. den Austritt Tausenaus zu erklären, 2. die Erklärung des Agitationsvereins abzulesen, 3.
schließlich nach Verlauf der Debatte ihren Gesamtaustritt anzuzeigen.
Großer Sturm. _Techow und_ [Rudolf] _Schramm hunzten den Arnold Ruge schrecklich_ ab. Es wurde überhaupt sehr _geschimpft_. Goegg antwortete den anderen überlegen, griff den zweideutigen Kinkel bitter an, der nur seine Trabanten antworten ließ, sich als Großmogul den Bart strich und durch den stets um ihn wedelnden Schurz Zettel schrieb, die er, wie die Vereinbarer in Berlin, unter seinen Getreuen zirkulieren ließ und nach der Zirkulation sein Schlußvotum niederschrieb. Nur als Goegg sagte, daß der Agitationsverein seine Erklärung in den englischen Blättern publizieren werde, antwortete Kinkel _majestätisch, daß er jetzt schon die ganze amerikanische Presse beherrsche, und daß schon die Anstalten getroffen seien, in kürzester Frist auch die französische Presse seiner Herrschaft zu unterwerfen_. – Außer diesem skandalschwangeren Thema liefen noch andere durch, die im Schoße der verbrüderten Demokraten selbst den gewaltigsten Sturm anregten, so daß es zu Faustdrohungen kam, furchtbares Toben und Geschrei, bis um 2 Uhr Mitternacht der Wirt durch Auslöschen der Lampen die Vereinbarungslustigen in undurchdringliche Nacht versenkte. Die zwei Pivots des Skandals [Rudolf] Schramm und Ulmer. Schramm nämlich in seiner Diatribe gegen Ruge machte gleichzeitig seinem Grimm gegen die Kommunisten Luft, was vielen Anklang fand, griff den Willich aufs gehässigste an und erklärte die Arbeiter für feig. Ulmer antwortete hierauf; verlangte aber seinerseits mit Hollinger – Freund von Sigel – Berufung einer allgemeinen Flüchtlingsversammlung zur Wahl eines Unterstützungskomitees. Er schuldigte Willich usw. direkt der Verschwelgung und Verschwendung der Flüchtlingsgelder an.
Unaussprechlicher Tumult. Oswald Dietz springt vor, erklärt, er sei Kassierer des Flüchtlingskomitees der Great Windmillstreet und verlangt Widerruf. Ulmer erklärte, wenn die Herren es verlangten, werde er Beweise beibringen. Er widerrufe nichts. Willich in seiner bekannten Manier sucht ihn zu beschwichtigen und ladet ihn zu einer Privatauseinandersetzung auf seinem Zimmer ein. Aber Cato Ulmer bleibt unerschütterlich und sprach nicht ohne Anhang. Nebenbei bemerkt, hatte Schimmelpfennig, hinter Ulmer sitzend, während der Rede Goeggs fortwährend gegrunzt und Lärm gemacht, als auf einmal Ulmer von seinem „Genie“ ergriffen wird, sich mit ausgestreckter Faust umwendet und dem Schramm zubrüllt: „Wenn Sie, elender Pfennigfuchser, nicht endlich das Maul halten, schmeiße ich Sie zum Fenster hinaus.“ Schramm wurde blaß wie Kreide, aber mit seiner preußischen Offizierscourage zu Rate gehend, entfernte er sich in den äußersten Winkel.
Willich war während dieser denkwürdigen Farce zu verschiedenen Malen und von allen Seiten, Goegg, Schramm, Hollinger, Ulmer usw., so derb gepackt worden, daß er sechsmal erklärte, er müsse austreten, wenn man seine würdige Persönlichkeit nicht außer Spiel ließe.
Nun aber neues Element des Skandals, von uns eigens zubereitet. Nämlich die Herren, die „höheren Flüchtlinge“, wie sie sich nennen, hatten die Dieser „niederen Emigration“ haben nun Rumpf und Ulmer erklärt, nächsten Freitag kämen ihre Interessen vor in dem allgemeinen Emigrationsverein.
Sie werden sich sämtlich, mit Knüppeln bewaffnet, dahin begeben, um ihre Ansprüche durchzusetzen. Ich habe sie nun durch Ulmer wissen lassen, Kinkel habe 160 Pfund für sie erhalten, die er wochenlang verheimlicht [hat], und die er nun mit Willich zu teilen gedenke. Sie würden überhaupt – _et c’est vrai_[6] – nur als Firma benutzt, um die Finanzen dieser Staatsmänner auf den Strumpf zu bringen. Ulmer wird der Redner sein, und da Schramm usw. nichts von dieser Auslandssendung wissen, wird der Skandal erbaulich werden von allen Seiten.
Du darfst erst einen – später aber notwendigen – Brief an Kinkel schreiben, sobald ich Dir über die Freitagsitzung berichtet. Was Du aber gleich tun mußt, ist, an _Fischer_ nach New Orleans zu schreiben, ihm den ganzen Dreck klarzumachen und ihn wissen zu lassen, daß er nur noch unter der Firma „Freiligrath“, die ganz populär ist, Geld sammelt.
Unsere Partei braucht es notwendig. Sie ist die einzig aktive, die einzig direkt mit Bundestag und Gott und Teufel im Kampfe stehende, und es fehlt uns alles Geld zur Agitation. Andererseits muß Geld geschaffen werden für unsere Eingekerkerten, die zum großen Teil durchaus ohne Mittel sind. Diese zwei Gesichtspunkte scheinen mir leicht dem Mann klar zu machen. Wenn er kann, soll er übrigens die Sammlung geheim machen, du unsere Wirksamkeit nur gestört wird durch jeden Zeitungsklatsch.
Bemerken muß ich noch, daß der orthodoxe Stier Schapper durchaus nicht mit „Ungläubigen“ sich einläßt, vielmehr Willich erklärt hat, sie könnten ihm eher den Kopf einreißen, als daß er zu „den Hunden“ gehe.
Wenn manchmal jetzt meine Briefe um ein paar Tage ausbleiben, geschieht es, um vollständiger zu berichten.
---------- [1] Voran meinen Dank für Deinen Artikel.
[2] Das gemischte [gewöhnliche] Volk.
[3] Das ist mal eine gute [Idee].
[4] Unerläßliche Bedingung.
[5] Die Empörung macht den Dichter.
[6] Und das ist wahr.
[7] Lebe wohl und bleibe mir gut.
[?] August 1851.
Lieber Engels!
Du liest zuerst wohl den Proudhon, da ich den zurück haben muß. Den Dureau habe ich ausgezogen, soweit ich ihn brauche. – Apropos. _Schreibe doch endlich an den Fischer in New Orleans._ (Liebknecht ist jetzt sein stehender Korrespondent.) Es ist dies um so wichtiger, als gerade aus New Orleans die Kinkels, Ruges usw. Subsidien zu ziehen gedenken. Vergiß also nicht an den Mann zu schreiben, der sich in einem Brief an Liebknecht über Dein Schweigen beklagt.
Dein K. M.
[Undatiert. Ersichtlich vom 26. oder 27. August 1851.]
Lieber Marx!
Die homerischen Kämpfe der großen Männer im Streben nach Einheit haben mich wunderlich erheitert. Welche Iliade!
An Fischer ist geschrieben. Es ist aber doch positiv, daß ich in dem Brief an Kinkel mit genannt bin, damit ich mich bei Fischer nicht blamiere? Die Idee mit Freiligrath ist famos, das hat gewiß Deine Frau erfunden. Den F[ischer] aufzufordern, direkt für _unsere_ Parteizwecke Geld aufzutreiben, geht durchaus nicht; kommt aber noch etwas – was ich nach diesen Erfahrungen der Amerikaner bezweifle –, so denke ich, wird mein Brief hinreichen, es in Freiligraths Hände zu spielen, _et cela suffit_.[1] Über Proudhon morgen oder übermorgen. Weerths Anwesenheit und dann diese Schmiere, verbunden mit Kontorlasten, haben mich verhindert, das Ding ernsthaft anzufassen. Jedenfalls ist die Scharlatanerie großartig drin.
Der zweite Teil, von der Liquidation an, ist bewundernswert durch die Verschmelzung der Girardinschen Reklame und der Stirnerschen Renommage.
Dazu ist manches grammatisch und logisch reiner Gallimathias, von dem er selbst weiß, daß es absolut keinen Sinn hat. Dieser zweite Teil ist wirklich gar nicht ernsthaft zu behandeln, man kann’s beim besten Willen nicht.
Für die Tribune habe ich natürlich auch nichts machen können – nächste Woche Fortsetzung. Eiligst Dein F. E.
---------- [1] Und das genügt.
Lieber Engels!
Man verrechnet sich immer, wenn man auf entscheidende Krisen unter den demokratischen Herren rechnet. Ein Skandal, wie der vor vierzehn Tagen, erheischt mehrwöchentliche Erholung für diese _performers_.[1] Und so kam es denn gestern, Freitag den 29., zu nichts Bedeutendem.
_D’abord_.[2] Am Montag, den 25. August, wie ich Dir schon mitgeteilt, drohten Willich und Schapper mit ihrem Abtritt aus dem Flüchtlingskomitee der Great Windmill. Am folgenden Dienstag traten sie wirklich in offizieller Sitzung ab und löste sich das Komitee überhaupt in Wohlgefallen auf. Bei dieser Gelegenheit kam es zu bitteren Worten.
Willich moralisierte und sittenpredigte, worauf ihm seine Laster entgegengehalten wurden. Der Hauptanklagepunkt gegen ihn aber war der, daß diesmal, wie schon bei einer früheren Gelegenheit, wo Rechenschaft abgelegt werden sollte über die Zwanzige von Pfunden, die in die Bürstenmacherei gesteckt sind, dafür gesorgt worden, daß Herr Lüssel (?), verantwortlicher Garant derselben, durchgebrannt war.
Freitag hatte sich General Sigel in der allgemeinen Sitzung der Vereinbarungslustigen eingefunden. Er hatte auf das Erscheinen der „niedrigen Emigration“ gerechnet, für die er einige gewaltige Lanzen mit Willich brach, der seiner Entrüstung über die sittenlose, früher von ihm uns gegenüber apotheosierte Lumpenherde freien Lauf ließ. Wer aber nicht erschien, war das Lumpenproletariat. Diejenigen, die sich vor den Türen des Areopag eingefunden, waren zu wenig zahlreich, um auf Erfolg rechnen zu können, und zogen sich deshalb zurück. Du weißt, daß es feige Patrone sind.
Lupus, der, aus alter Freundschaft zur Gräfin Reichenbach und ihrem ebenfalls hier anwesenden Bruder, von Zeit zu Zeit das Haus des Reichenbach frequentiert, fand gestern daselbst Herrn Techow, den er von der Schweiz her kannte. Kurz nachher erschien Willich in eigener Person und in Gesellschaft des tiefsinnigen Eduard Meyen. Lupus ging fort, als diese Größen Platz griffen.
_Voilà tout ce que j’ai à rapporter pour le moment._[3] Mit den 160 amerikanischen Pfunden hat Kinkel teils direkt, teils durch seine Anhänger den „Respektablen“ und den „_hommes d’état_“[4] eine gewaltige Meinung von seiner Macht und seinen Verbindungen beizubringen gewußt.
Der edle Willich aber hat durch Auflösung des Windmillkomitees das solideste Band zerrissen, das ihn mit der „Canaille“ verklitterte.
_Maintenant_,[5] was Dich anbetrifft, so ist es positiv, daß _Fischer_ Dich ausdrücklich genannt unter den Paten der 160 Pfund. General Sigel und Goegg teilten das angeblich _au secret_[6] ihrem Freund Schabelitz mit, in der Tat aber, wie ich glaube, um es Dir zukommen zu lassen. Nach meiner Ansicht hast Du nichts zu tun, als Herrn Kinkel zu schreiben, Du habest aus New Orleans die Nachricht über die Geldsendung und Deine Mitzurateziehung bei Verwendung desselben erhalten. Du fragtest ihn simplement, was mit dem Gelde geschehen oder beabsichtigt sei. Die Adresse Kinkels ist: Dr. phil. (so schreibt er sich auf seinen Visitenkarten) Kinkel, 1 Henstridge Villas, St. Johns Wood. Ich werde Dir zum Spaß einmal eine solche Visitenkarte zuschicken, die ganz Inhalt und Form einer Londoner Reklame für Heilung von Krähenaugen _and so forth_[7] hat.
Damit ich das große Ereignis nicht vergesse. In der Nummer vom 13.
August kündet der unglückliche Heinzen an, daß Otto seine Kapitalien zurückgezogen und so er allein mit seinem geistigen Kapital zurückgeblieben, womit in dem industriellen Amerika ein Blatt nicht erscheinen könne. Er schreibt also eine Elegie über den Fall Hektors vor der Zeit. Und in derselben Nummer fordern Hoff und Kapp zu Aktienzeichnungen für eine neue Zeitung auf, die an die Stelle der Schnellpost treten solle. Und wie das Schicksal wunderliche Nücken hat, macht gleichzeitig die Staatszeitung dem edlen Heinzen – unter Enthüllung vieler seiner Geldgemeinheiten – einen Prozeß wegen Verleumdung, der ihn, wie er vorhersieht, in ein „Sittenverbesserungshaus“ bringen wird. _Le pauvre_ Heinzen! Auch ist dieser große Mann jetzt moralisch entrüstet über Amerika und die „gemütsarmen Yankees“ und die „Deutsch-Amerikaner“, die ihnen nachschlagen, statt an der „Humanisierung der Gesellschaft“ zu arbeiten und für die großen politisch-sozialen Enthüllungen Arnold Ruges sich zu begeistern...Du hast sicher schon längst aus den Journalen ersehen, daß Girardin sich mit Ledru-Rollin liiert. Der glaubte auch schon der künftige französische Großmogul zu sein. Nun hat sich aber ein Gegenkomitee Lammenais-Michel (de Bourges)-Schölcher gebildet, das die „Vereinigten Staaten von Europa“ durch die _romanischen Völker_ – Franzosen, Spanier, Italiener – bewirken will, woran sich dann die Deutschen usw.
anzukristallisieren haben. – Also, die Spanier (!) sollen uns zivilisieren! _Mon Dieu_, das übertrifft nach den Karl Heinzen, der die Feuerbach und Arnold Ruge unter die Yankee zur „Humanisierung“ einführen will. Der „Proscrit“ von Ledru-Rollin attackierte bitter das rivalisierende Komitee. Sie antworteten ihm mit gleicher Münze. Was aber noch bitterer für den Großmogul _in partibus_[8] ist: In Paris fand ein Konklave der ganzen Presse statt. Der Proscrit war auch durch einen Deputierten vertreten. Zweck: Einigung über einen gemeinschaftlichen Präsidenten. Der Proscrit fiel mit seinen Anträgen durch, und es wurde rein herausgesagt, die Herren in London hätten gut schwatzen, aus Frankreich selbst müsse das Erforderliche für Frankreich geschehen, Ledru-Rollin schneide sich sehr, wenn er sich für „die wichtige Person“ halte, wofür ihn Mazzini ausgibt.
Übrigens trennte sich der Konklave unter Skandal und ohne Resultat. Die einheitssüchtige Demokratie gleicht sich überall wie ein Ei dem anderen.
Addio!
Dein K. M.
[2] Erstens.
[3] Das ist alles, was ich im Augenblick zu berichten habe.
[4] Staatsmänner.
[5] Jetzt.
[6] Vertraulich.
[7] Und so weiter.
[8] In den Landesteilen [der Ungläubigen], das heißt ohne tatsächliche Macht.
Montag, 1. September 1851.
Lieber Marx!
Du mußt mich abermals entschuldigen.
Erstens habe ich mit dem Proudhon noch weiter nichts anfangen können, weil ich seit vier Tagen mit den scheußlichsten Zahnschmerzen geplagt gewesen bin, die mich total unfähig machten, irgend etwas zu tun. Dazu kommt nun noch heute abend mein Bruder (den Du kennst) von London und wird mich, ich weiß nicht wie lange, am Arbeiten verhindern. _Que le diable emporte l’exposition!_[1] Zweitens kann ich Dir die für heute versprochenen 5 Pfund erst morgen schicken, da absolut kein Geld in der Geschäftskasse ist und ich sie also erst morgen bekommen kann.
Der Triumphartikel der Lithographierten Korrespondenz über die endlich erreichte Einheit der honetten Emigration ist ja bereits durch ein neues Lamento und Ausfälle der „Preußen“ gegen die „Süddeutschen“ und den „Pommer“ Ruge in derselben Lithographierten Korrespondenz widerrufen.
_Sic transit gloria_ – die Freude hat nicht lange gedauert. Es ist gut, daß wir in jedem der neuen zwei Vereine so viel Freunde haben, daß keiner von beiden uns behelligen wird.
Die Failliten haben in Liverpool und London ja schon angefangen, und der Economist trotz seiner Beweise, daß der Trade des Landes äußerst gesund, das heißt, daß das meiste Surpluskapital in der soliden Produktion angelegt ist, muß doch gestehen, daß Ostindien wieder überführt ist und im ostindischen Handel die alten Konsignations- und Vorschußgeschichten mit unveränderlicher Regelmäßigkeit wieder eingerissen sind. Nächste Woche will er uns lehren, wie man das Konsignationsgeschäft auf soliden Grundlagen betreiben kann – ich bin begierig darauf. Inzwischen verdienen die Spinner und Weber hier enorm – die meisten sind bis Neujahr engagiert, und auf dem Lande wird allgemein wenigstens bis 8 Uhr abends, also 12 bis 12-1/2 Stunden, gearbeitet, oft länger. Aus Baumwolle zu 3-3/4 bis 4-1/2 Pence pro Pfund spinnen sie Garn zu 7 bis 8 Pence das Pfund; die Spinnkosten bei diesen groben Nummern kaum 1-1/2 bis 2 Pence das Pfund, also bei einer wöchentlichen Produktion von 12 Millionen Pfund (bei 600 000 000 Pfund Einfuhr roher Baumwolle) verdient die Gesamtmasse der Spinner, wenn die groben Nummern als Norm gelten, in England wöchentlich 75 000 Pfund Sterling, jährlich 3-3/4 Millionen Pfund netto. Dasselbe ist richtig, wenn statt Nr. 6 bis 12 die Durchschnittsnummern des Garnes, 18 bis 24, angenommen werden, und manche, die bei guten Maschinen schlechtere Baumwolle anwenden können, verdienen am Pfund Garn nicht 1-1/2 Pence, sondern 2-1/2 Pence. Alles das datiert vom April und Mai, vom Fall der Baumwollpreise, und wer verhältnismäßig am meisten Twist kauft, sind die Deutschen. Wenn der Tanz losbricht – und dieser Trade dauert gewiß nicht länger als bis in den März – und zu gleicher Zeit in Frankreich ein Ulk losgeht, so werden die Deutschen es schön fühlen mit all dem unverkäuflichen Garn auf dem Hals, und das Land wird auch so gut präpariert werden.
Weihen wir eine stille Träne den Manen Brüggemanns! Unverdienteres Unglück hat wohl nie einen Biedermann getroffen – _sit illi terra levis_.[2] Dein F. E.
---------- [1] Der Teufel hole die Ausstellung!
[2] Möge ihm die Erde leicht sein.
Montag, 8. September 1851.
Lieber Marx!
Morgen geht mein Bruder fort, und ich werde dann endlich wieder zur Ruhe kommen. Ich bin die ganze Zeit über keinen Augenblick allein gewesen, und es war mir rein unmöglich, Dir die Banknote früher zu schicken als Samstag, und zwar beide Stücke mit derselben Post, da Sonntags nur eine _delivery_[1] ist. Da hierbei Gefahr der Entwendung ist, so gebe ich Dir _particulars_[2] der Note – sie war numeriert _E_ 01780, und datiert Leeds, 15. Juli 1850. Sollte sie Dir also nicht zugekommen sein, so gehe gleich auf die Bank und _stop payment_,[3] was noch frühzeitig genug sein wird. Es war eine Fünfpfundnote.
Freitag abend erhalte ich plötzlich einen Brief von meinem Alten, worin er mir erklärt, ich verbrauche viel zu viel Geld und müsse mit 150 Pfund auskommen. Ich werde mir diese lächerliche Zumutung natürlich nicht gefallen lassen, um so weniger, als sie mit der Drohung begleitet ist, nötigenfalls die Ermens anzuweisen, mir nicht mehr als diese Summe auszuzahlen.
Ich denke mit Hilfe meines Bruders und meiner Alten die Sache in Ordnung zu bringen, werde mich aber doch zunächst etwas einschränken müssen, da ich Summa Summarum hier schon 230 Pfund vermöbelt habe und bis zum November, wo ich ein Jahr hier bin, diese Summe nicht zu sehr steigern darf. Jedenfalls ist dieser neue Trick wieder sehr unangenehm und ärgert mich bedeutend, namentlich die unnoble Manier, die mein Alter dabei anschlägt. Es ist richtig, er verdient hier dies Jahr lange nicht so viel wie das vorige, aber das liegt einzig in dem schlechten Management seiner Associés, über die ich keine Kontrolle habe.
Was ist das für ein neuer Tuck in Paris? Diesmal scheint die Clique Hippopotamus ins Pech geraten zu sein; was ich von den deutschen verhafteten Namen kenne, sind lauter alte Weitlingianer aus der Epoche von 1847 und früher. Es scheinen da mehrere Mogeleien durcheinander zu laufen. Der schwäbische Heiland scheint sich auch unter den Glücklichen zu befinden. _Tant mieux pour lui._[4] Was Du erfährst, teile mir mit.
Wie deutsche Blätter melden, sollen die Kölner nicht vor die nächsten – Oktober – Assisen kommen.
Morgen oder übermorgen mehr.
Dein F. E.
[2] Einzelheiten.
[3] Verhindere die Auszahlung.
[4] Um so besser für ihn.
Donnerstag, 11. September 1851.
Lieber Marx!
Ich hatte gehofft, Dir heute einen Artikel für Amerika fertig machen zu können. Da fehlen mir noch zirka drei bis vier Seiten daran. Ich muß also auf die morgige Post verzichten, wenn ich aber nicht irre, geht Mittwoch ein Collins Steamer, und damit kann der Artikel gehen und dann Freitag der dritte nachfolgen. Ich werde mich danach erkundigen. Ich halte _in the present moment_[1] dies amerikanische Geschäft, das ja positiv Geld einbringt, für pressanter als den Proudhon, von dem ich nicht weiß, ob er es ebenso sicher und rasch einbringt, daher habe ich dies zuerst vorgenommen. Solltest Du anderer Meinung sein, so schreibe.
Meinen Brief von Montag wirst Du erhalten haben.
---------- [1] Im gegenwärtigen Augenblick.
[2] Deinen Nachrichten entgegensehend.
28 Deanstreet, Soho, Samstag, 13. September 1851.
Lieber Engels!
Du hast doch meinen Brief während der Anwesenheit Deines Bruders erhalten? Ich frage, da Du ihn nicht erwähnst, nicht wegen seines Inhaltes. Er enthielt nur Klatsch, obgleich es gut ist, daß auch dieser archiviert wird. Aber in fremde Hände möchte ich ihn doch nicht geraten wissen.
Deine verschiedenen Briefe, eingeschlossen der fünfpfundige, sind hier richtig angekommen.
Kinkel macht jetzt seine Rundreise durch Nordengland. War er noch nicht in Manchester?
Nach dem in meinem letzten Schreiben Erwähnten hat sich wenig hier zugetragen. Gestern (Freitag) vor acht Tagen erklärte Graf Reichenbach seinen Austritt aus dem allgemeinen Flüchtlingsverband. Auch Du, Brutus?
Sigel usw., die noch nicht definitiv ausgetreten waren, sind es jetzt.
Willich aber macht einen Feldzug gegen das „Lumpenproletariat“ unter den Flüchtlingen. Über die gestern abend gehaltene Sitzung habe ich noch keinen Bericht erhalten.
Auch das italienische Komitee hat sich gespalten. Eine bedeutende Minorität ist ausgetreten. Mazzini erzählt mit Kummer dies Ereignis in der Voix du Peuple. Hauptanlässe sollen sein: _D’Abord Dio. Ils ne veulent pas du dieu. Ensuite, et c’est plus grave, ils reprochent à Maître Mazzini de travailler dans l’intérêt autrichien en prêchant l’insurrection_, das heißt _en la précipitant. Enfin: Insistent sur un appel direct aux intérêts matériels des paysans italiens, ce qui ne peut se faire sans attaquer de l’autre côté les intérêts matériels des bourgeois et de la noblesse libérale, qui forme la grande phalange mazzinienne._[1] Diese letztere Sache ist durchaus wichtig. Wenn Mazzini oder wer sonst an die Spitze der italienischen Agitation sich stellt, diesmal nicht _franchement_ und _immédiatement_ die Bauern aus _métayers_[2] in freie Grundeigentümer verwandelt – die Lage der italienischen Bauern ist scheußlich, ich habe die Schandwirtschaft jetzt gründlich durchgeochst –, so wird die österreichische Regierung im Falle der Revolution zu galizischen Mitteln ihre Zuflucht nehmen. Schon hat sie im Lloyd gedroht mit „gänzlicher Umwandlung des Besitzstandes“ und „Vernichtung des unruhigen Adels“. Wenn dem Mazzini noch nicht die Augen aufgehen, so ist er ein Rind. Allerdings kommen die Agitationsinteressen hinein. Wo die 10 Millionen Franken hernehmen, wenn er die Bourgeois vor den Kopf stößt? Wie den Adel in seinen Diensten behalten, wenn ihm ankündigen, daß es sich zunächst um seine Expropriation handelt? Das sind Schwierigkeiten für solchen Demagogen aus der alten Schule.
Unter den Verhafteten in Paris befindet sich leider auch Schramm.
Vorgestern kam ein Brief von dem Schlingel an Liebknecht, und wir haben die erfreuliche Aussicht, dies fahrige Subjekt wieder unter uns zu sehen. Er soll sich aber wundern, _ce Monsieur là_![3] Du wirst mich sehr verpflichten, wenn Du mir bis _Dienstag morgen den Aufsatz für Dana schickst_. Anbei Brief von Dronke. Übrigens, wenn man ihm schreibt, muß es unter seiner direkten Adresse geschehen. Die von Schuster ist durchaus unsicher. Ich schicke Dir in ein paar Tagen ein Billett für ihn und dann schreibst Du auch noch einiges hinzu und expedierst die Sache an den Knirps.
[Ohne Unterschrift.]
---------- [1] Erstens Gott. Sie wollen nichts von Gott wissen. Dann, und das ist wichtiger, werfen sie Meister Mazzini vor, er arbeite dadurch im Interesse Österreichs, daß er den Aufstand predigt, das heißt dadurch, daß er ihn überstürzt. Schließlich bestehen sie auf direkten Appell an die materiellen Interessen der italienischen Bauern, was nicht möglich ist, ohne auf der anderen Seite die materiellen Interessen der Bourgeois und des liberalen Adels anzugreifen, aus denen die große mazzinistische Phalanx besteht.
[2] Rundheraus und sofort die Bauern aus Halbpächtern...[3] Dieser Herr.
Freitag, 19. September 1851.
Lieber Marx!
Ich wurde gestern in der höchsten Eile noch mit dem Artikel fertig – _tel quel_,[1] oft unterbrochen, seit drei Wochen, und zuletzt in der Eile noch den Rest zusammengeschmiert. _Tu en feras ce que tu pourras._[2] In jedem Falle wirst Du ihn heute mit der ersten Post erhalten haben.
Der einzige Brief, der seit der Ankunft meines Bruders hier ankam, war Deiner vom 31. August, den ich am 2. September erhielt, worin Du die Heinzenschen Stellen mitteiltest (aus der Schnellpost über Veredlung des Yankeetums).
Meine Faulheit erklärt sich: 1. aus einer Geschäftsreise nach Bradford, 2. aus der Abreise unseres Kommis nach London, von wo er erst Montag zurückkommt, 3. aus der plötzlichen Entlassung unseres Warehouseman[3] und Gehilfen, so daß ich jetzt alle Hände voll zu tun habe.
Morgen oder Montag gebe ich mich an den dritten amerikanischen Artikel, der positiv zum nächsten Steamer in Deinen Händen ist – wenn Mittwoch einer geht, bis Dienstag, sonst bis Freitag. Morgen mehr, das Kontor