wird zugeschlossen und Gas haben wir noch keines, so daß ich dies fast im Dunkeln schreibe.
Dein F. E.
Das Dokument Willich in den Débats ist wunderschön!
---------- [1] So wie er gerade ist.
[2] Du wirst daraus machen, was Du willst.
[3] Lagerverwalter.
Manchester, 23. September 1851.
Lieber Marx!
Endlich denke ich wieder so weit zu sein, daß ich nach allen fatalen Störungen wieder regelmäßig ans Arbeiten komme. Der Artikel Nr. 3 für Amerika wird heute abend fertig gemacht und Dir gleich zugeschickt, und dann werde ich den Proudhon direkt vornehmen.
Von Kinkels Rundreise habe ich weiter noch nichts vernommen. Die Spaltung unter den Italienern ist wunderschön. Es ist vortrefflich, daß dem geriebenen Schwärmer Mazzini endlich die materiellen Interessen auch einmal in die Quere kommen, und das in seinem eigenen Lande. Dazu ist die italienische Revolution gut gewesen, daß sie die entschlossensten Klassen auch dort in die Bewegung gerissen hat, und daß sich jetzt der altmazzinistischen Emigration gegenüber eine neue radikalere Partei bildet und Herrn Mazzini allmählich verdrängt. Auch nach Zeitungsberichten scheint _il Mazzinismo_ selbst bei Leuten, die weder konstitutionell noch reaktionär sind, in Verruf zu kommen, und die Reste piemontesischer Preßfreiheit von diesen zu Angriffen gegen Mazzini, deren _portée_[1] die Regierung nicht begreift, benutzt zu werden. Im übrigen überragt sonst die italienische Revolution die deutsche bei weitem an Ideenarmut und Phrasenreichtum. Es ist ein Glück, daß das Land, wo es statt Proletariern fast nur Lazzaroni gibt, wenigstens _métayers_[2] besitzt. Auch die anderen Gründe der italienischen Dissidenten sind erfreulich, und schließlich ist es sehr schön, daß die einzige bisher wenigstens ungespaltene Emigration jetzt auch sich in den Haaren liegt.
Der Bericht des Kleinen [Dronke] hat mir viel Spaß gemacht.
Wichtigtuender Klatsch, ein Duell, ein in Hamburg einzukassierendes Stück Geld, piemontesische Pläne – _dodge, dodge_ und aber _dodge_! Man begreift bei dem Männchen nie zweierlei Dinge, erstens was er treibt, und zweitens wovon er lebt. Inliegend erfolgt der Brief zurück, schicke mir die Antwort und ich werde sie ihm portofrei befördern. Seine direkte Adresse ist notiert – die von Schuster wäre sehr schön, seit er gehaussucht worden! – – Die australische Goldsuppe wird hoffentlich die Handelskrise nicht aufhalten. Jedenfalls kreiert sie momentan einen neuen, großenteils fiktiven Markt und treibt die Wolle in die Höhe, da die Schafherden vernachlässigt werden. Sonst ist die Geschichte famos. Der Steam um die Welt wird in sechs Monaten in vollem Gange sein, und unsere Prophezeiungen über die Suprematie des Stillen Ozeans realisieren sich noch rascher, als wir erwarten konnten. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Engländer herausfliegen und die Vereinigten Staaten der deportierten Mörder, Hausbrecher, Notzüchter und Taschendiebe der Welt ein erstaunliches Exempel geben von dem, was ein Staat von unverhohlenen Schuften für Wunder verrichten kann. _They will beat California hollow._[3] Während in Kalifornien doch noch die Schufte gelyncht werden, wird man in Australien die _honnêtes gens_[4] lynchen, und Carlyle wird seine _aristocracy of rogues_[5] in voller Glorie etabliert sehen.
Die vielen Beteuerungen der Blätter bei Gelegenheit der letzten Failliten und der unter anderem in Liverpool herrschenden Depression, daß trotzdem der Trade des Landes niemals gesunder gewesen sei, sind sehr verdächtig. Positiv ist, daß Ostindien _overstocked_[6] ist und seit Monaten dort mit Verlust verkauft wird. Wohin die Massen Zeug gehen, die jetzt hier in Manchester und Gegend fabriziert werden, ist mir nicht klar; es muß viel, sehr viel Spekulation dabei sein, da, sobald die Baumwolle im Juli den niedrigsten Punkt erreicht hatte und die Spinner sich mit rohem Material zu versehen anfingen, sofort alle Spinner und Weber auf lange Zeit in Kontrakt genommen wurden von hiesigen Kommissionshäusern, die lange nicht auf alle die Ware Bestellung hatten, die sie beim Fabrikanten bestellten. Bei den ostindischen Häusern ist offenbar das alte Vorschußsystem wieder in vollem Zuge, bei ein paar ist es schon ans Tageslicht gekommen, bei anderen wird’s früher oder später einen heiteren Crash geben. Da die Fabrikanten hier auf Mord und Brand arbeiten, und seit 1847 die hiesige Produktionskraft, besonders 5 bis 20 Meilen um Manchester, sich wenigstens um 30 Prozent vermehrt hat (sie war 1842 30 000, 1845 40 000, jetzt gewiß 50 000 bis 60 000 Pferdekraft für Lancashire), so braucht dies flotte Arbeiten nur noch bis März oder April fortzugehen, und wir haben eine Überproduktion, die Dir Freude machen wird...Die Russen beziehen in diesem Moment fast kein Pfund Twist mehr von England, sehr wenig fertige Baumwollwaren, sehr viel rohe Baumwolle – 2000 bis 3000 Ballen pro Woche, und trotzdem daß der Zoll von 7^0 auf 5^0 pro Pfund für Garn herabgesetzt ist, entstehen noch täglich neue Spinnereien. Nikolas scheint endlich Angst vor dieser Industrie zu bekommen und will den Zoll noch mehr heruntersetzen. Da aber all sein reicher Adel und alle Bourgeois in diesem Geschäft interessiert sind, so kann diese Geschichte ernstlich werden, wenn er darauf besteht.
Dein F. E.
[2] Halbpächter.
[3] Sie werden Kalifornien gründlich schlagen.
[4] Anständigen Leute.
[5] Aristokratie der Gauner.
[6] Überladen.
Lieber Engels!
Mit dem Pariser Dokument, das ist sehr dumm. Die Deutsche Zeitung, Kölnische und Augsburger, schieben’s uns, wie sich von diesen kritiklosen Hunden erwarten läßt, in den Hals. Andererseits verbreitet der elende Willich _et Co._, wir hätten das Zeug in Paris durch Bekannte von uns denunzieren lassen. _Qu’en dis-tu?_[1] K. Schramm ist auch eingesteckt. _Habeat sibi._[2] Das nächste Mal – nach Einziehung noch einiger Nachrichten – schreibe ich Dir weiter über den hiesigen Sumpf. Für heute wirst Du regaliert mit folgendem Resümee eines mehrspaltigen Manifestes des Bürgers Techow in der New Yorker Staatszeitung, benamset: „_Umrisse des kommenden Krieges. London, 3.
August._“ (Schlecht, doktrinär geschrieben, allerlei Reminiszenzen aus unserer Revue und scheinbar verständig entwickelt, aber Inhalt platt, keine Bewegung in der Form, nichts Schlagendes.) Ich schenke Dir, was Techow zunächst über die Revolution von 1849 rezitiert. Er zieht sich daraus zunächst folgende allgemeine Nutzanwendungen: 1. Gegen die Gewalt gibt es keinen anderen Widerstand als die Gewalt.
2. Die Revolution kann nur dann siegen, wenn sie allgemein wird, das heißt wenn sie in den großen Zentren der Bewegung zündet ([unlesbar] Pfalz, Baden) und wenn sie ferner nicht der Ausdruck einer _einzelnen Oppositionsfraktion_ ist. (Beispiel: Juni-Insurrektion von 1848.)
3. Die Nationalkämpfe können zu keiner Entscheidung führen, weil sie vereinzeln.
4. Die Barrikadenkämpfe haben keine andere Bedeutung, als den Widerstand einer Bevölkerung zu signalisieren, diesem Widerstand gegenüber die Gewalt der Regierungen, das heißt die Gesinnungen der Truppen auf die Probe zu stellen. Wie diese Probe auch ausfallen möge, Organisation für den Krieg, Aufstellung disziplinierter Armeen bleibt immer die erste und wichtigste Maßregel der Revolution. Denn nur durch diese ist die Offensive möglich, und nur in der Offensive liegt der Sieg.
5. Konstituierende Landesversammlungen sind nicht imstande, für den Krieg zu organisieren. _Sie verlieren ihre Zeit stets an Fragen der inneren Politik_, für deren _Lösung die Zeit_ erst _nach dem Siege_ gekommen ist.
6. Um für den Krieg organisieren zu können, muß die Revolution Raum und Zeit gewinnen. Sie muß daher politisch angreifen, das heißt soviel wie möglich Länderstrecken in ihren Bereich ziehen, weil sie militärisch im Anfang stets auf die Defensive beschränkt ist.
7. Die Organisation für den Krieg kann in dem republikanischen Lager so gut wie in dem royalistischen nur basiert sein auf Zwang. Mit politischer Begeisterung und mit phantastisch aufgeputzten Freischaren ist gegen Disziplin und gut geführte Soldaten noch nie eine offene Feldschlacht gewonnen worden. Die militärische Begeisterung stellt sich erst nach einer Reihe von Erfolgen ein. – Für diese Erfolge gibt es im Anfang keine bessere Grundlage als eiserne Strenge der Disziplin. Mehr noch als in der inneren Organisation des Landes können demokratische Grundsätze in den Armeen erst nach dem Siege der Revolution zur Anwendung kommen.
8. Der kommende Krieg ist seiner Natur nach ein Vernichtungskrieg – Völker oder Fürsten. Folgt daraus die Anerkennung der politischen und militärischen Solidarität aller Völker, das heißt der Intervention.
9. Das Gebiet der kommenden Revolution liegt räumlich in denselben Grenzen wie das der besiegten: Frankreich, Deutschland, Italien, Ungarn, Polen.
Folgt aus allem: Die Frage der kommenden Revolution ist gleichbedeutend mit der eines europäischen Krieges. Gegenstand des Krieges: Ob Europa kosakisch oder republikanisch. Schauplatz des Krieges – die alten: Oberitalien und Deutschland. Herr Techow zählt nun auf: 1. Die Streitkräfte der Konterrevolution; 2. die Streitkräfte der Revolution.
1. _Rußland._ Gesetzt, es könne seine Streitkraft auf 300 000 bringen, das wäre sehr viel. In welcher Zeit und wie stark kann es dann am Rhein und in Italien erscheinen? Im besten Falle in zwei Monaten. Mindestens ein Drittel Abgang für Kranke und Besatzung der Etappenstraßen. Bleiben 200 000 Mann, die in zwei Monaten nach Ausbruch der Bewegung auf den entscheidenden Punkten des Kriegsschauplatzes erscheinen.
2. _Österreich._ Berechnet den Stand seiner Armee auf 600 000 Mann.
Brauchte 1848 und 49 in Italien 150 000 Mann. Diese Zahl verlangt Radetzky auch jetzt in Friedenszeiten. In Ungarn braucht es jetzt im Frieden 200 000 Mann. Im letzten Kriege reichten 200 000 Mann nicht aus.
Ein Drittel dieser Armee besteht aus Ungarn und Italienern, die abfallen werden. Im besten Falle, wenn der Aufstand in Ungarn und Italien nicht gleichzeitig ausbricht, kann es – durch allerlei Barrikadenkämpfe aufgehalten – in 6 Wochen mit 50 000 Mann am Rhein erscheinen.
3. _Preußen._ Zählt 500 000 Mann, inklusive der Ersatzbataillone und der Landwehr des ersten Aufgebots, die nicht mit ins Feld rücken. Für die Operation im Felde 300 000 Mann: Halb Linie, halb Landwehr.
Mobilisierung: 14 Tage bis 3 Wochen. Das Offizierkorps in der preußischen Armee aristokratisch, die Unteroffiziere bureaukratisch, die Masse „durchaus demokratisch“. Fernere Chance hat die Revolution in der Mobilisierung der Landwehr. Desorganisation des preußischen Heeres durch die Revolution, deren der König nur unter Schutz der russischen Armee so weit Herr wird, um mit den Russen die Trümmer seines Heeres gegen die Rebellen zu führen. Rheinprovinz, Westfalen, Sachsen für ihn verloren, so die wichtigsten Festungslinien und mindestens ein Drittel seiner Armee. Ein Drittel braucht er gegen die Aufstände in Berlin, Breslau, Provinz Posen und Westpreußen. Bleiben höchstens 100 000, die nicht früher als die Russen selbst auf dem Kampfplatz erscheinen können.
4. _Die deutsche Bundesarmee._ Das badische, schleswig-holsteinsche, das kurhessische und die pfälzischen Regimenter gehören der Revolution. Nur Trümmer der deutschen Bundesarmee werden, dem Flehen der Fürsten folgend, die Heere der Reaktion verstärken. Ohne militärische Bedeutung.
5. _Italien._ Die einzige militärische Macht von Italien, das sardinische Heer, gehört der Revolution.
Also Summa Summarum: Kriegsschauplatz in 150 000 Russen Deutschland: 100 000 Preußen Kriegsschauplatz in Italien: 150 000 Österreicher ------------- Fazit: 500 000 Mann II. _Streitkräfte der Revolution._ 1. _Frankreich._ 500 000 Mann schon in dem ersten Moment der Revolution zur Verfügung. Davon 200 000 am Rhein, 100 000 in Italien (Ober-) sichern der Revolution in Italien und Deutschland Raum und Zeit zu ihrer Organisation.
2. _Preußen._ 50 000 } nämlich die Hälfte der abgefallenen } Armee organisiert.
4. Kleine deutsche Armee: 100 000.
Macht dann folgende Rechnung: ------------- 650 000 Mann Also: Revolution führt 650 000 Mann gegen 500 000 Mann des Absolutismus.
Er schließt damit: „Welche nationalen, welche prinzipiellen Verschiedenheiten die große Partei der Revolution immerhin spalten mögen – wir alle haben gelernt, daß zur Bekämpfung dieser verschiedenen Ansichten untereinander die Stunde erst nach dem Siege gekommen ist“ usw.
Was meinst Du von dieser Berechnung?
Techow setzt voraus, daß die Desorganisation auf Seite der regulären Armee und die Organisation auf Seite der revolutionären Streitkräfte sich befinden wird. Das bildet die Basis seiner Rechnung. Doch Du wirst besser über diese Statistik urteilen können als ich.
Was aber die eigentlich politische Tendenz dieses Aufsatzes ist, die in der Ausführung noch klarer durchblickt, so ist sie die: Es bricht gar keine Revolution aus, das heißt kein Parteikampf, kein Bürgerkrieg, kein Klassenzwist, bis nach _Beendigung des Krieges_ und dem Sturze Rußlands.
Um aber diese Armee für den Krieg zu organisieren, da bedarf es der _Gewalt_. Und woher soll die _Gewalt kommen_? Vom General Cavaignac oder einem ähnlichen militärischen Diktator in Frankreich, der seine Generale in Deutschland und Oberitalien hat. _Voilà la solution_,[3] die nicht sehr weit von Willichs Ideen abliegt. Der Weltkrieg, das heißt, im Sinne des revolutionären preußischen Leutnants, die Herrschaft wenigstens provisorisch des Militärs über das Zivil. Wie aber ein General _quelconque_,[4] und stände der alte Napoleon selbst aus dem Grabe, nicht nur die Mittel, sondern auch diesen Einfluß erhalten soll, ohne vorhergehende und gleichzeitige _innere_ Kämpfe, ohne die verdammte „innere Politik“, darüber schweigt das Orakel. Wenigstens der fromme Wunsch des künftigen Weltkrieglers, der seinen angemessenen politischen Ausdruck exakt findet in den klassenlosen Politikern und Demokraten als solchen, ist rein herausgesagt.
Lebe wohl!
Dein K. M.
Soeben habe ich Deinen Brief erhalten, was ich hier noch anzeige.
_NB._ Du weißt doch, daß der Stechan oder Steckhahn in Hannover verhaftet war und, ehe er in unsere Verbindung trat, mit dem Komitee Schapper usw. in Korrespondenz stand. Nun sind zwei Briefe, die er an den Sekretär Dietz dieses Komitees schrieb und die dieser erhalten hatte, jetzt befindlich auf dem Bureau des Polizeiinspektors in Hannover. Ulmer war nun von uns beauftragt, Herrn Dietz und Komp.
darüber zu interpellieren nächsten Freitag in der öffentlichen Sitzung des Flüchtlings- oder Emigrationsvereins. Wir haben wieder Konterorder gegeben. Stechan ist durchgebrannt. Also auf dem Wege nach London oder schon hier. Und wer bürgt uns dafür, daß Stechan nicht zu unseren Feinden geht, statt zu uns?
Deine Handelsnachrichten haben mich äußerst interessiert.
Was den K. Schramm angeht, so hatte er von mir ein kurzes Legitimationsschreiben, eingetragen in seine Brieftasche. Diese Zeilen könnten zum Uriasbrief an ihm geworden sein.
Addio!
---------- [1] Was sagst Du dazu?
[2] Gehab’ es ihm wohl.
[3] Dies die Lösung.
[4] Irgendwelcher, xbeliebiger.
25. September 1851.
Lieber Marx!
Dein Brief ist eingetroffen. Über Techows Gelehrsamkeit morgen. Kinkels Bettelbrief nach New Orleans ist sehr reizend, leider habe ich ihn auch bloß französisch zu Gesicht bekommen. Herr Stechan muß auch jetzt in London sein, es ist sehr recht, daß Du den Kerl laufen läßt, wenn er sich nicht meldet, und wartest, was geschieht, ehe Du jemand seine Partei nehmen läßt. Unter den in Paris Freigelassenen, von denen die heutigen Blätter sprachen, wird sich wohl auch Herr Konrad Schramm befinden. Die Dummheit der deutschen Zeitungen, uns das alberne W[illich]sche Aktenstück in die Schuhe zu schieben, hat mich ebenfalls sehr geärgert. Es wird sich indes sehr bald herausstellen, daß wir mit dieser elenden Schmiere nichts zu tun haben. _Par dieu, nous en avons assez sur les bras_[1] mit den Aktenstücken anderer Leute, nach Stil und Gehalt. Inliegend Artikel Nr. 3 für New York, jedenfalls etwas weniger Schund als Nr. 2. Nr. 4. wird bald in Angriff genommen.
Du könntest mir von Zeit zu Zeit amerikanische Blätter _sous bande_[2] zuschicken, man sieht den Dreck stellenweise ganz gern einmal _in natura_. Ich werde Dir _ad hoc_[3] nächstens wieder ein Lot Stamps[4] schicken.
Adieu!
Dein F. E.
---------- [1] Bei Gott, wir haben genug auf uns.
[2] Unter Kreuzband.
[3] Zu diesem Zweck.
[4] Anzahl Briefmarken.
[Undatiert. Wahrscheinlich 26. September 1851.]
Lieber Marx!
Was die Techowsche Kriegsgeschichte angeht, so ist sie auch militärisch ungeheuer flach und stellenweise direkt falsch. Abgesehen von den tiefen Wahrheiten, daß gegen die Gewalt nur die Gewalt hilft, von den abgeschmackten Entdeckungen, daß die Revolution nur dann siegen kann, wenn sie allgemein ist (also wörtlich, wenn sie gar keinen Widerstand findet, und dem Sinne nach, wenn sie eine Bourgeoisrevolution ist), abgesehen von der wohlmeinenden Absicht, die fatale „innere Politik“, die eigentliche Revolution also, durch einen bis jetzt, trotz Cavaignac und Willich, noch nicht entdeckten Militärdiktator zu erdrücken, und abgesehen von dieser sehr bezeichnenden politischen Formulierung der Ansicht dieser Herren über die Revolution, ist militärisch zu bemerken: Die eiserne Disziplin, die allein den Sieg verschaffen kann, ist genau die Kehrseite der „Vertagung der inneren Politik“ und der Militärdiktatur. Wo soll diese Disziplin herkommen? Die Herren sollten doch in Baden und der Pfalz einige Erfahrungen gemacht haben. Es ist eine evidente Tatsache, daß die Desorganisation der Armeen und die gänzliche Lösung der Disziplin sowohl Bedingung wie Resultat jeder bisher siegreichen Revolution war. Frankreich brauchte von 1789 bis 1792, um nur eine Armee von zirka 60 000 bis 80 000 Mann – die Dumouriezsche – wieder zu organisieren, und selbst die zerfiel wieder, und es gab sozusagen keine organisierte Armee in Frankreich bis Ende 1793. Ungarn brauchte von März 1848 bis Mitte 1849, ehe es eine ordentlich organisierte Armee hatte. Und wer brachte in der ersten französischen Revolution die Disziplin in die Armee? Nicht die Generäle, die erst nach einigen Siegen in einer Revolution, bei improvisierten Armeen Einfluß und Autorität bekommen, sondern die _terreur_[1] der inneren Politik, der Zivilgewalt.
Streitkräfte der Koalition: 1. Rußland. Die Annahme von 300 000 Mann Effektivtruppen, von denen 200 000 unter Gewehr auf dem Kriegsschauplatz, ist hoch. _Passe encore._[2] Aber in zwei Monaten können sie weder am Rhein (allenfalls die Avantgarde am Niederrhein, bei Köln) noch in Oberitalien sein. Um gleichzeitig agieren zu können, sich mit Preußen, Österreich usw. gehörig zu dislozieren, gehen drei Monate hin – eine russische Armee marschiert nicht über 2 bis 2-1/2 deutsche Meilen den Tag und ruht jeden dritten [Tag]. Es dauerte fast zwei Monate, bis sie in Ungarn auf dem Kriegsschauplatz erschienen.
2. Preußen. Mobilisierung: mindestens vier bis sechs Wochen. Die Spekulationen auf Abfallen, Aufstände usw. sehr riskiert. Kann im besten Falle doch 150 000 Mann, im schlechtesten aber vielleicht nicht 50 000 disponibel machen. Da mit ein Drittel und ein Viertel zu rechnen, ist reiner Humbug, es kommt alles auf Zufälligkeiten an.
3. Österreich. Ebenso _chanceux_,[3] noch vertuckter.
Wahrscheinlichkeitsrechnung _à la_ Techow hier außer aller Möglichkeit.
Im besten Falle stellt es, wie Techow angibt, vielleicht 200 000 Mann gegen Frankreich, im schlechtesten kommt es nicht dazu, einen Mann zu detachieren, und kann den Franzosen vielleicht 100 000 _höchstens_ bei Triest entgegenstellen.
4. Bundesarmee – die bayerische geht gewiß zu zwei Dritteln gegen die Revolution, und hier und da auch noch ein Stück. Mit drei Monat Zeit läßt sich allenfalls ein Korps von 30 000 bis 50 000 Mann daraus bilden, und gegen Revolutionssoldaten sind sie im Anfang gut genug.
5. Dänemark stellt gleich 40 000 bis 50 000 Mann gute Soldaten ins Feld, und wie 1813 werden die Schweden und auch die Norweger mit müssen auf den großen Kreuzzug. Techow denkt daran nicht, auch nicht an Belgien und Holland.
Streitkräfte der Revolution. 1. Frankreich. Hat 430 000 Mann unter den Waffen. Davon 100 000 in Algier. 90 000 nicht _présent sous les armes_[4] – ein Viertel des Restes. Bleiben 240 000 – von denen in vier bis sechs Wochen, trotz der jetzt bedeutend vervollständigten Eisenbahnen, nicht über 100 000 Mann an der belgisch-deutschen und 80 000 Mann an der savoyisch-piemontesischen Grenze erscheinen können.
Sardinien wird diesmal versuchen, wie Belgien 1848, den Fels im Meere zu spielen; ob daher das piemontesische Heer, ohnehin voll sardinischer bigotter Bauernjungen – wenigstens in seiner jetzigen Gestalt mit aristokratischen Offizieren –, der Revolution so sicher ist, als Techow sich einbildet, ist sehr die Frage. Viktor Emanuel hat sich Leopold zum Muster genommen, _c’est dangereux_[5].
2. Preußen –? 3. Österreich –? das heißt, was regelmäßige, organisierte Soldaten angeht. Was Freischaren angeht, so werden sich ihrer Legion melden, natürlich zu nichts zu brauchen. Wenn in den ersten Monaten aus den abgefallenen Truppen 50 000 bis 60 000 brauchbare Soldaten zu machen sind, so ist das viel. Wo sollen in so kurzer Zeit die Offiziere herkommen?
Nach alledem ist es wahrscheinlicher, da gerade das, was Napoleon die rasche Formierung riesiger Armeen möglich machte, gute Kaders nämlich, in jeder Revolution notwendig fehlen (selbst in Frankreich), daß die Revolution, wenn sie im nächsten Jahre zustande kommt, vor der Hand entweder auf der Defensive bleiben oder sich auf hohle Proklamation von Paris aus und sehr ungenügende, blamable und schädliche _Risquons-tout_[6]-Expeditionen in größerem Maßstabe beschränken muß. Es sei denn, daß die Rheinfestungen im ersten Sturm übergehen und daß das piemontesische Heer dem Aufruf des Bürgers Techow folgt; oder daß die Desorganisation der preußischen und österreichischen Truppen sofort Berlin und Wien zu Zentren erhält, und dadurch Rußland auf die Defensive versetzt; oder daß sonst Geschichten passieren, die sich nicht vorhersehen lassen. Und darauf _à la_ Techow zu spekulieren und wahrscheinlichkeitszurechnen ist müßig und willkürlich, wie ich das in meinen eigenen Experimenten hinlänglich gesehen habe. Es läßt sich da bloß sagen, daß von der Rheinprovinz enorm viel abhängt.
[Unterschrift fehlt.]
[2] Mag noch hingehen.
[3] Ungewiß.
[4] Unter den Waffen anwesend.
[5] Das ist gefährlich.
[6] Der Name eines Fleckens in Belgien. [Setzen wir alles aufs Spiel.]
Lieber Engels!
Weydemeyer ist am 29. September von Havre nach New York abgesegelt. Er traf daselbst Reich, der auch über See ging nach den Atlanticis. Reich war mit Schramm verhaftet worden und berichtet, daß die Polizei bei Schramm eine Kopie des Protokolls fand, worin sich die Verhandlungen befinden, die sein Duell mit Willich veranlaßten, das Protokoll desselben Abends, wo er Willich insultierte und aus der Sitzung lief.
Die Sache ist von seiner Hand geschrieben und ohne Unterschrift. Die Polizei fand so heraus, daß er Schramm heißt und nicht „Bamberger“, auf dessen Paß er sich in Paris aufhielt. Andererseits hat das Protokoll zur Verwirrung des Herrn Stadthauptmann Weiß und Kompanie beigetragen, indem unsere Namen so in den Dreck verwickelt worden. Da Schramm einmal diese Dummheit begangen, ist es wenigstens erfreulich, daß der Ehrenmann direkt dafür gezüchtigt wird.
Kinkel hat also die von Amerika gesandten 160 Pfund dazu verwandt, um mit seinem Retter Schurz persönlich nach Amerika kollektieren zu gehen.
Ob er gerade in diesem Augenblick der _pressure on the american money-market_[1] zur rechten Zeit kommt, scheint zweifelhaft. Er wählte den Moment so, daß er _vor_ Kossuth eintraf, und schmeichelt sich, letzteren bei irgend einer Gelegenheit im Lande der Zukunft öffentlich zu umarmen und in allen Zeitungen drucken zu lassen: Kossuth und Kinkel!
Herr Heinzen hat, durch seine Sklavenemanzipationsheulereien unterstützt, eine neue Aktiengesellschaft in New York zustande gebracht und führt sein Blatt unter etwas verändertem Titel fort.
Stechan – traue keinem Straubinger nicht – befindet sich seit mehreren Wochen hier im Gefolge von Willich-Schapper. Während das Faktum besteht, daß seine an den Dietz geschriebenen Briefe zu Hannover auf der Polizei liegen, schreibt Stechan eine Korrespondenz in die Norddeutsche Zeitung, worin er meldet, Herrn Dietz sei das Pult erbrochen (_quelle bêtise!_[2]) und so die Briefe entwendet worden. Der Spion sei, wie jetzt konstatiert, der seit langem im Dienste der Polizei befindliche Haupt aus Hamburg. Welch Glück, daß ich vor einigen Wochen jeden öffentlichen Schritt in der Angelegenheit Dietz-Stechan verhindert habe.
Was den Haupt betrifft, so habe ich nichts mehr von ihm gehört und sinne vergebens auf ein Mittel, einen Brief in seine Hände zu spedieren, denn Haupt muß sich erklären. Mit Weerth habe ich’s schon einmal versucht, aber die Hausleute Haupts haben ihn immer abgewiesen unter dem Vorwand, er sei abwesend. _Que penses-tu de_[3] Haupt? Ich bin überzeugt, daß er weder Spion ist, _noch jemals Spion war_.
Edgar Bauer soll auch hier sein. Ich habe ihn noch nicht gesehen. Vor einer Woche traf Blind hier mit Gattin (Madam Cohen) ein zum Besuch der Exhibition, ist vergangenen Sonntag wieder abgereist. Ich habe ihn seit Montag nicht wiedergesehen, und zwar durch folgenden abgeschmackten Vorfall, der Dir beweist, wie sehr der Unglückliche unter dem Pantoffel steht. Heute erhielt ich einen Stadtbrief, worin er mir seine Abreise anzeigt. Am vergangenen Montag nämlich war er bei mir mit Gattin.
Außerdem anwesend Freiligrath, roter Wolff (der sich nebenbei bemerkt ganz stille wieder herangeschlichen und zudem noch mit einem englischen Blaustrumpf verheiratet hat), Liebknecht und der unglückliche Pieper.
Die Frau ist eine lebhafte Jüdin, und wir lachten und schwatzten ganz lustiglich, als der Vater aller Lügen die Sprache auf Religion brachte.
Sie renommierte mit Atheismus, Feuerbach usw. Ich griff Feuerbach nun an, aber natürlich sehr manierlich und freundlichst. Im Anfang schien mir die Jüdin Spaß an der Diskussion zu haben, und das war natürlich der einzige Grund, warum ich mich auf dieses mir ennuyante Thema einließ.
Dazwischen orakelte mein doktrinär-naseweises Echo, Herr Pieper, allerdings gerade nicht sehr taktvoll. Plötzlich sehe ich, daß die Frau in Tränen schwimmt. Blind wirft mir melancholisch vorwurfsvolle Blicke zu, sie bricht auf – und ward nicht mehr gesehen, _ni lui non plus_.[4] Solch Abenteuer habe ich in meiner langen Praxis noch nicht erlebt.
Pieper ist abgesegelt nach dem Hause Rothschild nach Frankfurt a. M. Er hat sich die sehr unangenehme Manier angewöhnt, wenn ich mit jemandem diskutiere, sich in sehr albern schulmeisterlichem Tone einzumischen.
Der Ehren-Göhringer hat mir eine _summons_ [Zahlungsforderung] auf den 22. dieses Monats geschickt wegen der alten Forderung. Gleichzeitig ist der große Mann nach Southampton gereist, um Kossuth zu empfangen. Es scheint, daß ich die Empfangsfeierlichkeiten zahlen soll.
Ich habe aus Paris zwei Briefe erhalten, einen von Ewerbeck und einen von Sassonoff. Herr Ewerbeck gibt ein unsterbliches Werk heraus: _L’Allemagne et les Allemands_.[5] Erstreckt sich von Arminius dem Cherusker (so schreibt er mir wörtlich) bis auf das Jahr des Herrn 1850.
Er verlangt von mir biographisch-literarhistorische Notizen über die drei Männer: Friedrich Engels, Karl Marx und Bruno Bauer. Die Schmiererei hat schon begonnen mit dem Drucke. _Que faire!_[6] Ich fürchte, wenn man dem Kerl gar nicht antwortet, bringt er den größten Unsinn über uns in die Welt. Schreibe mir, was Du davon denkst.
An Sassonoffs Brief ist jedenfalls das Interessanteste das Datum „Paris“. Wie kommt Sassonoff in diesem diffizilen Augenblick nach Paris?
Ich werde ihn um Aufschluß über dies _mystère_ bitten. Er räsoniert seinerseits sehr über Dronke, der ein _fainéant_ [Nichtstuer] sei und sich von einigen Bourgeois „_enjôler_“[7] lasse. Er habe die Hälfte des Manifestes übersetzt. Dronke habe sich zur Übersetzung der anderen Hälfte verpflichtet. Durch seine gewöhnliche Nachlässigkeit und Faulheit sei aus dem Ganzen nichts geworden. Letztere Sache sieht unserem Dronke allerdings ähnlich, wie ein Ei dem anderen. Nachdem Herr Campe meine Anerbietung zu der Broschüre gegen Proudhon, Herr Cotta und später Löwenthal die (durch Ebner in Frankfurt vermittelte) wegen meiner Ökonomie ausgeschlagen, scheint sich endlich für letztere eine Aussicht zu eröffnen. In einer Woche werde ich wissen, ob sie sich realisiert. Es ist ein Buchhändler in Dessau, auch durch Ebner vermittelt. Dieser Ebner ist ein Freund von Freiligrath.
Von der Tribune habe ich noch keinen Brief erhalten, sie auch noch nicht zu Gesicht bekommen, zweifle aber nicht, daß die Sache ihren Fortgang hat. Jedenfalls muß sich das in einigen Tagen aufklären.
Du mußt mir übrigens endlich Deine _vues_[8] über Proudhon, wenn noch so kurz, mitteilen. Sie interessieren mich um so mehr, als ich jetzt in der Ausarbeitung der Ökonomie begriffen bin. Ich habe übrigens in der letzten Zeit auf der Bibliothek, die ich fortbesuche, hauptsächlich Technologie, die Geschichte derselben, und Agronomie geochst, um wenigstens eine Art Anschauung von dem Zeug zu bekommen.
_Qu’est ce que fait la crise commerciale?_[9] Der Economist enthält Tröstungen, Beteuerungen und Ansprachen, die den Krisen regelmäßig vorausgehen. Man fühlt indessen seine Furcht, während er den anderen die Furcht auszuschwatzen sucht. Wenn Dir folgendes Buch in die Hände fällt: Johnston, _Notes on North America_, zwei Bände, 1851, so wirst Du allerlei interessante Notizen darin finden. Dieser Johnston ist nämlich der englische Liebig. Ein Atlas für physische Geographie von „Johnson“, nicht mit dem obigen zu verwechseln, ist vielleicht in einer der Buchbibliotheken Manchesters zu haben. Er enthält die Zusammenstellung sämtlicher neueren und älteren Forschungen in diesem Gebiet. Kostet 10 Guineen. Also nicht für Private berechnet. Von dem _dear_ Harney verlautet nichts. Er scheint noch immer in Schottland zu hausen.
Die Engländer geben zu, daß die Amerikaner den Preis in der Industrieausstellung davongetragen und sie in allem besiegt haben. 1.
Gutta-percha. Neuer Stoff und neue Produktionen. 2. Waffen. Revolver. 3.
Maschinen. Mäh-, Säe- und Nähmaschinen. 4. Daguerreotyps zum erstenmal im großen angewandt. 5. Schiffahrt mit ihrer Jacht. Endlich, um zu zeigen, daß sie auch Luxusartikel liefern können, haben sie einen kolossalen Klumpen kalifornisches Golderz ausgestellt und daneben ein goldenes Service von Virgingold.
Salut.
Dein K. M.
---------- [1] Druck auf den amerikanischen Geldmarkt.
[2] Welche Dummheit.
[3] Was hältst Du von [Haupt]?
[4] Ebensowenig er.
[5] Deutschland und die Deutschen.
[6] Was tun?
[7] Beschwatzen.
[8] Ansichten.
[9] Was macht die Geschäftskrisis?
Mittwoch, 15. Oktober 1851.
Lieber Marx!
Inliegend Post Office Ordre für 2 Pfund. Partikulars wie früher. Die Geschichte mit Göhringer ist sehr fatal, Du wirst zahlen müssen. Die Gentlemen vom Country machen kurzen Prozeß, und die Handschrift ist auch da. Ich würde an Deiner Stelle so rasch wie möglich das Geld nebst Summonskosten auftreiben und dem Kerl zuschicken, _il n’y a rien à faire_,[1] und in den Gerichtshof zu gehen und sich verdonnern lassen, macht nur noch mehr Kosten und ist nicht zu angenehm. Wieviel beträgt die Summe, und was kannst Du auftreiben? Schreibe mir möglichst genau darüber, ich tue gewiß mein möglichstes, um Dir die _brokers_ [Gerichtsvollzieher] aus dem Hause zu halten, so knapp ich jetzt selbst bin.
Was den Haupt angeht, so werde ich ihn nicht eher für einen Spion halten, als bis ich Beweise davon in der Hand habe. Der Kerl mag im Cachot Bevuen [Fehler] gemacht haben, und verdächtig ist allerdings die Geschichte mit Daniels, der auf seine Denunziation hin verhaftet sein soll. Aber dies Knotengeschwätz aus der Windmillstreet ist um so alberner, als es zu gleicher Zeit mit der Erbrechung des Dietzschen Pultes laut wird.
Die Geschichte mit Blind und Gattin ist allerdings noch nie dagewesen.
Tränen zu vergießen und durchzubrennen, weil Monsieur Pieper den Feuerbach schlecht macht? _C’est fort._[2] Gebrauchst Du das Wort „_verheiratet_“ vom roten Wolff im englischen, solid bürgerlichen Sinne? Ich muß es fast glauben, da Du es unterstreichst. Das wäre doch über alle Bäume erhaben. Mr. Wolff _bon époux, peut-être même bon père de famille_![3] Ich glaube, Du tust am besten, den Ewerbeck mit einigen mageren Notizen abzuspeisen und ihn passablen Humors zu halten, es kann zu nichts nützen, daß der Kerl in Frankreich gar zu großen Blödsinn über uns verbreitet. Der Mensch hat übrigens eine Zähigkeit in seinen Experimenten ein großer Mann zu werden, die unbegreiflich ist, da sie sogar seinen Geiz überwindet, denn das neue „Unsterbliche“ geht doch unzweifelhaft wieder auf eigene Kosten, mit Aussicht auf Absatz von 50 Exemplaren.
Von Sassonoff lasse mich weiteres hören, wenn Du von ihm hörst. Dies Abenteuer ist pikant, und Mr. Sassonoff wird äußerst verdächtig.
Ich bin gerade dran, mir aus Proudhon die nötigen Zusammenstellungen zu machen. Warte bis Ende dieser Woche, und Du erhältst ihn mit Glossen zurück. Die Rechnungen des Kerls sind wieder kapital. Wo eine Zahl ist, da ist auch ein Schnitzer.
Wie es hier mit der Krise gehen wird, ist noch nicht zu sagen. Vorige Woche ist nichts gemacht worden wegen der Königin. Diese Woche auch noch nicht viel. Der Markt hat aber eine _downward tendency_[4] bei noch festen Preisen des Rohmaterials. In einigen Wochen wird beides bedeutend heruntergehen, und wahrscheinlich, nach der jetzigen Aussicht, das Industrieprodukt verhältnismäßig mehr als das Rohmaterial, der Spinner, Weber, Drucker also wird mit geringerem Nutzen arbeiten müssen. Das ist schon sehr verdächtig. Aber der amerikanische Markt droht auszugehen, aus Deutschland sind die Berichte nicht übermäßig günstig, und wenn das so fortgeht mit dem Absterben der Märkte, so können wir den Anfang des Endes in ein paar Wochen erleben. In Amerika ist schwer zu sagen, ob die _pressure_ und die Bankrotte (zusammen 16 Millionen Dollar Passiva) schon wirklicher Anfang sind oder bloße Sturmvögel. Jedenfalls sind hier schon sehr bedeutende Sturmvögel in Gang. Der _iron trade_[5] ist ganz paralysiert, und zwei der ihn besonders mit Geld versehenden Banken – die in Newport – sind kaputt; außer den neulichen _failures_[6] in London und Liverpool jetzt ein Talgspekulant in Glasgow, und an der Londoner Stockexchange Herr Thomas Alsopp, Freund von O’Connor und Harney. Ich habe heute die Berichte aus den Woll-, Seiden- und Metallwarendistrikten nicht gesehen, _cela ne sera pas trop brillant non plus_.[7] Jedenfalls sind die Anzeichen jetzt gar nicht mehr zu