~Tre?Ue^ duS ausschheßliche Recht war, Goldmünzen zu sch agen. Und endlich wird sie dadurch bestätigt, daß unter den Faüen der oben erwähnten lokalen Beschränktheit für die Papiergeldzirkulation innerhalb des ausgebenden Staates selbst, auch dieser vorkommt: in Frankreich gab es einmal Noten, welche überall, nur nt1Cm ^ H^fe”s[adten> also nicht an den Punkten des weitaus¬ strahlenden Verkehrs, gelten sollten. Ganz allgemein muß, sobald r r S1Ch erweitert’ auch dem Fremden und den Bezugsländern die Wahrung annehmbar und verführerisch gemacht werden. Denn mit der Vergrößerung des Wirtschaftskreises geht - ceteris paribus in dirCrhäft deSS6lbe!l Han<Lm Hand: die gegenseitige Einsicht in die Verhältnisse wird unvoUkommner, das Vertrauen bedingter le Vollstreckbarkeit der Ansprüche unsicherer. Unter solchen Um¬ standen wird niemand Ware liefern, wenn das Geld, mit dem er be¬ zahlt wird, nur in dem Kreise des Abnehmers mit Sicherheit verwend¬ bar ist, wahrend dies in anderen zweifelhaft ist. Er wird also ein Geld verlangen, das an sich wertvoll ist, d. h. überall akzeptiert wird. Die Steigerung des Substanzwertes des Geldes bedeutet die Ver¬ größerung des Kreises von Subjekten, in dem seine allgemeine An¬ erkennung gesichert ist, während in einem engeren Kreise seine Weiterverwertbarkeit sich auf besondere soziale, rechtliche, personale Garantien und Verknüpfungen hin ergeben kann. Setzen wir voraus, daß die Weiterverwertbarkeit des Geldes das Motiv seiner Annahme ist, so bildet sein Substanzwert gleichsam das Pfand dafür, das auf Null sinken kann, wenn die Verwertbarkeit durch andere Mittel ge¬ sichert ist, und um so höher steigen muß, je größer das Risiko jener ist. Nun aber bewirkt die wachsende wirtschaftliche Kultur, daß der sehr vergrößerte, schließlich internationale Kreis in dieser Hinsicht die Züge erhält, die ursprünglich nur geschlossene Gruppen charak¬ terisierten: die wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen über¬ winden die räumliche Trennung immer gründlicher und wirken eben¬ so sicher, exakt und berechenbar in die Ferne, wie früher nur in die Nähe. In dem Maße, in dem das geschieht, kann jenes Pfand, d. h. der Eigenwert des Geldes, heruntergehen. Die selbst Anhängern des Bimetallismus geläufige Vorstellung, daß derselbe nur bei inter¬ nationaler Einführung möglich sei, liegt innerhalb dieser Erwägung.
Wie weit wir auch von der vollständigen Enge und Zuverlässigkeit des Zusammenhanges — sowohl innerhalb der einzelnen Nationen wie der Nationen untereinander — noch entfernt sein mögen, so geht doch die Entwicklung zweifellos auf ihn zu: die durch Gesetze, Usancen und Interessen immer wachsende Verbindung und Verein¬ heitlichung immer größerer Kreise ist die Grundlage dafür, daß der Substanzwert des Geldes immer geringer werden und immer voll¬ ständiger durch seinen Funktionswert ersetzt werden kann.
Bezeichnenderweise führt jene räumlich weite Erstreckung der Handelsbeziehungen, die, wie oben erwähnt, die Substanzwertigkeit des Tauschmittels steigerte, in der modernen Kultur gerade auf völlige Eliminierung eben derselben: auf die interlokale und inter¬ nationale Ausgleichung durch Giro und durch Wechselversand. Auch innerhalb einzelner Interessenprovinzen des Geldes wird die Ent¬ wicklung von dieser Form beherrscht. Die Steuerleistung z. B. wird jetzt überwiegend nach dem Einkommen, aber nicht nach dem Be¬ sitz gefordert. In Preußen ist ein reicher Bankier, der die letzten Jahre mit Geschäftsverlust gearbeitet hat, steuerfrei bis auf die ge¬ ringe und auch erst kürzlich eingeführte Vermögenssteuer. Also nicht einmal der Geldbesitz, sondern erst das Erträgnis seines Arbeitens, das Geld aus dem Gelde, entscheidet über die Pflichten, und, inso¬ weit die Wahlrechte von der Steuerleistung abhängen, auch über die Rechte gegenüber der Allgemeinheit. In welcher Richtung die all¬ gemeine Entwicklung des Geldes damit festgelegt ist, zeigt ein Blick auf die Rolle des Geldkapitals im alten Rom. Wie dasselbe auf un¬ produktivem Wege erworben war — durch Kriege, Tribute, Wechsel¬ geschäfte — so war es auch für den Borger nicht zur Produktion, sondern nur zur Konsumtion bestimmt. Dabei konnten auch die Zinsen ersichtlich nicht als die natürlichen Früchte des Kapitals gelten, und daher das unklare und unorganische Verhältnis zwischen beiden, das sich in den weit in das Christentum hineinerstreckten Zinsschwierigkeiten zeigte und erst durch Begriff und Tatsache des produktiven Kapitals sachlich reguliert und organisiert wurde. Jenes ist also der äußerste Gegensatz zu dem jetzigen Zustand, in dem das Kapital seine Bedeutung nicht mehr an dem, was es an und für sich ist, besitzt, sondern an dem, was es leistet: seine Entwicklung hat es aus einem starren, der Produktion innerlich fremden Elemente in lebendige Funktion in und an derselben übergeführt. — Sehen wir nun noch einmal auf die Garantierung des Geldes als seinen Lebens¬ nerv zuruck, so verliert sie natürlich in dem Maße an Bündigkeit, in dem das objektive, die Gesamtheit vertretende Gebilde nur be¬ schränkte Abteilungen derselben oder ihre Interessen nur unvoll¬ ständig repräsentiert. So ist z. B. auch eine Privatbank ein relativ objektives uberpersönliches Wesen, das sich zwischen den Verkehr individueller Interessenten schiebt. Dieser soziologische Charakter ihrer befähigt sie allerdings zur Ausgabe von Geld, allein sobald nicht staatliche Aufsicht die Garantie auf das wirklich allgemeine Zentralgebilde ubertragt, wird die bloße Partialität des in ihr objektivierten Bezirkes Sich in der Unvollkommenheit des »Geld«charakters ihrer Noten zeigen. Die Mißstände der nordamerikanischen Papier¬ geldwirtschaft entstammten zum Teil der Meinung, die Münze sei zwar Staatssache, die Herstellung von Papiergeld aber komme den Privatbanken zu und der Staat habe sich nicht hineinzumischen. Man ubersah dabei die bloße Relativität des Unterschiedes zwischen Metall- und Papiergeld, daß beide, insofern sie eben Geld sind nur m einer Substanzüerung der Tauschfunktion durch gemeinsames Verhaltms der Interessenten zu einem objektiven Organe bestehen, und daß das Geld seine Funktion nur insoweit üben, d. h. nur insoweit dle.U,nif1“elbTaren Werte vertreten kann, als jenes emittierende Organ wirklich den Interessenkreis in sich vertritt oder zum Ausdruck bring!
Deshalb suchen die Münzen lokaler Machthaber auch manchmal wenigstens den Anschein der Zugehörigkeit zu einem umfassenden Gebilde zu gewinnen. Noch Jahrhunderte nach dem Tode Phi'ipps und Alexanders wurden an den verschiedensten Plätzen Münzen mit n ihren Namen und Stempeln geprägt — formell königliche, materiell städtische Münzen. Die aufwärts gehende Entwicklung strebt in Wirklichkeit auf eine Vergrößerung — und, was hier unmittelbar dazu gehört, auf eine Zentralisierung — der Organe und Potenzen, die die Geldwerte garantieren. Es ist für diese Richtung sehr be¬ zeichnend, daß die Schatzanweisungen, die die Staaten vor dem 18. Jahrhundert ausgaben, gewöhnlich auf einzelne Einkünfte der Krone basiert und durch sie gewährleistet waren. Erst die engli¬ schen exchequer bills des 18. Jahrhunderts waren Anweisungen auf sämtliche Staatseinnahmen; sie hatten also keine von besonderen Umständen abhängige und besonders zu untersuchende Bonität, sondern diese bestand nur noch in dem allgemeinen Zutrauen in die Zahlungsfähigkeit des Staates überhaupt. Hierin zeigt sich die große zentralisierende Tendenz der Neuzeit, die ihrer gleichzeitig individualisierenden in keiner Weise widerspricht: beides sind viel¬ mehr die Seiten eines Prozesses, einer schärferen Differenzierung, einer neuen Zusammenfassung der der Gesellschaft und der dem eignen Subjekt zugewendeten Seiten der Persönlichkeit. Die Ent¬ wicklung läutert aus dem Wesen des Geldes alle individualistisch vereinzelnden Elemente heraus und macht die zentralisierten Kräfte des weitesten sozialen Kreises zu seinen Trägern. Die abstrakte Ver¬ mögensform des Geldes trägt diese Entwicklung ebenso dem Per¬ sonalkredit wie dem Staatskredit ein. Die Fürsten als Personen be¬ saßen noch im 15. und anfangs des 16. Jahrhunderts im ganzen wenig Kredit; nicht nach ihrer eignen Kreditwürdigkeit, sondern nach dem Wert der Bürgschaften und Pfänder wurde gefragt. Der Personalkredit beruht darauf, daß man annimmt: wie auch die Ob¬ jekte wechseln mögen, die den Besitz des Schuldners bilden, die Wertsumme seines Besitzes wird immer für die bestimmte Schuld gut sein. Erst wenn das Vermögen jemandes als Wert überhaupt, d. h. in Geld taxiert ist, kann er als Person einen dauernden Kredit haben; sonst muß dieser von dem wechselnden Objektbesitze abhängen. Es erscheint als ein Übergang von dieser letzteren Stufe zu der heutigen, daß noch im 18. Jahrhundert die meisten Schulden auf bestimmte Summen bestimmter Münzsorten lauteten. Es war also der Begriff des abstrakten, von jeder Spezialform gelösten Wertes noch nicht völlig wirksam geworden — jenes Wertes, hinter dem nicht mehr eine sachliche Bestimmtheit, sondern nur noch der Staat oder die Einzelpersönlichkeit als Garanten stehen.
Die Hauptsache aber ist, daß die Bedeutung des Metalls für das Geldwesen immer mehr hinter die Sicherung seines funktionellen Wertes durch die Organisation des Gemeinwesens zurücktritt. Denn das Metall ist eben ursprünglich immer Privatbesitz und darum können die öffentlichen Interessen und Kräfte nie absolut Herr dar¬ über werden. Man kann sagen, daß das Geld immer mehr eine öffent¬ liche Einrichtung in immer strengerem Sinne des Wortes wird: es besteht mehr und mehr aus dem, was die öffentliche Macht, die öffent¬ lichen Institutionen, die von der Gesamtheit getragenen Verkehrs¬ arten und Garantien daraus machen und wozu sie es legitimieren. Es ist deshalb bezeichnend, daß in früheren Epochen das Geld gleich¬ sam noch nicht allein, auf seiner abstrakten Funktion, stehen kann; das Geldgeschäft lehnt sich entweder an spezifische Betriebe oder an die technische Herstellung der Münze oder an den Handel mit Edelmetallen an. So waren es in Wien anfangs des 13. Jahrhunderts die flämischen Tuchfärber, die regelmäßige Wechselgeschäfte be¬ sorgten, wie in England und teilweise auch in Deutschland die Gold¬ schmiede. Der Münzwechsel, der im Mittelalter überhaupt erst den Geldverkehr trug (da in jedem Orte prinzipiell nur in seiner Lokal¬ münze gezahlt werden durfte), war ursprünglich das Privüeg der Münze selbst, der »Münzer Hausgenossen«. Erst als später die Städte die Münze erwarben, wurde das Wechselgeschäft und der Edelmetall¬ handel von der Münze getrennt. Die Funktion der Münze ist also zunächst, gleichsam durch Personalunion, an ihren Stoff gebunden; sobald die öffentliche Gewalt für sie garantiert, wird sie von den sonst mit ihr Inerten Beziehungen unabhängig, der Wechsel und der Handel mit ihrem Material steht jedem frei, und zwar gerade in dem Maße, in dem ihre Funktion als Geld überindividuell gesicherter wird Ehe wachsende Entpersonalisierung des Geldes, sein immer engeres Verhältnis zu dem zentralisierten größten Sozialkreise steht in ge¬ nauer und wirksamer Beziehung zu der Akzentuierung seiner Funk¬ tionen in ihrer Selbständigkeit gegenüber dem Metallwert. Es ist die Sicherheit des Geldes, auf der sein Wert ruht und als deren Träger die politische Zentralgewalt allmählich durch die unmittel¬ bare Bedeutung des Metalls, sie verdrängend, hindurchwächst. Hier hegt eine Analogie zu einer wenig beachteten Nuance des Wert¬ empfindens vor. Sobald der Wert eines Objektes darauf beruht, daß es uns ein anderes zugängig macht, so ist sein Wert durch die beiden Koeffizienten bestimmt: den inhaltlichen Wert dessen, was es uns vermittelt, und die Sicherheit, mit der ihm diese Vermittlung gelingt; die Erniedrigung des einen Koeffizienten kann, bis zu einer gewissen Grenze, den Gesamtwert ungeändert lassen, wenn ihr eine Erhöhung des andern entspricht. So ist die Bedeutung einer Er¬ kenntnis für uns gleich dem Produkt aus ihrer Sicherheit und der Wichtigkeit ihres Inhaltes. In den Naturwissenschaften pflegt der erstere, in den Geisteswissenschaften der letztere Koeffizient zu über¬ wiegen, wodurch dann prinzipiell eine Gleichheit ihres Gesamtwertes möglich ist; nur wenn man, wie Aristoteles, an der Sicherheit des Wissens nicht zweifelt, kann man seinen Wert ausschließlich von dem seines Objekts abhängen lassen. So ist der Wert eines Lotterie -loses ein Produkt aus der Wahrscheinlichkeit, daß es gezogen wird, und der Höhe des eventuellen Gewinnes, so der Wert jedes be¬ liebigen Handelns gleich dem Produkt aus der Wahrscheinlichkeit, daß es seinen Zweck erreicht und der Wichtigkeit dieses Zweckes, so der Wert eines Rentenpapiers zusammengesetzt aus der Sicher¬ heit für das Kapital und der Höhe der Verzinsung. Nun verhält sich das Geld zwar nicht genau ebenso, denn seiner steigenden Sicherheit entspricht keine Wertminderung der Objekte, deren Erlangung es sichert; aber die Analogie gilt doch so weit, daß mit der steigenden Sicherung seiner Verwertbarkeit sein anderer Wertkoeffizient, der innere Metall wert, unbestimmt weit sinken kann, ohne seinen Ge¬ samtwert zu alterieren. Andrerseits ergibt sich unmittelbar als Ur¬ sache wie als Wirkung der soziologischen Stellung des Geldes, daß es die Beziehungen zwischen der Zentralgewalt der Gruppe und ihren einzelnen Elementen zahlreicher, stärker und enger machen muß, weil eben jetzt die Beziehungen dieser Elemente untereinander gleichsam durch jenes hindurchgeleitet werden. So haben schon die Karolinger ein deutliches Bestreben, den Naturaloder Viehtausch durch Geldwirtschaft zu verdrängen. Sie verordnen oft, die Münzen dürften nicht zurückgewiesen werden und bestrafen ihre Nicht¬ annahme hart. Das Münzrecht war ausschließlich Königsrecht, und so bedeutete das Durchsetzen des Verkehrs in Münze die Erstreckung der königlichen Macht dahin, wo früher rein privater, persönlicher Verkehrsmodus bestand. Es ist ganz in dem gleichen Sinne, wenn die römischen Gold- und Silbermünzen seit Augustus ausschließlich im Namen und Auftrag des Kaisers geprägt wurden, wogegen das Recht, Scheidemünze auszugeben, einerseits dem Senat, andrerseits den Kommunalverbänden verblieb; und es verallgemeinert diesen Zusammenhang nur, daß große Fürsten so oft auch gewaltige Münz¬ systeme geschaffen haben: Darius I., Alexander d. Gr., Augustus, Diokletian, bis zu Napoleon I. Die ganze Technik, durch die in naturalwirtschaftlichen Zeiten eine große soziale Macht bestehen kann, weist sie darauf hin, sich selbst zu genügen, sich — wie es z. B. von den Großgrundherrschaften seit den Merovingern gilt — zum Staat im Staate zu machen; wogegen entsprechende Macht¬ gebilde in der Geldwirtschaft gerade im Anschluß an die Staats¬ organisation erwachsen sind und sich erhalten haben. Der moderne zentralistische Staat wurde deshalb auch an dem ungeheuren Auf¬ schwung der Geldwirtschaft groß, den die beginnende Neuzeit aus der Erschließung der amerikanischen Metallvorräte gewann. Die Selbstgenügsamkeit feudaler Verhältnisse wurde zerstört, indem sich in jede Transaktion die auf die Zentralgewalt hinweisende, die Be¬ ziehungen der Kontrahenten über sich hinausweisende Münze schob: so daß man diese Macht des Geldes, die einzelnen mehr an die Krone zu drängen, enger an sie zu binden, als den tieferen Sinn des Mer¬ kantilsystems angesprochen hat. Andrerseits gilt die Tatsache, daß die deutschen Kaiser sich dieses Zentralisierungsmittel von den rerritorialherren entreißen ließen, als einer der wesentlichen Gründe für die Zersplitterung des Reiches — während die französischen und englischen Könige des 13. und 14. Jahrhunderts die Einheit ihrer Reiche mit Hilfe der geldwirtschaftlichen Bewegung gründeten. Als das russische Reich im ganzen schon als ein unteilbares galt, stattete Iwan III. doch seine jüngeren Söhne noch mit Landesteilen aus in denen sie souverän schalten konnten, und für die er der Zentral¬ gewalt außer der höheren Gerichtsbarkeit nur das Münzrecht vor¬ behielt. Ja, die lockere Sphäre, die, aus den Handelsbeziehungen eines Landes bestehend, es jenseits seiner politischen Grenzen um¬ gibt, gewinnt außerordentlich an Ausdehnung und Konsistenz, sobald das Landesgeld durch seine Solidität allenthalben gültig wird und so a e Punkte dieses Kreises mit dem Ursprungsland verbindet und immer wieder auf dasselbe zurückweist. So verlieh der Kurs des englischen Sovereigns in Portugal und Brasilien dem englischen Handel ein großes Prestige und hielt die in diese Länder ausstrahlen¬ den Handelsbeziehungen einheitlich zusammen. In Deutschland war der Gang der, daß bald nach der Karolingerzeit der König einzelnen Personen und Stiften das Prägerecht verlieh, wobei er indes noch selbst Schrot, Korn und Form der Münzen bestimmte. Aher ihre relative Unzerstörbarkeit, in deren Konsequenz ihr Gesamt¬ quantum lange Perioden hindurch fast stetig bleibt, weil jedes durch Schürfung hinzukommende Quantum im Verhältnis zu dem bereits vorhandenen nur minimal ist. Während die Mehrzahl aller anderen Objekte verbraucht wird, in ewigem Flusse verschwindet und sich wieder ersetzt, bleibt das Geld in seiner fast unbegrenzten Dauer¬ haftigkeit von diesem Wechsel der individuellen Dinge unberührt.
Damit aber erhebt es sich über diese, wie die objektive Gruppen¬ einheit über die Fluktuation der Persönlichkeiten. Denn das eben ist ja die charakteristische Lebensform jener konkret gewordenen Ab¬ straktionen der Gruppenfunktionen, daß sie jenseits der einzelnen Verwirklichungen dieser stehen, ruhende Gebilde in der Flucht der individuellen vorüberfließenden Erscheinungen, die gleichsam in sie aufgenommen, von ihnen geformt und wieder entlassen werden: das ist die Unsterblichkeit des Königs, die jenseits seiner zufälligen Per¬ sönlichkeit, seiner einzelnen Maßregeln, der wechselnden Schicksale seiner Gruppe steht und für die die relative Ewigkeit der Münze, die sein Bild trägt, sowohl als Symbol wie als Beweis wirkt. Die Geschäfte mit Fürsten waren es, die im 16. Jahrhundert überhaupt erst das reine Geldgeschäft großen Stiles schufen; der Verkehr mit dem Fürsten, den es bewirkte, ließ den bis dahin damit verbundenen Warenhandel als etwas Plebejisches erscheinen, über das sich der Geldkaufmann in einer Analogie zu königlicher Würde erhob. So mag auch der Haß der Sozialisten gegen das Geldwesen nicht nur der diesem zugeschriebenen privatwirtschaftlichen Übermacht des Kapitalisten über den Arbeiter gelten, sondern auch ihren anti¬ monarchischen Instinkten entspringen; denn so wenig die Objekti¬ vierung der Gruppengesamtheit, deren das Geld bedarf, in monarchi¬ scher Form geschehen muß, so hat doch in der neueren Geschichte gerade diese Form aufs kräftigste der Einschiebung der Zentral¬ gewalt in die wirtschaftlichen Funktionen der Gruppe gedient. Auch die festen Residenzen der Fürsten, die die Zentralisation so sehr fördern, sind erst bei Geldsteuern möglich; den nicht transportabeln Naturalsteuern entspricht das Herumziehen des Hofes, der sie über¬ all in natura verzehrt. Es ist durchaus in diesem Sinn, wenn moderne Steuerpolitik vielfach dahin strebt, den Kommunen die Realsteuem zu überlassen, den Staat aber auf Einkommensteuer zu stellen. Indem die Steuerforderung der Zentralgewalt sich auf das reine Geldein¬ kommen der einzelnen richtet, erfaßt sie gerade dasjenige Besitz -objekt, zu dem sie von vornherein das strikteste Verhältnis hat. Die Ausbildung des Beamtenwesens mit seiner engen Beziehung zum Geldwesen ist insofern nur ein Symptom dieser zentralistischen Ent- Wicklung; das Beamtentum des Lehenswesens ist ein dezentralisiertes, der räumlich ferne Landbesitz des Belehnten führt sein Interesse von der Zentralstelle ab, während die immer von neuem erfolgende Geldentlohnung ihn zu dieser hinführt, seine Abhängigkeit von dieser immer von neuem eindringlich macht. Deshalb war die Pforte bei ihrer ständigen Münzverschlechterung doch anfangs des 19. Jahr¬ hunderts einmal genötigt, für ihre Beamten und Offiziere doppelt schwere Münzen schlagen zu lassen, weil es gerade den eigentlichen Staatsfunktionären gegenüber eines wirklich gültigen Geldes be¬ durfte. Darum war die ungeheure Vermehrung und Verfeinerung des Beamtentums erst bei der Geldwirtschaft möglich; sie ist aber nichts als eines der Symptome der Beziehung, die zwischen dem Geld und der Objektivierung des Gruppenzusammenhanges zu einem be¬ sonderen zentralen Gebilde besteht. Bei den Griechen wurde diese ursprünglich nicht von einer staatlichen, sondern von der religiösen Einheit getragen. Alles hellenische Geld war einmal sakral, ebenso V°n ^ieSterSchaft ausgegangen, wie die andern allgemein gül¬ tigen Maßbegriffe: Gewichte, Umfangsmaße, Zeiteinteilungen. Und diese Priesterschaft repräsentierte zugleich die Verbandseinheit der andschaften; die ältesten Verbände ruhten durchaus auf religiöser rundlage, die manchmal für relativ weite Gebiete die einzige blieb. ie Heiligtümer hatten eine überpartikularistische, zentralisierende Bedeutung, und diese war es, die das Geld, das Symbol der gemeinsamen Gottheit auf sich tragend, zum Ausdruck brachte. Die religiöse soziale Einheit, die im Tempel kristallisiert war, wurde in dem Gelde, das er ausgab, gleichsam wieder flüssig und gab diesem ein Fundamen und eine Funktion, weit über die Metallbedeutung des indivi-“e_ “ Stuckes hinaus. Von diesen soziologischen Konstellationen getragen und sie tragend, realisiert sich die steigende Bedeutung der Geldfunktionen auf Kosten der Geldsubstanz. Einige Beispiele und ST ^ di6Sen PrOZCß verdeu*hchen, und zwar knüpfe ich dieselben, unter den vielen, seinen Inhalt bildenden Diensten des Beünö.vl4? i°lg?den: T die ErIeichterunS des Verkehrs, an die Beständigkeit lies Wertmaßstabes, an die Mobilisierung der Werte Zi“’ “ ihre in Einleitenderweise möchte ich hervorheben, daß gerade die oben erwähnten, von den Fürsten begangenen Münzverschlechterungen durch die ungeheure Übervorteilung der Massen den Funktionswert des Geldes seinem Metallwert gegenüber aufs schärfste beleuchten Was die Untertanen bewog, die verschlechterte Münze zu akzeptieren und für sie die an Metall bessere hinzugeben, war doch eben, daß jene den Verkehrszweck des Geldes erfüllte. Was die Münzherren herausschlugen, war das ungebührlich gesteigerte Äquivalent für den Funktionswert des Geldes, um dessen twillen die Untertanen in den Münztausch, d. h. in die Aufopferung seines Metallwertes willigen mußten. Allein dies ist nur das ganz allgemeine Phänomen, als dessen spezifische Zuspitzung es erscheint, daß das Geld, das durch seine Form dem Verkehr im allgemeinen besser dient, als ein anderes, nicht nur bei gleichem Substanzgehalt diesem überlegen ist; sondern es kann dadurch seine eigene Substanzbedeutung so weit wie in dem folgenden Fall überflügeln. Als im Jahre 1621 durch die nieder¬ deutsche Münzverschlechterung der Wert des Reichstalers auf 48 bis 54 Schillinge gestiegen war, erließen die Obrigkeiten von Hol¬ stein, Pommern, Lübeck, Hamburg und anderen, ein gemeinsames Münzedikt, wonach der Taler von einem gewissen Zeitpunkt an nur 40 Schillinge gelten sollte. Obgleich dies allgemein als richtig und heilsam beurteilt und akzeptiert wurde, galt der Taler doch weiterhin wegen der leichteren Verteilung und Rechnung noch lange 48 Schillinge. Es ist auf einer viel höheren und komplizierten Stufe dasselbe, wenn die Börsen jetzt bei Rentenpapieren, die in größeren und kleineren Abschnitten ausgegeben sind, die letzteren etwas höher zu notieren pflegen als die ersteren, weil jene mehr gesucht sind und dem kleineren Verkehr besser dienen — obgleich der Wert pro rata der genau gleiche ist. Ja im Jahre 1749 erklärte ein Komitee für Münzzwecke in den amerikanischen Kolonien: in Ländern mit unausgebildeter Wirtschaft, die mehr konsumieren als produzieren, müsse das Geld immer schlechter sein als das ihrer reicheren Nach¬ barn, weil es sonst unvermeidlich diesen zuflösse. Dieser Fall ist also die Steigerung und Aufgipfelung der vorhererwähnten Tatsache, daß die Eignung einer bestimmten Geldform zu Berechnungen und Aus¬ gleichungen dieser Form einen Wert verschafft, der absichtlich weit über den sachlich gültigen gehoben wird. Die funktionelle Zweck¬ mäßigkeit des Geldes ist hier über seinen Substanzwert bis zur Um¬ kehrung seiner Bedeutung hinausgewachsen. Hierhin gehören, als Beweise für die Überwucherung des Metallwertes durch den Funktionswert, alle die Fälle, in denen das völlig minderwertige Klein¬ geld dem Edelmetall gegenüber einen manchmal unglaublichen Preis behauptet hat. Das kommt z. B. in Goldgräberdistrikten vor, wo die gewonnenen Reichtümer einen lebhaften Verkehr erzeugen, ohne daß man in ihnen doch das Tauschmittel für die kleineren Bedürfnisse des Tages hätte. So war unter den Goldgräbern in Brasilien am Ende des 17* Jahrhunderts eine Not um kleine Münze ausgebrochen, die der König von Portugal benutzte, um Silbergeld gegen ein ungeheures 12 Simmel, Philosophie des Geldes.
Agio in Gold hinüberzuschaffen. Später ist es auch in Kalifornien wie in Australien vorgekommen, daß die Goldgräber, um nur Klein¬ geld zu haben, seinen 2- bis 16 fachen Metallwert dafür in Gold be¬ zahlt haben. Die ärgsten Erscheinungen dieser Art bietet der bis vor kurzem herrschende — neuerdings, wie man sagt, in der Reform be¬ griffene Münzzustand in der Türkei. Dort existiert weder Nickelnoch Kupfergeld, sondern als Kleingeld nur jammervolle Silber¬ legierungen: Altiliks, Beschliks und Metalliques, die alle in einer für den Verkehr völlig unzureichenden Masse vorhanden sind. Die Folge davon ist, daß diese Münzen, deren nominellen Wert die Re¬ gierung selbst 1880 um ungefähr die Hälfte herabsetzte, diesen fast unverändert behalten haben und gegen Gold gar kein nennenswertes Disagio machen, ja die Metalliques, die für das schlechteste in der ganzen Welt kursierende Geldzeichen gehalten werden, stehen zeit¬ weise über pari gegen Goldl Gerade dies ist äußerst bezeichnend: die geringste Münze ist eben für den Verkehr die wichtigste und wird ausschließlich nach dieser Wichtigkeit gewertet — weshalb denn auch allenthalben die kleinen Münzen die ersten Objekte der Münz¬ verschlechterung sind. Der Preis der Metalliques enthält das Para¬ doxon daß ein Geld um so wertvoller sein kann, je wertloser es ist - weil gerade seine substanzielle Wertlosigkeit es zu gewissen funk¬ tioneilen Diensten geschickt macht, die seinen Wert nun fast un¬ begrenzt heben können.