organisch im Sehfelde, auf einmal tritt der Moment der Sympathie zwischen dem Phantastischen und dem Lichtnerven ein, urplötzlich stehen Gestalten leuchtend da, ohne alle Anregung durch die Vorstellung. Die Erscheinung ist urplötzlich, sie ist nie zuerst eingebildet, vorgestellt und dann leuchtend. Ich sehe nicht, was ich sehen möchte; ich kann mir nur gefallen lassen, was ich ohne alle Anregung leuchtend sehen muss.
$. 40...»Ich kann stundenlang mir einbilden und vorstellen, wenn die Disposition zur leuchtenden Erscheinung nicht da ist, nie wird dieses zuerst 3 la hd a m - Vorgestellte den Schein der Lebendigkeit erhalten. Und urplötzlich erscheint ein Lichtes, nicht zuerst Vorgestelltes gegen meinen Willen, ohne alle er- kennbare Association...
$.41. »Am leichtesten treten diese Phänomene ein, wenn ich ganz wohl bin, wenn keine besondere Erregung in irgend einem Theile des Organismus geistig oder physisch obwaltet, und besonders wenn ich gefastet habe. Durch Fasten kann ich diese Phänomene zu einer wunderbaren Lebendigkeit bringen. Nie habe ich sie bemerkt, wenn ich Wein vorher | etrun { hatte. en 8. se. »Nie habe ich bei geschlossenen Augen bewirken können, } sich die phantastischen Bilder mit den Augen wie die Blendungsbilder wegten. ie $. 147. »So leicht bei mir die Phantasiebilder unwillkührlich so habe ich doch bei der grössten Anstrengung fast nie willkührlich ein be- stimmies Phantasma von bestimmter Beleuchtung und Färbung erzeugen F können. Ich habe halbe Tage in dieser Willensübung im Dunkeln zuge- bracht. Die Phantasiebilder waren immer ein dem Willen trotzendes Phan- tastisches, was ich nicht hervorzurufen, nicht festzuhalten vermochte. So leicht ich subjective Farben sehe, nie vermochte ich mit Willen ein ao ein Blau ins Sehfeld zu bannen und zu fixiren«, j 72 $. 87. »Die Traumbilder sind nichts daleie ui die leuchtenden Phan- tasmen, welche bei geschlossenen Augen in der Sehsinnsubstanz erscheinen. j In der Regel bestehen sie mit Anerkennung ihrer Objectivität, oft auch mit 2 dem Bewusstsein, dass nur Traumbilder gesehen werden. Im letzteren Falle. / sind die Traumbilder gar nicht von den Phantasiebildern vor dem Einschla- y fen verschieden. In den Selbstbeobachtungen vor dem a mich häufig über dem Anfange des wirklichen Traumes ht. Der \ wirkliche Traum, mit Einschläfern der Reflexion und Anerkennung der Ob- jectivität der Phantasiebilder, tritt am leichtesten und unmittelbarsten dann ein, wenn an die Stelle der Dunkelheit nach und nach die innere subjeclive Erhellung des Sehfeldes getreten ist.« (Es folgt im Originale noch eine etwas ausgeführtere Schilderung hierüber.)
Was die Hallucinationen anlangt, die mit Krankheitszuständen in Beziehung stehen, so tragen diese im Allgemeinen den Charak- ter von Aufregungen des Nervensystemes und Gefässsystemes, und vielleicht liegen ihnen immer Congestivzustände im Gehirne zu Grunde. Diess spricht sich theils in ihren ursächlichen Momen-— ten, theils begleitenden Symptomen, theils Heilmitteln aus. u erinnere, abgesehen von Nicolai’s Fall, der hiezu sowohl in Betreff der ursächlichen Entstehung als Heiläng einen Beleg liefert, a habituelles Vorkommen in Fiebern, bei manchen Arten Wahnsinn, wie dem Säuferwahnsinne (bei dem man häufig eine Ueberfüllung des Gehirnes mit venösem Blute nach dem Tode u dem Genusse von Narcotieis, durch welche der Puls‘ “ dentlich gesteigert werden kann u. s. w. Leuret und Metivie*) fanden nach zahlreichen Beobachtungen in* der Salpetriöre, dass unter allen daselbst vorkommenden Wahnsinnigen die mit Hallu- einationen behafteten durchschnittlich den häufigsten Puls hatten; er war selbst häufiger als bei den mit Manie behafteten. Doch finde ich auch einen Fall berichtet, wo nach den stärksten Blut- verlusten die Hallueinationen fortdauerten *).
Nach Baillarger und Moreau begünstigt horizontale Lage die Hallucinationen, unstreitig, weil das Blut dabei mehr nach dem Kopfe strömt; und auch Pinel berichtet von einem melan- cholischen Frauenzimmer, wo die Hallucinationen des Gehöres sogleich aufhörten, wenn es sass.
Die Bilder, welche bei der Hallucination im Wähnsinne und in extatischen Zuständen erscheinen, sind ihrer Beschaffenheit nach meist in deutlicher Abhängigkeit von früheren äusseren Le- bensverhältnissen und Beschäftigungen, aber auch dem früheren Vorstellungsleben der Personen, was natürlicherweise beides selbst so zusammenhängt, dass eine reine Trennung bei Beurthei- lung der ursächlichen Momente der Hallueinationen nicht wohl möglich ist. (Belege s. u. a. in Hagen. S. 16 ff.)
Von anderer Seite bestehen die Hallueinationen, wie schon oben bemerkt, oft in gestaltlosen Lichtphänomenen; und auch die gestalteten Phänomene fangen oft damit an oder sind davon beglei- tet, ein Beweis, dass, abgesehen von allem Einflusse des Vorstel- lungsvermögens, in der Sinnessphäre eine Disposition dazu vor- handen sein muss. (Vgl. Hagen S. 252.)
Häufig verknüpfen sich die Hallueinationen mehrerer Sinne und dann nicht selten so, wie es Gesetzen der Association ent- spricht, + »L’observation parait avoir etabli que les hallucinations sont rarement bornees A un seul sens;; tout en reconnaissant la verit& de ce fait, sur lequel M. Foville insiste beaucoup, on peut affirmer, qu'en general les hallucina- tions de tel ou tel sens dominent sur celles des autres sens. C'est surtout dans les maladies aigu&s, qu’on observe en m&me temps plusieurs hallucina- tions reunies...Quand il existe des hallucinations de plusieurs sens, ces hallucinations ont ordinairement entre elles des rapports etroits. Ainsi on a pu remarquer dans l’observation de l'hallucine qui l&chait les murailles, *, Fror. Not. XXXVII. 437. **) Brierre de Boismont p. 613.
nn De —uwyr_— parcequ’elles lui paraissaient couvertes d’oranges delicieuses (voyez page 439), qu’il sentait en'm&me temps l’odeur et la saveur de ces fruits...M. Baillarger a rapporte l’observation d'une femme qui regut un pot de fleurs sur la tete et entendit immediatement le bruit que faisait ce pot en se brisant en &clats sur le pave. Plus tard; elle sentait vingt fois par jour le meme coup et. entendait le m&me bruit.« (Brierre de Boismont p. 557.)
Häufig auch fehlt es den Hallueinationen an allem verı gen Zusammenhange, und Nicolai sagt z.B.: » Wenn gleicl Nervensystem so sehr angespannt, so sehr schwach, kurz so stimmt war, dass dergleichen Gestalten erscheinen konnten, folgten doch bei mir diese Blendwerke keinem bekannten der Vernunft, der Einbildungskraft und der sonst gewöhnliel Association der Ideen. « ME Die Täuschung durch Hallucinationen, als ob äussere n- stände der Wahrnehmung vorhanden wären, kann nach Umstän- den mehr oder weniger vollständig sein, und ist jedenfalls in vie- len Fällen vollkommen. In der That scheinen hier alle mögliche Gradationen stattzufinden. Manche Hallucinirende sind sich ihres Zustandes und der Täuschung vollkommen bewusst; n die Phantasmen wirklich als Phantasmen, sei es, dass sie in einer Hinsicht nicht den vollen Charakter der bh serie sei es, dass sie mit dem Zusammenhange der wi nisse, der sich von anderer Seite her geltend macht, unv 1 gefunden werden, sobald nur sonst die volle Besinnung da ist.
»Ich konnte, versichert Nicolai, so wie ich überhaupt in der grössten Ruhe und Besonnenheit war, jederzeit Phantasmen von Phänomenen genau unterscheiden, wobei ich mich nicht ein einzigesmal geirrt habe. Ich wusste genau, wenn es mir blos er- schien, dass die Thüre sich’öffne und wenn die Thüre wirklich geöffnet ward und Jemand wirklich zu mir trat.« Auch sahe er die Farben etwas blässer, als in Wirklichkeit. Aehnlich in einem von Bonnet*) berichteten Falle. ’ u In anderen Fällen hingegen verhält es sich anders. »Ich sahe, sagte ein geheilter Kranker dieser Art zu Esquirol, ich hörte so genau, wie ich Sie sehe und höre. « — »Wenn meine Wa B mungen irrig sind, sagte ein sinnesgetäuschter Priester zu Fovi *) Bonnet, essay analytique sur l’äme, Chap, 23. p. ne Sinnestäusch. S. 47.
a a so muss ich auch an Allem zweifeln, was Sie mir sagen, ich muss zweifeln, dass ich Sie sehe, dass ich Sie höre. « Ein Patient sagte zu Leuret*): »Vous dites, que je me trompe, parceque vous ne comprenez pas comment ces voix que jentends arrivent jusqu’ä moi, mais je ne comprends pas plus que vous comment cela se fait; ce que je sais bien, c’est qu’elles arri- vent, puisque je les entends: elles sont pour moi aussi distinetes que votre voix, et si vous voulez que j’admette la realit& de vos paroles, laissez-moi admettre aussi la r6alite des paroles, qui me viennent, je ne sais d’oü, car la realit& des unes et des autres est. egalement sensible pour moi. « Auch sieht man ja sehr oft Wahnsinnige und Fieberkranke Handlungen vornehmen, welche beweisen, dass sie die Sinnes- täuschungen durchaus mit Wirklichkeit verwechseln.
Bei manchen Personen findet sich angegeben, dass ihre Visio- nen verschwanden, wenn sie die Augen schlossen, dagegen bei anderen, dass es hinreichte, die Augenlider niederzulassen, um Hallucinationen eintreten zu lassen. Bei noch Anderen machte es keinen Unterschied, ob sie die Augen öffneten oder schlossen. Nicolai sagt: »Uebrigens erschienen mir die Gestalten zu jeder Zeit und unter den verschiedensten Umständen gleich deutlich und bestimmt; wenn ich allein und in Gesellschaft war, bei Tag und in dunkler Nacht, in meinem Hause und in fremden Häusern. Wenn ich die Augen zumachte, so waren bisweilen die Gestalten weg, zuweilen waren sie auch bei geschlossenen Augen da. Blie- ben sie aber alsdann weg, so erschienen nach Oeffnung der Augen wieder ungefähr die vorher gesehenen Figuren.« Dr. Crichton hat bemerkt**), »dass Patienten, wenn sie bei Fiebern zuerst zu phantasiren anfangen, diess nur thun, wenn das Zimmer verfin- stert ist, oder wenn sie ihre Augen schliessen: öffnen sie sie aber, oder ist das Zimmer hinlänglich erhellt; so hört das Phantasiren auf, und sie sagen oft selbst, wenn sie sich der Dinge erinnern, die sie sahen, dass sie überzeugt wären, sie hätten phantasirt. « Verschiedene Fälle, wo durch Schluss der Augen die Hallucinatio- nen verschwanden, s. in Rüte’s Ophthalmol. I. S.193 u, Grie— singer’s Schrift S. 72.
*) Leuret, fragments de la folie. p. 203, **) Hibbert S. 285.
vo ; auy“ Er Sie Eee 2 In Conflict mit äusseren Sinneswahrnehmungen verhalten sich die Hallucinationen so, dass sie nach Umständen von diesen ver- drängt werden können, oder umgekehrt dieselben zu verdrängen oder sich mit denselben zusammenzusetzen vermögen.
‚ Nach Baillarger*) können manche. are ihre Hallucinationen unterbrechen, wenn sie ihre Aufmerksamkei äussere Eindrücke wenden; indess andere diess nicht v Daher öfters Hallueinirende während der Anwesenheit des ihre Hallueinationen verlieren, welche gleich nach Entfernu Arztes wiederkehren. Ba Oft zeigt sich, dass, wenn Phantasmen einen ‚gleic Hintergrund verdäcken; sie dagegen verschwinden, wenn genstand, der die Aufmerksamkeit frappirt, sich an ihren baren Ort stellt oder auch ein Hinderniss des Sehens sich den Visionen und den scheinbaren Ort der Vision einse J. Müller (phant. G. S. 35) bemerkt im Allgeme jenigen, welche phantastische Bilder im wachenden Zı Zustan geöffneten Augen gesehen, bezeugen, dass man von ihne gen nicht abwenden könne, d. h., dass sie, we Mitte des Sehfeldes sind, mit allen Gegenständen zu welche bei abwendender Bewegung der Augen in len. Beobachtungen dieser Art hat Gruithuise siognosie S. 238. 259) aus eigener und fremder E melt.«. In einem Falle, den Scott in s. Demonology berichtet, "hatte ein i gens ganz vernünftiger Mann, nach manchen anderen vorausgegangenen lucinationen, die Erscheinung eines Skelets, welche er durchaus nicht zu bannen vermochte, ungeachtet er sich immer von.Neuem vorbielt, es sei nur ein Schemen. »Ist denn dieses Skelet, fragte der Arzt, Ihnen in vor - Augen?« Der Kranke bejahte es. »Also auch jetzt?« Allerdings, der Patient. »Und wo sehen Sie es?« Unmittelbar am Fusse meines Bettes, und wenn die Vorhänge ein wenig offen gelassen werden, so füllt das Skelet,, wie es mir vorkommt, diesen leeren Raum aus...Der Arzt s ‚sic zwischen die zwei halb aufgezogenen Vorhänge am Frans des Be als der Ort bezeichnet waren, welchen die Erscheinung einnahm. nun, ob das Gespenst noch sichtbar sei? Nicht ganz, erwiederte der weil Ihre Person zwischen ihm und mir steht; aber ich sehe den Schädel: Gespenstes über Ihrer Schulter. « 2 ar In einem von Dr. Brach mitgetheilten Falle hatte ein 12jähriges Mäc chen durch Schreck vor einem seltsam ausstaffirten Menschen mit rother Mütze, der an einem Knochen nagte, sich ein krampfhaftes Uebel und eine öfter wiederkehrende Vision zugezogen, in der ihr jener Mensch als Phan- tasma wiedererschien. Als sie das erstemal auf das Phantom zugieng oder nach ihm greifen wollte, wich es einige Schritte von ihr weg. Dr, Brach stellte etwa 44 Tage nach dem ersten Anfalle folgende Versuche an: Er liess Patientin einige Male auf die Erscheinung zugehen bis gegen eine Wand und fragte nun, ob sie den Menschen auch noch durch die Wand hindurch er- blicke? Diess war der Fall nicht; denn liess man sie bis auf einen Schritt vor die Wand treten, so schwand die Erscheinung. Liess man sie hingegen bis dicht vor ein Fenster treten, so flohe die Erscheinung zum Fenster hin- aus und sahe sie durch das Fenster an. Liess man sie in einen Spiegel sehen, so sahe sie die Erscheinung nicht, sondern ihr eigenes Bild. Trat Jemand zwischen sie und die Stelle hin, wo, ihrer Angabe nach, der Mann sich be- fand, so sahe sie ihn theilweise, insofern er nicht von der dazwischengetre- tenen Person bedeckt wurde. Stellte sich Jemand gerade auf die Stelle hin, wo das Scheinbild stand, so schwand dieses das eine Mal ganz, doch stellte es sich ein anderes Mal auch seitwärts. Unter Anwendung geeigneter Ner- ventropfen nahmen allmälig die krampfhaften Zufälle ab und das Phantom fieng an zu bleichen und zu weichen. Zuerst wurde die rothe Mütze gelb und allmalig blasser, dann wurden die Umrisse der ganzen Figur undeutli- cher, hierauf schwand der Mann und nur Gesicht, Mütze und Hand, in der er den Knochen hielt, blieben zurück, dann blieb auch Gesicht und Hand weg und Patientin sahe nur noch den Knochen und die Mütze darüber, die auch fortwährend weisser und blässer wurde. Nach 5 Wochen aber war Trugbild und Veitstanz verschwunden. (Med. Zeit. v. Vereine f. Heilk. in Pr.
Als ein Confliet mit objectiven Anschauungen ist es unstreitig auch zu betrachten, wenn die Phantasmen mehrfach durchsichtig oder durchscheinend erscheinen, wo sie sich dann ähnlich zu ver- halten scheinen, wie wenn man ein Doppelbild, z.B. einer Oblate, auf einem Bogen mit Druck oder Schrift erzeugt, die dann durch das Doppelbild durchscheint. Solcher Angaben finde ich mehrere.
Dem Cardanus schienen die verschiedenen Gestalten aus kleinen Ringen wie die Glieder von Panzerhemden zu bestehen. »Alles war durchsichtig, wiewohl nicht so, als ob es gar nichts zu sein schiene.« (Hagen $. 47.) Einer, welcher den Leichnam eines Seeirten vor sich sahe, sahe durch die Gestalt desselben hindurch einen Kupferstich. (London med. gaz. März 1843.) Ein Anderer bemerkt, dass die Hallucinationen bei ihm um so lebendiger ge- wesen seien, je mehr sich die Seele in einem unthätigen oder lei- denden Zustande befand, so dass wirkliche Objecte im Zimmer nicht gesehen wurden. »Wurde aber die Aufmerksamkeit durch Fee hner, Elemente der Psychophysik. II. 33 lichen Objecte zu unterscheiden, angegeben, dass man den einen "Augapfel drücken solle, um zu sehen, ob ein Doppelbild entstehe, eine Arı von Anstrengung erweckt und in Thätigkeit gesetzt, so fiengen die Phantasmen an, gleichsam durchsichtig zu werden, und die Gegenstände der Empfindung (Objecte) nahmen sich so aus, als wenn sie hinter den Phantasmen befindlich gesehen wür - den. Es war nicht im Mindesten schwer, den einen oder den an- deren Gegenstand nach Belieben sichtbar zu machen, denn die Phantasmen verschwanden beinahe, so lange die Aufmerksamke J fest auf wirkliche Gegenstände gerichtet war.« (Hibbert $. Als eine Art Zusammensetzung von Hallucinationen m seren Sinneseindrücken können die Illusionen, in dem $. 505 gegebenen Sinne verstanden, gelten, von denen sich unzählig Beispiele anführen liessen, was jedoch theils überflüssig, "heile zu weit führend sein würde. Pr a. Ungeachtet die durch Hallueinationen erzeugten Bilder im Al- gemeinen alle Farben der wirklichen Welt tragen, so lässt sich doch der schon in Meyer’s Erfahrungen ($. 485) hervortretende Umstar dass die innere Production von Farben schwerer als die von For- men ist*), auch an manchen Erfahrungen bezüglich der Halluei- nationen erkennen. Nicolai sahe, da seine Phantasmen schwinden anfiengen,, die Farbe derselben zuerst ‚erblassen und die Gestalten schon ganz weiss geworden, als ihre Um i sehr bestimmt waren, und auch im Falle jenes } welches den seltsam ausstaflirten Menschen wiederholt tasma sahe, wurde bei allmälig eintretender RER die rothe Mütze zuerst gelb, allmälig blässer. ı Brewster hat als Probe, ein Phantasma von einem wirkwelches nur unter Voraussetzung eines wirklichen Objectes ent- stehen könne. Doch berichtet Paterson**) von einem Falle, wo ein entschiedenes Phantasma bei Verschiebung des Augapfels mit dem Finger sich verdoppelt haben soll. Unmöglich wäre. diess in- sofern nicht, als der Gedanke der Verdoppelung selbst unstreitig ein doppeltes Bild in der Phantasie giebt, was bei einem zur Hal lueination Geneigten sich als solche gestalten kann; hiemit abeı erscheint die ganze Probe unzuverlässig.; a *) Die Angabe von Drobisch S. 480 stimmt allerdings hiemit nich! betrifft aber weniger entschiedene Phänomene, **) London med. gaz. 4843. März. ä Von Wichtigkeit ist die Bemerkung, dass nicht wenige Fälle bekannt sind, wo lebhafte Hallueinationen stattfanden, indess die Kranken am schwarzen Staare litten, ja wo bei der Section die Sehnerven sich beide vollkommen atrophisch zeigten. Eine Ver- zeichnung solcher Fälle giebt J. Müller, über phant. Ges. S. 31 ff. und Rüte in s. Ophthalmol. 1.8. 494.
e) Allgemeine Betrachtungen.
Ausder Gesammtheitder Thatsachen, welche über das Verhält- niss der Erinnerungsbilder und Nachbilder und die zwischen beide sich einschiebenden Uebergangsglieder mitgetheilt sind, empfängt man den Eindruck, dass die Vorgänge, welche den Erinnerungs- bildern und Nachbildern unterliegen, an sich nicht wesentlich verschieden sind, dass es vielmehr derselbe psychophysische Vor- gang ist, der, je nachdem er unmittelbar von Innen heraus oder von Aussen herein angeregt ist, ein Erinnerungsbild oder ein Nachbild, ersteres als späteren Wiederklang, letzteres als unmit- telbaren Nachklang eines objectiven Bildes giebt. Mit dieser ver- schiedenen Erzeugungsweise kann dann die Verschiedenheit in der Stärke, der Gegensatz im Gefühle der Spontaneität und: Re- ceptivität und das verschiedene Localgefühl für beide Phänomene wie folgt in Zusammenhang gebracht werden.
Durch welche innere Vermittelungen auch die Widerklänge der von Aussen herein erzeugten Bilder in Erinnerungen zu Stande kommen, worüber wir so viel wie nichts wissen, erscheint es doch ganz natürlich, dass sie, insofern sie nur späte Nachwirkun- gen dieser Bilder sind, die Intensität derselben bei vergleichbar bleibendem Zustande des Organismus als obere Gränze behalten, und es scheint schwerer erklärlich, dass sie sich in, doch immer nur exceptionell bleibenden, Fällen dieser oberen Gränze in soweit nähern, ja scheinbar dieselbe erreichen können, als dass sie so- weit dahinter zurückbleiben, wie es die Regel ist. Wenn sie aber in manchen extatischen Zuständen die äusseren Bilder sogar an Lebhaftigkeit zu übertreffen scheinen, so ist diess nur insofern der Fall, als der aufgeregte Zustand, in dem sich der Organismus bei der inneren Wiedererzeugung befindet, mit dem, in dem er sich bei der Aufnahme befindet, unvergleichbar ist.
Der Unterschied im Gefühle der Spontaneität, was wir bei Erzeugung der Erinnerungsbilder haben, und der Receptivität, womit wir die Nachbilder auffassen, kann leicht bei denen, die geneigt sind, die Seelenphänomene in solche zu scheiden, welche wesentlich an physischen Vorgängen hängen, und solche, welche nicht wesentlich daran hängen, Anlass sein, mindestens den Act der Erzeugung der Erinnerungsbilder, wenn nicht sie selbst auf die erste Seite, und die objectiven Bilder und deren Nachklänge auf die zweite Seite zu legen. Doch scheint mir unklar und schon darum unhaltbar, sei es die Thätigkeit der Erzeugung oder die der Auffassung der Bilder von den Bildern selbst in der Art zu scheiden, dass jene abstract in der Seele vorgehen können, ind diese nicht abstract darin vorgehen können. Ohne auf Te - mit Auffassungen, welche einem auf die Ansicht vom ausgedehn- ten Seelensitze gestützten Systeme widerstreiten, überhaupt zu- rückkommen zu wollen, haben wir uns unserseits zu erinnern, dass das Erinnerungsbild wie das Nachbild und objective Bild weder psychisch noch physisch im Leeren schweben, sondern be- sondere Bestimmungen der allgemeinen Bewusstseinsthätigkeit ei- nerseits, des diesem unterliegenden allgemeinen psychophysischen Processes anderseits sind. Im Sinne des Schema und mit Rück- sicht auf schon Gesagtes stelle ich diess so vor: wir haben bei den Erinnerungsbildern das Gefühl der Spontaneität, weil bei der Er- zeugung von Innen heraus die Totalwelle stärker durch die Erhebung der Unterwelle als Oberwelle gehoben wird; bei der Erzeu- gung von Aussen her umgekehrt; aber die Gestaltung der Ober- welle ist beidesfalls dieselbe. Inzwischen liegt prineipiell nichts vor, was Fälle ausschlösse, wo auch von Innen her die Totalwelle stärker durch Erhebung der Oberwelle als Unterwelle steigt; dann hat man die, doch nur als Ausnahme zu betrachtenden, unwill- kührlichen Hallucinationen; und überhaupt sind hier viele Ueber- gänge möglich, wie wir sie in den Erinnerungsnachbildern, Er- scheinungen des Sinnengedächtnisses u. s. w. betrachtet haben. Die zwischen Egmnerungsbildern und Nachbildern in Frage kommenden Oepttichkeitsbeziehungen anlangend, so stellt sich allgemein aus den mitgetheilten Beobachtungen heraus, dass bei der Erweckung nicht geläufiger Erinnerungsbilder die Aufmerk- samkeit bei offenen Augen von der Aussenwelt und bei geschlos- senen Augen vom schwarzen Sehfelde abgewendet und dem Ge- fühle nach dahinter zurückgezogen sein muss, und da, wo die Erinnerungsbilder schwach bleiben, können sie auch fortgehends nur in solcher Abstraction vom äusseren Sinne wahrgenommen und festgehalten werden, in ähnlicher Weise, wie man auch von einem Sinnesgebiete abstrahiren muss, um sich der Wahrnehmun- gen in einem anderen bewusst werden zu können. Diess spricht dafür, dass das Feld der Erinnerungsbilder in statu nascenti und so lange sie schwach bleiben, und das Feld der Nachbilder, wel- ches mit dem schwarzen Sehfelde zusammenfällt, in ähnlichem Sinne verschieden im Gehirne localisirt sind, als die verschiede- nen Sinnesgebiete selbst.
Anderseits findet man, wenn man ein Nachbild im geschlos- senen Auge oder das schwarze Sehfeld selbst aufmerksam betrach- let, die Spannung der Aufmerksamkeit dem Gefühle nach ganz eben so gegen die Aussenwelt gewendet, als wenn man mit ofle- nen Augen äussere Gegenstände betrachtet. Diess spricht dafür, dass das Feld der Nachbilder und der äusseren Anschauungen als zusammenfallend angesehen werden müssen.
Weiter findet man, dass man, um sich auf etwas Hörbares, Riechbares zu besinnen, dessen Erinnerung uns nicht geläufig ist, die Aufmerksamkeit ganz eben so vom äusseren Sinne zurück wen- deu muss, als um sich auf etwas Sichtbares zu besinnen, ohne dass sich das Gefühl einer verschiedenen Localisation je nach der Verschiedenheit des Empfundenen, auf das man sich besinnt, kund giebt; wonach anzunehmen, dass die gesammten Vorstel- lungsbilder in ihrem Ursprunge ein gemeinsames, von dem der Sinnesbilder verschiedenes Feld einnehmen, so dass die Auf- merksamkeit zwischen diesen beiden Feldern eben so wie zwi- schen verschiedenen Sinnesfeldern selbst wechseln kann.
Diese Betrachtung wird nicht dadurch ungültig, dass das Spannungsgefühl der Aufmerksamkeit, auf dem wir hiebei fussen, wahrscheinlich ein reflectorisches Muskelgefühl ist (vgl. so f.); denn eine Verschiedenheit durch Reflex erregter motorischer Fa- sern weist auf eine Verschiedenheit primär erregter sensibler Fa- sern zurück.
Die räumliche Verschiedenheit des Gebietes der Erinnerungs- bilder und Nachbilder ist jedoch als keine Geschiedenheit zu be- trachten; vielmehr hängen beide Gebiete natürlicherweise orga- nisch zusammen, sind gemeinsam in dem allgemeinen Nexus des a er ee Gehirnes inbegriffen, pflanzen Wirkungen in einander über und associiren Thätigkeiten mit einander.
Der äussere Lichtreiz ruft mächtige Thätigkeiten im Felde der äusseren Anschauungen hervor; die Fortwirkungen derselben er- strecken sich in das Feld der Vorstellungsbilder hinein, und hin- terlassen darin die uns unbekannten Bedingungen, an denen die Möglichkeit der willkührlichen und associationsweisen Erregung der schwächeren Erinnerungs- und Phantasiebilder gebunden ist. Umgekehrt müssen wir nach den Erscheinungen, welche die Er- innerungs- und Phantasiebilder bei grösserer Lebhaftigkeit darbieten, glauben, dass die Hervorrufung von Vorstellungsbildern im einen Felde Fortwirkungen in das andere Feld, das der Sin- nesbilder hineinerstreckt, der Art, dass wirkliche Sinnesbilder darin über die Schwelle treten können, sofern solche die wesent- lichen Charaktere der objectiven Anschauungen und Nachbilder erlangen und dieselbe Richtung der Aufmerksamkeit fodern.
Der Unterschied, dass Erinnerungsbilder nach Massgabe als sie lebhafter sind, auch leichter in das Augenschwarz hineinge- malt werden können, der sich als eine Art gegensätzlicher zwischen mir und Busch wie Meyer dargestellt hat, beruht vielleicht nur darauf, dass sie um so leichter den Eindruck des Augenschwarz, der selbst noch einem Lichteindrucke äquivalent ist, überwiegen. Wenigstens ich selbst finde die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, Erinnerungsbilder in das Augensehwarz hineinzumalen, in sehr natürlichem Connex damit, dass mir das Augenschwarz einen viel intensiveren Eindruck macht, als die in Abgezogenheit der Auf- merksamkeit vom Augenschwarz erzeugten Erinnerungsbilder. Will ich versuchen, sie in dasselbe einzutragen, so erlöschen ihre blassen Lineamente ganz darin, erscheinen dagegen in ihrer eigen- thümlichen Schwäche, wenn ich, die Aufmerksamkeit vom Augen- schwarz abziehend, dieselben gleichsam ins Leere eintrage. Wo, wie bei Busch, die Erinnerungsbilder von Natur sehr lebhaft, oder wie bei Meyer, durch Uebung zu grosser Lebhaftigkeit ge- steigert sind, fällt diess Hinderniss natürlich weg, und mag es ganz natürlich werden, dieselben vorzugsweise in dem Felde auf- zufassen, wo die objectiven Bilder und Nachbilder aufgefasst werden.
Auch der scheinbare Widerspruch, dass ich und manche An- dere beim Schauen der Erinnerungbilder vielmehr den Theil des F h Kopfes, welchen das Gehirn einnimmt, zu gebrauchen meine, indess es Anderen mehr scheint, als wenn sie Augen, Ohren dazu brauchten, hängt unstreitig mit der verschiedenen Stärke der Er- innerungsbilder zusammen. Ich selbst kann die Erinnerungsbilder nie so stark machen, dass sie von ihrem Ursprungssitze aus merk- lich in das Sinnesgebiet hinein influirten; sondern habe Mühe, sie in ihrer ersten Entstehung festzuhalten; so wie ich mit der Thä- tigkeit des Besinnens nachlasse, erlöschen sie, und ich habe daher auch immer das Spannungsgefühl der Aufmerksamkeit, was an das Besinnen geknüpft ist. Wo hingegen die Erinnerungsbilder Kraft und Dauer gewinnen, in das Sinnesgebiet übergreifen, asso- eiirt sich auch von selbst das zugehörige Spannungsgefühl der Auf- merksamkeit.
Man kann es nicht unwahrscheinlich finden, dass die Thätig- keit, welche vom äusseren Lichte zunächst im Sehnerven angeregt wird und sich erst von da weiter zum Gehirne fortpflanzt, bei den Nachbildern auch noch in dem Sehnerven selbst fortklingt und bei den Vorstellungsphänomenen, wenn sie bis zu sinnlicher Lebhaf- tigkeit gedeihen, sich wieder rückwärts bis dahin erstreckt, wäh- vend diess nicht bei schwächeren Vorstellungsbildern der Fall ist. Doch lässt sich über die Triftigkeit dieser speciellen Fassung der Localisationsansicht nicht entscheiden.
f) Einige Bemerkungen über Träume, Ueber den Traum, die mannichfachen Wendungen und Ge- stalten, die er annehmen kann, seine ursächlichen Momente, seine Uebergänge in somnambule Zustände u. s. w. liegt viel zerstreu- tes Erfahrungsmaterial vor*). Doch muss ich auf eingehendere Mittheilung wegen der Ausdehnung des Gegenstandes verzichten, und es wird diess um so eher gestattet sein, als ich von vorn her- ein auf Vollständigkeit in diesem ganzen Felde verzichtet habe und verzichten musste. Hier will ich nur zu dem, was ich S. 462 über *) Zu den reichhaltigeren Compilationen gehört die von Burdach in s. Physiologie, III. S. 460 ff.; und wahrscheinlich ist auch in folgendem aus- führlichen Werke, das ich aber nicht aus eigener Ansicht kenne, viel dar- über zu finden: Lemoine, du sommeil au point de vue physiologique el psy- ‚thologique. 1855. Bailliere. 410 pag.
die Träume gesagt habe, noch einige ergänzende Bemerkungen im Anschlusse an das Vorige fügen.
Nach den, im Abschnitte a) dieses Kapitels mitgetheilten Thatsachen und unter e) angestellten Erörterungen haben wir Anlass, den Schauplatz der psychophysischen Thätigkeit, welche der Entstehung der Vorstellungsbilder und diesen Bildern selbst, so lange, sie schwach bleiben, unterliegt, zwar nicht für einen geschiede- nen, aber für einen verschiedenen von dem Felde der Thätigkeit zu halten, welche den sinnlichen Bildern unterliegt, so jedoch, dass sich Thätigkeiten in beiden Feldern mit einander associiren und Wirkungen in einander überpflanzen können. Ich vermuthe, dass auch der Schauplatz der Träume ein anderer, als der des wachen Vorstellungslebens ist, bei sehr lebhaften Träumen aber entsprechende Reflexe in die Sphäre der Sinnes- und Bewegungs- thätigkeit erfolgen, als Jdiess bei lebhaften Vorstellungen im Wachen der Fall ist.
An sich hat es nichts Unwahrscheinliches, dass die zeitliche Oscillation der psychophysichen Thätigkeit unseres Organismus mit einer räumlichen Oseillation oder Kreislaufsbewegung in ähn- licher Weise causal zusammenhängt, als wir es auch bei periodi- schen Phänomenen in der äusseren Natur zu finden gewohnt sind; dass also der unter die Schwelle herabgedrückte Gipfel der Haupt- welle unserer psychophysischen Thätigkeit im Schlafe normaler- weise eine andere Stelle einnimmt, als der Gipfel darüber im Wachen, und hiemit coineidirend der Spielraum der ihre Schwelle übersteigenden Oberwellen, an denen die Traumvorstellungen hängen, ein anderer ist, als im Wachen.
Wäre es nicht so, so schiene mir die Zusammenhangslosig- keit, in welcher das Traumleben vom wachen Vorstellungsleben erscheint und der wesentlich verschiedene Charakter beider nicht erklärbar. Sollte der Schauplatz der psychophysischen Thätigkeit während des Schlafes und des Wachens derselbe sein, so könnte der Traum meines Erachtens blos eine, auf einem niederen Grade ı der Intensität sich haltende, Fortsetzung des wachen Vorstellungs- lebens sein, und müsste übrigens dessen Stoff und dessen Form theilen. Aber es verhält sich ganz anders: »Nie wiederholt sich (im Traume) das Leben des Tages mit seinen Anstrengungen und Genüssen; seinen Freuden und Schmerzen; vielmehr geht der Traum darauf aus, uns davon zu befreien. Selbst wenn unsere ganze ae 55 Di 2 ee u Dr er =;