Die Frage ob bei den verschiedenen inneren Veränderungen 'der Gemüths (seines Gedächtnisses oder der von ihm angenommenen Grundsätze) der Mensch, wenn er sich dieser Veränderungen bewusst ist, noch sagen könne: er sei ebenderselbe (der Seele nach), ist eine ungereimte Frage; denn er i. Buch. Vom Erkenntnissvermögen. §.5. 17 zu liegen;!) denn wie können wir wissen, dass wir sie haben, wenn wir uns ihrer nicht bewusst sind? Diesen Einwurf machte schon Locke, der darum auch das Dasein solcher Art Vorstellungen verwarf. — Allein wir können uns doch mittelbar bewusst sein, eine Vorstellung zu haben, ob wir gleich unmittelbar uns ihrer nicht bewusst sind. — Dergleichen Vorstellungen heissen dann dunkle; die übrigen sind klar, und wenn ihre Klarheit sich auch auf die Theilvorstellungen eines Ganzen derselben und ihre Verbindung erstreckt, deutliche Vorstellungen; es sei des Denkens oder der Anschauung.
Wenn ich weit von mir auf einer Wiese einen Menschen zu sehen mir bewusst bin, ob ich gleich seine Augen, Nase, Mund u. s. w. zu sehen mir nicht bewusst bin, so s c h 1 i e s s e ich eigentlich nur, dass dies Ding ein Mensch sei; denn wollte ich darum, weil ich mir nicht bewusst bin, diese Theile des Kopfs (und so auch die übrigen Theile dieses Menschen) wahrzunehmen, die Vorstellung derselben in meiner Anschauung gar nicht zu haben behaupten, so würde ich auch nicht sagen können, dass ich einen Menschen sehe; denn aus diesen Theilvorstellungen ist die ganze (des Kopf oder des Menschen) zusammengesetzt.
Dass das Feld unserer Sinnenanschauungen und Empfindungen, deren wir uns nicht bewusst sind, ob wir gleich unbezweifelt beschliessen können, dass wir sie haben, d. i. dunkler Vorstellungen im Menschen (und so auch in Thieren), unermesslich sei, die klaren dagegen nur unendlich wenige Punkte derselben enthalten, die dem Bewusstseins offen liegen; dass gleichsam auf der grossen Karte unseres Gemüths nur wenig Stellen illuminirt sind, kann uns Bewunderung über unser eigenes Wesen einflössen; denn eine höhere Macht dürfte kann sich dieser Veränderungen nur dadurch bewusst sein, dass er sich in den verschiedenen Zuständen als ein und dasselbe Subject vorstellt, und das Ich des Menschen ist zwar der Form (der Vorstellungsart) nach, aber nicht der Materie (dem Inhalte) nach zwiefach.
f) 1. Ausg.: „§. 5. Es scheint hierin ein Widerspruch zu liegen."
Kant, Anthropologie. o lg Anthropologie. I. Theil. Anthropol. Didaktik.
nur rufen: es werde Licht! so würde auch ohne Zuthun des Mindesten (z. B. wenn wir einen Literator mit Allem dem nehmen, was er in seinem Gedächtniss hat), gleichsam eine halbe Welt ihm vor Augen liegen. Alles, was das bewaffnete Auge durch's Teleskop (etwa am Monde) oder durch's Mikroskop (an Infusionstierchen) entdeckt, wird durch unsere blossen Augen gesehen; denn diese optischen Mittel bringen ja nicht mehr Lichtstrahlen und dadurch erzeugte Bilder in's Auge, als auch ohne jene künstliche Werkzeuge sich auf der Netzhaut gemalt haben würden, sondern breiten sie nur mehr aus, um uns ihrer bewusst zu werden. — Eben das gilt von den Empfindungen des Gehörs, wenn der Musiker mit zehn Fingern und beiden Füssen eine Phantasie auf der Orgel spielt und wohl auch noch mit einem neben ihm Stehenden spricht, wo so eine Menge Vorstellungen in wenig Augenblicken in der Seele erweckt werden, deren jede zu ihrer Wahl überdem noch ein besonderes Urtheil über die Schicklichkeit bedurfte; weil ein einziger der Harmonie nicht gemässer Fingerschlag sofort als Misslaut vernommen werden würde, und doch das Ganze so ausfällt, dass der frei phantasirende Musiker oft wünschen möchte, manches von ihm glücklich ausgeführte Stück, dergleichen er vielleicht sonst mit allem Fleiss nicht sq gut zu Stande zu bringen hofft, in Noten aufbehalten zu haben.
So ist das Feld dunkler Vorstellungen das grösste im Menschen. — Weil es aber diesen nur in seinem passiven Theile, als Spiel der Empfindungen wahrnehmen lässt, so gehört die Theorie derselben doch nur zur physiologischen Anthropologie, nicht zur pragmatischen f), worauf es hier eigentlich abgesehen ist.
Wir spielen nämlich oft mit dunklen Vorstellungen, und haben ein Interesse, beliebte oder unbeliebte Gegenstände vor der Einbildungskraft in Schatten zu stellen; öfter aber noch sind wir selbst ein Spiel dunkler Vorstellungen, und unser Verstand vermag nicht, sich wider die Ungereimtheiten zu retten, in die ihn der Eiufluss derselben versetzt, ob er sie gleich als Täuschung anerkennt.
So ist es mit der Geschlechtsliebe bewandt, sofern f) „nicht zur pragmatischen" Zusatz der 2. Ausg.
1. Buch. Vom Erkenntnissvermögen. §.5. 19 sie eigentlich nicht das Wohlwollen, sondern vielmehr den Genuss ihres Gegenstandes beabsichtigt. Wie viel Witz ist nicht von jeher verschwendet worden, einen dünnen Flor über das zu werfen, was zwar beliebt ist +), aber doch den Menschen mit der gemeinen Thiergattung in so naher Verwandtschaft sehen lässt, dass die Schamhaftigkeit dadurch aufgefordert wird, und die Ausdrücke in feiner Gesellschaft nicht unverblümt, wenngleich zum Belächeln durchscheinend genug, hervortreten dürfen. — Die Einbildungskraft mag hier gern im Dunkeln spazieren, und es gehört immer nicht gemeine Kunst dazu, wenn, um den Cynismus zu vermeiden, man nicht in den lächerlichen Purismus zu verfallen Gefahr laufen will.
Andererseits sind wir aber auch oft genug das Spiel dunkler Vorstellungen, welche nicht wersch winden wollen, wenn sie gleich der Verstand beleuchtet. Sich das Grab in seinem Garten oder unter einem schattigen Baum, im Felde oder im trockenen Boden zu bestellen, ist oft eine wichtige Angelegenheit für einen Sterbenden; obzwar er im ersteren Fall keine schöne Aussicht zu hoffen, im letzteren aber von der Feuchtigkeit den Schnupfen zu besorgen nicht Ursache hat.
Dass das Kleid den Mann mache, gilt in gewissem Maasse auch für den Verständigen. Das russische Sprüchwort sagt zwar: „man empfängt den Gast nach seinem Kleide und begleitet ihn nach seinem Verstände"; aber der Verstand kann doch den Eindruck dunkler Vorstellungen von einer gewissen Wichtigkeit, den eine wohlgekleidete Person macht, nicht verhüten, sondern allenfalls nur das vorläufig über sie gefällte Urtheil hintennach zu berichtigen den Vorsatz haben.
Sogar wird studirte Dunkelheit oft mit gewünschtem Erfolg gebraucht, um Tiefsinn und Gründlichkeit vorzuspiegeln; wie etwa in der Dämmerung oder durch einen Nebel gesehene Gegenstände immer grösser gesehen werden, als sie sind. *) Das Skotison (mach's f) „ist" Zusatz der 2. Ausg.
*) Dagegen beim Tageslicht besehen, scheint das, was heller ist als die umgebenden Gegenstände, auch grösser zu sein, z. B. weisse Strümpfe stellen vollere Waden vor 2* 20 Anthropologie. I. Theil. Anthropol. Didaktik.
dunkel) ist der Machtspruch aller Mystiker, um durch gekünstelte Dunkelheit Schatzgräber der Weisheit anzulocken. — Aber überhaupt ist auch ein gewisser Grad des Räthselhaften in einer Schrift dem Leser nicht unwillkommen; weil ihm dadurch seine innere Scharfsinnigkeit fühlbar wird, das Dunkle in klare Begriffe aufzulösen. 6) Von der Deutlichkeit und Undeutlichkeit im Bewusstsein seiner Vorstellungen. Das Bewusstsein seiner Vorstellungen, welches zur Unterscheidung eines Gegenstandes von anderen zureicht, ist Klarheit. Dasjenige aber, wodurch auch die Zusammensetzung der Vorstellungen klar wird, heisst Deutlichkeit. Die letztere macht, es allein, dass eine Summe von Vorstellungen Erkenn t n i s s wird; worin dann, weil eine jede Zusammensetzung mit Bewusstsein Einheit desselben, folglich eine Regel für jene voraussetzt, Ordnung in diesem Mannigfaltigen gedacht wird. — Der deutlichen Vorstellung kann man nicht die verworrene (petxeptio confusa), sondern muss ihr blos die undeutliche (minus clara) entgegensetzen. Was verworren ist, muss zusammengesetzt sein; als schwarze; ein Feuer in der Nacht auf einem hohen Berge angelegt, scheint grösser zu sein, als man es beim Ausmessen befindet. — Vielleicht lässt sich daraus auch die scheinbare Grösse des Mondes und ebenso die dem Anschein nach grössere Weite der Sterne von einander, nahe am Horizont, erklären; denn in beiden Fällen erscheinen uns leuchtende Gegenstände f ), die nahe am Horizont durch eine mehr verdunkelnde Luftschicht gesehen werden, als hoch am Himmel, und was dunkel ist, wird durch das umgebende Licht auch als kleiner beurtheilt. Beim Scheibenschiessen würde also eine schwarze Scheibe mit einem weissen Zirkel in der Mitte zum Treffen günstiger sein, als umgekehrt.
f) 1. Ausg.: „denn beides stellt leuchtende Gegenstände vor." denn im Einfachen giebt es weder Ordnung, noch Verwirrung. Die letztere ist also die Ursache der Undeutlichkeit, nicht die Definition derselben. — In jeder vielhaltigen Vorstellung (perceptio complexa), dergleichen ein jedes Erkenntniss ist (weil dazu immer Anschauung und Begriff erfordert wird), beruht die Deutlichkeit auf der Ordnung, nach der die Theil Vorstellungen zusammengesetzt werden, die dann entweder (die blosse Form betreffend) eine blos logische Eintheilung in obere und untergeordnete {perceptio primaria et secundaria)^ oder eine reale Eintheilung in Haupt- und Nebenvorstellungen {perceptio principalis et adhaerens) veranlassen; durch welche Ordnung das Erkenntniss deutlich wird. — Man sieht wohl, dass, wenn das Vermögen der Erkenntniss überhaupt Verstand (in der allgemeinsten Bedeutung des Worts) heissen soll, dieser das Auffassungsvermögen {attentio) gegebener Vorstellungen, um Anschauung, das Absonderungsvermögen dessen, was mehreren gemein ist {abstractio), um Begriff, und das Ueberlegungsvermögen {reflexio) um Erkenntniss des Gegenstandes hervorzubringen, enthalten müsse.
Man nennt Den, welcher diese Vermögen im vorzüglichen Grade besitzt, einen Kopf; Den, dem sie in sehr kleinem Maass bescheert sind, einen Pinsel (weil er immer von Anderen geführt zu werden bedarf); Den aber, der sogar Originalität im Gebrauch desselben bei sich führt (kraft deren er, was gewöhnlicher Weise unter fremder Leitung gelernt werden muss, aus sich selbst hervorbringt), ein Genie.
Der nichts gelernt hat, was man doch gelehrt werden muss, um es zu wissen, heisst ein Ignorant, wenn er es hätte wissen sollen, sofern erf) einen Gelehrten vorstellen will; denn ohne diesen Anspruch kann er ein grosses Genie sein. Der, welcher nicht selbst denken, wenngleich viel lernen kann, wird ein beschränkter ff) Kopf (bornirt) genannt. — Man kann ein vaster Gelehrter (Maschine zur Unterweisung Anderer, wie man selbst unterwiesen worden), und in Ansehung f) 1. Ausg.: „indem er", ff) 1? Ausg.: „sehr beschränkter".
22 Anthropologie. L Theil. Anthropol. Didaktik. des vernünftigen Gebrauchs seines historischen Wissens dabei doch sehr bornirt sein. — Der, dessen Verfahren mit dem, was er gelernt hat, in der öffentlichen Mittheilung den Zwang der Schule (also Mangel der Freiheit im Selbstdenken) verräth, ist der Pedant; er mag übrigens Gelehrter, oder Soldat, oder gar Hofmann sein. Unter diesen ist der gelehrte Pedant im Grunde noch der erträglichste; weil man doch von ihm lernen kann; dahingegen!) die Peinlichkeit in Formalien (die Pedanterie) bei den Letzteren nicht allein nutzlos, sondern auch, wegen des Stolzes, der den Pedanten unvermeidlich anhängt, obenein lächerlich wird, da es der Stolz eines Ignoranten ist.
Die Kunst aber, oder vielmehr die Gewandtheit, im gesellschaftlichen Tone zu sprechen und sich überhaupt modisch zu zeigen, welche vornehmlich, wenn es Wissenschaft betrifft, fälschlich Popularität genannt wird, da sie vielmehr geputzte Seichtigkeit heissen sollte tt), deckt manche Armseligkeit des eingeschränkten Kopfs. Aber nur Kinder lassen sich dadurch irre leiten. „Deine Trommel (sagte der Quäker beim Addison zu dem in der Kutsche neben ihm schwatzenden Officier) ist ein Sinnbild von dir; sie klingt, weil sie leer ist."
Um die Menschen nach ihrem Erkenntnissvermögen (dem Verstände überhaupt) zu beurtheilen, theilt man sie in diejenigen ein, denen Gemeinsinn (sensus communis \ der freilich nicht gemein (sensus vulgaris) ist, zugestanden werden muss, und in Leute von Wissenschaft. Die Erstem sind der Regeln Kundige in Fällen der Anwendung (in concreto), die Andern für sich selbst und vor ihrer Anwendung (in abstracto). — Man nennt den Verstand, der zu dem ersteren Erkenntnissvermögen gehört, den gesunden Menschenverstand (bon sens), den zum zweiten den hellen Kopf (ingenium perspicax). — Es ist merkwürdig, dass man sich den ersteren, welcher gewöhnlich nur als praktisches Erkenntnissvermögen betrachtet wird, nicht allein als einen, welcher der Kultur entbehren kann, sondern als einen solchen, dem sie f) „dahingegen" Zusatz der 2. Ausgabe, ff) 1. Ausg.: „fälschlich Popularität, sondern vielmehr geputzte Seichtigkeit genannt werden kann".
1, Buch. Vom Erkenn tnissvermögen §.7. 23 wohl gar nachtheilig ist, wenn sie nicht weit genug getrieben wird, vorstellig macht, ihn daher bis zur Schwärmerei hochpreiset und ihn als eine Fundgrube in den Tiefen des Gemüths verborgen liegender Schätze vorsteilt, auch bisweilen seinen Ausspruch als Orakel (den Genius des Sokrates) für zuverlässiger erklärt, als Alles, was studirte Wissenschaft immer zu Markte bringen würde. — So viel ist gewiss, dass, wenn die Auflösung einer Frage auf den allgemeinen und angebornen Regeln des Verstandes (deren Besitz Mutterwitz genannt wird) beruht, es unsicherer ist, sich nach studirten und * künstlich aufgestellten Principien (dem Schulwitz) umzusehen und seinen Beschluss darnach abzufassen, als wenn man es auf den Ausschlag der im Dunkeln des Gemüths liegenden Bestimmungsgründe des Urtheils in Masse ankommen lässt, welches man den logischen Takt nennen könnte; wo die Ueberlegung den Gegenstand sich auf vielerlei Seiten vorstellig macht und ein richtiges Resultat herausbringt, ohne sich der Acte, die hiebei im Inneren des Gemüths vorgehen, bewusst zu werden.
Der gesunde Verstand aber kann diese seine Vorzüglichkeit nur in Ansehung eines Gegenstandes der Erfahrung beweisen; nicht allein durch diese an Erkenntniss zu wachsen, sondern sie (die Erfahrung) selbst zu erweitern, aber nicht in speculativer, sondern blos in empirisch -praktischer Rücksicht. Denn in jener bedarf es wissenschaftlicher Principien a priori; in dieser aber können es auch Erfahrungen, d. i. Urtheile sein, die durch Versuch und Erfolg continuirlich bewährt werden. 7) Von der Sinnlichkeit im Gegensatz mit dem Verstände, f ) In Ansehung des Zustandes der Vorstellungen ist mein Gemüth entweder handelnd und zeigt Vert) §• 7 — 22 sind in der 1. Ausg. als „zweiter Abschnitt" bezeichnet.
24 Anthropologie. L Theil. Anthropol. Didaktik.
mögen (facultas), oder es ist leidend und besteht in Empfänglichkeit (receptivUas). Ein Erkenntniss enthält Beides verbunden in sich, und die Möglichkeit, eine solche zu haben, führt den Namen des Erkenntnissvermögens von dem vornehmsten Theile derselben, nämlich der Thätigkeit des Gemüths, Vorstellungen zu verbinden oder von einander zu sondern.
Vorstellungen, in Ansehung deren sich das Gemüth leidend verhält, durch welche also das Subject afficirt wird (dieses mag sich nun selbst afficiren oder von einem Object afficirt werden), gehören zum sinnlichen, diejenigen aber, welche ein blosses Thun (das Denken) enthalten, zum intellectuellen Erkenntnissvermögen. Jenes wird auch das untere, dieses aber das obere Erkemitnissvermögen genannt. *) Jenes hat den Charakter der Passivität des inneren Sinnes der Empfindungen, dieses der Spontaneität der Apperception, d. i. des reinen Bewusstseins der Handlung, welche das Denken ausmacht und zur Logik (einem System der Regeln des Verstandes), so wie jener zur Psychologie (einen Inbegriff aller inneren Wahrnehmungen unter Naturgesetzen) gehört und innere Erfahrung begründet. 8) *) Die Sinnlichkeit blos in der Undeiitlichkeit der Vorstellungen, die Intellectualität dagegen in der Deutlichkeit zu setzen, und liiemit einen blos formalen (logischen) Unterschied des Bewusstseins, statt des realen (psychologischen), der nicht blos die Form, sondern auch den Inhalt des Denkens betrifft, zu setzen, war ein grosser Fehler der Leibniz- Wolf sehen Schule, nämlich die Sinnlichkeit blos in einem Mangel (der Klarheit der Theilvorstellungen), folglich der Undeutlichkeit zu setzen, die Beschaffenheit aber der Verstandesvorstellung in der Deutlichkeit; da jene doch etwas sehr Positives und ein unentbehrlicher Zusatz zu der letzteren ist, um ein Erkenntniss hervorzubringen. — Leibniz aber war eigentlich Schuld daran. Denn er, der Platonischen Schule anhängig, nahm angeborene reine Verstandes - Anschauungen, Ideen genannt, an, welche im menschlichen Gemüthe, jetzt nur verdunkelt, angetroffen würden, und deren Zergliederung und Beleuchtung durch Aufmerksamkeit wir allein die Erkenntniss der Objecte, wie sie an sich selbst sind, zu verdanken hätten.
Anmerkung. Der Gegenstand der Vorstellung, der nur die Art enthält, wie ich von ihm afficirt werde, kann von mir nur erkannt werden, wie er mir erscheint, und alle Erfahrung (empirische Erkenntniss), die innere nicht minder als die äussere, ist nur Erkenntniss der Gegenstände, wie sie uns erscheinen, nicht wie sie (für sich allein betrachtet) sind. Denn es kommt alsdann nicht bios auf die Beschaffenheit des Objects der Vorstellung, sondern auf die des Subjects und dessen Empfänglichkeit an, welcher Art die sinnliche Anschauung sein werde, darauf das Denken desselben (der Begriff vom Object) folgt. — Die formale Beschaffenheit dieser Receptivität kann nun nicht wiederum noch von den Sinnen abgeborgt werden, sondern muss (als Anschauung) a priori gegeben sein, d. i. es muss eine sinnliche Anschauung sein, welche übrig bleibt, wenngleich alles Empirische (Sinnesempfindung Enthaltende) weggelassen wird, und dieses Förmliche der Anschauung ist bei inneren Erfahrungen die Zeit.
Weil Erfahrung empirisches Erkenntniss ist, zum Erkenntniss aber (da es auf Urtheilen beruht) Ueberlegung ireflexiö), mithin Bewusstsein, d. i. Thätigkeit in Zusammenstellung des Mannigfaltigen der Vorstellung nach einer Regel der Einheit desselben, d. i. der Begriff und (vom Anschauen unterschiedenes) Denken überhaupt erfordert wird, so wird das Bewusstsein iu das discursive (welches, als logisch, weil es die Regel giebt, vorangehen muss) und das intuitive Bewusstsein eingetheilt werden; das erstere (die reine Apperception seiner Qemüthshandlung) ist einfach. Das Ich der Reflexion hält kein Mannichfaltiges in sich und ist in allen Urtheilen immer ein und dasselbe, weil es blos dies Förmliche des Bewusstseins, dagegen die innere Erfahrung das Materielle desselben und ein Mannichfaltiges der empirischen inneren Anschauung, das Ich der Apprehension (folglich eine empirische Anschauung f) enthält.
Ich, als denkendes Wesen, bin zwar mit mir, als Sinneswesen, ein und dasselbe Subject; aber, als Object der inneren empirischen Anschauung, d. i. sofern ich fj 1. Ausg.: „empirische Apperception".
26 Anthropologie. I. Theil. Anthropol. Didaktik. innerlich von Empfindungen in der Zeit, so wie sie zugleich oder nach einander sind, afficirt werde, erkenne ich mich doch nur, wie ich mir selbst erseheine, nicht als Ding an sich selbst. Denn es hängt doch von der Zeitbedingung, welche kein Verstandesbegriff (mithin nicht blosse Spontaneität) ist, folglich von einer Bedingung ab, in Ansehung deren mein Vorstellungsvermögen leidend ist (und gehört zur Receptivität). — Daher erkenne ich mich durch innere Erfahrung immer nur, wie ich mir erscheine; welcher Satz dann oft böslicher Weise so verdreht wird, dass er so viel sagen wolle: es scheine mir nur {mihi videri), dass ich gewisse Vorstellungen und Empfindungen habet)* ja überhaupt dass ich existire. — Der Schein ist der Grund zu einem irrigen Urtheil aus subjectiven Ursachen, die fälschlich für objectiv gehalten werden; Erscheinung ist aber gar kein Urtheil, sondern blos empirische Anschauung, die durch Reflexion und den daraus entspringenden Verstandesbegriff zur inneren Erfahrung und hiemit Wahrheit wird.
Dass die Wörter, innerer Sinn und Apperception* von den Seelenforschern gemeinhin für gleichbedeutend genommen werden, unerachtet der erstere allein ein psychologisches (angewandtes) die zweite aber blos ein logisches (reines) Bewusstsein anzeigen soll, ist die Ursache dieser Irrungen. Dass wir aber durch den ersteren uns nur erkennen können, wie wir uns erscheinen, erhellt daraus, weil Auffassung (apprehensio) der Eindrücke des ersteren eine formale Bedingung der inneren Anschauung des Subjects, nämlich die Zeit voraussetzt, welche kein Verstandesbegriff ist und also blos als subjective Bedingung gilt, wie nach der Beschaffenheit der menschlichen Seele uns innere Empfindungen gegeben werden, also diese uns nicht, wie das Object an sich ist, zu erkennen giebt. r, f) 1. Ausg.: „gewisse Vorstellungen und Empfindungen zu haben," Diese Anmerkung gehört eigentlich nicht zur Anthropologie. In dieser sind nach Verstandesgesetzen vereinigte Erscheinungen Erfahrungen, und da wird nach der Vorstellungsart der Dinge, wie sie auch ohne ihr Verhältniss zu den Sinnen in Betrachtung zu ziehen (mithin an sich selbst) sind, gar nicht gefragt; denn diese Untersuchung gehört zur Metaphysik, welche es mit der Möglichkeit der Erkenntniss a priori zu thun hat. Aber es war doch nöthig, so weit zurückzugehen, um auch nur die Verstösse des speculativen Kopfes in Ansehung dieser Frage abzuhalten. — Da übrigens die Kenntniss der Menschen durch innere Erfahrung, weil er darnach grossentheils auch Andere beurtheilt, von grosser Wichtigkeit, aber doch zugleich von vielleicht grösserer Schwierigkeit ist, als die richtige Beurtheilung Anderer, indem der Forscher seines Inneren leichtlich, statt blos zu beobachten, Manches in das Selbstbewusstsein hinein trägt; so ist es rathsam und sogar nothwendig, von beobachteten Erscheinungen in sich selbst anzufangen, und dann allererst zu Behauptung gewisser Sätze, die die Natur des Menschen angehen, d. i. zur inneren Erfahrung, fortschreiten.9) Apologie für die Sinnlichkeit. Dem Verstände bezeigt Jederman alle Achtung, wie auch die Benennung desselben als oberen Erkenntnissvermögens es schon anzeigt; wer ihn lobpreisen wollte, würde mit dem Spott jenes das Lob der Tugend erhebenden Redners {stulte! quis unquam vituperavit?) abgefertigt werden. Aber die Sinnlichkeit ist in üblem Ruf. Man sagt ihr viel Schlimmes nach: z. B. 1) dass sie die Vorstellungskraft verwirre; 2) dass sie das grosse Wort führe und als Herrscherin, da sie doch nur die Dienerin des Verstandes sein sollte, halsstarrig und schwer zu bändigen sei; 3) dass sie sogar betrüge, und man in Ansehung ihrer nicht genug auf seiner Hut sein könne. — Andererseits fehlt es ihr aber auch nicht 28 Anthropologie. I. Theil. Anthropol. Didaktik.
an Lobrednern, vornehmlich unter Dichtern und Leuten von Geschmack, welche die Versinnlichung der Verstandesbegriffe nicht allein als Verdienst hochpreisen, sondern auch gerade hierin, und dass die Begriffe nicht so mit peinlicher Sorgfalt in ihre Bestandtheile zerlegt werden müssten, das Prägnante (die Gedankenfülle) oder das Emphatische (den Nachdruck) der Sprache und das Einleuchtende (die Helligkeit im Bewusstsein) der Vorstellungen setzen, die Nacktheit des Verstandes aber geradezu für Dürftigkeit erklären. *) Wir brauchen hier keinen Panegyristen, sondern nur Advocaten wider den Ankläger.
Das Passive in der Sinnlichkeit, was wir doch nicht ablegen können, ist eigentlich die Ursache alles des Uebels, was man ihr nachsagt. Die innere Vollkommenheit des Menschen besteht darin, dass er den Gebrauch aller seiner Vermögen in seiner Gewalt habe, um ihn seiner freien Willkür zu unterwerfen. Dazu aber wird erfordert, dass der Verstand herrsche, ohne doch die Sinnlichkeit (die an sich Pöbel ist, weil sie nicht denkt) zu schwächen; weil ohne sie es keinen Stoff geben würde, der zum Gebrauch des gesetzgebenden Verstandes verarbeitet werden könnte. 10) Rechtfertigung der Sinnlichkeit gegen die erste Anklage.
Die Sinne verwirren nicht. Dem, der ein gegebenes Mannichfaltige zwar aufgefasst, aber noch nicht geordnet hat, kann man nicht nachsagen, dass er es verwirre. Die Wahrnehmungen der Sinne (empirische Vorstellungen mit Bewusstsein) können nur innere Erscheinungen heissen. Der Verstand, der *) Da hier nun vom Erkenntnissverinögen und also von Vorstellung1 (nicht dem Gefühl der Lust oder Unlust) die Rede ist, so wird Empfindung nichts weiter, als Sinnenvorstellung (empirische Anschauung), zum Unterschiede sowohl von Begriffen (dem Denken), als auch von der reinen Anschauung (des Raums und der Zeitvorstellung) bedeuten.
hinzukommt und sie unter einer Regel des Denkens verbindet (Ordnung in das Mannichfaltige hineinbringt), macht allererst daraus empirisches Erkenntniss, d. i. Erfahrung. — Es liegt also an dem seine Obliegenheit vernachlässigenden Verstände, wenn er keck urtheilt, ohne zuvor die Sinnenvorsteliung nach Begriffen geordnet zu haben, und dann nachher über die Verworrenheit derselben klagt, die der sinnlich gearteten Natur des Menschen zu Schulden kommen müsse. Dieser Vorwurf trifft sowohl die ungegründete Klage über die Verwirrung der äusseren, als der inneren Vorstellungen durch die Sinnlichkeit.
Die sinnlichen Vorstellungen kommen freilich denen des Verstandes zuvor und stellen sich in Masse dar. Aber desto reichhaltiger ist der Ertrag, wenn der Verstand mit seiner Anordnung und intellectuellen Form hinzukommt und z. B. prägnante Ausdrücke für den Begriff, emphathische für das Gefühl und interessante Vorstellungen für die Willensbestimmung in's Bewusstsein bringt. — Der Reichthum, den die Geistesproducte in der Redekunst und Dichtkunst dem Verstände auf einmal (in Masse) darstellen, bringt diesen zwar oft in Verwirrung, wenn er sich alle Acte der Reflexion, die er hierbei wirklich, obzwar im Dunkeln anstellt, deutlich machen und auseinandersetzen soll. Aber die Sinnlichkeit ist hierbei in keiner Schuld, sondern es ist vielmehr Verdienst von ihr, dem Verstände reichhaltigen Stoff, wogegen die abstracten Begriffe desselben oft nur schimmernde Armseligkeiten sind, dargeboten zu haben.
Rechtfertigung der Sinnlichkeit gegen die zweite Anklage.
Die Sinne gebieten nicht über den Verstand. Sie bieten sich vielmehr nur dem Verstände an, um über ihren Dienst zu disponiren. Dass sie ihre Wichtigkeit nicht verkannt wissen wollen, die ihnen vornehmlich in dem zukommt, was man den gemeinen Menschensinn (sensus commuuis) nennt, kann ihnen nicht für Anmaassung, über den Verstand herschen zu wollen, 30 Anthropologie. I. Theil. Anthropol. Diktatik. angerechnet werden. Zwar giebt es Urtheile, die man eben nicht förmlich vor den Richterstuhl des Verstandes zieht, um von ihm abgeurtheilt zu werden; die daher unmittelbar durch den Sinn dictirt zu sein scheinen. Dergleichen enthalten die sogenannten Sinnsprüche, oder orakelmässigen Anwandlungen (wie diejenigen, deren Ausspruch Sokrates seinem Genius zuschrieb). Es wird nämlich dabei vorausgesetzt, dass das erste Urtheilf) über das, was in einem vorkommenden Falle zu tliun recht und weise ist, gemeiniglich auch das richtige sei, und durch Nachgrübeln erst verkünstelt werde. Aber sie kommen in der That nicht aus den Sinnen, sondern aus wirklichen, obzwar dunkeln ff) Ueberlegungen des Verstandes. — Die Sinne machen darauf keinen Anspruch und sind, wie das gemeine Volk, welches, wenn es nicht Pöbel ist {ignobile vulgas), seinem Obern, dem Verstände, sich zwar gern unterwirft, aber doch gehört werden will. Wenn aber gewisse Urtheile und Einsichten als unmittelbar aus dem innern Sinn (nicht vermittelst des Verstandes) hervorgehend, sondern dieser als für sich gebietend und Empfindungen für Urtheile geltend angenommen werden, so ist das bare Schwärmerei, welche mit der Sinnenverrückung in naher Verwandtschaft steht. n) Rechtfertigung der Sinnlichkeit wider die dritte Anklage. Die Sinne betrügen nicht. Dieser Satz ist die Ablehnung des wichtigsten, aber auch, genau erwogen, nichtigsten Vorwurfs, den man den Sinnen macht; und dieses darum, nicht weil sie immer richtig urtheilen, sondern weil sie gar nicht urtheilen* weshalb der Irrthum immer nur dem Verstände zur Last fällt. — Doch gereicht diesem der Sinnen schein (species apparentia, wenngleich nicht zur Rechtfertigung, doch zur Entschuldigung; wonach der Mensch fff) öfters in den Fall f) 1. Ausg.: „zuschrieb:) dass nämlich das erste Urtheil" u. s. w.
kommt, das Subjective seiner Vorstellungsart für das Objective (den entfernten Thurm, an dem er keine Ecken siebt, für rund, das Meer, dessen entfernter Theii ihm durch höhere Lichtstrahlen in's Auge fällt, für höher, als das Ufer (altum mare), den Vollmond, den er in seinem Aufgange am Horizont durch eine dunstige Luft sieht, obzwar er ihn durch denselben Sehwinkel in's Auge fasst, für entfernter, also auch für grösser, als wie er hoch am Himmel erscheint), und so Erscheinung für Erfahrung zu halten; dadurch aber in Irrthum, als einen Fehler des Verstandes, nicht den der Sinne, zu gerathen. 12) Ein Tadel, den die Logik der Sinnlichkeit entgegenwirft, ist der: dass man dem Erkenntniss, so wie es durch sie befördert wird, Seichtigkeit (Individualität, Einschränkung aufs Einzelne) vorwirft, da hingegen den Verstand, der aufs Allgemeine geht, eben darum aber zu Abstractionen sich bequemen muss, der Vorwurf der Trockenheit trifft. Die ästhetische Behandlung, deren erste Forderung Popularität ist, schlägt aber einen Weg ein, auf dem beiden Fehlern ausgebeugt werden kann.
Vom Können in Ansehung des Erkenntnissvermögens überhaupt.
Der vorhergehende Paragraph, der vom Scheinvermögen handelte, in dem, was kein Mensch kann, führt uns zur Erörterung der Begriffe vom Leichten und Schweren (leve et grave)f)7 welche, dem Buchstaben nach, im Deutschen zwar nur körperliche Beschaffenheiten und Kräfte bedeuten, dann aber, wie im Lateinischen, nach einer gewissen Analogie, das Thunliche (facüe) und Comparativ-Unthunliche ißifftcüe) bedeuten sollen; denn das Kaum - Thunliche wird doch 32 Anthropologie. I. Theil. Anthropol. Didaktik.
von einem Subject, das an dem Grade seines dazu erforderlichen Vermögens zweifelt, in gewissen Lagen und Verhältnissen desselben für subjectiv-unthunlich gehalten. Die Leichtigkeit, etwas zu thun (promptiiudo) muss mit der Fertigkeit in solchen Handlungen {häbitus) nicht verwechselt werden. Die erstere bedeutet einen gewissen Grad des menschlichen Vermögens: — „ich kann, wenn ich will", und bezeichnet subjective Möglichkeit; die zweite die subjectiv- praktische Notwendigkeit, d. i. die Gewohnheit, mithin einen gewissen Grad des Willens, der durch den oft widerholten Gebrauch seines Vermögens erworben wird: „ich will, weil es die Pflicht gebietet". Daher kann man die Tugend nicht so erklären: sie sei die Fertigkeit in freien rechtmässigen Handlungen; denn dann wäre sie blos Mechanismus der Kraftanwendung; sondern Tugend ist die moralische Stärke in Befolgung seiner Pflicht, die niemals zur Gewohnheit werden, sondern immer ganz neu und ursprünglich aus der Denkungsart hervorgehen soll.
Das Leichte wird dem Schweren, oft aber auch dem Lästigen entgegengesetzt. Leicht ist einem Subject dasjenige, wozu ein grosser Ueberschuss seines Vermögens über die zu einer That erforderliche Kraftanwendung in ihm anzutreffen ist. Was ist leichter, als die Förmlichkeiten der Visiten, Gratulationen und Condolenzen zu begehen? Was ist aber auch einem beschäftigten Manne beschwerlicher? Es sind freundschaftliche Vexationen (Plackereien), die ein Jeder herzlich wünscht los zu werden, indess er doch auch Bedenken trägt, wider den Gebrauch zu Verstössen.
Welche Vexationen giebt es nicht in äusseren, zur Religion gezählten, eigentlich aber zur kirchlichen Form gezogenen Gebräuchen; wo gerade darin, dass sie zu nichts nützen, und in der blossen Unterwerfung der Gläubigen, sich durch Ceremonien und Observanz, Büssungen und Kasteiungen (je mehr, desto besser) geduldigt) hudeln zu lassen, das Verdienstliche der f) „geduldig" Zusatz der 2. Ausg.
Frömmigkeit gesetzt wird; indessen diese Frohndienste zwar mechanisch leicht (weil keine lasterhafte Neigung dabei aufgeopfert werden darf), aber dem Vernünftigen moralisch sehr beschwerlich und lästig fallen müssen. — Wenn daher der grosse moralische Volkslehrer sagte: „meine Gebote sind nicht schwer", so wollte er dadurch nicht sagen: sie bedürfen nur geringen f) Aufwand von Kräften, um sie zu erfüllen; denn in der That sind sie, als solche, welche reine Herzensgesinnungen fordern, das Schwerste unter Allem, was geboten werden mag; aber sie sind für einen Vernünftigen doch unendlich leichter, als Gebote einer geschäftigen Nichtsthuerei {gratis anhelare, multa agendo nihil agere), dergleichen die waren, welche das Judenthum begründete; denn das Mechanischleichte fühlt der vernünftige Mann centnerschwer, wenn er sieht, dass die darauf verwandte Mühe doch zu nichts nützt.
Etwas Schweres leicht zu machen, ist Verdienst; es als leicht vorzumalen, ob man gleich es selbst zu leisten nicht vermag, ist Betrug. Das, was leicht ist, zu thun, ist verdienstlos. Methoden und Maschinen, und unter diesen die Vertheilung unter verschiedene Künster (fabrikenmässige Arbeit) machen Vieles leicht, was mit eigenen Händen, ohne andere Werkzeuge, zu thun schwer sein würde.