SigPhi · Max Wertheimer

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung

German

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Bei allen Beobachtern, auch Ungeübten, denen mehrfach Experimente dieser Art vorgeführt wurden, haben sich die im folgenden besprochenen spezifischen Erscheinungen spontan ge- zeigt; bei manchen war anfangs das Urteil „schlechtere Bewe- gung“, „nicht so schöne Bewegung“, „schwer zu beschreiben, nicht so gute Bewegung als vorhin“ usw. vorwiegend. Hier liegt wohl auch der Grund, weshalb trotz der mannigfachen in der Literatur vorliegenden stroboskopischen Untersuchungen und trotz vereinzelter Befunde! diese Phänomene nicht die ihnen zu- kommende Beachtung gefunden haben: alles Interesse ist anfangs den in ihrer Art ausgezeichneten drei Hauptstadienphänomenen zu gerichtet; Zwischenphänomene werden als „schlechtere“ Erschei- nungsweisen aufgefalst, und auch das Seltsame und zunächst schwer zu Beschreibende dieser Zwischenphänomene wirkt in dieser Richtung. Aber auch bei den Beobachtern, bei denen nicht gleich beim ersten Male sich spezifischeres ergab, führte die Beobachtung zunächst bald zu Angaben wie „es ist keine so kontinuierliche? Bewegung, mehr ruckweise“, „es ist eine be- stimmte Art von Bewegung da, mit einem Ruck“, „die Bewegung hat eine Art Zweitakt“, „es ist keine einheitliche Bewegung“ usf. und das Gesehene wurde nun bald in spezielleren Bezügen ein- gehend beschrieben und brachte klare, bestimmte Angaben der Art, wie sie sich bei anderen Vpn. sofort beim ersten Sehen er- geben hatten.

ı Vgl. Fıscner, Phil. Studien 3, S. 132. ® Vgl. Links, Psych. Studien 8, S. 522.

199 Max Wertheimer. (schematisch:) Die typische Form dualer Teilbewegung zeigte sich folgendermalsen: Z. B. im Winkelexperiment (a die Vertikale, d die horizontale Linie) hat sich im Optimal- stadium die Vertikale in die Horizontallage gedreht; bei einem kürzeren? (zwischen dem des ÖOptimal- stadiums und dem des Simultanstadiums) zeigte sich duale Teilbewegung: zwei Linien, die jede für sich eine (kleinere, Teil-)Bewegung vollführen; man sieht eine Linie (a), mit einer Drehung aus Vertikallage etwas nach rechts z. B. um ca. 30° — und eine andere, die eine Bewegung aus etwa 30° in die Horizontallage zeigt.

Oder die Parallelenanordnung (Fig. XV S. 264) [z. B. a die obere, 5 die untere horizontale Linie], die im Optimalstadium IT Bewegung einer Linie von der oberen in die untere Lage zeigte, ergab: jede der zwei Linien macht eine — pr Bewegung für sich: die obere bewegt sich klar ein —I Stück abwärts, die untere ein Stück aus etwas über der Endlage in diese.

Es ist überflüssig, dies hier bezüglich der vielen verschie- denen benutzten Objektanordnungen noch weiter auszuführen; die entsprechenden dualen Teilbewegungen zeigten überall zwei Objekte, jedes für sich deutlich mit Bewegung, «a ein Stück der Richtung nach 5 hin, 5 ein Stück der Richtung von a her; die Richtung der Teilbewegungen ist durch die Sukzession a 5 ein- deutig bestimmt.

Hier zeigte sich p zweiheitlich; jedes der beiden, a und db, für sich betreffend.

Es ergaben sich verschiedene Gröfsen der Teilbewegungen; von solchen, die beinahe die Hälften des Abstandsfeldes erfüllten bis zu kleinen, z. B: pkel> Wurde t in kleinen Stufen vom optimalen zum Simultan- stadium verkürzt [resp. vom simultanen zum optimalen hin vergrölsert|, so zeigte sich oft! Teilbewegung kleineren und Experimentelle Studien tiber das Sehen von Bewegung. 193 kleineren [resp. grölseren und grölseren] Betrags; war Bewegung von 4 zuerst bis nahe zur Mitte des Abstandes a5 da, Bewegung bez. b von etwas jenseits der Mitte in seine Endlage, so nahm bei stufenweiser Verkleinerung des? zum Simultanstadium hin der Bewegungsraum der einzelnen Teilbewegungen z. B. etwa ein Viertel des Abstands ein, dann noch weniger; die Be- wegungen bei a und 5 wurden kleiner und kleiner, bis blofs mehr ein „Ruck“, ein „Ansatz von « zu einer Bewegung“ Tesp. ein „Ankommen“ bezüglich des 5 vorhanden war, woran sich dann erst die Simultaneität in völliger Ruhelage der beiden Ob- jekte schlofs. Analog beim Vergröfsern der t vom simultanen zum optimalen hin: oft wurden die Teilbewegungen erst grölser und gröfser, bis zur Erreichung einheitlicher Ganzbewegung. Analog bei anderen Objektanordnungen.

Duale Teilbewegung zeigte sich auch schön in Fällen mit Verschiedenheit der Färbung oder der Gestalt der Objekte. Z. B. in der Parallelenanordnung Fig. S. 264 a oben, ein roter horizontaler Streifen von z. B. 6cm; 5b, 4cm tiefer, ein blauer oder grüner; der rote Streifen zeigte eine Abwärts- bewegung, ein Stück hinunter von der Anfangslage, der blaue ein Stück in seine Endlage; analog bei entgegengesetzter Sukzession (bei Exposition 5a) der blaue eine Aufwärtsbewegung von z. B. ca. 1 cm, der rote aus einer Gegend von 1 cm unter seiner Endlage in die Endlage. Ebenso bei anderen An- ordnungen; im Winkelexperiment (z. B. Vertikale a rot, Horizontale 5 blau) Drehung des roten um ca. 30° von der Vertikallage in den Winkelraum, Drehung des blauen von ca. 30° in die Horizontallage usw.

So auch bei Verschiedenheit der Gestalt z. B. NO die lange Gerade zeigte Aufwärtsbewegung um ein 7° Stück, die beiden Quadrate machten für sich eine Aufwärtsbewegung in ihre Endlage; analog wo Farbe und Form verschieden war, usw.

Duale Teilbewegung resultierte in solcher Weise auch in Fällen, wo z. B. bei Verschiedenheit der Farbe ein grölserer räumlicher Abstand der Objekte voneinander gegeben war, Zeitschrift für Psychologie 61. 13 194 | Max Wertheimer.

als dafs ein optimaler Ganzbewegungseindruck erzielt.werden konnte —!

Auch beim Operieren mit Dauerbeobachtung, beim Über- gange zwischen den Hauptstadien oder bei Serienexposition ab abab in herausgegriffenen mittleren {-Verhältnissen hatte sich (vgl. unten die komplizierenden Umstände) die Erscheinung der dualen Teilbewegung ergeben: es wurden zwei Linien gesehen, die dauernd jede für sich kleinere Bewegungen ausführten; z.B. bei der Parallelenanordnung zwei parallele Linien, die sich, jede für sich, auf und ab bewegten. Bei spezieller Anordnung z.B. (ein stumpfer Winkel auf dem einen, ein längerer spitzer auf dem anderen Expositionsfeld, die Scheitel oben, übereinander) wurde die Erscheinung beschrieben als „zwei, die sich auf und nieder- bewegen, als ob sie Männekens machten“. — Der Verlauf von Simultaneität zu Optimalbewegung in Verlängerung der t cha- rakterisierte sich öfters? in folgender Weise: „zwei, zugleich, ruhig; dann bewegen sich beide; immer mehr; sie fassen sich — und nun ist nur eines da, das sich den ganzen Weg hin und her bewegt.“ Dem Faktor der Einstellung kommt, hauptsächlich im Zwischenbereiche zwischen den drei Hauptstadien eine gewisse, in manchem Bezug auch quantitativ mefsbare Rolle zu; unter Einstellung sei hier in rein technischem Sinne bedingende Wir- kung vorhergehender p-Eindrücke auf nachfolgende verstanden.

War z. B. mehreremal hintereinander (in Pausen zwischen den einzelnen a 5-Expositionen von 1 Sek. bis 1 Min. und mehr) bei bestimmten Sukzessivobjekten Bewegung im Optimalstadium Ich erwähne noch ein subjektiv zeitliches Moment: Teilbewegungen des a und b erscheinen meist als nahezu sukzessiv (zuerst hat a seine Be- wegung gemacht, dann b), manchmal als nahezu simultan, teilsimultan er- folgend. — Ein zeitliches Moment liefs sich auch im Gebiet der Simul- taneität beobachten; das Auftreten von a und b im Gebiete der Simul- taneität mufs nicht immer ein völlig simultanes sein; ab sind zwar auch zugleich da, a aber schon etwas früher, b etwas später noch. War die Auf- merksamkeit auf diese zeitlichen Momente gerichtet, so konnte das (in einigen Fällen) dahin wirken, dafs, wenn z.B. bei Teilsimultaneität einmal der Eindruck auftrat, dafs a früher verschwand, dies zu schnellerem Ent- stehen der Bewegungserscheinung, ev. zu Ganzbewegung ohne Übergang über Teilbewegungen, führte. Vgl. aber $S 15, 2.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 195 da, so zeigte sich, dafs eine folgende Exposition bei einem etwas kürzeren?{, die ohne vorhergehende optimale Expositionen etwa nur Teilbewegung erzielt hätte, für Ganzbewegung begün- stigt war.

Es ist daher, wie zu erwarten ist, auch nicht völlig gleich- gültig, ob man bei Stadienübergangsbeobachtungen vom Simultan- stadium abwärts in Vergrölserung des t vorschreitet oder ent- gegengesetzt vom optimalen Stadium aufwärts!; in letzterem Fall erscheint in der Regel der Bereich der optimalen i resp. der Ganzbewegung in der Richtung der t- Variation etwas ausgedehnter. Analog beim Abwärtsgehen vom Optimalstadium zum Sukzessiv- stadium im Gegensatze zum Vorgehen von letzterem zum Opti- malen hin. Beim Ausgehen vom ÖOptimalstadium aus ist der Bereich des Bewegungseindrucks in Richtung der {-Variation oft beiderseits weiter; besonders bei stärkerer Einstellung und bei Vorschreiten in sehr kleinen Stufenveränderungen des? erweitert sich der Umfang des Optimalbereichs erheblich: man muls (im Verhältnis auch zu Expositionen ohne solche einstellende Be- dingungen) zu sehr erheblichen Verkürzungen resp. Verlänge- rungen des i greifen, um die Endstadien reiner Simultaneität resp. Sukzession zu erreichen; während beim Ausgehen von den Extremstadien aus der Bereich des optimalen Stadiums viel enger umgrenzt erscheint.

In der Gegend unterhalb des Optimalstadiums tritt bei Ver- längerung der? zum Sukzessivstadium hin die Erscheinung langsamer, lässiger Bewegung auf: bei!-Zeiten, die beim Aufwärtsgehen von Sukzessivstadium aus noch ruhige Sukzession oder Teilbewegung ergeben, bleibt beim Abwärtsgehen vom Op- timalstadium aus in kleinen Stufenveränderungen des t bis weit herab oft optimal identische, verlangsamte Bewegung „eminent deutliche, kolossal langsame“, „lässige“, „träge“ Bewegung (vgl.

Eine ähnliche Einstellungswirkung wie hier bezüglich der Zeiten zeigt sich bezüglich der Grölse des räumlichen Abstands der Objekte voneinander. So zeigte sich im Experimente $ 14, S. 219, Fig. XXV 8.265, dals, während gesetzmäfsig der kleinere Abstand für das Entstehen des Bewegungseindruckes der günstigere ı Vgl. Wuxpr, Physiol. Psychol., V. Aufl., Bd. II, S. 582. 1902.

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ist!, durch bestimmte Einstellungsewirkung Bewegung entgegen- gesetzt im gröfseren Abstande erzielt wird.

So wirkt schliefslich auch allgemeine Einstellung, das öftere Sehen der Bewegungseindrücke, dahin, dals es nachher bei gröfserem Abstande resp. Winkelmals zu Bewegungssehen kommt, als ohne Vorbereitung; so erwies es sich als zweckmäßig, bei den Versuchen mit Vp. II mit kleineren Abständen zu be- ginnen; bevor zu Winkelanordnungen von 9° übergegangen wurde, mit kleineren Winkelgröfsen zu operieren, analog zunächst mit kleineren Abständen bei der Parallelenanordnung usw. Ein- stellung und Übung zeigten sich so von Einflufs. [Wie bei den Zeiten hatte sich auch bezüglich der Abstände anfangs einige individuelle Verschiedenheit der Vpn. gezeigt, bei Vp. II hatte sich optimale Bewegung im ersten Anfang der Versuche nicht immer, öfter bei kleinerem Abstande und in einem enger unm- grenzten Bezirk der {-Zeiten ergeben; bei den übrigen Beobach- tern war ein solches Beginnen der Versuche mit solchen kleinerer Abstände nicht erforderlich.]

Entsprechend den Befunden bezüglich der Einstellung wirkt Dauerbeobachtung. Beobachtet man nicht in Einzel- expositionen der a 5 mit gröfseren Pausen, sondern dauernd bei Veränderung von? in kleinen Stufen, so ist der Bereich des Optimalstadiums bei Ausgehen von diesem etwas grölser; usf. Dauerbeobachtung bei bleibendem? in der Nähe des Bewegung- stadiums begünstigt in der Regel das Bewegungsehen, die Be- wegung wird besser, eindringlicher, klarer, der Bewegungseindruck intensiver, auch kann so durch Dauerbeobachtung aus einem anfäng- lichen Teilbewegungseindruck ein optimaler Eindruck werden usw.; Dauerbeobachtung im Zwischenbereiche, ganz in der Nähe des Simultan- resp. Sukzessivstadiums kann auf Simultan- resp. Sukzessiv-ruhigwerden wirken?; bei Übergangsexperimenten in Dauerbeobachtung resultiert entsprechend öfters kein, oder kein stabiles Teilbewegungsstadium. Dabei kommen andere kompli- zierende Faktoren in Betracht: es kann bei Dauerbeobachtung ein ® Davon zu unterscheiden ist natürlich der Fall, dafs z. B. bei Schieber- experimenten durch sehr schnell aufeinanderfolgende Expositionen die Unterbrechungen der einzelnen Reize zu kurz werden und dadurch Bleibe: und Simultanruhe erzeugt wird.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 197 Umklappen bezüglich der Aufmerksamkeits- resp. Erfassenslage (vgl. die Sonderwirkungen S. 207, 211) eintreten.

Es ist demnach, da bei Dauerbeobachtung besondere Wir- kungen in Betracht kommen, erforderlich, die Experimente mindestens auch in einmaliger Exposition von ab statt in Dauerbeobachtung bei Serienexpositionen! zu machen. Die hier beschriebenen Ergebnisse sind in erster Linie in solchen Einzel- expositionen, mit gröfseren Zwischenpausen zwischen einzelnen Experimenten (2, 3 Minuten und mehr) und unter Berücksichtigung und Variation der Aufeinanderfolge gewonnen. — Andererseits ist Dauerbeobachtung bei Serienexposition a b abab...bei bleibendem?, in nicht labilen Stadien, wo diese Sonderwirkungen nicht so sehr in Frage kommen, für die Demonstration und zu bequemer Beobachtung sehr günstig — man kann in solchen Fällen die Hin- und Herbewegung in aller Ruhe betrachten.

$ 8. Im Gebiete ganz nahe unter dem Extremstadium der ruhenden Simultaneität zeigten sich häufig noch besondere Er- scheinungen, die nicht mehr einen Vorgang innerhalb des Ab- standsfeldes (zwischen a und 5) betreffen, sondern blofs die Ob- jekte an sich: „Stampfen“, „Innenbewegung“, Flackern, Hellig- keitsvorgänge innerhalb der Objekte.

Die beiden Objekte? selbst waren bei den Bewegungs- erscheinungen in der Regel (bei genügender Expositionszeit «, ß) in sich selbst ruhig, als in sich simultane Ganze deutlich da- gewesen. Hier nun zeigte sich im Gegensatze dazu ein Flackern, ein Helligkeitsvorgang, Helligkeitswechsel innerhalb der Objekte; sei es, dals ein Streifen (einer oder beide) nicht mehr als in sich simultanes Ganzes gesehen wurde, sondern z. B. das obere Ende etwas früher und damit ein Helligkeitshinübergang nach unten; oder die Mitte des Streifens früher als die Enden; sei es innerhalb der stehenden Kontur, sei es im Aufbau der Gestalt des Streifens Reiner noch als die Serienexposition im Sinne der Folge atbtatb...mit symmetrischer Anorduung der Schlitze am Tachistoskop ist die mehr- fache Exposition von atb Tatb, bei der 7, die Zeit zwischen 5b und a relativ grol[s ist, so dafs nur wiederholtes ab erscheint, nicht auch ba da- zwischen ebenso Bewegungswirkungen erzeugt. Doch zeigen sich auch hier schon Einstellungswirkungen. — Vgl. & 14.

® Im Optimalstadium der eine Streifen; in y ab (vgl. 8. 213) der Streifen.

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selbst; gelegentlich wirkte ähnliches als nicht näher zu definierendes Flackern, in dem Streifen, gelegentlich als Innenbewegung bestimmter Richtung (z. B. bei der Vertikalen der Winkelanord- nung als Vertikalinnenbewegung oder Entstehung |), in Serien- expositionen als „Schlagen“ „Stofsen“ der Linie, das sich bei längerer Dauerbeobachtung zu einem intensiven Hinauf-herunter- stampfen, einem sukzessiven Hin- und her-stofsen |), „Stampfen“ verstärkte. (Analog bezüglich der Horizontalen >, <-, <—>.)

Hierfür können zum Teil die bekannten Erscheinungen bei tachistoskopischen sehr kurzzeitigen Erkennungsversuchen! in Betracht kommen: die partielle Unklarheit, sukzessives Hervor- treten bestimmter Teile, das „Explodieren“? von einer bestimmten Stelle aus bei Verwendung eines auslöschenden Reizes?; all- gemein noch die Erscheinungen bei allgemeinen Postexpositions- experimenten®, bei denen Flächen verschiedener Helligkeit resp. Farbe in kurzen Zwischenzeiten am selben Ort“ exponiert wurden (wie hier das Weils, resp. die Farbe des Objekts auf das Schwarz des Grundes folgt und von ihm wieder abgelöst wird). Damit wäre es auch vereinbar, dals häufig bei noch weiterer Verkürzung der Zeiten (ca, ß, t) bei Erreichung des in sich völlig ruhigen Simultaneitätsstadiums nichts mehr von diesen Erscheinungen vorhanden war, die Objekte bei den sehr kurzen a $ in sich ruhig, in geringerer Helligkeit, erschienen.

Die betreffenden Experimente von Done haben das Studium der Postexpositionserscheinungen in unserem Sinn erst begonnen; sonderlich wird hier die Frage wichtig sein, wieso es gerade zu der oder jener gesehenen Form der mangelhaften Flächen- gestaltung resp. zu der oder jener Art des Verschwindens und Auftretens kommt, im Hinblick auf die Frage der Aufmerksam- keitsverteilung oder -postierung (vgl. $ 11), die auch hier von qualitativem Einflusse zu sein scheint.

Was uns aber an den Erscheinungen der „Innenbewegung“ ı Vgl. die diesbez. Literatur (8. Schumanns Sammelreferat, Kongrels f.

3 Dopaz, a. a. O. 8. 335f.; in gewissem Sinne auch bei sukzessiver Helligkeits- und Farbenmischung, obwohl diese auf die hier behandelten Formtatsachen abgesehen vom „Flimmern“ nicht eingehen.

* Vgl. auch Srıerzk, Über den chromophotischen Kontrast, Pfügers Archiv, 1910.

Experimentelle Studien über das Sehen von Beweguüg. 199 hier zunächst interessiert, ist, dafs sie nicht blols oder nicht direkt als eine raumzeitlich verlaufende Helligkeitsverteilung oder als ein sukzessives Deutlichwerden oder Auftreten von Objekt- teilen imponieren, sondern als Innenbewegung, als Hinauf- hinunterstofsen usw. Und in dieser Hinsicht zeigten sie Ähnlich- keit mit Experimenten, bei denen zwei Objekte ohne Zwischenraum nebeneinander oder sich teilweis deckend (s. Fig. XVI dcad S. 264), Bewegung in der Sukzessionsrichtung gaben; oder (z.B. Fig. XVlIec, S. 264) Bewegung mit „Wachsen“, „sich Ausdehnen“ des Ob- jekts.

$ 9. In dem Bereiche zwischen den Hauptstadien zeigte sich noch eine Erscheinung spezieller Art; es gelang im Fortgange, dahin wirkende Faktoren experimentell herauszulösen; aber schon ihre Qualität selbst führt theoretisch weiter.

Aus These I (S. 186) würde zu folgern sein, dafs @ eine An- gelegenheit ist, die, « und 5 (in einem höheren) zusammenfassend, phänomenal « und 5 betreffen muls.

p kann eine Angelegenheit sein, die nur bezüglich eines der beiden Objekte, a oder d, da ist; das andere bleibt, völlig unbe- rührt ruhig; erscheint als, von @ unberührt‘, einfach wahr- genommen.

Z. B. in der Winkelanordnung: a, die Vertikallinie, erscheint, bleibt völlig ruhig, 5 zeigt, für sich, eine Bewegung; dreht sich z. B. aus.der Gegend von 45° aus in die Horizontallage oder (vgl. $ 16) von etwa 45° aus erscheint Bewegung in die Horizontallage des 5. Es zeigt sich da eine Bewegungserscheinung, die phänomenal nicht von a ausgeht, a nicht erfalst, a und die Gegend von a nicht betrifft.

In mannigfacher Variation bezüglich des Bereiches der Be- wegung; es tritt Bewegung auf von der Gegend ganz nahe bei a, oder aus ca. 45°, 30°, 15° in die Endlage, bis zum Extrem: b hat „eine minimale Bewegung“, „zeigt im Hinlegen einen kleinen Ruck“, „schnappt von oben her in seine Lage ein“. Während a völlig unberührt, ruhig da war.

Nicht nur 5 kann solche Singularbewegung zeigen; es kommen auch entgegengesetzte Fälle vor: in denen bezüglich « eine Bewegung sich zeigte — wieder in Verschiedenheit des Be- reiches der Bewegung bis zum Extrem: a zeigt einen Anfangs- 200 Max Wertheimer.

ruck, einen Ansatz, eine Tendenz zu einer Bewegung; — 5 ist völlig ruhig gegeben.

All dies analog bei Umkehrung der Expositionsfolge (da); bei der Anordnung von ab in Parallellage; bei Objektanordnungen verschiedener Art. — Die Bewegungsrichtung ist auch hier immer durch die Sukzession ab eindeutig bestimmt.

Diese beiden Erscheinungen — Singularbewegung von a, resp. von b — lielsen sich in besonderen Versuchen (s. $ 11) in spezieller Weise erzielen.

Solche Bewegungserscheinungen, die nur eines der beiden Objekte betreffen, ohne eine phänomenale Verknüpfung mit dem anderen, zeigten sich besonders auch, analog wie oben (S. 193) duale Teilbewegungen, bei Verwendung zweier verschieden ge- färbter oder verschieden geforınter Okjekte; wiederum auch in Fällen, in denen, bei gröfserem räumlichen Abstande der beiden Objekte voneinander, völlig optimale Bewegung nicht entstand.

Ähnlich wie duale Teilbewegung an duale Ganzbewegung grenzt, wenn der Betrag der Teilbewegungen grols wird und sie sich berühren, grenzt auch Singularbewegung an eine Art dualer Ganzbewegung, bei der sich „ein Strich von der Anfangslage hinüberbewegt, dreht, am Ende lag ein anderer ruhig da“, eventuell: „lag der andere da bevor der erste ihn erreichte.“ Und umgekehrt: „ganz nah vom ersten ruhig bleibenden bewegt sich der andere durch das Feld in seine Endlage“ (vgl. $ 11, S. 209, wo mit verschiedenen Färbungen operiert wurde).

Die Form, in welcher sich Singularbewegung auch bei Dauerbeobachtung von Serienexpositionen am Tachistoskop (atbtatbtia) zeigte, war z. B. bei Anordnung zweier paralleler horizontaler Streifen in einem Abstande übereinander: „der obere tanzt, geht immer ein Stück hinauf und hinunter, der andere, untere, ist ruhig“ oder umgekehrt, der untere „tanzte“; im Gegensatz zu dualer Teilbewegung: „beide tanzen“. Bei solcher Art von Singularbewegung war diese an das eine Objekt ge- bunden; in anderen Fällen zeigte sich z. B. die Singularbewegung des relativen a: der obere Streifen zeigt kleine Bewegung nach abwärts, der untere nach aufwärts usf.

Es zeigten sich auch (besonders bei verkürzter Expositions- zeit) Singularbewegungen, bei denen das andere, an seinem Experimentelle Studien über das Schen von Bewegung. 201 Orte ruhige Objekt in bestimmter Weise angebbare Innenvor- gänge, Innenbewegung (s. $ 8) aufwies; im Winkelexperiment: a 2. B. zeigte Bewegung, Drehung in die Gegend von 30°, 5 (die Horizontale) Innenbewegung von rechts nach links zu, oder um- gekehrt; oder Entstehung von der Mitte aus zu den Enden zu. Hierdurch bestätigt sich nebenbei indirekt, was die obigen Er- scheinungen in aller Bestimmtheit direkt zeigten: dafs nämlich bei Singularbewegung nicht etwa blofs ein Nichtwissen darüber vorliegt, ob das andere Objekt sich bewegt habe resp. wie es dagewesen sei.

$ 10. Bewegungserscheinungen bezüglich eines Objekts ohne phänomenal gegebenen Bewegungszusammenhang mit dem zu- gehörigen a- (resp. b-)Objekte ergaben sich auch bei Einführung eines dritten Objektes (c) in eines der beiden Expositionsfelder, am besten in das zweite. Die Einfügung eines dritten Objektes ge- schieht hier zweckmäfsig nach Herstellung des für a5 gewünschten Stadiums mit Exposition von a5, zunächst ohne c; eventuelle Wirkungen der Überraschung, der Aufmerksamkeitsabsorption (vgl. S. 215) sind bei dem unwissentlichen Verfahren durch Gegen- experimente (s. S. 204) zu kontrollieren; zu variieren ist die Zeit- folge, die Stellung der Fixation, der Aufmerksamkeit (vgl. $ 11) und die hierbei ev. verwendete Vorexposition des einen oder des anderen Expositionsfeldes.

Man kann c so wählen, dafs einfach die Wirkungen zweier gleichzeitiger Sukzessivexpositionen (@:b, a:c) gegeben sind (vgl. hierzu S. 225); indem man z.B. zwei Linien db und c rechts und links von einer mittleren Linie « anordnet usf. Derartige Ver- suche, verschiedener Anordnung, zeigten aufser Erscheinungen, wie sie in $ 7, $ 9, $ 13 besprochen werden, die den Ergeb- nissen bei zwei Sukzessivobjekten entsprechenden Erscheinungen.

Man kann als c ein kleineres, andersartiges (anders gefärbtes, geformtes) Objekt verwenden und es an irgendeiner Stelle des Expositionsfeldes postieren: z. B. in das Feld der Bewegung ab (das Abstandsfeld) oder an dessen Peripherie oder seitwärts vom Bewegungsfeld oder ganz aulserhalb desselben, vor «a, hinter 5 Unter Umständen (besonders bei Fixation des Blicks und der Aufmerksamkeit auf solches c) ergab sich Ruhe von c, während die Bewegung «a b ungestört vor sich ging; oft aber resultierte bei 202 Max Wertheimer.

Ungestörtheit der Bewegung von aD eine kleine (Teil-)Bewegung von c, als eine Angelegenheit, die phänomenal nicht ac, sondern nur c für sich allein betraf; c ist phänomenal nicht mit «a ver- knüpft: es ist die Bewegung, ev. die optimalidentische Bewegung a«b da (diese beiden eng verknüpft), aufserdem, nebenbei, eine kleine Bewegung von c.

Bei solchen Experimenten ergaben sich gelegentlich Singular- bewegungen von c, die auf eine dynamische Wirkung von @ aus, statt von a aus deuten könnten: c zeigte nicht Bewegung in der Richtung, die sich aus ac ergibt, sondern z. B. einen kleinen Hinaus-Ruck, Hinweg-Ruck aus dem Bewegungsfelde von ab.

Diese Beobachtungen führten zu der Frage: lassen sich viel- leicht bestiminte Wirkungen eines y-Vorganges auf eine benach- barte Sukzessivexposition erzielen? Zwei Parallelstreifen in Ab- stand voneinander, z. B. a der obere, 5 der untere, wurden in einem Stadium zwischen dem optimalen Bewegungsstadium und dem Simultanstadium, in „schlechter Bewegung“ resp. „dualer Bewe- gung“ gegeben; sodann auf jedes der beiden Expositionsfelder je ein Schenkel (c, d) einer zu ab geöffneten Winkelanordnung eingefügt (siehe Fig. XXIV S. 265), c,d; so dals auf dem ersten Expositionsfelde a und c, auf dem zweiten b und d erschienen; ce d, für Bewegung durch den kleineren Abstand der Sukzessiv- objekte resp. die Winkellage (vgl. S. 211) begünstigt, waren unter den Expositionsverhältnissen, die für a d schlechte Bewegung gaben, zu optimalem Bewegungseindruck tauglich. In einer Reihe von Experimenten war die Aufmerksamkeit, sowohl bei der a 5 Expo- sition, als auch bei der ac-bd-Exposition auf die Mitte des Feldes zwischen «a5 (den beiden parallelen Streifen) gerichtet.

Zeigte a5 bei der Allein-Exposition der parallelen Streifen schlechte Bewegung (unvollkommene, duale usw.), so trat bei der Exposition ac bd in der Regel sofort gute, optimalidentische Be- wegung von ab ein. Dazu kam es auch in einigen Fällen, bei denen bei der Alleinexposition a db fast keine oder keine Bewegung zeigte.

Anmerkung. Es wurde so gewissermafsen ein „totes“ in ein „lebendes Intervall“ verwandelt. Nenne ich hier, in analogischer Verwendung eines Wortes neuerer Musikpsychologie ag b ein lebendes Intervall, ab ohne (resp. ohne optimales) y ein totee, so besagt das Experiment: durch das Danebengegebensein des lebenden Intervalls cd kann hier das tote « b (das in einem? gegeben war, das von selbst noch nicht zu (Jessen y-Erzielunz Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 203 tauglich war) zu einem „lebenden Intervall“ werden resp. ein unvollkommenes in ein vollkommenes verwandelt werden. Man könnte, ohne bei der Ver- schiedenheit der Gegebenheit irgend präjudizieren zu wollen, etwa an folgenden musikalischen Fall denken: c('/,), e('/,), d(K); fl), a('/d, g(!k) gibt zweimal ein Motiv; innerhalb der Motive sind die Intervalle als „lebende“ gegeben (das Motiv besteht aus der einheitlichen Bewegung des Hinauf des Terzschritts mit dem Hinab der Sekunde); das Intervall df aber, des Schlufstons des ersten Motivs und des Anfangstons des wieder- holten Motivs, ist beim unbefangenen Anhören der Melodie nicht ebenso phänomenal als Hinübergehen, als lebendiges Intervall, lebendiger Terz- schritt gegeben.

Im Falle einer Begleitung gerade von d f durch fa im Bals wird df leicht als lebender Intervallschritt imponieren, ja ev. mehr als es bei ce oder fa in den Motiven der Fall war. Und allgemeiner: „tote“ Intervalle können unter Umständen durch benachbarte lebende Intervalle zu lebenden werden (auch dann, wenn nicht mit solcher direkter Heraushebung operiert wird wie im obigen Beispiel (Basspausen) und wo nicht die Auffassung des Terzschritts des Simultansextklangs naheliegt).

Diese Andeutungen sollten nur die Ausdrücke „lebendes, totes Inter- vall“ und die Umwandlung des einen in das andere in einem analogischen Falle illustrieren; die Erforschung des psychologischen Wesens von Inter- vallschritten, des lebenden Intervallvorgangs, seiner Entstehung und seiner Gesetzmälsigkeiten ist eine Aufgabe für sich.

Zusammenfassung von a mit c, 5 mit d (Einheit von a c zuerst dd dann) könnte für die Begünstigung des Bewegungseindruckes in Anspruch genommen werden; trotz eines räumlichen Zwischen- raums zwischen a und c, 5 und d oder trotz desselben Effekts bei Verwendung z. B. zweier Kreise als « und d, Linien als c und d. In manchen Fällen entspräche dem auch die Beobachtung. In anderen Fällen dagegen war wenigstens phänomenal (und darum handelt es sich notwendig zuerst) keinerlei Zusammen- fassung vorhanden; ja öfters trat die, ab begünstigende, Wirkung ein, obwohl die Vp. über cd selbst nicht im Klaren war (s. $ 14): cd nur dunkel oder gar nicht erfalst hatte, im Bewulstsein blofs war: „es war noch irgend etwas da“ oder „es ging noch irgend etwas vor sich, was, ist nicht näher zu sagen.“ Man könnte ferner vermuten, dals die Wirkung des cd-Vorgangs auf «5b überhaupt blofs auf ein Minus der Aufmerksamkeit für ab zurückgehe: die Aufmerksamkeit werde durch das Auchdasein von cd, resp. des cd-Vorgangs, teilweise absorbiert und dadurch das Eintreten von ® für ab erleichtert. Hiergegen spricht aber, dals es im Gebiete der 9-Phaenomene durchaus nicht so einfach liegt, dafs ein Minus von Aufmerksamkeit etwa schlechthin die 204 Max Wertheimer.

204 Max Wertheimer.

bewegungserscheinung begünstige (vgl. $ 11). Aufserdem zeigten direkte Gegenversuche, bei denen die Aufmerksamkeit ebenso und mehr (von Nebenobjekten aulser « 5) absorbiert wurde, durch- aus nicht eine solche Begünstigung für den «a 5-Vorgang. (cd in Stellungen, die kein cyd ergeben z. B. weiteren Winkelraums; oder analoger Parallelstellung in Schräge zu «b; oder Anbringung von mehr als vier Objekten; oder Verwendung von cpd (resp. weiterer epf) anderer Stellung z. B. im analogen Abstand von ab, aber ihm mit dem Scheitel zugekehrt\. Es war dann im All- geineinen ab wohl weniger klar da, nicht aber nun in besserer Bewegung als bei der Alleinexposition des ab.

$ 11. Man kann die Aufgabe stellen, bei den Expositionen einen bestimmten Punkt zu fixieren; man kann ferner die Auf- gabe stellen, die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Ort des Expositionsfeldes zu konzentrieren! (das Zentrum der Aufmerk- samkeit auf einen bestimmten Ort richten, auf die Erscheinungen an diesem speziellen Orte von vornherein besonders achten).

Das kann so geschehen, dafs Fixation und Zentruin der Auf- merksamkeit auf einen und denselben Ort gerichtet wird, oder, bei einiger Übung, auch so, Jafs der Blick an einem, das Zentrum der Aufmerksamkeit an einem anderen Orte fixiert wird.” Im Winkelexperiment wird im ersteren Falle z. B. die Fixation auf len Ort des Scheitels eingestellt und zugleich die Aufmerksam- keit für Erscheinungen im Bereich dieses Ortes dahin konzentriert; im zweiten Falle z. B. zwar der Scheitel fixiert, die Aufmerksam- keit dabei aber anderswohin, z. B. weiter rechts in den Winkel- raum oder auf den Ort des oberen Endes der schrägen Linie gerichtet. Die Instruktion kann die Aufgabe anfangs verdeut- lichen: „fixieren Sie den Scheitel, aber achten Sie besonders dar- auf, was an dem Orte (einige Zentimeter darüber, am Orte) des oberen Endes der schrägen Linie da ist, geschieht, vor sich geht, so dafs Sie darüber genau berichten können.“ Später: „konzen- trieren Sie Ihre Aufmerksamkeit dauernd fest an dieser Stelle“ — ? Blickfixation erfordert i. A. schon selbst eine Beaufsichtigung durch die willkürliche Aufmerksamkeit, doch war es auch hier gut möglich, aufser- Jem «ie Aufmerksamkeit auf eine andere Stelle des Gesichtsfeldes — ja auf periphere Orte — zu konzentrieren.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 205 Dabei war das gesamte in Betracht kommende Feld nicht so grofs, dafs die übrigen relevanten Orte etwa, ganz aufmerksamkeits- peripher, nicht mehr deutlich im Bewulstsein gewesen wären Bei den tachistoskopischen Versuchen wurde zuerst ein-, zwei-, dreimal das eine der beiden Objekte (das eine der beiden Exposi- tionsfelder) allein exponiert, bis die Vp. den Fixationspunkt resp. den Ort der Aufmerksamkeit an dem bestimmten Orte des Ex- positionsfeldes festgelegt hatte; diese Vorexpositionen erfolgten in Zwischenzeiten je einer Raddrehung des Tachistoskoprades (genau: 360° des Radumfanges weniger den Graden des Bereichs der Expositionen s.S. 178), also in der Regel in Zwischenzeiten von etwa einer Sekunde oder etwas länger. Die Vp. zeigte an, wenn es ihr gelungen war, die Fixation und Aufmerksamkeitskonzen- tration auf die bestimmten Orte festzulegen, worauf dann sofort nach der letzten Vorexposition das Kommando „jetzt“ die nach einer Raddrehung folgende Gesamtexposition ankündete.

Aufserdem wurde bei Dauerbeobachtung von Serienexposi- tionen (at5 TatbTa) während der Beobachtung Stellung der Fixation resp. Richtung der Aufmerksamkeit variiert.

Zu diesen Versuchen ist einige Übung erforderlich; es wurde mit Leichterem begonnen, und schrittweise zu schwereren Aufgaben übergegangen; die Postierungen waren nach einiger vorgängiger Übung bald gut zu erzielen; zunächst Postierungen der Aufmerk- samkeit auf Orte, die durch Objektteile, resp. Merkzeichen besonders ausgezeichnet waren, dann auch ohne spezielle Hilfen, auf eine bestimmte Gegend des Expositionsfeldes. Im ersteren Falle wurde hier z. B. zunächst ein, beiden Objekten gemeinsamer Ort (Scheitel) oder auch ein drittes Objekt c verwendet, das selbst keine Be- wegung erlitt (s. $. 10); bei einiger Übung, die zuerst an Serien- expositionen vorgenommen wurde, zeigte es sich dann auch gut möglich, ohne solche Hilfen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Stellen des Expositionsfelds festzulegen; als Zwischenaufgabe konnte hier noch mit nicht absolut homogenem Hintergrund vorgegangen werden, wodurch örtliche Einstellung erleichtert ward.

Die Experimente erfolgten zumeist so, dals in bestimmter Versuchsanordnung (bestimmter Objektanordnung und bestimmten Expositionsverhältnissen) zuerst bei diffuser Aufmerksamkeit resp. ohne Aufgabe einer Postierung der Aufmerksamkeit ein Stadien- eindruck gegeben wurde (z. B. ein Stadieneindruck nahe über 206 Max Wertheimer.

206 Max Wertheimer.

dem optimalen, also duale, „schlechtere“, Ganzbewegung oder gröfsere Teilbewegung), dann mit Aufgaben bezüglich örtlicher Richtung des subjektiven Verhaltens vorgegangen wurde.

Ebenso in Umkehr und in Nachprüfung bei Veränderung der Aufmerksamkeitsstellung während Dauerbeobachtung mehr- fach nacheinander folgender Expositionen usw.

Solche Postierungen der Aufmerksamkeit und Fixation zeigten hinsichtlich der entstehenden Bewegungseindrücke in gewissem Bereiche Wirkungen.

Vorzüglich im Zwischengebiete zwischen den drei Haupt- stadien. Bei richtig optimaler Bewegung, bei nicht allzuweitem Abstand der Objekte voneinander, zeigte es sich i. A. nicht möglich, durch irgendwelche örtliche Stellungen der Aufmerksam- keit den optimalen Bewegungseindruck wesentlich zu tangieren, zu verschlechtern, zu ändern, zu vernichten. (Nahezu wie im extremen Stadium die Eindrücke ruhiger Simultaneität resp. Suk- zession.) Im Bereiche zwischen dem Stadium völlig optimaler Bewegung und dem der völligen Simultaneität (andererseits dem der völlig ruhigen Sukzession) spielte die Stellung der Aufmerk- samkeit eine wesentliche Rolle: gewisse Stellungen der Aufmerk- samkeit können qualitativ bestimmend, den Bewegungseindruck hbegünstigend, gewisse entgegengesetzt verschlechternd, ja ver- nichtend wirken.

Man könnte zunächst vermuten: der Bewegungseindruck, als Täuschung aufgefalst, wird durch solche Stellungen der Auf- merksamkeit, die auf den kritischesten Ort der Täuschung selbst gerichtet, die scharfe Beobachtung des Gegebenen an diesem Orte am meisten begünstigen, schlechthin benachteiligt werden müssen.

Dem ist nicht so. Es zeigte sich — bei verschiedenstem Vor- gehen, bei verschiedenen Objektanordnungen —, dals Stellung der Aufmerksamkeit im Abstandsraum (im Zwischen- raum zwischen den Objekten, im Winkelexperiment z. B. in Mitte des Winkelraumes), am zentralen Orte der „Täuschung“ also, den Bewegungseindruck nicht verschlechterte!, ja sogar begünstigte. So zwar, dals z.B. bei Darbietungen in einem Stadium über dem optimalen, wo sich ohne Aufgabe oder bei diffuser Aufmerksam- keit oder spezieller anderer Aufgabe (s. S. 207) ein Bewegungs- Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 207 eindruck schlechterer Art, z. B. duale Teilbewegung ergab, Stellung der Aufmerksamkeit in den Abstandsraum zwischen die Objekte sehr oft sofort ausgezeichnete optimal-identische Bewegung ergab oder ähnlich aus kleinen Teilbewegungen Ganz- bewegung entstand usw. Dabei blieb die Aufmerksamkeit während der Gesamtexposition auf diesen Ort konzentriert.!

Stellungen der Aufmerksamkeit auf den Ort des Endes, den Endteil von a resp. 5 (im Winkelexperiment; auf ein freies Schenkelende) zeigten: