1. Sie wirkten benachteiligend, verschlechternd für den zu- standekommenden Bewegungseindruck; nicht etwa in dem Sinne, dafs ein unklareres, unsichereres Erlebnis vorlag; sondern: war bei diffuser Aufmerksamkeit oder bei Beobachtung ohne bestimmte Aufgabe der Aufmerksamkeitsstellung oder auch bei Stellung der Aufmerksamkeit im Abstandsraum ein bestimmter Bewegungs- eindruck vorhanden, so ergab Stellung der Aufmerksamkeit auf das eine Objektende in der Regel einen vom optimalen entfernteren Stadieneindruck: die Bewegung war „schlechter“, dualer resp. statt Ganzbewegung nun Teilbewegung da, unter Umständen entstand Ruhe.
2. In einer ganzen Reihe von Fällen zeigte sich aber, dafs Teilbewegung eines der beiden Objekte erschien (Singular- bewegung), das andere ruhig, unberührt, blieb — und zwar nicht etwa, dals nun das weniger beachtete Objekt seine Teilbewegung vollführte, das in konzentrierte Aufmerksamkeit gestellte dagegen nun ruhig blieb, sondern vorzugsweise erschien z. B. bei Stellung der Aufmerksamkeit auf das Ende von a Teilbewegung von a; a vollführte eine Bewegung, 5 blieb deutlich, ruhig (ev. in „Innen- bewegung“).
3. Stellung der Aufmerksamkeit in das Bewegungsfeld, in den Abstandsraum, bewirkte in solchen Fällen i. a. dann wieder sofort gute Bewegung; erzielte den gleichen oder einen besseren Bewegungseindruck, wie die Beobachtung ohne besondere Stellung der Aufmerksamkeit; beim Winkelexperiment leistete dies ebenso wie die Stellung in den Winkelraum die Stellung der Aufmerk- samkeit auf den Scheitel.
4. Ähnliches ergab sich in einigen Fällen, in denen nicht 208 Max Wertheimer.
mit einer Aufgabe der Aufmerksamkeitsstellung, sondern mit Objektveränderung (in unwissentlichem Verfahren) vorgegangen war; z.B. Fig. XVIIb S. 265 (ein neues, drittes Objekt am Ende der Schrägen 5 angebracht) brachte den Effekt: „die Horizontale ruhig, die Schräge („kolossal lang!“ oder „mit einem neuen Stück“) hat sich in ihre Lage ein Stück aufwärts gedreht“; oder bei einer Anordnung zweier Streifen in rechtem Winkel (mit dem Ergebnis identischer Ganzbewegung), ergab, als der Vertikal- streifen in unwissentlichem Verfahren durch eine Quadratreihe (mit Lücken) ersetzt wurde: die vertikale Reihe! machte eine kleine Drehung (Singularbewegung).
5. Stellung der Aufmerksamkeit am Orte der Mitte eines der Schenkel bei den Winkelanordnungen zeigte sich günstiger für den Bewegungseindruck als die Stellung‘ auf das äulfsere Ende; änderte z.B. Stellung in Mitte des Schenkels noch nichts am Bewegungseindruck, so wirkte Stellung ans Ende schon ver- schlechternd; und umgekehrt wurde ein Bewegungseindruck, wie er bei Stellung ans Ende resultierte, durch Stellung in die Mitte etwas verbessert. Allgemein schien die Aufmerksamkeitsstellung, je näher sie dem Scheitel zu postiert war resp. je näher sie dem anderen Objekte war, desto günstigere Beeinflussung bezüglich des Bewegungseindruckes zu ergeben.
6. Solche Postierungen der Aufmerksamkeit auf das Ende des einen Schenkels zeigten auch gelegentlich Verschlechterungen des Bewegungsvorgangs im Sinne einer Verflachung der Be- wegungskurve. Unter Bewegungs(rand)kurve ist hier nicht etwa Gestaltung einer subjektiv ergänzten Grenzlinie zu verstehen, sondern die Art der Begrenztheit des aktuellen Bewegungsfeldes: statt der bezüglich ihres Randverlaufes als konvex begrenzte beschreibbaren Drehung erschien eine flachere, mehr geradlinige, N x “ Gelegentlich auch dieses wieder N bei Experimenten, bei denen nicht mit Aufgabe einer Aufmerk- samkeitsstellung, sondern mit Objektveränderung in unwissent- lichem Verfahren vorgegangen wurde, z. B. erschien bei Ersatz des Vertikalstreifens im Winkelexperimente durch die Quadrat- reihe die Bewegung nun flacher oder konkar.
[Eine andere Kurvenerscheinung noch ergab sich bei dem ja konkave.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 209 Ersatz des Horizontalstreifens durch eine Quadratreihe (s. Fig. XVII S. 264): a der Vertikalstreifen und 5 die horizontale aus vier Quadraten bestehende Quadratreihe hatten gute Volldrehung um 90° ergeben; nun wurde die Aufmerksamkeit auf die Vertikale (oberes Drittel) gestellt, und es hatte sich Drehung, aber bis zum dritten Horizontalquadrat nur gezeigt / ‚ die sich bei nunmehriger Stufenverkürzung von # in immer enger begrenzte Bewegung wandelte, Bewegung, die nur zum zweiten, schliefslich zum ersten Quadrat führte.]
7. Es war 8 7 erwähnt, wie sich das Phänomen der Teil- bewegung bei Verwendung zweier verschiedener Färbungen der Objekte zeigte; auch zu Singularbewegungen (8 9) war es ge- kommen. Analog wie bei den anderen Versuchsanordnungen wurde auch hier mit Aufmerksamkeitsstellungen vorgegangen.
Als a wurde z. B. ein roter horizontaler Streifen (z. B. 1,5 mal 7 cm) exponiert, als 5 ein ebensolcher blauer oder grüner oder weilser Streifen, z. B. 5 cm tiefer liegend, in einem Stadium, das einen Eindruck nahe über dem optimalen darstellte (s. oben 88 6, 7). Ebenso bei Winkelanordnungen und Schrägstellungen der beiden Streifen. Die Aufmerksamkeit wurde nun auf einen der beiden Streifen konzentriert, mit Hilfe von Vorexpositionen des einen Streifens allein oder ohne solche Hilfe oder bei Dauer- beobachtung von Serienexpositionen während der Beobachtung. Im allgemeinen so, dals Fixationspunkt und Ort der Aufmerk- samkeit zusammenfiel, aber auch mit differenter Postierung der beiden (dieses am leichtesten wieder bei Winkelanordnung und Fixation des Scheitels, Richtung der Aufmerksamkeit aber auf einen der beiden Striche).
Es zeigte sich in der Regel, dals nun derjenige Streifen, auf dessen Ort die Aufmerksamkeit gerichtet war, eine Bewegung vollführte, der andere von der Bewegung unberührt, ruhig war: z. B. die Aufmerksamkeit war im obigen Experimente auf den unteren, blauen Streifen gestellt worden: „der rote lag ruhig da, von einer Lage etwas unter ihm bewegte sich der blaue klar und deutlich in seine Lage hinunter“. Ebenso umgekehrt bei Stellung der Aufmerksamıkeit auf den roten Streifen: „der rote Zeitschrift für Psychologie 61. 14 210 Max Wertheimer.
bewegte sich ein Stück abwärts, der blaue trat unten ruhig in seiner Lage auf“.
Wieder konnte hier (vgl. 89) ein verschiedenes Ausmafs der Bewegung erscheinen: hatte zunächst (ohne Aufgabe) ein höheres Stadium resultiert (z. B. eine kleinere duale Bewegung), so kam es hier gelegentlich zu Singularbewegung des betreffenden Streifens in kleinerem Ausmalse; ähnlich bei Verkürzung der Zwischenzeit? bei bleibender Stellung der Aufmerksamkeit. War ein dem optimalen ganz nahes Stadium gegeben, so kam es ev. zu entsprechender Singularbewegung nahezu über das ganze Feld, nahe, ja bis zum anderen, ruhig daliegenden Objekte: z.B. „der rote bewegte sich von seiner Anfangslage bis knapp zum blauen, der ruhig dalag“ und umgekehrt: „der rote blieb ruhig, von knapp unter ihm bewegte sich der blaue in seine Endlage hinunter“.
Analoges ergab sich bei anderen Anordnungen und auch bei Verwendung verschieden geformter Objekte (z. B. eines Kurvenstückes als a, zweier Quadrate als D).
So konnte erzielt werden, dafs in gesetzmälsiger Weise das eine oder das andere zweier verschieden gefürbter Objekte als Träger einer Bewegung erschien.
Bei all solchen Experimenten ist natürlich auf die gewählten iöxpositionsverhältnisse, resp. auf die Normaleindrücke, in Ver- gleich zu welchen man Wirkungen der Aufmerksamkeitsstellungen prüft, wohl zu achten; operiert man z. B. mit wirklich optimalen Expositionsverhältnissen, so braucht es zu keinerlei Wirkung zu kommen; ebenso wenn starke Einstellung in bestimmten - Sinn vorhanden ist (s. S. 194 u.a.); es ist daher auf die Auf- einanderfolge der Experimente wegen der qualitativ bestimmenden Nachwirkungen (vgl. S.218) wohl Bedacht zu nehmen. Überdies ist naturgemäfs die Konzentration der Aufmerksamkeit nicht immer gleich intensiv. Wegen der Einstellungswirkungen und der eventuellen Inkonstanz der Aufmerksamkeit bei längerer Beob- achtung ist erforderlich, alle Probleme in erster Linie bei ein- maliger Exposition zu prüfen, bei guter Übung der Vpn. in Versuchen einer örtlichen Konzentrierung der Aufmerksamkeit. Schliefslich ist zu beachten, dafs Aufmerksamkeitskonzentration auf einen bestimmten Ort oder Bereich etwas anderes ist als 7. B. Herausfassen, subjektives Hervorheben der Abstandsfigur Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 211 oder der Objektkontur; die Einstellung auf das Konturerfassen, -herausheben scheint bei schlechthin optimaler Bewegung bezüg- lich der Abstandsraumfigur (z. B. das innere Dreieck der Schräg- winkelanordnung, die Winkelflächengestalt oder das innere Oblon- gum der Parallelenanordnung) oder der Scheitelrandkonturen (z. B. das Kreuz im Scheitel, der äufsere rechte Winkel im Scheitel) oft schlechthin unmöglich; abgesehen davon scheint der Konturenfaktor (das Herausfassen der obigen Figuren resp. der Konturen eines Objekts) gegen den Bewegungseindruck zu wirken, im Sinne der Vernichtung, ev. der Verschlechterung des Bewegungseindrucks, im Sinne der Erzeugung eines vom opti- malen entfernteren Stadieneindrucks resp. der Ruhe. In ähnlichem Sinne wirkt auch Herausfassen eines Scheitelabstands (bei Winkel- anordnung ohne Scheitelvereinigung),d.h. Erfassenwollen und Her- vortretenlassen des Abstands zwischen den Scheitelenden zweier Linien; damit hängt wohl auch zusammen, dafs allgemein Dar- bietung von zwei im Scheitel vereinigten Schenkellinien günstiger scheint als Darbietung bei fehlendem Scheitel resp. fehlender Scheitelgegend der Schenkel.
Die Begünstigung für Entstehung des Bewegungseindruckes durch die Stellung der Aufmerksamkeit in den Abstandsraum, den Winkelraum, zeigte sich schliefslich auch anders noch bei Experimenten, in denen zwei Möglichkeiten der Entstehung von Bewegungseindrücken gegeben waren; so z. B. bei der Anordnung Fig. XXV S. 265, der kürzeren vertikalen a-Linie auf der Mitte der längeren horizontalen b-Linie: Stellung der Aufmerksamkeit im Winkelraum links ergab Bevorzugung der Linksdrehung, rechts Rechtsdrehung, d. Ih. Drehung vorzüglich in jenem Winkel- raume, in dem die Aufmerksamkeit postiert war, sei es, dafs nur lie eine Bewegung vorhanden war, sei es, dafs sie ungleich stärker vorhanden war (vgl. SS 14, 16). So auch noch bei einiger Schrägstellung von a. Und ähnlich bei anderen Anordnungen.
:k ’k °F Bezüglich zweier Möglichkeiten sei erwähnt: wollte man die begünstigende Wirkung der Stellung der Aufmerksamkeit in den 212 Max Wertheimer.
Winkelraum dadurch erklären, dafs die beiden Objekte in diesem Falleaufmerksamkeitsperipherer wären, indem man voraus- setzen würde, dafs den Bewegungstäuschungen Entferntheit des Aufmerksamkeitszentrums von den Objekten schlechthin günstig sei, so ist zu bedenken, dals die Ergebnisse der Aufmerksamkeits- stellung auf „ins der Objekte dem strikt widersprechen — bei diesen wäre dann Singularbewegung des aufmerksamkeitsperi- pheren Objekts zu erwarten —; ferner, dals die Stellung der Aufmerksamkeit im Abstandsraum für den Bewegungseindruck sich günstiger erwies als etwa ganz periphere Stellung der Auf- merksamkeit, seitlich, über, unter den Objekten; schliefslich, dafs Stellung im Winkelraum näher zwischen a und 5, näher zum Scheitel, günstiger schien als ferner. Wollte man zweitens mit einer Begünstigung dadurch rechnen, dafs die Bewegungserscheinung leichter eintritt, wenn ein Aufmerksamkeitshinübergang der- selben Richtung erleichtert sei, so wäre neben anderem zu bemerken, dafs ein beobachtbarer Hinübergang der Auf- merksamkeit, in dem hier gebrauchten Sinn der örtlichen Kon- zentration nicht notwendig stattfand, sondern die Aufmerksamkeit an der betreffenden Stelle, auf die sie postiert war, ruhig kon- zentriert zu bleiben schien (vgl. S. 244).
Es scheint vielmehr, dals die Ergebnisse zu dem Allgemeinen führten: Das Auftreten von 9 ist i. A. dort, wo ein Plus von Aufmerksamkeit gestellt ist, begünstigt.
$ 12. Ich sagte in $ 5: „Zuerst wird a gesehen, zuletzt Ö, dazwischen war die Bewegung von a nach 5 gesehen.“ Das ent- sprach in einfacher Weise der Formulierung S. 169: die Wahr- nehmungen a und 5 sind da, dazwischen hinzutretend 9. Ist das immer so oder gibt es vielleicht Fälle, in denen der g-Cha- rakter des Hinübergehens, des Sichbewegens auch eine der beiden „fundierenden“ Gegebenheiten (völlig) erfalst? Wie das Hin- übergehen, das Sichbewegen etwas anderes ist (vgl. $ 16) als das Sich-nacheinander- in- aufeinanderfolgenden-Lagen- befinden, so ist auch der Fall: „a ist da an seinem Anfangsorte und bewegt sich dann“ etwas anderes als „a ist selbst gar nicht als Anfangslage! dagewesen“, nicht als in einer Lage befind- liches Objekt wahrgenommen worden, sondern gleich schon als ‘im prägnant psychologischen Sinn.
Experimentelle Studien über dus Sehen von Bewegung. 213 von Bewegung ergriffenes; nicht „in seiner Lage seiendes“, sondern „die Bewegung beginnendes“; a war nicht als in einer „Lage“ wahrgenommen, sondern als bewegtes. Die Konstatierung dieses Gegensatzes des Sehens eines Bewegten zur Wahrnehmung eines Objekts „in einer Lage“ ist keine Übertreibung subtiler Differenzierung, sondern diese zwei Dinge sind im Erlebnis grob zweierlei; theoretisch relevant, indem im ersteren Falle das eine „fundierende“ Element nicht mehr wie in normaler Weise als ein „in bestimmter Lage befindliches* Objekt wahrgenommen ist, sondern schon im Charakter des Gehenden, sich Bewegenden: es ist nicht a 9 5 dagewesen, sondern a schon vom 9 erfalst, ap b. Und analog a ob.
Solche Eindrücke ergaben sich mehrfach; zu ihrem Zustande- kommen schien ein Verkürzen der Expositionszeit des einen Reizes gegenüber der des anderen günstig.
Es gibt auch Fälle — und hier zeigt sich jene Unterscheidung in einfachster Art — bei denen der g-Charakter beide Objekte ergreift (Ya).
Operiertt man mit Dauerbeobachtung in Serienexposition ababab...!, wo die Bewegung von a nach 5 und von db nach a zurück usf., im Hin und Her, stattfindet, so zeigte sich bei nicht allzulangen Expositionszeiten «, ß: es ist nicht mehr wechselnd einmal die a-Lage, einmal die b-Lage da und dazwischen die Hin- und Rückbewegung (oder Drehung), sondern das Objekt bewegt sich hin und her, ohne dafs es in Anfangs- resp. Endlage, den äufsersten Lagen, mehr „befindlich“ wäre als innerhalb der Bewegung selbst, man kann nicht sagen „ich habe es in der, in jener Lage sich befinden gesehen“; es ist in den extremen Orten nicht weniger als „bewegtes“ dagewesen als in den mittleren. Dieses Erlebnis unterscheidet sich von dem der Wahrnehmung eines Objekts als in einer Lage befindlich; es wird nicht a, b und Bewegung gesehen, sondern schlechterdings nur Bewegtes.
— Umgekehrt ergibt sich manchmal als Stadienphänomen beim Übergange vom optimalen Bewegungseindruck zum Simultan- oder Sukzessivruhestadium hin, dafs „die Lagen sich betonen“: - Es ist bei solchen Serienexpositionen, wo nicht eine Reihe ab Ex- positionen in kleineren oder gröfseren Pausen, sondern atbtatbta...eXPO- niert werden, natürlich auf symmetrische Anordnung der Tachistoskop- schlitze zu achten.
914 Max Wertheimer.
war im optimalen überall gleichmäfsiges Hin und Her gesehen, so tritt nun beim Verkürzen resp. Verlängern der t Betonung der Lagen auf: die Anfangs- und Endlage tritt als solche, oft plötz- lich, hervor, es ist nun ein Bewegen von einer Lage ausin eine andere und daranschlielsend bald ein höherer Stadieneindruck, duale Bewegung, Teilbewegung, Ruhe. Auch dieses Betonen! der Lagen (vgl. 88 7, 11 S. 211) zeigt sich als ein dem Bewegungs- eindruck entgegenwirkender Faktor; tritt es z. B. bei einer Ex- position auf, die in ihren Zeitverhältnissen zuerst Ganzbewegung oder Teilbewegung ergab, so kann es nun zu kleinerer Teil- bewegung oder Ruhe kommen.
Dieser Unterschied des „Sich-befindens“ resp. der „betonten Lage“ und der Bewegung berührt auch die spezifische Er- scheinungsweise des „Einschnappens“ resp. des „Anfangs- und Endrucks“: „mit einem Ruck beginnt von «a aus die Bewegung, mit einem Ruck endet sie in der Endlage“, „der allererste Anfangsteill der Bewegung und der letzte sind ein stärkeres abruptes, energisches Losgehen von der Lage a und Ein- schnappen in die Endlage.“ So hatten sich — im Extrem — zwei Formen gezeigt: a b mit dem g-Vorgange dazwischen (vgl. auch $ 16) und hier ga so verschmolzen, dafs a und 5 nicht mehr als aus dem Ganzen abzusondernde, sich irgendwie aus dem Vorgang heraushebende Data gegeben waren.
Nicht direkt zu Lagenerscheinungen, wenn auch zu ähn- lichem führten manchmal die Beobachtungen an Teilbewegungen. Teilbewegungen bestimmteren Bereichs unterschieden sich von R solchen, die ins Unbestimmte gehen; z. B. im Winkelexperiment: die Vertikale a drehte sich aus ihrer Lage in die Lage a, (eigentlich in die Gegend a,), die Horizon- tale aus der Lage b, in die Horizontallage;; im Gegensatze zu den Fällen, wo Drehung von der Vertikallage aus ge- wissermalsen ins Unbestimmte gegeben ist (vgl. $ 16) und ebenso Drehung aus dem Mittelraum zur Horizontallage.
Gilt das hier von einer subjektiv bedingten Betonung der Lagen, so gilt das auch analog bei äufseren Versuchsbedingungen, die eine besonders plötzliche Betonung der Lagen bewirken, so scheinen z. B. sehr intensive, blitzartige Reize u. U. in analoger Weise ungünstig.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 215 & 13. Es ist bekannt, dafs bei tachistoskopischen Experi- menten! gelegentlich nicht alles, was exponiert ist, gesehen wird: exponierte Objekte oder Teile von ihnen sind für die Beobach- tung nicht dagewesen; diese Tatsache ist in der Literatur zur Psychologie des Lesens verzeichnet und diskutiert worden und wurde auch mit Erfolg in Gradstufen differenziert.” Ich rekur- riere auf solche Fälle, die auch bei den hier behandelten Sukzessivexpositionen vorkamen, und zwar hauptsächlich auf jene der extremen Form: für die Beobachtung war z. B. das eine der beiden Objekte in keinem Sinn vorhanden und der Be- obachter überzeugt, dafs diesmal (wie es öfters wirklich geschah), nur ein Objekt exponiert war.
Solche Vorkommnisse wurden im Bereiche der qualitativen Probleme wichtig; es kam allgemein in Betracht: 1. Es wurde überhaupt nichts von den Objekten wahrgenommen; 2. Eines der zwei Objekte wurde nicht wahrgenommen; vgl.
3. Teile, Stücke von Objekten wurden überhaupt nicht oder später wahrgenommen; diese letzteren Fälle berühren sich mit den Tatsachen des $8 in dem Sinne, dals z.B. von der Verti- kalen im Winkelexperiment einmal der obere Teil früher da war als der untere, ein anderesmal nur dies obere Stück gesehen war.
* Hier sei noch eine Erscheinung erwähnt, die in gewisser Analogie zu einzelnen Befunden bei tachistoskopischen Er- kennungsversuchen (vgl. A. J. SchuLtz: Untersuchungen über die Wirkung gleicher Reize auf die Auffassung bei momentaner Exposition, Zeitschr. f. Psychol. I, 52, S. 245), relativ selten, nur bei Vp. I und mir gelegentlich auftrat und zwar vorzugsweise bei Dauerbeobachtungen ganz nahe beim Simultanstadium: dieVerlagerung. Eswar z.B. Fig. XVla (90°) in sehr kurzer Expositionszeit, Simultanstadium, in Dauerbeobachtung gegeben, plötzlich einmal wurde der Teil der Vertikalen a, der an die Horizontale grenzt, nicht gesehen oder die Vertikale ganz, aber ı Vgl. Scuumann, II. Kongr. f. exp. Psych., S. 167. Leipzig, 1%. ® Daselbst.
216 Max Wertheimer.
höher, in einem Abstande von der Horizontalen; oder einmal die Vertikale nicht am Ende der Horizontalen, sondern seitlich über einem anderen Punkte der Horizontalen gesehen; analog einmal plötz- lich als; oder auch | als _\, und D D = als = (einmal in „gescherter“ Lage) gesehen; 00000 oooon so auch bei Bewegungseindrücken: die objektiv Vertikale war nicht vorhanden, statt dessen Drehung aus einer etwas schrägen Anfangslage. (Die letztere Erscheinung berührt sich wieder mit Erscheinungen der Singularbewegung S. 214.)
Diese seltenen, doch klar konstatierten Vorkommnisse sind ein Problem für sich '!; sie scheinen mit zentralen Bedingungen der Auffassung zusammenzuhängen; sie sollen gelegentlich folgen- der Raumauffassungsuntersuchungen speziell behandelt werden (vgl. 8. 262 unten).
$ 14. Im Sinne der S. 186 angeführten These I wäre zu sagen: p baut sich auf a und db, den sachlich primären, den g-Eindruck fundierenden Gegebenheiten auf. Wie immer diese beiden ge- geben seien: gesondert oder im ganzen apb verschmolzen — müssen die Eindrücke a und d, die Wahrnehmungen der zwei Objekte, wirklich vorhanden sein, wenn der Bewegungseindruck resultieren soll?
1. Ich beziehe mich auf die Fälle des $ 13, 2; die Winkel- anordnung z. B. a vertikal 5 horizontal war in zeitlichen Ver- I Wie ich nach Fertigstellung dieser Arbeit erfahre, wurde von psy- chiatrischer Seite bezüglich gewisser pathologischer Fälle die These einer kortikal bedingten Metamorphopsie aufgestellt (Pörzı).
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 217 hältnissen optimaler (oder dualer) Ganzbewegung gegeben; nun ergab sich, dafs die Vp. eines der beiden Objekte überhaupt nicht sah. Im extremsten Sinne; die Vp. hatte in solchen Fällen keine Ahnung, dals eine Vertikale wirklich exponiert worden war; es war ja öfters im Verlaufe der Experimente auch mit zwischen- geschobenen Einzelexpositionen nur eines Objekts operiert worden (zu verschiedenen Zwecken: um Vexierexpositionen zu haben und im Dienst spezieller Aufgaben vgl. $ 11) und so hatte dıe Vp. mehrfach auch in diesen Fällen der Meinung Ausdruck ge- geben: diesmal ist nur eines exponiert worden; das andere, nicht gesehene Objekt, sei in Wirklichkeit diesmal nicht exponiert worden; es sei inzwischen — wie das öfters wirklich geschehen war — weggenommen worden.
Und das andere, gesehene Objekt? Aus der These — 9 fun- diert sich auf den wahrgenommenen a und 5b — mülste folgen: es kann nun hier nicht zu einem g-Eindrucke kommen; das andere Objekt wird ruhig wahrgenomnien.
Es ergaben sich im Verlaufe der Experimente mehrfach solche Fälle, in denen das eine der beiden exponierten Objekte schlechthin nicht gesehen wurde, auch nicht vorstellungsmälsig da war, und die Vp. urteilte, es sei nur eines exponiert; be- züglich des anderen, wahrgenommenen, war 9, eine Bewegung sinnlich klar da, von seiner Lage aus (a) oder zu seiner Endlage hin (d). Z.B. a die Vertikale, 5 die Horizontale (im Bewegungs- stadium); a psychisch nicht da; db vollführt eine Teilbewegung, z. B. bezüglich des 5 ist eine 9-Drehung von der Gegend von 45° zur Horizontallage vorhanden; so grölseren oder kleineren Umfangs, bis zu: b zeigte eine kleine Bewegung (vgl. S. 193).
[Einigemal stellte sich ein solches Resultat auch bei un- wissentlicher einseitiger Verkürzung der Expositionszeit eines Objekts, auch bei einseitiger Herabsetzung der Helligkeit des einen Expositionsfelds ein.]
Wesentlich ist: bei Zustandekommen dieses (Teil-)p war das andere Objekt nicht gesehen, für die Beobachtung nicht gegeben, auch nicht als Vorstellung; 9 war nicht von der Lage des nicht gesehenen a ausgegangen, sondern erst z. B. von der Gegend von 45° oder noch weiter (analog bezüglich D).
Nun war etwa ein solcher Fall beim Winkelexperiment Fig. X VIa (90°) eingetreten, der Beobachter sagte „es war eine kleine aber klare Bewegung zu der vertikalstehenden Linie da, von rechts, 218 Mur Wertheimer.
Drehung um zirka 40°, es war nichts anderes da, die Horizontale? müssen Sie weggenommen haben“; nun veränderte ich sofort, ohne Wissen der Vp. die Anordnung, nahm wirklich die Horizontale fort, so dals nurmehr die Vertikale da war, bei der Exposition zeigte sich nocheinmal dasselbe Resultat: nur die Vertikale da, mit Bewegung.
Durch Einstellungswirkungen liefsen sich nun in gesetz- mälsiger Weise solche t-Phänomene erzielen, bei denen auch objektiv nur ein Objekt gegeben war. Z. B. die Winkel- anordnung, a die Vertikale, db die Horizontale wurde in gutem Bewegungsstadium mehrmals hintereinander in kurzen Pausen von 1 bis 5 Sek. gegeben; ohne Wissen der Vp. wurde nun in einer der Pausen die Vertikale weggenommen (oder das Expositions- feld A verdeckt); es ergab sich in den weiteren zwei oder drei Experimenten nun Vorhandensein nur eines Objekts, kleinere Bewegung, Drehung in die Horizontale, bei der ersten solchen Exposition etwa von der Gegend von 45°, bei der zweiten kleineren Umfangs, bis erst die dritte oder die vierte Exposition völlige Ruhe brachte.
Auch diese Erscheinung kann wohl keine blofse Urteils- täuschung darstellen (vgl. $ 20), sie zeigte sich bei unwissentlichem wie bei wissentlichem Verfahren, zwangsmälsig und klar be- obachtbar.
Diese eindeutige, gesetzmälsige Einstellungswirkung, quanti- tativ melsbar, ergab sich bei Experimenten verschiedener Varia- tion: war ab in einem Bewegungsstadium mehrmals in kurzen Pausen hintereinander gegeben und wurde nun (in unwissent- lichem oder in wissentlichem Verfahren) a oder d allein expo- niert, so resultierte nun bezüglich des einen Okjekts eine Be- wegungserscheinung und zwar kleineren Umfanges, die bei folgenden Alleinexpositionen sukzessiv kleiner wurde bis erst bei der dritten, vierten, manchmal erst bei der fünften Exposition völlige Ruhe erschien.
Einstellungswirkung für Y-Phänomene in einem bestimmten Felde zeigte sich auch in einfacher Weise in folgenden Experi- menten: ich gab eine horizontale längere Linie als das eine Ob- jekt, eine auf ihrer Mitte stehende Linie als das andere, z. B.
J /.; stand die mittlere Linie schräg nach rechts geneigt I SOREBRRRETEND ANEERIEEN Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 219 — etwa 20° bis 80° — so erfolgte unter den gegebenen Ex- positionsverhältnissen (! = ca. 70 0) unter normalen Umständen, d. h. bei Exposition ohne vorhergehende einstellende Expositionen Ä Drehung nach rechts, also im Sinne des kleineren Winkelabstands; war die Linie schräg nach links geneigt — in Wurden nun nacheinander Expositionen gegeben, derart dals sukzessive a zuerst schräg nach rechts in z. B. 30° dann 40°, 50° usf. exponiert war, so konnte weitüber 90’ hinausgegangen werden ohne dafs ein Umschlagen der Richtung erfolgte d. h.
z. B. die Stellung in 120° erzeugte noch N Drehung nach rechts, über die längere Strecke, den grölseren Winkelabstand hin.
Ist man so auf eine bestimmte Richtung resp. Drehung auf einer Seite eingestellt, so strengt man sich oft vergeblich an, selbst bei sehr ungünstiger Lage die Drehung nach dieser Seite hin loszuwerden, es hilft nichts, oft erst bei äufserst ungünstiger Lage in z. B. 160°! schlägt die Erscheinung um. Die Stärke dieser Einstellungswirkung zeigte sich etwas individuell verschieden und von der Zahl der einstellenden Versuche abhängig; sie erwies sich als gesetzmäfsig und in einfacher Weise mefsbar: ich brachte a drehbar an und experimentierte schrittweite im Vorgehen von links nach rechts und von rechts nach links; das Umschlagen fand in mehreren Versuchsreihen bei Vp. I bei ca. 160° statt, bei Vp. I bei ca. 130°, doch konnten auch stärkere Einstellungswir- kungen (bis 175°) erzielt werden.
Mit anderen Worten: mehrfach dagewesenes p in einem be- stimmten Bewegungsfelde prädisponiert i. A. zu Entstehung von p bei Sukzessivexpositionen in diesem Felde, so dafs selbst unter ungünstigen Umständen ein g gegeben ist, das ohne vorhergehende Einstellung nicht zustande kommen würde.
Aufser den Bewegungen des einen nun allein exponierten Ob- jekts 8. 218 kämen noch gelegentliche Erscheinungen in Be- tracht, wo ohne vorhergehende Einstellung z. B. nichts von Objekten überhaupt wahrgenommen wurde, und dem Beobachter 220 Max Wertheimer.
sich ergab: „nichts war da als eine starke Drehung (richtiger Richtung gezeigt); was da war, weils ich nicht, von Objekten habe ich nichts gesehen“ (s. auch S. 226).!
8 1ö. Gegenüber gewissen theoretischen Möglichkeiten ist es von Belang, dafs sich ergab: 1. Auch bei langer Expositionszeit «, $ — z. B. von 2 Sek. — können bei Einstellung s. S. 195 resp. bei günstigen Aufmerksam- keitsbedingungen (s. $ 11) Bewegungseindrücke eintreten.
2. Auch bei Formung der Expositionsschlitze am Tachistoskop der Art Fig. XXVI 2, 3 und sogar 4, S. 265, bei denen also ein zeitliches Übereinandergreifen der beiden Expositionen stattfindet, resp. auch ab zeitlich gemeinsam exponiert wurden, traten klare Bewegungseindrücke, im Sinne des $ 7, auf.
3. Die Bewegungserscheinungen, auch optimale Ganzbe- wegungen, zeigten sich bei Dauerbeobachtung öfters auch, wenn am Schieber die beiden fixen Schlitzstriche selbst sichtbar waren? (die dem Beobachter zugewandte fixe Scheibe des Schiebers also nicht so im Dunkeln war, dafs ohne Exposition die beiden Schlitzstriche nicht gesehen werden konnten): von dem einen zum anderen bewegte sich der helle Strich.
Analog bei Expositionen (s. Schieber Nr. XII), wo a auch zugleich mit d, in anderer Farbe, gegeben war; an Stelle des a sah man den Strich, bald rot, bald blau, zwischen der Lage a und 5b bewegte sich der rote hinüber und herüber. (Und ähnlich — komplexer — bei beiderseits gleichzeitiger verschiedener Fär- bung.)
4. In anderer Richtung prinzipiell bedeutsam ist, dafs die Bewegungserscheinungen auch zustande kommen, wenn dem einen Auge das eine, dem anderen Auge das andere Objekt gegeben wurde? (auch bei gemeinsamem Fixationspunkt).
ı Ähnliches ergab sich bei Experimenten einer besonderen Anordnung, hei denen ohne vorhergehende Einstellung nur ein Objekt (b) verwendet wurde, statt des anderen eine untermerkliche Veränderung (an äulseren Orten) des anderen Gesichtefeldes; ähnliches bei Versuchen mit Herab- setzung zweier Reize zur Untermerklichkeit; beide Versuchsarten greifen auf weitere, komplizierende Probleme über und sollen erst im Zusammenhang ınit diesen ihre eingehende Behandlung und experimentellen Ausbau finden.
® Diese blieben ruhig. Ähnlich ein ganzer ornamentierter Grund.
3 Diese Tatsache der haploskopischen Bewegungserscheinung hat schon ein Experiment Exners (Binokularstroboskop, Biol. Zentralbl. 8) konstatiert.
Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 221 Es bestätigte sich dies hier in verschiedenen Anordnungen: 1. bei Betrachtung der tachistoskopischen Expositionen durch zwei Röhren, die so angebracht waren, dafs dem einen Auge nur die eine Exposition gegeben wurde, dem anderen die andere.
2. Bei Stellung eines Schirmes zwischen die Schieberschlitze, so dals dem linken Auge nur der linke, dem rechten der rechte sichtbar war.
3. In einer weniger exakten aber sehr einfachen Weise kann man sich diese Tatsache jederzeit vor Augen führen: lehnt man den Kopf z. B. gegen einen stehenden Buchdeckel, so dafs die Gesichtsfelder der beiden Augen getrennt werden, legt nun rechts und links etwa ein Stäbchen in nicht ganz symmetrischen Lagen und fixiert binokular einen gemeinsamen Punkt, so ergibt sich bei rhythmisch abwechselnden Verdecken je eines Auges sehr bald die Bewegung des Stäbchens. (Da beim Sehen naher körperlicher Gegenstände die Gesichtsfelder beider Augen schon erheblich verschieden sind, so kann man ebenso durch alter- nierende monokulare Betrachtung Bewegung, Woackeln usw. bei allerlei Gegenständen erzielen. Dasselbe kann man mit zwei Fingern so anstellen, dafs die Doppelbilder Bewegung zeigen.') Bequemer noch ist es, wenn ıman eine Stellung vor einem Spiegel einnimmt, die Verschiedenheit der Gesichtsfelder bringt. Schliefs- lich zeigt sich die Erscheinung bei einer einfachen Spiegel- haploskopvorrichtung: man stellt zwei Spiegel, im Winkel gegen- einander, die Scheitellinie der Spiegel beim Nasenrand, so auf, dals das eine Auge nur in den einen, das andere nur in den anderen sieht; gegenüber den Spiegeln stehen Schirme, auf denen man nun je ein Objekt anbringt, usf.
8 16. Was ist psychisch im Bewegungsfelde gegeben? Die 8. 186 augeführte These sagte: die Zwischenlagen des Objekts werden subjektiv ergänzt. (Man könnte auch den apriorischen Satz heranziehen, Bewegung sei nicht denkbar, ohne dafs sich ein Gegenstand, Objekt, Sehding bewegt.)
Gäbe es nur völlig optimale Bewegung in dem Sinne, dals ein Objekt sich klar und deutlich von der Anfangslage durch das Feld in die Endlage bewegt resp. dreht, so wäre diese Be- hauptung ohne weiteres durchführbar.
222 Max Wertheimer.
Aber es zeigte sich, dafs das Wesentliche des Hinübergehens resp. des Drehens nichts mit subjektiven Zwischenlagen zu tun hat: Es gibt Fälle, wo „, die Hinüberbewegung, die Drehung, klar und deutlich gegeben ist, ohne dafs im Bewegungsfelde der Strich irgendwie vorhanden war; die Anfangs- und die End- lage war da!, zwischen ihnen die Bewegung, aber im Bewegungs- felde nicht optische Ergänzung, Sehen oder Vorstellen der Zwischenlagen des Striches. Bei allen Beobachtern ergab sich dieses spontan; in Versuchsanordnung S. 224 (unten) konnte (lieses „reine“ $ ohne Ergänzung von Zwischenlagen in einfacher \Weise demonstriert werden.
Bei Eindrücken einheitlicher Ganzbewegung zeigte sich bei scharfer Beobachtung des im Bewegungsfelde Gegebenen vielfach folgendes: waren z. B. im Winkel- oder im Parallelenexperiment « und 5 weilse Streifen, das Feld schwarz, und war einheitliche Bewegung von a nach 5 da, so war diese da, trotzdem klarer- weise im Bewegungsfelde der Streifen im Durcligang von Zwischen- lagen in keinem Sinn dagewesen war, auch nicht die Farbe des Streifens aulser in den Lagen «a db selbst und etwa an den Rändern des Bewegungsfelds.