Re fo. iſt ei n 0 ot t., Alein, der andere. iſt nicht weniger gegrün⸗ det: Wenn dieſe Ordnung aus allgemeinen Natur⸗ geſetzen hat herfließen können; ſo iſt die ganze Natur nothwendig eine Wirkung der hoch ſt en Weis heit. Wenn man es ſich aber durchaus belieben läßt, die unmittel⸗ here Anwendung der goͤttlichen Weisheit in allen Anordnungen der Natur, die unter ſich Harmonie und nützliche Zwecke begrei⸗ ſen, zu erkennen, indem man der Entwicklung aus allgemeinen Bewegungsgeſetzen keine ubereinſtimmenden Folgen zutraut; ſo wollte ich rathen, in der Beſchauung des Weltbaues ſeine Augen nicht auf einen einzigen unter den Himmelskorpern „ſondern auf das Ganze zu richten, um ſich aus dieſem Wahne auf einmal her⸗ aus zu reißen. Wenn die ſchiefe Lage der Erdachſe gegen die Fla.
che ihres ‚jährlichen Laufs, durch die beliebte Abwechslung der Jahrszeiten, ein Beweis der unmittelbaren Hand Gottes ſeyn ſoll, ſo darf man nur dieſe Beſchaffenheit bey den andern Himmelskoͤr⸗ pern Dagegen, halten; jo wird man gewahr werden, daß fie bey jedem derſelben abwechſelt, und daß in dieſer Verſchiedenheit es au einige giebt, die fie gar nicht haben: wie z. E. Jupiter, def ſen Achſe far ſenkrecht zu der Ebne ſeines Kreiſes iſt, und Mars deſſen ſeine es auch beynahe iſt, welche beyde keine Verſchiedenheit der Jahrszeiten genießen, und doch eben ſowohl Werke der Weis⸗ heit, als die andern find. Die Begleitung der Monde beym Ura⸗ nus, Saturn, Jupiter und der Erde „wuͤrden beſondere Anord⸗ nungen des Weſens zu ſeyn ſcheinen, wenn die free Abweichung von dieſem Zwecke, durch das ganze Syſtem des Weltbaues, nicht anzeigie, daß die Natur, ohne durch einen außerordentlichen Zwang in ihrem ſreyen Betragen geſtoͤrt zu ſeyn, dieſe Beſtimmungen hervorgabracht habe. Jupiter hat vier Monde „Saturn ſieben, die Erde einen, die uͤbrigen Planeten gar keinen; a) ob es gar ſcheint, daß dieſe, wegen ihrer laͤngern Nächte derſelben beduͤrf⸗ tiger waren, als jene. Wenn man die proportionirte Gleichheit, der den Planeten ein gedrückten Schwungskraͤfte, mit den Central⸗ neigungen ihres Abſtands, als die Urſache „warum dieſe beynahe im Cirkel um die Sonne laufen, und, durch die Gleichmäßige 0 Siehe oben pag · 50, Note.
Zu > * Be der von dieser ertheilten Wärme, „zu Wehuylzzen vervünftiger ö Kreaturen geſchickt werden, bewundert, und fie als den unmittel⸗ baren Finger der Allmacht anſieht; ſo wird man auf einmal auf die allgemeinen Geſetze der Natur zurückgeführt, wenn man waͤgt, daß dieſe planetiſche Beſchaffenheit ſich nach und nach, mit allen Stufen der Verminderung, in der Tiefe des Himmels ver⸗ liert, und daß eben die hoͤchſte Weisheit, welche an der gemaͤßig⸗ ten Bewegung der Planeten ein Wohlgefallen gehabt hat, auch die Maͤngel nicht ausgeſchloſſen habe „ mit welchen ſich das Sy⸗ ſtem endigt, indem es in der voͤlligen Unregelmaͤßigkeit und Unord⸗ nung aufhört. Die Natur, ungeachtet ſie eine weſentliche Be⸗ ſtimmung zur Vollkommenheit und Ordnung hat, faßt i in dem Um⸗ fange ihrer Mannigfaltigkeit alle moͤgliche Abwechſelungen, ſogar bis auf die Maͤngel und Abweichungen, in ſich. Eben dieſelbe unbeſchraͤnkte Fruchtbarkeit derſelben hat die bewohnten Himmels⸗ kugeln ſowohl, als die Kometen, die nuͤtzlichen Berge und die ſchaͤdlichen Klippen, die bewohnbaren Landſchaften und oͤden Wie ſteneyen, die Tugenden und Laſter, a) hervorgebracht.
92 — Siehe unten pag. 133.
* Allgemeine | — Dritter Theil.
Welcher einen Verſuch einer auf die Analogie der Natur gegrün ⸗ deten Vergleichung, zwiſchen den Einwohnern verſchiedner ee i ah enthält. ' Er bh Blick durchs We dringt, Und Welt an Welt gereiht, die Schöpfung ſieht Eın Ganzes werden, weiß wie ein Syſtem Ins and re greift, welch neue Monden, neue Weltkoͤrper andrer Sonnen Bahn umfchweben; Und jedes Sternes en! Bewohner kennt; Nur er ‚allein verſteht. — l Pope.
Von den Bewohnern der Weltkoͤrper. a) We ich dafuͤr halte daß es den Charakter der Weltweisheir entehren heiße, wenn man ſich ihrer gebraucht, mit einer Art von Leichtſinn freye Ausſchweifungen des Witzes, mit einiger Schein⸗ a) Man leſe auch in Bodens Kenntniß des geſtirnten Hine, ed. 1791. von pag. 593 — 597. — Zu welchem Entwecke ſoll⸗ ten Land und Waſſer in unſerm Monde, ſo viele Monde anderer Planeten, jo manche unentdeckte, oder nur durch Fernglaͤſer zu beierkenze Sterne, Planeten, Monden ꝛc. da ſeyn, wenn ne nicht ſeloſt von Kreaturen bewohnt waͤren? Sollten fie blos exiſtiren, ſollte die fo große Sonne deswegen ſo groß ſeyn, um uns Troenmenſchen allein zu leuchten, uns allein durch Schimmer zu beluſtigen? ꝛc. 2c. Herr Kant ſchließt aber oben die Kometen von der Zahl der bewohnbaren erdkoͤrper aus; Doch wer weiß? Kann doch wohl die Sonne ſelbſt ihre Be⸗ wohner haben. 2 barkeit, zu Mhapfeh wenn man ins gleich erklaren wolte, daß es nur geſchaͤhe, um zu beluſtigen; ſo werde ich in gegenwaͤrti⸗ gem Verſuche keine andern Saͤtze anfuͤhren, als ſolche, die zur Erweiterung unſers Erkenntnißes wirklich beytragen koͤnnen, und deren Wahrſcheinlichkeit zugleich fo wohl gegruͤ det iſt, in | man ſich kaum entbrechen kann, ſie gelten zu laſſen.
Ob es gleich ſcheinen mögte, daß in dieſer Art des Geenen des, die Freiheit zu erdichten, keine eigentliche Schranken habe, und daß man in dem Urtheile von der Beſchaffenheit der Ein⸗ wohner entlegner Welten, mit weit großrer Ungebundenheit, der Phantaſie den Zuͤgel ſchießen laſſen koͤnne, als ein Mahler in der Abbildung der Gewaͤchſe oder Thiere unentdeckter Laͤnder, und daß dergleichen Gedanken weder recht erwieſen, noch widerlegt werden konnten; fo muß man doch geſtehen, daß die Entfernun⸗ gen der Himmelskörper von der Sonne gewiſſe Verhaͤltniſſe mit fi, führen, welche einen weſentlichen Einfluß in die verſchiednen Eigenſchaften der denkenden Naturen, nach ſich ziehen, die auf denſelben befindlich ſind, als deren Art zu wirken und zu lei, den, an die Beſchaffenheit der Materie, mit der fi ie verknuͤpft ſind, gebunden iſt, und von dem Maas der Eindruͤcke abhängt, welche die Welt, nach den. Eigenſchaften, der Beziehung ihres Wohnplatzes zu dem Mittelpunkte der Attraction und der Waͤr⸗ me, in ihnen erweckt.
Ich bin der Meinung, daß es eben nicht nothwendig ſey, zu behaupten, alle Planeten müften bewohnt ſeyn, ob es gleich eine Ungereimtheit waͤre, dieſes in Anſehung aller, oder auch nur der meiſten, zu leugnen. Bey dem Reichthume der Natur, da Wel⸗ ten und Syſteme, in Anſehung des Ganzen der Schoͤpfung, nur Sonnenſtaͤubchen find, könnte es auch wohl ode und unbewohnte g Gegenden geben, die nicht auf das genauſte zu dem Zwecke der Natur, nemlich der Betrachtung vernünftiger Weſen genutzt würden. Es waͤre, als wenn man ſich aus dem Grunde der Weisheit Gottes ein Bedenken machen wollte, zuzugeben, daß ſandigte und unbewohnte Wuͤſteneyen große Strecken des Erdbo⸗ dens einnehmen, und daß es verlaßne Inſeln im Weltmeere ge⸗ be, darauf kein Menſch befindlich iſt. Indeſſen iſt ein Planet — # a a viel weniger in Anſehung des Ganzen der Huhu, als eint Wuͤſte, oder Inſel, in Anſehung des Erdbodens.
Vielleicht, daß ſich noch nicht alle eee völig auge gebildet haben; es gehoͤren Jahrhunderte, v vielleicht tauſende von Jahren dazu, bis ein großer Himmelskoͤrper einen feſten Stand ſeiner Materien erlangt hat. Jupiter ſcheint noch in dieſem Streite zu ſeyn. Die merkliche Abwechslung feiner Geſtalt, zu verſchiednen Zeiten hat die Aſtronomen ſchon vorlaͤngſt muth⸗ maßen laſſen, daß er große Umſtürzungen erleiden muͤſſe, und bey weiten fo ruhig auf ſeiner Oberflache nicht ſey, als es ein bewohnbarer Planet ſeyn muß. Wenn er keine Bewohner hat, und auch keine jemals haben ſollte, was vor ein unendlich kleiner Aufwand der Natur waͤre dieſes, in Anfehung der Unermeßlich⸗ keit der ganzen Schoͤpfung? Und waͤre es nicht vielmehr ein Zeichen der Armuth, als des Ueberfluſſes derſelben, wenn fie in jedem Punkte des Raums fo ſorgfältig ſeyn ſollte, alle ihre Reichthuͤmer aufzuzeigen?
Allein, man kann noch mit mehr Befriedigung vermuthen, daß, wenn er gleich jetzt unbewohnt iſt, er dennoch es dereinſt werden wird „wenn die Periode ſeiner Bildung wird vollendet ſeyn. Vielleicht iſt unſere Erde tauſend oder mehrere Jahre vor handen geweſen, ehe ſte ſich in der Verfaſſung befunden hat, Menſchen, Thiere und Gewaͤchſe unterha ten zu koͤnnen. Daß ein Planet nun einige tauſend Jahre ſpaͤter zu dieſer Vollkom⸗ menheit kommt, das thut dem Zwecke ſeines Daſeyns keinen Ab⸗ bruch. Er wird eben um deswillen auch ins zukünftige laͤnger in der Vollkommenheit ſeiner Verfaſſung, wenn er ſie einmal erreicht hat, verbleiben; denn es iſt einmal ein gewiſſes Naturgeſetz: al⸗ les, was einen Anfang hat, naͤhert ſich beſtaͤndig ſeinem Unter⸗ gange, und iſt demſelben um ſo viel naͤher, je bt es ſich von dem Punkte ſeines Anfangs entfernt hat.
Die ſatyriſche Vorſtellung jenes witzigen Kopfes aus dem 2 welcher, wie es in den allgemeinen Nachrichten aus dem Reiche der Wiſſenſchaften angefuͤhrt wird, die Einbildung von der nothwendigen Bevölkerung aller Weltkoͤrper, auf der laͤcherlichen Seite vorzuſtellen wuſte, kann nicht anders, als ge⸗ dilliget werden. „Diejenigen Kreaturen,“ ſprichter: „welche N — » Sa uw „die Wälder uf dem Kopfe eines Bettlers e ee „ ſchon lange ihren Aufenthalt für eine unermeßliche Kugel, und MAL ſelbſt, als das Meifterftüc der Schöpfung, angeſehen, als „einer unter ihnen, den der Himmel mit einer feinern Seele br „ gabt hatte, ein kleiner Fontenelle feines ea ven „Kopf eines Edelmanns unvermuthet gewahr ward. Alsbald Horief er alle witzige Köpfe feines: Quartiers zuſammen, und „ſagte ihnen mit Entzuͤckung: wir ſind nicht die einzigen beleb⸗ „ten Weſen der ganzen Natur: ſehet hier ein neues Land, hier „wohnen mehr Laͤuſe.“ Wenn der Ausgang dieſes Schluſ⸗ ſes ein Lachen erweckt; ſo geſchieht es nicht um des willen, weil er von der Menſchen Art zu urtheilen weit abgeht: ſondern, weil eben derſelbe Irrthum, der bey dem Menſchen eine gleiche Urſache zum Grunde hat, bey Wa mehr e e 5 verdienen ſcheint. 5 Laßt uns ohne Vorurtheil Mthellen Dieſes 88 s 0 ſowohl ſeiner Art zu leben, als auch feiner Veraͤchtlichkeit nach, die Beſchaffenheit der meiſten Menſchen ſehr wohl ausdrückt, kann mit gutem Fuge zu einer ſolchen Vergleichung gebraucht werden. Weil, ſeiner Einbildung nach, der Natur an ſeinem Daſeyn unendlich viel gelegen iſt; ſo haͤlt es die ganze uͤbrige Schoͤpfung fur vergeblich, die nicht eine genaue Abzielung auf feln Geſchlecht, als den Mittelpunkt ihrer Zwecke mit ſich führt.
Der Menſch/ welcher gleich unendlich weit von der oberſten Stufe der Weſen abſteht, iſt ſo verwegen, von der Nothwendigkeit ſei⸗ nes Daſeyns, ſich mit gleicher Einbildung zu ſchmeicheln. Die Unendlichkeit der Schöpfung faßt alle Naturen, die ihr über» ſchwenglicher Reichthum hervorbringt, mit gleicher Nothwendig⸗ keit in ſich. Von der erhabenſten Claſſe, unter den denkenden Weſen, bis zu dem verachteſten Inſecte, iſt ihr kein Glied gleich⸗ “gültig; und es kann keins fehlen „ohne daß die Schoͤnheit des Ganzen, welche in dem Zuſammenhange beſteht, dadurch unter⸗ brochen wurde. Indeſſen wird alles durch allgemeine Geſetze beſtimmt, welche die Natur, durch die Verbindung ihrer ur⸗ ſprünglich eingepflanzten Kraͤfte, bewirkt. Weil ſie in ihrem Verfahren lauter Wohlanſtaͤndigkeit und Ordnung hervorbringt; ſo dorf keine einzelne Abſicht ihre Folgen ſtoren und unterbrechen.
ie Bey ihrer erſten Bildung war die Erzeugung eines Planeten nur eine unendliche kleine Folge ihrer Fruchtbarkeit; und nun waͤre es etwas ungereimtes, daß ihre ſo wohl gegründeten Geſetze den beſondern Zwecken dieſes Atoms nachgeben ſolten. Wenn die Beſchaffenheit eines Himmelskoͤrpers der Bevoͤlkerung natuͤrliche Hinderniſſe entgegen ſetzt: io wird er unbewohnt ſeyn, obgleich es an und für ſich ſchoͤner waͤre, daß er Einwohner haͤtte. Die Treflichkeit der Schoͤpfung verlieret dadurch nichts: denn das Unendliche iſt unter allen Groͤßen diejenige, welche durch Ent⸗ ziehung eines endlichen Theiles nicht vermindert wird. Es waͤre, als wenn man klagen wollte, daß der Raum zwiſchen dem Jupi⸗ ter und dem Mars ſo unnoͤthig leer ſtehet, und daß es Kometen giebt, welche nicht bevoͤlkert ſind. In der That, jenes Inſect mag uns ſo nichtswuͤrdig ſcheinen, als es wolle, es iſt der Na⸗ tur, da es einmahl da iſt, gewiß an der Erhaltung ſeiner ganzen Claſſe mehr gelegen, als an einer kleinen Zahl vortreflicher Ges ſchoͤpfe, deren es dennoch unendlich viel giebt, wenn ſie gleich ei⸗ ner Gegend, oder eines Orts beraubt ſeyn ſollten. Weil ſie in Hervorbringung beyder unerſchoͤpflich iſt, ſo ſieht man ſie ja gleich unbekuͤmmert, beyde in ihrer Erhaltung und Zerſtoͤrung, den all⸗ gemeinen Geſetzen uͤberlaſſen. Hat wohl jemahls der Beſitzer je⸗ ner bewohnten Waͤlder, auf dem Kopfe des Bettlers, groͤßere Verheerungen unter dem Geſchlecht dieſer Kolonie gemacht, als der Sohn Philipps in dem Geſchlechte feiner. Mitbürger ans richtete, als es ihm ſein boͤſer Genius in den Kopf geſetzt hatte, daß die Welt nur um ſeinetwillen hervorgebracht ſey? Indeſſen ſind doch die meiſten unter den Planeten gewiß be⸗ wohnt, und die es nicht ſind, werden es dereinſt werden. Was für Verhaͤltniße werden nun, unter den verſchiednen Arten Dies ſer Einwohner, durch die Beziehung ihres Orts in dem Weltge⸗ baͤude zu dem Mittelpunkte, daraus ſich die Waͤrme verbreitet, die alles belebt, verurſacht werden? Denn es iſt gewiß, daß dieſe, unter den Materien dieſer Himmelskoͤrper, nach Propor⸗ tion ihres Abſtandes, gewiſſe Verhaͤltniße in ihren Beſtimmungen mit ſich führt: Der Menſch, welcher unter allen vernünftigen Weſen dasjenige iſt, welches wir am deutlichſten kennen, ob uns gleich ſeine innere Beſchaffenheit annoch ein unerforſchtes Pro⸗ N blem blem iſt, muß in dieſer Vergleichung zum Grunde und zum all gemeinen Beziehungspunkte dienen. Wir wollen ihn hier nicht nach feinen moraliſchen Eigenſchaften, auch nicht nach der phya _ - ſiſchen Einrichtung ſeines Baus betrachten: wir wollen nur un⸗ terſuchen, was das Vermögen vernuͤnftig zu denken, und die Be⸗ wegung ſeines Leibes, die dieſem gehorcht, durch die, dem Ab⸗; ſtande von der Sonne proportionirte, Beſchaſſenheit der Mate⸗ rie, an die er geknuͤpft iſt, für Einſchraͤnkungen leide. Des unendlichen Abſtands ungeachtet, welcher zwiſchen der Kraft zu denken, und der Bewegung der Materie, zwiſchen dem vernünfs tigen Geiſte, und dem Koͤrper anzutreffen iſt, ſo iſt es doch ge⸗ wiß, daß der Menſch, der alle ſeine Begriffe und Vorſtellungen von dem Eindrucke her hat, die das Univerſum, vermittelſt des Koͤrpers, in ſeiner Seele erregt, ſowohl in Anſehung der Deutlichkeit derſelben, als auch die Fertigkeit, dieſelbe zu verbin⸗ den und zu vergleichen, welche man das Vermögen zu den⸗ ken nennt, von der Beſchaffenheit dieſer Materie vollig abhaͤngt an die der Schoͤpfer ihn gebunden hat.
Der Menſch iſt erſchaffen, die Eindrücke und Ruͤhrungen, die die Welt in ihm erregen ſoll, durch denjenigen Koͤrper anzuneh⸗ men, der der ſichtbare Theil ſeines Weſens iſt, und deſſen Mate⸗ rie nicht allein dem unfichebaren Geiſte, welcher ihn bewohnt, dient die erſten Begriſſe der äußern Gegenſtaͤnde aufzufaſſen; ſondern 15 auch in der innern Handlung dieſe zu wiederholen, zu verbinden: kurz, zu denken, unentbehrlich iſt “). Nach dem Maaße, als ſein Koͤrper ſich ausbildet, EN die Fähigkeiten feiner den⸗ kenden Natur auch die gehoͤrigen Grade der Vollkommenheit, und erlangen allererſt ein geſetztes und maͤnnliches Vermoͤgen, wenn die Faſern ſeiner Werkzeuge die Feſtigkeit und Dauerhaftigkeit uͤberkommen haben, welche die Vollendung ihrer Ausbildung iſt.
Diejenigen Faͤhigkeiten entwickeln ſich bey ihm früh genug, durch. 55 welchen er dem Beduͤrfniſſe, das die Abhangigkeit von den aͤußer⸗ . Es iſt aus den Gründen der Pſychologie ausgemacht, daß, ver⸗ möge der jetzigen Berfaffung, darinnen die Schöpfung Seele und Leib von einander abhaͤngig gemacht hat, die erſtere nicht allein alle Begriffe des Univer an 6 durch des letztern Bemeinſchaft und Einfluß uͤberkommen muß; ſondern auch die Ausübung feiner Dienkungskraft ſelbſt auf deſſen Verfaſſung ankommt, und von er ſen Beyhuͤlfe die noͤthige Jaͤhigkeit dazu entlehnt.
lichen Dingen ihm zuzieht, genug thun kann. Bey einigen Men⸗ ſchen bleibt es bey dieſem Grade der Auswicklung. Das Vermös gen abgezogene Begriffe zu verbinden, und durch eine frene Ans _ wendung der Einſichten über den Hang der Leidenſchaften zu herr⸗ ſchen, findet ſich ſpaͤt ein, bey einigen niemals in ihrem ganzen Le⸗ ben; bey allen aber iſt es ſchwach: es dienet den untern Kraͤften, über die es doch herrſchen ſollte, und in deren Regierung der Vor⸗ zug ſeiner Natur beſteht. Wenn man das Leben der meiſten Men⸗ ſchen anſieht: ſo ſcheinet dieſe Kreatur geſchaffen zu ſeyn, um wie eine Pflanze Saft in ſich zu ziehen und zu wachſen, ſein Ge⸗ ſchlecht fortzuſetzen, endlich alt zu werden, und zu ſterben. Er erreicht unter allen Geſchoͤpfen am wenigſten den Zweck ſeines Da⸗ ſeyns, weil er ſeine vorzuͤglichen Faͤhigkeiten zu ſolchen Abſichten verbraucht, die die uͤbrigen Kreaturen mit weit mindern, und doch weit ſichrer und anſtaͤndiger erreichen. Er würde auch das Ver⸗ achtungswuͤrdigſte unter allen, zum wenigſten in den Augen der wahren Weisheit, ſeyn, wenn die Hoffnung der Zukunft ihn nicht erhuͤbe, und den in ihm verſchloßnen Kraͤften, nicht die Periode einer völligen Entwicklung bevorſtuͤnde.
Wenn man die Urſache der Hinderniſſe unterſucht, welche die menſchliche Natur in einer ſo tiefen Erniedrigung erhalten; ſo findet ſie ſich in der Grobheit der Materie, darin ſein geiſtiger Theil verſenkt iſt, in der Unbiegſamkeit der Faſern und der Traͤg⸗ heit und Unbeweglichkeit der Saͤfte, welche den Regungen des geiſtigen Theils gehorchen ſollen. Die Nerven und Flüßigkei⸗ ten a) ſeines Gehirns liefern ihm nur grobe und undeutliche Be⸗ griffe; und weil er der Reitzung der ſinnlichen Empfindungen, in dem Inwendigen ſeines Denkungsvermoͤgens, nicht genugſam kraͤftige Vorſtellung zum Gleichgewichte entgegen ſtelen kann; ſo wird er von ſeinen Leidenſchaften hingeriſſen, von dem Getuͤm⸗ mel der Elemente, die ſeine Maſchine unterhalten, uͤbertaͤubt und geſtoͤrt. Die Bemühungen der Vernunft, ſich dagegen zu erhe⸗ ben, und dieſe Verwirrung durch das Licht der Urtheilskraft zu a) Unter welchen, nach Soͤmmerings Beobachtungen, eine übers aus feine, die innern Hoͤhlen des Gehirns bekleidet, und viel⸗ leicht das eigentliche Empfindungsorgan (Sensorium) der Seele ſeyn kan, da ſich die feinſten Enden aller Nerven in ihm zu verliehren ſcheinen.
„„ vertreiben, ſind wie die Sonnenblicke, wenn dicke Wolken ihre 15 Heiterkeit unablaͤſſig unterbrechen und verdunkeln. ee Dieſe Grobheit des Stoffs und des Gewebes in dem Baue der menſchlichen Natur iſt die Urſache derjenigen Traͤgheit, welche die Faͤhigkeiten der Seele in einer beſtaͤndigen Mattigkeit und Kraft⸗ loſigkeit erhaͤlt. Die Handlung des Nachdenkens, und der durch die Vernunft aufgeklaͤrten Vorſtellungen iſt ein muͤhſamer Zuſtand, darein die Seele ſich nicht ohne Widerſtand ſetzen kann, und aus welchem ſie, durch einen natuͤrlichen Hang der koͤrperlichen Ma⸗ ſchine, alsbald in den leidenden Zuſtand zuruͤckfaͤllt, da die ſaͤmmtlichen Reitzungen alle ihre Handlungen beſtimmen und re⸗ gieren..
Dieſe Traͤgheit ſeiner Benküngekt „ welche eine Folge der Ab⸗ haͤngigkeit von einer groben und ungelenkſamen Materie iſt, iſt nicht allein die Quelle des Laſters, ſondern auch des Irrthums. Durch die Schwierigkeit, welche mit der Bemuͤhung verbunden iſt, den Nebel der verwirrten Begriffe zu zerſtreuen, und das durch ver⸗ glichene Ideen entſpringende allgemeine Erkenntniß von den ſinnli⸗ chen Eindruͤcken abzuſondern, abgehalten, giebt ſie lieber einem übereilten Beyfalle Platz, und beruhigt ſich in dem Beſitze einer Einſicht, welche ihr die Traͤgheit ihrer Natur und der Widerſtand der Materie kaum von der Seite erblicken laſſen. | In dieſer Abhaͤngigkeit ſchwinden die geiſtigen Faͤhigkeiten zus gleich mit der Lebhaftigkeit des Leibes; wenn das hohe Alter durch den geſchwaͤchten Umlauf der Saͤfte nur dicke Saͤfte in dem Koͤr⸗ per kocht, wenn die Biegſamkeit der Faſern und die Behendigkeit in allen Bewegungen abnimmt, fo erflarren die Kräfte des Geiſtes in einer gleichen Ermattung. Die Hurtigkeit der Gedanken, die Klarheit der Vorſtellung, die Lebhaftigkeit des Witzes und das Erinnerungsvermögen werden kraftlos und erkalten. Die durch lange Erfahrung eingepfropften Begriffe erſetzen noch einigermaſ⸗ ſen den Abgang dieſer Kraͤfte, und der Verſtand wuͤrde ſein Un⸗ vermoͤgen noch deutlicher verrathen, wenn die Heftigkeit der Lei⸗ denſchaften, die deſſen Zuͤgel noͤthig haben, nicht zugleich, und noch eher als er, ſich verminderte. g Es erhellt allſo hieraus deutlich, daß die Kräfte der menfche lichen Seele von den n einer groben Materie, „ an die Sr 2 — # ſte innigſt verbunden werden, eingeſchraͤnkt und gehemmt werden; aber es iſt etwas noch Merkwürdigers, daß dieſe fpecififche Des ſchaffenheit des Stoffs eine weſentliche Beziehung zu dem Grade des Einfluſſes hat, womit die Sonne nach dem Maaße ihres Ab⸗ ſtands ſie belebt, und zu den Verrichtungen der animaliſchen Oe⸗ konomie tuͤchtig macht. a) Dieſe nothwendige Beziehung zu dem Feuer y welches ſich aus dem Mittelpunkte des Weltſyſtems ver⸗ breitet, um die Materie in der noͤthigen Regung zu erhalten, iſt der Grund einer Analogie, die eben hieraus, zwiſchen den ver⸗ ſchiednen Bewohnern der Planeten, feſtgeſetzt wird: und eine jede Klaſſe derſelben iſt, vermoͤge dieſes Verhaͤltniſſes, an den Ort durch die Nothwendigkeit ihrer Natur gebunden, der ihr in dem U ni⸗ verſum angewieſen worden iſt. En | | Die Einwohner der Erde und der Venus können ohne ihr bei⸗ derſeitiges Verderben ihre Wohnplaͤtze gegeneinander nicht ver⸗ tauſchen. b) Der erſtere, deſſen Bildungsſtoff für den Grad der Waͤrme ſeines Abſtands proportionirt, und daher fuͤr einen noch größern zu leicht und fluͤchtig iſt, wuͤrde in einer erhitztern Sphaͤ⸗ ’ re gewaltfame Bewegungen und eine Zerruͤttung feiner Natur er⸗ leiden, die von der Zerſtreuung und Austrocknung der Saͤfte und einer gewaltſamen Spannung ſeiner elaſtiſchen Faſern entſtehen wuͤrde; der letztre, deſſen groͤbrer Bau und Trägheit der Elemen⸗ te ſeiner Bildung, eines großen Einfluſſes der Sonne bedarf, wuͤrde in einer kuͤhlern Himmelsgegend erſtarren und in einer Leb⸗ loſigkeit verderben. Eben fo müflen es weit leichtere und fluchti⸗ gere Materien ſeyn, daraus der Koͤrper des Jupiters Bewohners beſteht, damit die geringe Regung, womit die Sonne in dieſem a) Man vergleiche z. B. die Geiſteskraͤfte eines Europaͤers oder an⸗ drer Menſchen aus der gemaäßigſten Zone der Erdkugel mit des nen eines Folarlaͤnders, Suͤdindianers oder andrer Bewohner der kalten und heißen Zonen. | 0 Diefe und die folgenden Bemerkungen gruͤnden ſſch auf die Vor⸗ ausſetzung, daß die Hitze auf den Planeten, nach Verhaͤltniß ihres Abſtands von der Sonne, ſtaͤrker in den naͤhern, ſchwaͤcher in den entferntern fey. Glaubt man aber, (nach Boden, oben pag. 97 not. a.) daß die Staͤrke der Warme auf einen Planeten krſt an feiner Oberfläche durch die Sonnſtrahlenbrechung bewirkt werde, fo wird fie ſich in ihren Graden nach der Dichtigkeit der Oberflache richten muͤſſen. Letzterer Gedanke vereinigt gleichſam beyde Meinungen, und wird auch unten pag. 138. beruͤhrt. Man vergleiche auch pag. 137. VEIT IE „ ss, | Abſtande wirken kann, dieſe Maſchinen eben ſo kraͤftig bewegen koͤnne, als ſie es in den untern Gegenden verrichtet, und damit alles in einem allgemeinen Begriffe zuſammenpaſſe. Der Stoff, woraus die Einwohner verſchiedner Planeten, ja ſo gar die Thiere und Gewächſe auf denſelben, gebil⸗ det ind, mußuͤberhaupt um deſto leichtrer und fei⸗ nerer Art, und die Elaftieität der Fa ſern ſammt der vortheilhaften Anlage ihres Baus, um deſto voll⸗ kommner ſeyn, nach dem Maaße als fie weiter von der Sonne abſtehen.
Dieſes Verhaͤltniß iſt ſo natürlich und wohl gegründet, daß nicht allein die Bewegungsgründe des Entzwecks darauf führen, welche in der Naturlehre gemeiniglich nur als ſchwache Gruͤnde ‚angefehen werden, ſondern zugleich die Proportion der ſpeciſiſchen Beſchaffenheit der Materien, woraus die Planeten heſtehen, weis che ſowohl durch die Rechnungen des Newton, als durch die Gruͤnde der Kosmogonie ausgemacht ſind, dieſelbe beſtaͤtigen, nach welchen der Stoff, woraus die Himmelskoͤrper gebildet ſind, 5 bey den entferntern allemal leichterer Art, als bey den nahen iſt, N welches nothwendig an denen Geſchoͤpfen, die ſich auf ihnen er⸗ zeugen und unterhalten, ein gleiches Verhaͤltniß nach ſich e muß.
Wir haben eine Vergleichung zwiſchen der Beschaffenheit 10 " Materie, damit die vernünftigen Geſchoͤpfe auf den planeten weſentlich vereinigt find, ausgemacht; und es laͤßt ſich auch nach der Einleitung dieſer Betrachtung leicht erachten, daß dieſe Ver⸗ haͤltniße eine Folge „ auch in Anſehung ihrer geiſtigen Faͤhig⸗ keit, nach ſich ziehen werden. Wenn demnach dieſe geiſtigen Faͤ⸗ higkeiten eine nothwendige Abhängigkeit von dem Stoffe der Mas ſchine haben, welche fie bewohnen; fo werden wir mit mehr als wahrſcheinlicher Vermuthung ſchließen koͤnnen: daß die Tref⸗ lichkeit der denkenden Naturen, die Hurtigkeit in ihren Vorſtellungen, die Deutlichkeit und Lebhaf⸗ tigkeit der Begriffe, die ſie durch aͤußerlichen Eine druck bekommen, ſammt dem Vermoͤgen fie zuſam⸗ | men zu ſet zen, endlich auch die Behendigkeit in die r wirklichen e kurz, der * ganze umfang ih⸗ — rer Vollkommenheit unter einer en Regel ſtehen, nach welcher dieſelben, nach dem Verhaͤlt⸗ niſſe des Abſtands ihrer Wohnplaͤtze von der Son⸗ ne immer treflicher und volkommener werden.
Da dieſes Verhaͤltniß einen Grad der Glaubwürdigkeit hat, der nicht weit von einer ausgemachten Gewisheit entfernt iſt, ſo finden wir ein offenes Feld zu angenehmen Muthmaßungen, die aus der Vergleichung der Eigenſchaften dieſer verſchiedenen Be⸗ wohner entſpringen. Die menſchliche Natur, welche in der Lei⸗ ter der Weſen gleichſam die mittelſte Sproſſe inne hat, ſieht ſich zwiſchen den zwey aͤußerſten Grenzen der Vollkommenheit mitten inne, von deren beyden Enden ſie gleich weit entfernt iſt. Wenn die Vorſtellung der erhabenſten Klaſſen vernuͤnftiger Kreaturen, die den Jupiter a) oder den Saturn bewohnen, ihre Eiferſucht reitzt und fie durch die Erkenntniß ihrer eignen Niedrigkeit demüs thigt; fo kann der Anblick der niedrigen Stufen fie wieder zufrie⸗ den ſtellen und beruhigen, die in den Planeten Venus und Mer⸗ kur weit unter der Vollkommenheit der menſchlichen Natur ernie⸗ deigt find. Welch ein verwundrungswuͤrdiger Anblick! Von der einen Seite ſehen wir denkende Geſchoͤpfe, bey denen ein Groͤn⸗ laͤnder oder Hottentotte ein Newton ſeyn wuͤrde; und auf der andern Seite andere, die dieſen als einen Affen bewundern.
Die hoͤhern Weſen, als fie ſahn i Juͤngſt einen ſterblichen Mann das ganze Natürgeſetz enthuͤllen, wunderten 2 So hoher Weisheit ſich in lerdiſcher e Geſtalt, ſich Newron weiſend etwa [9 Wie wir den Affen.
Pope.
40 See ſich hier welche aufhalten Finnen; da nach dem oben 4 pas. Angeführten Jupiter noch in ziemlicher Zerruͤt⸗ Bun 7 Oberflaͤche begkiffen A) und ſich erſt feiner ordentli⸗ chen Ausbildung nähert? — Ich wuͤrde alſo hier lieber den ſchon ausgebildeten Mars allein ſetzen, da auch vom Saturn jenes gilt, was vom Jupiter eſagt iſt/ zu Beben Glauben uns nicht nur die e ſeiner Streifen ey Flecke, ſondern auch ſeine weitere Entfernung von der Sonne berechti⸗ en kann. Vom Uran wollen wir 15 ſchweigen; aber zugleich bemerken, daß Eben dieſer Gedanke auf das Daſeyn eines Pas neten zwiſchen Jupiter und Mars fuͤhrt, welcher alſo nach feis nem Stande ausgebildeter als Jupiter, aber roher als W ſeyn muͤſte. (S. auch unten pag. 141. 142.); Zu welch einem ie in der Ertenntniß „ wird die Eine ſicht jener gluͤckſeligen Weſen der obern Himmelsſphären nicht gelangen! Welche ſchoͤne Folgen, wird dieſe Erleuchtung der Einſichten nicht in ihre ſittliche Beſchaffenheit haben! Die Ein⸗ ö ſichten des Verſtands, wenn ſie die gehoͤrigen Grade der Voll⸗ ſtaͤndigkeit und Deutlichkeit beſitzen, haben weit lebhaftre Rei⸗ gungen als die ſinnlichen Anlockungen an ſich, und find vermoͤ⸗ gend, dieſe ſiegreich zu beherrſchen, und unter den Fuß zu tre⸗ g ten. Wie herrlich wird ſich die Gottheit ſelbſt, die ſich in allen Geſchoͤpfen mahlt, in dieſen denkenden Naturen nicht abbilden, welche als ein von den Stuͤrmen der Leidenſchaften unbewegtes Meer ihr Bild ruhig aufnehmen, und zuruͤckſtrahlen! Wir wol len dieſe Muthmaßungen nicht uͤber die, einer phyſiſchen Abhand⸗ lung vorgezeichnete Grenzen erſtrecken, wir bemerken nur noch⸗ ' mals die oben angeführte Analogie: daß die Vollkommen⸗ heit der Geiſterwelt ſowohl, als der materialiſchen in den Planeten, von dem Merkur an bis zum Ura⸗ nus, oder vielleicht noch uber ihm (wofern noch an⸗ dre Planeten ſind,) in einer richtigen Gradenfolge, nach der Proportion ihrer Entfernungen von der Sonne, wachſe und fortſchreite.
Indeſſen, daß dieſes aus den Folgen der phnfifchen Beſiebung ihrer Wohnpläge zu dem Mittelpunkte der Welt zum Theil na» tuͤrlich herfließt, zum Theil geziemend veranlaßt wird: fo beftäs tigt andrer Seits der wirkliche Anblick der vortreflichſten, und ſich für die vorzuͤgliche Vollkommenheit der Naturen in den obern Gen genden anſchickenden Anſtalten, dieſe Regel ſo deutlich, daß ſie beynahe einen Anſpruch auf eine voͤllige Ueberzeugung machen darf? Die Hurtigkeit der Handlungen, die mit den Vorzuͤgen einer erhabenen Natur verbunden iſt, ſchickt ſich beſſer zu den ſchnell abwechſelnden Zeitperioden jener Sphaͤren, als die e ſamkeit träger und unvollkommner Geſchoͤpfe.
Die Sehroͤhre lehren uns, daß die Abwechſelung des Tages und der Nacht im Jupiter in 9 Stunden 56 Minuten geſchehe. Was würde der Bewohner der Erde, wenn er in dieſen Planeten geſetzt würde, bey dieſer Eintheilung wohl anfangen? Die Zeit von beinahe zo Stunden würde kaum zu derjenigen Ruhe zureie * — a „ die diefe grobe Maſchine zu ihrer Erholung 12 6 den Schlaf gebraucht. Was würde die Vorbereitung zu den Vers richtungen des Wachens, das Kleiden, die Zeit, die zum Eſſen angewandt wird, nicht fuͤr einen Antheil an der folgenden Zeit abfordern, und wie wuͤrde eine Kreatur, deren Handlungen mit ſolcher Langſamkeit geſchehen, nicht zerſtreut, und zu etwas kuͤch⸗ tigen unvermoͤgend gemacht werden, deren 5 Stunden Geſchaͤfte ploͤtzlich durch die Dazwiſchenkunft einer eben ſo langen Finſter⸗ niß unterbrochen wurden? Dagegen, wenn Jupiter von vollkomm⸗ nern Kreaturen bewohnt ift „die mit einer feinern Bildung mehr claſtiſche Kräfte, und eine groͤßre Behendigkeit in der Ausübung verbinden, ſo kann man glauben, daß dieſe 5 Stunden ihnen eben daſſelbe und mehr ſind, als was die 12 Stunden des Tags für die niedrigere Klaſſe der Menſchen betragen. Wir wiſſen, daß das Beduͤrfniß der Zeit etwas relatives iſt, welches nicht anders als aus der Groͤße desjenigen, was verrichtet werden foll „ mit der Geſchwindigkeit der Ausübung verglichen, kann erkannt und verſtanden werden. Daher eben dieſelbe Zeit, die für eine Art der Geſchoͤpfe gleichſam nur ein Augenblick iſt, fuͤr eine andere ei⸗ ne lange Periode ſeyn kann, in der ſich eine große Folge der Ver⸗ andrungen durch eine ſchnelle Wirkſamkeit entwickelt. Saturn hat nach der wahrſcheinlichen Berechnung ſeiner Umwaͤlzung, die wir oben [dargelegt haben, eine noch weit kuͤrzere Abtheilung des Tages und der be. 2) Br ‚tape daher an der Natur Endlich ſtimmt alles übteeln das angeführte Geſeg zu igen Die Natur hat ihren Vorrath augenſcheinlich auf der entlegnen Seite der Welt am reichlichſten ausgebreitet. Die Monde, die den geſchaͤftigen Weſen dieſer gluͤckſeligen Gegenden, durch eine hin⸗ längliche Erſetzung die Entziehung des Tageslichts verguͤten, find.
in größter Menge daſelbſt angebracht, und die Natur ſcheint ſorgfaͤltig geweſen zu ſeyn, ihrer Wirkſamkeit alle Beyhuͤlfe zu leiſten, damit ihnen faſt keine Zeit hinderlich ſey, ſolche anzuwen⸗ den. Jupiter hat in Anſehung der Monde einen augenſcheinli⸗ chen Vorzug vor allen untern Planeten, und Saturn wiederum ) Siehe ohen pag. 61. und die! not.“, pag. 70. not 3, pag. SI. Nos. da 5 Wa vor ihm, deſſen Anſtalten an dem ſchoͤnen und nuͤtzlichen Ringe, der ihn umgiebt, noch groͤßere Vorzuͤge von ſeiner Beſchaffenheit wahrſcheinlich machen; da hingegen die untern Planeten, bey denen dieſer Vorrath unnuͤtzlich würde verſchwendet ſeyn, deren Klaſſe weit näher an die Unvernunft graͤnzt, ſolcher Vortheile ent⸗ weder gar nicht, oder doch ſehr wenig theilhaftig geworden find, Wan kann aber, (damit ich einem Einwurfe zuvorkomme, der alle dieſe angefuͤhrte Uebereinſtimmung vereiteln koͤnnte,) den groͤßern Abſtand von der Sonne, dieſer Quelle des Lichts und des Lebens, nicht als ein Uebel anſehen, wogegen die Weitläuf⸗ tigkeit ſolcher Anſtalten bey den entferntern Planeten nur vor⸗ gekehrt worden, um ihm einigermaßen abzuhelfen, und daß in der That die obern Planeten eine weniger vortheilhafte Lage im Weltgebaͤude und eine Stellung haͤtten, die der Vollkommenheit ihrer Anſtalten nachtheilig waͤre, weil ſie von der Sonne einen ſchwaͤchern Einfluß erhalten. Denn wir wiſſen, daß die Wir⸗ kung des Lichts und der Waͤrme nicht durch deren abſolute In⸗ tenſitaͤt, ſondern durch die Faͤhigkeit der Materie, womit ſie ſolche annimmt, und ihrem Antriebe weniger oder mehr wider⸗ ſteht, beſtimmt werde, und daß daher eben derſelbe Abſtand, der für einer Art grober Materie ein gemaͤßigtes Clima kann genannt werden, fubtilere Fluͤßigkeiten zerſtreuen, und für fie‘ von ſchaͤdlicher Heftigkeit ſeyn wuͤrde; mithin nur ein feinrer und aus beweglichern Elementen beſtehender Stoff dazu gehoͤrt, um die Entfernungen des Jupiters oder Saturns von der Sonne beyden zu einer gluͤcklichen Stellung zu machen,